Solaris: Zwischen Genie und Wahnsinn
21.12.2003
Pro:
Regisseur Steven Soderbergh, gute Schauspieler, philosophische Fragestellungen
Kontra:
Philosophische Fragen kommen am Rande vor, im Mittelpunkt steht Liebesgeschichte
Empfehlenswert:
Nein
 SVoigt2000
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"Die Tat ist alles, nichts der Ruhm", Goethe "Faust"
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Winter-Sonntage sind blöd: Draußen ist das Wetter schlecht, drinnen bekommt man wegen des schlechten Wetters fast Depressionen und dann fragt man sich natürlich, was man machen könnte. Meine Freundin und ich entschlossen uns vor einiger Zeit, eine DVD zu schauen und liehen und „Solaris“ aus. Der Trailer dazu im Kino war so dürftig, dass ich den Film dort nicht gesehen habe, aber mir wurde dann gesagt, dass der Film durchaus Tiefgang hat. Also nahmen wir ihn mal mit... -----STORY:----- Der Psychologe Dr. Chris Kelvin (George Clooney) bekommt einen heiklen Auftrag. Die Crew einer Raumstation hat den Kontakt zur Erde abgebrochen und scheint unter Halluzinationen zu leiden. Kelvin wird zu der Raumstation geschickt, um die Crew zur Erde zurück zu bringen. Gelingt ihm dies nicht, müsse man Raumstation und Crew wohl aufgeben...
Angekommen auf der Station im All bietet sich ihm ein schreckliches Bild. Sein Freund Gibarian (Ulrich Tukur) hat Selbstmord begangen und die beiden übrigen Crewmitglieder (Viola Davis und Jeremy Davies) wirken sehr verstört. Was los ist, an Bord, wollen sie Kelvin nicht sagen. „Es hat keinen Sinn, darüber zu sprechen, bevor es bei Ihnen nicht auch beginnt“, sagen die beiden. Und wenig später passiert es wirklich bei Dr. Kelvin. Als er schläft und aufwacht, steht seine eigentlich tote Frau (Natascha McElhone) vor ihm. Er weiss, dass es sich um eine Halluzination handeln muss, aber diese will nicht verschwinden, weiss sogar Dinge, die nur seine wirkliche Frau wissen kann und stellt Fragen nach Kelvins Leben. Hat vielleicht der Planet Solaris etwas mit dieser Erscheinung zu tun? Denn die anderen Crewmitglieder haben auch Besuch von toten Verwanten bekommen. Kelvin beginnt immer mehr und mehr zu genießen, seine tote Frau wieder zu haben und versucht nun, die Vergangenheit zu ändern. Denn Kelvins Frau hat sich nach einem Streit mit ihm umgebracht, was ihn nie mehr losgelassen hat.
Kann Kelvin wirklich mit dem Ebenbild seiner Frau glücklich werden? Kann er die Vergangenheit ungeschehen machen? -----KOMMENTAR:----- Nach dem Ende, das mir wieder einmal Rätsel aufgab, habe ich mich im Internet über den Film informiert, um herauszufinden, was ich davon halten sollte. Gelesen habe ich, dass der Film auf einem Roman von Stanislaw Lem beruht. Lem hat dabei allerdings in seinem Roman viel mehr die Frage behandeln wollen, ob es möglich ist, dass zwei verschiedenartige Organismen auf verschiedenen Ebenen miteinander kommunizieren können? In diesem Falle also der „Planet“ Solaris und Dr. Kelvin. Solaris schafft es zwar, Kelvin zu einer Reaktion zu reizen, indem er ihm das Ebenbild seiner toten Frau zeigt, was aber noch lange keine Kommunikation ist.
Regisseur Steven Soderbergh (Ocean's Eleven, Traffic – Macht des Kartells) wollte mit seinem Film eher die Frage stellen, ob und wie Erinnerungen an einen Menschen und der reale Mensch miteinander vereinbar sind. Ist denn nun das Ebenbild von Kelvins Frau wirklich wie Kelvins Frau? Kann Kelvin mit diesem Ebenbild wirklich glücklich werden? Kann man mit einer Phantasie (denn nichts anderes ist das Ebenbild ja, da es ja quasi Kelvins Phantasie entspringt und durch Solaris nur „real“ gemacht wurde) zusammenleben? Interessante Fragen, die etwas von Religion und Philosophie haben und die man sicher nach dem Film auch besprechen kann. Nur leider kommen diese Fragen (und die Antworten darauf) im Film viel zu kurz. Stattdessen rückt für den Zuschauer die Liebesgeschichte zwischen Kelvin und seiner Frau in den Mittelpunkt, in der die oben genannten Fragen aber immer wieder angeschnitten werden. Dazu lässt sich nur sagen: Ich habe schon weitaus schönere Liebesgeschichten und weitaus tiefsinnigere Filme gesehen. Kurz: Der Film hat von allem etwas, aber leider auch von allem zu wenig! Nun ist Steven Soderbergh aber nicht irgendwer, sondern eben Steven Soderbergh. Und schon darum muss der Film doch etwas Gutes haben. Hat er auch! Die Liebesgeschichte und die vielen Rückblicke in die Vergangenheit, als Kelvins Frau noch am Leben war, sind sehr gut verfilmt. Besonders schön finde ich zum Beispiel die Szene, in der Kelvin und seine Frau im Aufzug fahren, an dem Tag, an dem sie sich kennen gelernt haben. Man hört beide miteinander sprechen, aber ihre Lippen bewegen sich nicht – sie sind also schon so vertraut miteinander, dass sie wortlos miteinander kommunizieren können. Hier wird vielleicht auch einmal auf Lems Frage der Kommunikation auf anderen Ebenen angespielt. Sehr gut ist auch bei den vielen Rückblicken, dass teilweise das Paar auf der Raumstation gezeigt wird, aber Dialoge aus der Vergangenheit zu hören sind. So schafft es Soderbergh sehr schön darzustellen, wie Realität und Phantasie, wie Vergangenheit und Gegenwart für Kelvin verschmelzen.
Atmosphärisch hat der Film auch sehr viel zu bieten. Bereits nach wenigen Minuten befindet sich Dr. Kelvin auf der Raumstation und ab diesem Zeitpunkt herrscht durchgehend eine gedrückte, mysteriöse Stimmung, die den ganzen Film über eine gewisse Grundspannung erzeugt. Trotz dieser Spannung bleibt der Film aber ruhig und zurückhaltend, zu keinem Zeitpunkt laut oder brutal oder aggressiv. Als Hollywood-Raumstationen-Film-Geschädigter erwartet man jede Minute irgendwo ein alles zerfleischendes Alien, was aber nie auftaucht – zum Glück. Denn schon diese Tatsache allein macht den Film zu etwas Besonderem. Schauspielerisch lässt sich gegen den Film auch nichts sagen. George Clooney sollte jedem ein Begriff sein. Der Mann sieht nicht nur gut aus, kann auch sehr gut spielen, was er bei „Solaris“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Natascha McElhone war mir bisher unbekannt, macht ihre Sache aber mindestens so gut wie Clooney. Und auch die beiden anderen Crewmitglieder sind sehr gut besetzt. Besonders Jeremy Davies hat mir als verrückter Astronaut sehr gut gefallen. Ihm sieht man auf den ersten Blick an, wie sehr ihn diese Halluzinationen mitnehmen.
-----FAZIT:----- Insgesamt ein eher mittelmäßiger Film, da er eben seiner eigentliche Aussage und seinem philosophischem Anspruch in keiner Weise gerecht werden kann. Dafür hat Regisseur Steven Soderbergh in ganze Arbeit geleistet, was die filmische Umsetzung von Kelvins Gefühlen und Gedanken angeht.
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11.09.2005 05:13
"Besonders Jeremy Davies hat mir als verrückter Astronaut sehr gut gefallen. Ihm sieht man auf den ersten Blick an, wie sehr ihn diese Halluzinationen mitnehmen." Naja, bei ihm sind es ja weniger die Halluzinationen... *g* | Mich hat vor allem Davis als Dr Gordon beeindruckt.
19.02.2004 18:08
Sehr aufschlussreicher Bericht. Ich habe schon seit langem vor, mir diesen Film anzugucken, aber irgendwie kommt es nie dazu. Na ja, aber dem Bericht nach scheint er ja durchaus empfehlenswert zu sein, auch wenn er sich in seinem Anspruch etwas verliert... Gruß, Tom
01.01.2004 20:23
Sonderbergh = Sonderbar. Das Solaris von Stanislav Lem das konnte ich noch so sagen, aber der Film hat so schlechte Kritiken bekommen, dass ich ihn trotz der recht guten Romanvorlage nicht gesehen habe, und dieser Bericht hat mich anscheinend mal wieder bestätigt.