Pro:
geniales Meisterwerk von Steven Spielberg, sehr reale Dokumentation, super Schauspieler, kein Happy - End in dem Sinne und deswegen auch sehr unvorhersehbar und spannend, etwas Ironie und Sarkasmus
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 93 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vorwort ====== Als Geschichte Leistungskursler liegt es nahe, dass mich Geschichte schon irgendwo interessiert. Und ja Geschichte interessiert mich, allerdings gibt es ein Großereignis oder besser gesagt eine Zeitraum, welcher mich besonders fasziniert. Es sind die 12 dunklen Jahre in der deutschen Geschichte, die noch nie da gewesenes Leid in Europa verbreiteten. 12 Jahre, in denen das deutsche Volk der totalen Verblendung der Diktatur der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler zum Opfer fiel. Mich interessieren in der Hinsicht die Gründe, warum dies passieren konnte, aber auch die rein historischen Fakten bis hin zur bedingungslosen Kapitulation der Deutschen im Jahre ´45. In dem Zusammenhang lässt sich auch erklären, warum ich mir immer wieder Filme, die diesen geschichtlichen Zeitraum, egal von welcher Seite aus, betrachten, anschaue. Vor Kurzem war es wiedereinmal so weit. Ich hatte mir den Film „Der Soldat James Ryan“ von einem Kumpel ausgeliehen und hier ist der Bericht dazu, da es einer der besten Filme zu diesem Thema ist und nicht so vom Patriotismus durchsetzt und verblendet ist, wie so manche andere Hollywood-Filme.
Handlung ======= Der Film beginnt damit, dass ein alter Mann, gefolgt von seiner gesamten Familie, einen typisch amerikanischen Soldatenfriedhof besucht. Überall weiße Kreuze, fein säuberlich in Reih und Glied und alles überschattet von einer amerikanischen und einer französischen Flagge. Klar, hier geht es um die Opfer der „Befreiung“ Europas von den Nazis. Der Mann sucht das Grab eines ganz bestimmten Soldaten und als er es findet, bricht er weinend zusammen. Dann versinkt er in Gedanken und Erinnerungen an diese Zeit. Er reißt den Zuschauer mit in diese Zeit – in die Zeit des „D-Day“. 6. Juni 1944, Omaha Beach. Auf diesem kleinen Küstenabschnitt versuchen die amerikanischen Infanterieverbände mit kleinen Landungsbooten
die Festung Europa zu erstürmen und Hitlers „Tausendjähriges Reich“ zu stürzen. Unter ihnen Captain John Miller, gespielt von Tom Hanks, der sich hier seiner größten Aufgabe in diesem Krieg gegenüber wähnt. Schwere Bunker-Festungen und deutsches Sperrfeuer machen die Landung nicht zum Kinderspiel. Gut ¾ der Landungstrupps sind schon tot, ehe sie den Strand erreichen. Blutiger Sand und schwer von den Mörsern verstümmelte Kadaver – durch diese unwirtliche Landschaft muss sich der Captain durchkämpfen. Er ist es auch, der gemeinsam mit Sergeant Horvath (Tom Sizemore) den Durchbruch in diesem Sektor erstreitet. Der Anfang vom Ende der deutschen Verteidigungslinie in der Normandie. Noch ehe die Kämpfe in der Region endgültig abgeklungen sind, erhält der Captain den Auftrag mit einem 8 Mann starkem Team nach einem gewissen Private Ryan, ein irgendwo verlorener Fallschirmjäger und letzter Sohn einer 4maligen Mutter, zu suchen. Ohne nach dem Sinn und Zweck der Aktion zu fragen macht sich die 9köpfige Truppe auf den Weg. Während das Sonderkommando tiefer ins Feindesland eindringt, stellen Captain Millers Männer ihre Befehle in Frage. Weshalb ist der eine es wert, das Leben von acht Männern zu riskieren - und weshalb ist das Leben dieses Soldaten mehr wert als das ihre? Als Millers Einheit Ryan endlich findet und auch schon 2 Verluste zu verzeichnen hat, hält der mehr von Kameradschaft als von Rettung und verteidigt in einer Art Himmelfahrtskommando mit einer Handvoll Kameraden einen wichtigen Brückenkopf gegen herannahende deutsche Panzertruppen...
Schauspieler ========= Tom Hanks (Captain John Miller) Tom Sizemore (Sergeant Horvath) Edward Burns (Private Reiben) Barry Pepper (Private Jackson) Adam Goldberg (Private Mellish) Vin Diesel (Private Caparzo) Giovanni Ribisi (T/4 Medic Wade) Jeremy Davies (Corporal Upham) Matt Damon (Private James Ryan) Ted Danson (Captain Hamill)
Regie ==== Steven Spielberg
Filmkritik ======= Wie eingangs schon erwähnt, ist dieser Film einer der besten Film auf dem Gebiet. Er beleuchtet zwar auch nur den Krieg aus amerikanischer Sicht, dennoch stellt er die Amerikaner nicht in dieser, wie doch leider oftmals fälschlichen, weißen Weste dar. So waren die Amerikaner auch oft keinen Deut besser. Es gibt da so eine Szene an die ich mich genau erinnere. Es ist gleich zu Anfang. Die Amerikaner stürmen die Befestigungsanlagen der Deutschen und obwohl sich 2 feindliche Soldaten ergeben, erschießen die Amerikaner sie sofort. Nur weil sie nicht wirklich verstanden, was sie gesagt hatten. Der Film gib einfach die oft grausame und brutale Realität des Krieges wieder. So wurden Bunker ganz einfach ausgeräuchert mit Flammenwerfern und wenn es dennoch brennende Überlebende gab, dann heißt es ganz kühl: „Lasst sie verbrennen.“ Klar, Krieg ist ein schweres und diskutionslastiges Thema, doch die amerikanischen Befreier waren oft keinen Deut besser als die „bösen“ Nazis. Wie es auch Captain Miller im Film sagt: „Wir haben eine seltsame Grenze überschritten.“ Menschenrechte gibt es im Krieg quasi nicht. So auch als der zweite Mann des mittlerweile nur noch 8köpfigem Rettungsteams stirbt, wollen alle verbleibenden Mitglieder eigentlich den Mörder lynchen. Hier beweist der Captain wohl den größten Mut und beweist zum ersten Mal in dem Krieg echte Menschlichkeit und verschont das Leben des deutschen Soldaten, auch wenn er sich damit nicht unbedingt beliebter macht bei seinen Männern. Aber der Krieg hat auch seine lustigen Momente. Wenn die Männer gerade nicht ihr Leben in einer Schlacht oder einem Gefecht riskieren, haben sie sich zum Zeitvertreib ein Spiel überlegt: Wer kennt den Beruf des Captain? Der Jackpot steht bei 300 Dollar als er dieses Rätsel löst und es klar wird, dass er ein ganz normaler Mensch wie du und ich ist. Kein Militärie, kein Beamter, kein „besondere“ Mensch – er ist ein ganz einfacher Lehrer. So sind es gerade die unterschiedlichsten Charaktere, welche in dieser Truppe vereinigt sind, die die eigentliche Story der Geschichte ausmachen und so spannend machen. Der Captain wirkt zwar nach außen wie ein harter Kerl, dennoch leidet er schon längst an dem Kriegstrauma – seine Hand zittert immer. Der Krieg nimmt ihn sehr schwer mit. Dann gibt es noch einen Hasenfuss, welcher sich aus jedem Gefecht so gut es geht heraushält und eigentlich nur Munitionsträger ist. Als dieser mitbekommt, wie einer seiner Kameraden im Nahkampf mit einem Wehrmachtsoldaten stirbt, ist es entgültig mit ihm vorbei. Er versteckt sich nur noch. Spielberg schafft es mit diesem Film phantastisch, realistisch geschichtliche und persönliche Aspekte miteinander zu verschmelzen und den Zuschauer immer direkt im Geschehen zu halten. Es ist oftmals wirklich so, als würde man direkt neben Private Jackson im Schützengraben liegen und das Sperrfeuer über sich hinwegrauschen hören. Emotionen und Gefühle wurden bei Spielberg schon immer groß geschrieben, so auch in diesem Film. Kurze Focusfahrten in den Gedanken und den persönlichen Wahrnehmungen von Captain Miller geben Aufschluss über die Wirkung auf die direkt betroffenen. Die Meisten waren keine Kampfmaschinen – es waren normale Menschen und das Einzige, was sie aus dieser Hölle herausholen würde ist Kameradschaft und die Hoffnung.
Ich kann den Film nur weiter empfehlen, weil es einfach ein grandioses Meisterwerk von Steven Spielberg ist. Für jeden halbwegs Geschichtsinteressierten ein absolutes Muss! Schade nur, dass Spielberg den Film nicht an Originalschauplätzen drehen konnte, da alles verbaut war. So entstanden große Teile des Films in Irland. Aber rein landschaftlich merkt man keinen Unterschied.
Allgemeine Daten ============= deutscher Titel: Der Soldat James Ryan englischer Originaltitel: Saving Private Ryan Genre: Kriegsfilm Farbe, USA 1998 Filmlänge: 169 Minuten Nach der Vorlage Roma „Der Soldat James Ryan“ von Max Allen Collins ++ 5 Oscars 1998 ++ Oscar für Steven Spielberg (Regie) Oscar für Janusz Kaminski (Kamera) Oscar für Michael Kahn (Schnitt) Oscar für Gary Rydstrom, Richard Hymns (Toneffektschnitt) Oscar für Gary Rydstrom, Gary Summers, Andy Nelson, Ronald Judkins (Ton)
Einzelne Infos & weiterführende Infos unter www.cyberkino.de/entertainment/kino/110/110200.html
Sehr gute Kritik zu einem sehr schlechten Film Ich fand die Darstelltung der Gewalt in dem Film als zu übertrieben dargestellt. Krieg ist und war grausam und wird es immer sein...absolut. Aber wie Du schreibst, bei dem Film gehen die Meinungen stark auseinander. Lieben Gruß Michael
Der Film beginnt brillant und zeigt den Krieg in selten klaren, verstörend realistischen Bildern und drückt auf diese Art sein Plädoyer gegen Krieg in jeder Form aus.Die zweite Hälfte des Films schmälert jedoch die künstlerisch eindrucksvolle Eingangsequenz, da sich die Handlung zu sehr in amerikanischem Heldentum verliert. Dennoch ein großartiger Film von einem großartigen Regisseur!
Eine Eröffnungssequenz die wahrlich an erschreckender Brillanz nicht zu überbieten ist... Aber dann... Dann wird "Saving Private Ryan" zu einem absolut billigen Helden-Epos, das schön die Truppe um Tom Hanks hochstilisiert (und dann verschwimmen auch auf einmal die kritischen Ansätze an den amerikanischen Soldaten)... Und dann noch zu guter letzt die wehende amerikanische Flagge... Widerwärtig patriotistisch und pathetisch... Für mich vermutlich DER überbewerteste Film aller Zeiten... Dass die Kritiker in den USA auf den Budenzauber reinfallen kann ich ja noch verstehen, aber auch in Deutschland wurde der Patrioten-Pathos ohne mit der Wimper zu zucken hingenommen (oder wenn mal kritisiert, sorgte das nicht für Abwertung), das ist wirklich erstaunlich... Dabei hatte schon Spielberg bei "Schindler's Liste" gehörig die Hollywood-Gefühls-Trommel gerührt (aber bei dem Film wenigstens nicht so penetrant, so dass ich hierbei noch die Meisterwerk-Aussage bedingungslos unterschreibe) - aber hier hat er die Hollywood-Manierismen gänzlich "perfektioniert"... Nein... Dann lieber andere (Anti-)Kriegsfilme... Immerhin gibt es dank Kubrick, Stone, Lean, Sturges und Wilder einige, die wahrlich herausragend sind... Aber das ist ja nur meine Ansicht - und mit der stehe ich scheinbar auf verlorenem Posten... carpe diem - JENS
02.09.2004 23:58
Sehr gute Kritik zu einem sehr schlechten Film Ich fand die Darstelltung der Gewalt in dem Film als zu übertrieben dargestellt. Krieg ist und war grausam und wird es immer sein...absolut. Aber wie Du schreibst, bei dem Film gehen die Meinungen stark auseinander. Lieben Gruß Michael
24.02.2004 09:45
Der Film beginnt brillant und zeigt den Krieg in selten klaren, verstörend realistischen Bildern und drückt auf diese Art sein Plädoyer gegen Krieg in jeder Form aus.Die zweite Hälfte des Films schmälert jedoch die künstlerisch eindrucksvolle Eingangsequenz, da sich die Handlung zu sehr in amerikanischem Heldentum verliert. Dennoch ein großartiger Film von einem großartigen Regisseur!
22.02.2004 16:29
Eine Eröffnungssequenz die wahrlich an erschreckender Brillanz nicht zu überbieten ist... Aber dann... Dann wird "Saving Private Ryan" zu einem absolut billigen Helden-Epos, das schön die Truppe um Tom Hanks hochstilisiert (und dann verschwimmen auch auf einmal die kritischen Ansätze an den amerikanischen Soldaten)... Und dann noch zu guter letzt die wehende amerikanische Flagge... Widerwärtig patriotistisch und pathetisch... Für mich vermutlich DER überbewerteste Film aller Zeiten... Dass die Kritiker in den USA auf den Budenzauber reinfallen kann ich ja noch verstehen, aber auch in Deutschland wurde der Patrioten-Pathos ohne mit der Wimper zu zucken hingenommen (oder wenn mal kritisiert, sorgte das nicht für Abwertung), das ist wirklich erstaunlich... Dabei hatte schon Spielberg bei "Schindler's Liste" gehörig die Hollywood-Gefühls-Trommel gerührt (aber bei dem Film wenigstens nicht so penetrant, so dass ich hierbei noch die Meisterwerk-Aussage bedingungslos unterschreibe) - aber hier hat er die Hollywood-Manierismen gänzlich "perfektioniert"... Nein... Dann lieber andere (Anti-)Kriegsfilme... Immerhin gibt es dank Kubrick, Stone, Lean, Sturges und Wilder einige, die wahrlich herausragend sind... Aber das ist ja nur meine Ansicht - und mit der stehe ich scheinbar auf verlorenem Posten... carpe diem - JENS