Dieser Erfahrungsbericht wurde von 100 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Nachdem ich meine Eltern endlos genervt habe, besitzen wir jetzt endlich einen Videorecorder. Ich ging also in die Bibliothek (die haben auch ein paar Videos zum Ausleihen, zwar nicht die Riesenauswahl, aber mir genügt es) und nahm „Der Soldat James Ryan“ mit nach Hause. Ich sah mir den Film einmal an und ich sah ihn mir noch einmal an. Und hier möchte ich ihn euch nun beschreiben. Zu Anfang sollt ihr etwas über die Story erfahren:
D-Day, der 6. Juni 1944, der Tag der Invasion der amerikanischen Soldaten in der Normandie: Tote und Verletzte liegen überall auf dem Strand verstreut. Vom Blut rotgefärbtes Meerwasser umspült die Leichen. Doch trotz des erbitterten Widerstandes der deutschen Besatzer und unter großen Verlusten können die Alliierten in Frankreich Fuß fassen. Viele Familien verlieren ihre Söhne. Doch die Familie Ryan trifft es besonders hart: Die drei ältesten Brüder sterben auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen und nur der jüngste, Soldat James Ryan könnte noch am Leben sein. Doch niemand weiß, wo er sich befindet oder ob er überhaupt noch am Leben ist. Denn die Fallschirmspringer, zu denen er gehörte, sind in alle Himmelrichtungen verstreut. Also werden 7 Soldaten unter der Führung Captain John Millers losgeschickt, um Ryan zu finden. Der Trupp marschiert durch idyllische Landschaften, die kaum vom Krieg berührt sind, und kommt bald in eine von Deutschen und Amerikanern hart umkämpfte Stadt. Sie fragen sich durch und erhalten bald eine vage Hoffnung. Denn einer der Soldaten kennt einen Ryan. Also machen sie sich wieder auf den Weg. Doch als einer der Soldaten von Deutschen erschossen wird, beginnen die Männer an ihrem Auftrag zu zweifeln: Ist ein Menschenleben mehr wert als das von 8 Soldaten. John Miller sagte dazu: „Ich hoffe, dieser Ryan ist es wert!“ Doch Befehl ist Befehl und so suchen die Männer weiter...
„Der Soldat James Ryan“ setzt sehr auf Eindrücke.
Die Schauspieler sind toll gewählt, denn sie spiegeln die verschiedensten Charaktere wieder. Da ist Tom Hanks als ruhiger und teilweise geheimnisvoller Captain John Miller, der manchmal sehr ungewöhnliche Methoden anwendet, um seine Leute zum Weitermachen zu bewegen. Barry Pepper spielt den Soldaten Jackson; Edward Burns ist als Private Riben zu sehen; des weiteren sind noch Vin Diesel als Caparso, Adam Goldberg als Mellish, Tom Sizemore als Horwell, Giovanni Ribisi als Wade und Jeremy Davies als Upham dabei. Zu Jeremy Davies ist noch zu sagen, dass er den „Feigling“ der Truppe mimt, der nur als Übersetzer mitgenommen wurde. Soldat James Ryan wird von Matt Damon dargestellt.
Eine außergewöhnliche Kameraführung versetzt den Film in eine grandiose, ganz eigenartige Stimmung. Manchmal glaubt man, einen Schwarz-Weiß-Film zu sehen, so grau ist das Bild gehalten. Außer, wenn die Truppe durch die Natur, beinah eine Idylle, marschieren, sieht man leuchtendes Grün. Sonst erblickt man nur dunkle Töne, es sei denn, grelle Explosionen erleuchten die Nacht. Auffallend ist dies auch am Anfang: Die Bilder von der Invasion werden durch eine Kameraführung, die nah am Geschehen ist und doch die Gesamtheit erfasst, sehr eindruckvoll wiedergegeben. Der Schnitt unterstützt die Kamera, welche die Wirkung des Films bestimmt. Mal nachdenklich und schweifend, mal schnell und hastig passt das Tempo des Filmes jeweils genau zur Situation. Nun zum Ton, der auch unbedingt erwähnenswert ist. Deutsche und Franzosen sprechen in ihren Landessprachen. (Das von den Deutschen merkt man zwar in der deutschen Fassung nicht so deutlich, aber ein aufmerksamer Zuhörer erkennt die feinen Unterschiede.) Dadurch wirkt der Film echter. Denn es wirkt ziemlich unglaubhaft, wenn sich Menschen zweier verschiedener Völker und mit verschiedenen Sprachen sofort verstehen. Explosionen und Schreie der Verletzten und Sterbenden rütteln den Zuschauer auf. Und eine Szene hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt: Über ein Grammophon schallt die traurige Stimme der Edith Piaf durch die Straßen einer total zerstörten Stadt. Grandios!
Bilder, Sound und Schnitt graben sich in ihrem grandiosen Zusammenspiel ganz tief in das Bewusstsein des Zuschauers. Nicht umsonst erhielt er Oscars für die beste Regie, die beste Kameraführung, den besten Schnitt, den besten Tonschnitt und den besten Sound.
Die Alterbegrenzen (ab 16) ist meiner Meinung nach völlig angemessen. Denn man sieht nicht wenig Blut, grausame, tödliche Wunden, viele Tote und Sterbende und einfach die brutale Realität des Krieges.
Alles in allem hat mir der 1998 unter der Regie von Steven Spielberg und nachdem Drehbuch von Robert Rodat produzierte Film sehr gut gefallen. Die Bilder sind ernüchternd und zeigen unverblümt das Sterben und Töten, die Schrecken des Krieges. „Der Soldat James Ryan“ nimmt dem Krieg viel von seiner Heldenhaftigkeit. Doch ein bisschen Patriotismus ist bei den Amerikanern halt immer mit dabei, obwohl sich diese Komponente hier sehr im Hintergrund hält. Der Film hilft, eines nicht zu vergessen: Krieg ist Sterben und daran ist überhaupt nichts Heldenhaftes!
Guter Bericht. Der von Dir erwähnte nicht ganz vermiedene Patriotismus hängt wohl auch damit zusammen, dass WW II - Filme sich für eine pazifistische Botschaft eben nur bedingt eignen. Gruss Kid
Krieg ist vor allem auch Töten, und das ist so ziemlich der erste Mainstream-WWII-Film aus den USA, der zeigte, daß Kriegführen auf beiden Seiten wenig edel abläuft und die Leute, die für die "gute Sache" kämpfen, das wenig anders tun als ihre Gegner. Das fand ich ziemlich innovativ, der Anfang lehnt sich formal stark an russische Kriegsfilme an.
14.03.2005 00:24
Guter Bericht. Der von Dir erwähnte nicht ganz vermiedene Patriotismus hängt wohl auch damit zusammen, dass WW II - Filme sich für eine pazifistische Botschaft eben nur bedingt eignen. Gruss Kid
06.09.2002 22:34
Dieser Film hat mich total faziniert.Lieben Gruß vom Finchen2901
18.06.2002 00:55
Krieg ist vor allem auch Töten, und das ist so ziemlich der erste Mainstream-WWII-Film aus den USA, der zeigte, daß Kriegführen auf beiden Seiten wenig edel abläuft und die Leute, die für die "gute Sache" kämpfen, das wenig anders tun als ihre Gegner. Das fand ich ziemlich innovativ, der Anfang lehnt sich formal stark an russische Kriegsfilme an.