Solaris läßt die Toten auferstehen - ein Paradies?
10.03.2003
Pro:
wunderschöne Aufnahmen, intelligente Geschichte, regt zum Nachdenken an
Kontra:
Romanvorlage bzw . alte Verfilmung sind möglicherweise besser
Empfehlenswert:
Ja
 Die_Buchhaendlerin
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"Der Umgang mit Büchern führt zum Wahnsinn" Zitat von Erasmus von Rotterdam...
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Schon immer wollte ich gerne Solaris, den Filmklassiker von Tarkovsky anschauen, ebenso wie die Romanvorlage von Stansilaw Lem seit Jahren auf meiner „to read“ Liste steht. Nun, nachdem ich die Neuverfilmung vom Steven Soderbergh und dem Produzenten James Cameron heute Nachmittag gesehen habe, sind diese Wünsche nicht etwa vorbei, sondern sie wurden neu entfacht. Vielleicht ist es aber gar nicht schlecht, dass ich noch nicht so viel wusste von dem Film, vielleicht ist es auch ganz in Ordnung, dass ich mir eigentlich heute mit meinem Töchterlein (Leabest, die auch einen Bericht dazu geschrieben hat) „Catch me if you can“ ansehen wollte, das aber nicht lief. So ging ich unvorbereitet und (fast) unvoreingenommen in diesen Film. Fast, deshalb, weil ich von Userin „Espionne“ wusste, dass der Film sehr langweilig sei und von User „Posdole“ dass er sehr gut sei. Nun ja, möglicherweise trägt ja mein Bericht noch ein bisschen zusätzlich zu eurer Information bei.
Worum geht es: Chris Kelvin (George Clooney), ein Psychotherapeut, bekommt ein Videoband seines Freundes Gibarian (Ulrich Tukur) zugespielt. In diesem Video bittet ihn sein sichtlich verwirrter Freund, zu ihm auf die Raumstation zu kommen, denn nur er könne ihnen noch helfen. Er bedauert, sich nicht konkreter äußern zu können, aber sie seien dort „nicht allein“. Auf Nachfragen Kelvins erfährt er, dass bereits ein Sicherheitstrupp auf die Raumstation geschickt wurde, dieser aber nicht zurückgekehrt ist. Kelvin lässt sich – alleine – auf besagte Station, die in der Nähe des Sterns Solaris liegt, schicken. Dort angekommen findet er Blutspuren vor und zwei eingefrorene Leichen, darunter die seines Freundes Gibarian. Doch es gibt noch zwei lebende Personen auf der Station: den recht durchgeknallten Snow („ich könnte schon sagen, was geschehen ist, aber es würde Ihnen nichts sagen“) und die vor Angst zitternde Dr. Helen Gordon („solange es bei Ihnen noch nicht angefangen hat, brauche ich eigentlich gar nicht mit Ihnen reden“). Warum die beiden nicht einfach mit ihm auf die Erde zurückfliegen wollen, kann er anfangs nicht recht verstehen. Doch bereits in der ersten Nacht erscheint ihm im Traum seine verstorbene Frau Rheya, aber – es ist kein Traum. Rheya ist körperlich vorhanden, er kann sie hören, anfassen, fühlen, mit ihr schlafen und mit ihr sprechen. Durch wiederholte Gespräche mit Snow und Dr. Gordon findet er heraus, dass Rheya nicht echt ist, dass sie eine durch den Einfluss von Solaris angeregte Manifestation seiner eigenen Gedanken und Erinnerungen ist. Er beschließt also, sich ihrer zu entledigen. Aber: vorbei ist nicht vorbei! Rheya kommt wieder – und nun beginnt das für mich faszinierendste am ganzen Film: wer oder was auch immer Rheya ist, eine eigenständige und gewissermaßen neue Beziehung zwischen den beiden entsteht. In Rückblenden wird langsam die „echte“ Geschichte der beiden, wie sie sich kennen lernten, die Höhen und Tiefen ihrer Beziehung und wie es zu Rheyas Tod kam, gezeigt. Doch nicht nur Kelvin erinnert sich, nein auch die „neue“ Rheya nimmt teil an diesen Erinnerungen, aber sie hat dabei immer das Gefühl, sie sei gar nicht selbst dabei gewesen. Langsam wird allen, auch Rheya selbst klar, dass es Solaris ist, das das Auftauchen der „Gäste“ bewirkt, was bei Kelvin die verstorbene Frau ist, war bei einem anderen Crewmitglied der Bruder und bei wieder einem anderen das Kind. Dr. Gordon hat einen Weg gefunden, die Gäste „zurückzuschicken“, aber heißt das nicht auch, sie zu vernichten? Will Kelvin das? Will er nicht lieber die Möglichkeit nützen, wieder mit seiner Frau zusammen zu sein, sich bei ihr für Fehler in der Vergangenheit zu entschuldigen? An dieser Stelle war ich ein klein wenig erinnert an Sartres "Das Spiel ist aus" denn auch hier geht es um die Möglichkeit, einiges im Leben nochmal "gut zu machen" Ein gemeinsames Leben auf der Erde ist nicht möglich, das ist allen Beteiligten klar, wie dieses Dilemma gelöst wird, ob eine Lösung überhaupt möglich ist, das möchte ich jetzt nicht näher beleuchten. Einerseits weil ich euch nicht ganz die Spannung nehmen möchte, wie der Film ausgeht, aber –zugegeben – auch deshalb, weil mir selbst der Schluss nicht ganz klar geworden ist.
Zum Film selbst: Schauspieler: George Clooney ist keiner meiner Lieblingsschauspieler, doch was er in diesem Film leistet, ist schon klasse! Meine Einstellung zu ihm könnte sich nach „Solaris“ ändern. Natasha McElhone als Rheya ist eine Schauspielerin, die mir vorher nicht bekannt war, auch das wird sich wohl nun ändern, denn sie hat ein sehr ausdrucksvolles Gesicht, andererseits kann ich nicht wirklich sagen, dass sie super spielt (ein bisschen zu starr und unbewegt erschien sie mir), aber schlecht ist sie auch nicht. Jeremy Davies hingegen spielt den total abgedrifteten Snow sehr überzeugend, ebenso ist Viola Davis, die die zwar verzweifelte, aber immer noch recht klarsichtige Dr. Gordon verkörpert, ziemlich gut. Regie: Nun, ich habe ja Tarkovskys Film noch nicht gesehen (was ich möglichst schnell ändern werde) und so wie ich T. kenne, ist sein Film wohl wirklich besser, aber dennoch: Soderbergh kann schon was! Mir haben die Aufnahmen sowohl von der Raumstation, als auch die auf der Erde und am allerbesten die Blicke auf Solaris und aufs All sehr gut gefallen. Die Kameraführung ist wirklich ungewöhnlich, absolut kein 08/15 Zeug… In manchen Szenen war ich erinnert an Odysee 2001, aber vielleicht war das auch Absicht („man merkt die Absicht und ist verstimmt…“), ob bewusst oder nicht, zum Anschauen war es wunderbar!
Mein Fazit: Ein Film, der sehr zum Nachdenken und darüber diskutieren anregt. Außerdem ein ästhetisch nahezu perfekter Film, den man aber unbedingt auf der großen Kinoleinwand ansehen sollte! Ich kann eigentlich nicht nachvollziehen, wieso man diesen Film als „langweilig“ bezeichnet, das war er in meinen Augen nun wirklich nicht. Schon eher kann ich begreifen, wenn ihn jemand kritisiert, weil er sich zu sehr auf die Liebesgeschichte und nicht so sehr auf die philosophischen Fragen, die dahinter stehen konzentriert. Ich gebe 5 Sterne, weil ich diese Verfilmung von „Solaris“ sehr gut fand, mag sein, dass ich das bereue, wenn ich Lem und Tarkovsky kenne, aber noch ist das ja nicht der Fall ;)
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23.06.2003 23:38
Wer den Roman von Stanislaw Lem gelesen hat, wird sich von der Idee, daß es sich bei diesem Film um eine - noch dazu gelungene - Umsetzung der Vorlage handelt, ziemlich schnell verabschieden müssen: das Kernthema des Romans, nämlich der vergebliche Versuch einer Kontaktaufnahme mit der fremdartigen Intelligenz des Planeten, bleibt völlig auf der Strecke und damit natürlich auch jedes Verständnis für das Wesen der "Besucher". Präsentiert wurde stattdessen eine Liebesgeschichte, die im Roman bei weitem nicht diese Breite einnimmt. Eine große Enttäuschung.
24.04.2003 16:25
schöner bericht. zu Natasha McElhone kann ich v.a. "Ronin" empfehlen. am besten in der originalfassung - da hat sie einen sehr schönen irischen akzent.
10.04.2003 06:40
Schon komisch... Eine Freundin von mir ist ClloneyFan und fand den Film absolut doof... Wie so oft gilt wohl auch hier: Selbst anschauen und Urteil bilden ;) Gruß 5i