Soldat James Ryan, Der

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Apokalypse Now in der Normandie

5 23. Okt 2001

Pro:
keine Kriegsverherrlichung

Kontra:
das pathetische Ende

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor:

Spannung:

Anspruch:

Action:

Romantik:

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Hyby

Über sich:

Mitglied seit:05.04.2000

Erfahrungsberichte:272

Vertrauende:19

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 53 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Die Produktion eines Kriegsfilms ist immer eine Gratwanderung zwischen
plattem Heroismus und blutspritzender Effekthascherei. Viele gutgemeinte Filmprojekte
sind in den einen oder anderen Abgrund gepurzelt. Spielberg hält sich zunächst wacker, findet eine
fast traumhaft sichere Balance...um dann am Ende doch noch heftig zu straucheln. Aber der Reihe nach...

Ein Soldat wird gesucht. Ein US-amerikanischer Soldat namens James Ryan und einer der Fallschirmjäger, die unmittelbar vor der Invasion der Alliierten 1944 am Strand der Normandie
im Hinterland abgesetzt worden waren. Doch dieses Vorab-Unternehmen erweist sich als Fehlschlag:
die Luftlandetruppen erreichen nicht ihre Bestimmungsorte, sondern werden über das Land verstreut.
Ryan weiß noch nichts von dem großen Schicksalsschlag, der ihn und seine Familie getroffen hat: seine drei Brüder sind fast zeitgleich an anderen Fronten gefallen. Der US-Stabschef George C. Marshall höchstpersönlich nimmt sich des Falles an und ordnet die Suche nach Ryan an: er soll in die Heimat zurückbeordert werden, um der Familie einen möglicherweise weiteren Verlust zu ersparen.
Doch dazu muss der im Hinterland versprengte junge Mann erst mal gefunden werden. Und für dieses Unternehmen wird Captain John Miller ausersehen: mit einem kleinen Trupp ausgesuchter Männer macht er sich auf die Suche nach dem Vermissten, macht sich auf den Weg durch ein kriegszerfurchtes Land.
Soweit der äußere Handlungsrahmen.

Doch es ist weniger die Handlung, die haften bleibt – es sind die Bilder, die sich festkrallen. Die ersten 30 Minuten dieses Films wollen erst mal überstanden werden und die sind wirklich starker Tobak.
Die Landung der Alliierten in der Normandie war eines der verlustreichsten und blutigsten Unternehmen des II. Weltkrieges – und daran lässt Spielberg keinen Zweifel. In scheindokumentarischem Wackelstil taumelt die Kamera durch ein bleischwirrendes Gemetzel.
Die albtraumhaften Bilder lassen keinen Platz für Pathos – sie transportieren nur noch Angst.
Die nackte Angst, in dieser schleimig-nassen, kreischenden Hölle zu krepieren. Wo man hinsieht junge, noch lebensunerfahrene Menschen in einer extremen Ausnahmesituation. Wie gesagt – da muss man auch als Zuschauer erst mal durch.

Danach geht es dem Zuschauer wohl ähnlich wie den überlebenden Soldaten damals: erst mal durchatmen. Doch auch wenn die Wut des Schlachtgetümmels fürs erste abnimmt – die Anspannung des Films sinkt keineswegs. Spielberg bezieht eindeutig Position: Krieg ist schmutzig, laut, schmerzhaft bis tödlich. So etwas wie Heroismus gibt es auch – allerdings eher selten, eher versteckt und immer nur für kurze Momente.
Spielberg klimpert virtuos auf der Klaviatur des Hollywood-Kinos, bedient sich souverän aus dem technisch-virtuellen Fundus der weltweit führenden Traumfabrik, ohne dabei seine Botschaft einem Special-effects-Feuerwerk zu opfern – das macht seine ureigenen Qualitäten aus.

Tja, aber der Schluss: diese jähe Achterbahnfahrt hinauf in die Höhen eines kaum erträglichen Pathos, dieses schneidige Salutieren vor dem Grab inmitten des riesigen Soldatenfriedhofs.
Da wäre für mich weniger mehr gewesen. Da bricht sich der berüchtigte Hollywood-Gestus auf den letzten Filmmetern noch mal ungehindert Bahn. Aber vielleicht ist das auch ein „Problem“ deutscher Zuschauer, vielleicht sogar nur mein Problem. Letztendlich kann ich darüber hinwegsehen – lassen wir den Amerikanern ihre verspielt-dramatischen Rituale, mittels derer sie ihre nationalen Katatrophen bewältigen.

Ein letztes Schlaglicht:
Mein Sohn ist 19 Jahre jung und empfindet sich als cooler Hip-Hopper. Er hat seinerzeit diesen Film im Kreise seiner Kumpel im Kino gesehen. Anschließend war erstmals Pause mit fetter Mucke – sie haben sich in den Garten gesetzt und die Nacht durch geredet. Am nächsten Morgen sagte er mir:
„Das war echter Krieg für uns !“ Am Abend stellte er den Antrag auf Kriegsdienstverweigerung.
 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
hspindler

hspindler

13.08.2002 17:39

GUt, dass heute Filme zeigen, wie es wirklich im Krieg zugeht. Die Kriegsfilmchen der 60er bis 80er Jahre haben doch vorgegaukelt, Krieg sei eine tolle Sache, man wird dabei zum Helden! Ciao, Holger

foofighter2000

foofighter2000

17.11.2001 19:30

sprachlich einwandfrei geschrieben, gebe ich dir jedoch nicht in allen punkten recht. pathetische oder auch patriotische szenen gehören nun mal zu einem kriegsfilm dazu. es soll nämlich die ganze palette der gefühle gezeigt werden, also nicht nur angst sondern auch rtolz. zweifeln wir bitte nicht an, dass viele soldaten stolz sind, dabei zu sein und für ihre (eine wahrscheinlich gerechte) sache zu kämpfen. deswegen gehört auch die zeremonielle beerdigung von gefallenen genauso zum kriegs-und militäralltag dazu, wie furcht und heimweh. das dies ein problem besonders der deutschen ist, mit patriotismus umzugehen, hast du richtig erkannt. der deutsche bürger mitteleren und höheren alters ist faktisch "systemversaut" (3.reich, ddr-diktatur). er darf einfach nicht patriotisch sein. das wurde ihm in mehr als 50 jahren nachkriegsgeschichte von führenden (linken) intelektuellen stets eingebläut. deutschland ist mittlerweile anders und es ist an der zeit das beklemmunggefühle beim angesicht der deutsch flagge und am nationalfeiertag vorbei sind. warum freuen wir uns nicht für die amis das sie wenigtens ein postiveres verhältnis zu staat und nation haben? entschuldige das ich soweit abschweife, aber ich muss dies einfach mal sagen. zum schluss noch: ich werde nächstes jahr "eingezogen" und zwar ,für mich, nicht zum kriegsdienst, sondern zum wehrdienst. ciao, foofighter2000

menelik79

menelik79

27.10.2001 12:35

Schöner Bericht, auch wenn ich ganz und gar nicht mit dem Titel einverstanden bin. Meiner Meinung nach wird der Film nämlich leider schon viel früher zu einem Kaugummibildchen des Krieges, nämlich gleich nach der zugegeben genialen Sequenz mit der eigentlichen Landung. Sowas mit Dem großartigen Meisterwerk Apocalypse Now zu vergleichen gefällt mir da einfach nicht. :) ALs kleinen Tip kann ich Dir den zeithleich erschienenen, aber im Spielbergrummel leider völlig untergegangenen "Der Schmale Grat" empfehlen, der eine der besten Darstellungen des Krieges ist, die ich überhaupt kenne! +++ Gruß menelik79

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