Sommeracher Katzenkopf

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Sommeracher Katzenkopf

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Galaktisch gut

5  28.05.2012

Pro:
süffig,angenehm trocken, erfrischend, tyischer Silvaner

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

knopfi.de

Über sich: Wer die Flinte ins Korn wirft, sollte aufpassen, dass er kein blindes Huhn damit erschlägt. In diese...

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Logbucheintrag 228, Brückenschreiberling Knopfi.de

Dies ist der Logbucheintrag Nummer 227, Sternenzeit zweitausendelf, fünftes Kalenderblatt nach Mondumdrehung. Wieder einmal durchqueren wir die unendlichen Weiten des Weltlichen, um neue Inspirationen der hiesigen Lebensformen und Landschaften zu entdecken, weiter zu entwickeln und für unsere Zwecke zu gebrauchen. Dabei dringen wir in Galaxien vor, die schon viele Menschen vor uns betreten, diese aber noch niemals nicht in jeglicher Form bekrittelt haben.

Weiße Stangen

Soeben erreichen wir ein Gebiet, dessen Ureinwohner offenbar Spaß an einem weißen Gestänge haben. So unkonventionell das auch klingen mag, sie wühlen mit den bloßen Händen auf gigantisch dafür hergerichteten Erdböden herum, um das einem Genital ähnelnden Gewächs zu erreichen. Es hört auf den bizarren Namen „Spargel“. Die verwunderlichen Recherchen unseres Kombüsendragoners ergeben, dass dieses Zeug nach dem „Stechen“ weder lebt noch zur hiesigen Lebensform mutieren kann. Ungewöhnlich. Hiesige Bevölkerung nutzt dies zur Nahrungsaufnahme. Offenbar handelt es sich hierbei um eine Delikatesse, die nach der Entnahme aus dem Erdreich von ihrer zähen Außenhülle befreit, in heißem Salz-Zucker-Wassergemisch gegart und später verzehrt wird. Ich bin verwirrt.

Meine Anmerkungen, in der Form des Garverfahrens auf unseren wesentlich ruheloseren Mikrowellenofen „Supi 30000R“ auszuweichen, werden sofort mit bösen Blicken honoriert. Dieses Menschengeschlecht ruht offenbar auf unverständlicher Mühseeligkeit. Lieber setzt man das „Spargelgeflecht“ einem wesentlich langsameren und kostenintensiveren Verfahren aus, als in der von uns gewohnten Geschwindigkeit dem offensichtlichen Genuss zu frönen. Man traut unserer fernen Kochkunst nicht wirklich. Diese Delikatesse muss also schonend zubereitet werden. Augenscheinlich haben wir die korrekte Sternenzeit erwischt, in der die weißen Stangen besonders gut gedeihen. Die Einwohner dieses Gestirns sind kurios, dafür offenbar Genießer.

Wundersames Beiwerk

Man lädt unsere gesamte Mannschaft zu Tische. Zu sehr möchte man uns beweisen, dass hiesige Spezialstangen geschmackliche Hochkonjunktur bewirkt. Immer mehr wird uns bewusst, dass diese gastfreundliche Spezies, deren Namen übrigens mit „Mensch“ betitelt wird, auf Nahrung spezialisiert ist, die entweder im, am oder auf dem hiesigen Erdreich wächst. Zum „Spargel“ genießt man hier helle Knollen, deren Herkunft und Zubereitung dem des Gestochenen
Bilder von Sommeracher Katzenkopf
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ähnelt. Mehr als umständlich und beschwerlich stellt sich die Herstellung der weißen, unheimlich kremigen Sauce dar, die wuchtigerweise in Massen gereicht und über die Speisen gegossen wird. Alternativ gibt es „flüssige Butter“; eine gelbe Masse, wässriger Konsistenz, deren Herkunft man von hiesig gezogenen schwarz – weißgefleckten, gehörnten Herdentieren zu beziehen vermag. Auch fleischige Beilagen werden heute geboten, auf die ich hier nicht näher eingehen muss, da auch wir dieses beherzte, rosafarbene Rüsselschnauzentier im Stall hegen und in Form von Nahrung zu uns nehmen.

Ein erneutes wunderliches Zusammenspiel beginnt, als man dankenderweise unser angebotenes Saturngebräu ablehnt und sich stattdessen auf ein helles Getränk namens „Wein“ beschränkt. Dieser Schritt wird mit „Wasser ist zum Waschen da“ abgeurteilt. Man erklärt uns, dass dieser Tropfen einfach zum „Spargel“ gehöre. Das mir gereichte, unförmig gestaltete gläserne Behältnis birgt ein dreiviertel Liter der heiligen Flüssigkeit, deren Herkunft dem von hier aus weit entfernten südlichen Ländereien entspringt. Meinem fragenden Blick entsprechend verweist man mich auf die papiernde Manchette, die fest auf dem Bauch des gläsernen Behältnisses backt. So kann ich der hiesigen Schrift entnehmen, dass ein „Wein“ wundersamerweise nach seiner Herkunft („Lage“) benannt wird. So hört dieser Saft auf den merkwürdigen Namen „Sommeracher Katzenkopf". Meine Bedenken, dass zur Herstellung das Haupt des auch hier streunenden Haustieres verwendet wird, werden sofort gebrochen. Eben das ist der Berg, auf dem die hier einquartierte Rebe ihren Ursprung hat. Diese Aussage bestätigt mir, dass auch die Ureinwohner im südlichen Raum dieses Landes ihre Eigenarten haben!

Die Begriffe „Silvaner“, „Franken“ oder „Q.b.A.“ sind mir ebenso fremd wie das „Winzerkeller Sommerach“. Heilige Mutter des Uranus, sind denn alle Planeten dieses Universums so kompliziert gestrickt? Ich mag die Gastgeber nicht einfach so nach der Lösung fragen. Ich komme mir langsam lächerlich vor. Ich bin froh, dass ich meinen weisen Communicator vom Schiff gebeamt habe. Er ist allwissend. Ich erfahre, dass es sich bei dem Wort „Silvaner“ um eine reguläre Weintraube handelt, die besonders saftig und gut dort im Weinumgebungsgebiet „Franken“ wächst. Womit auch Begriff Nummer zwei geklärt wäre. Ich liebe ihn, meinen Communicator.
Zu meiner großen Erleichterung erfahre ich, dass es sich nicht wie erst von mir befürchtet beim Kürzel „Q.b.A.“ um das bei uns zum Lackieren der Raumschiffe gehandelte „Quantinium bu Aranium“ handelt (nicht zum Verzehr geeignet), sondern um die Abkürzung der Qualitätsstufe. Hiesige bevollmächtigte Könige erließen vor langem ein Gesetz, in dem die Hersteller des Weines sich verschiedenen Stufen an Qualität annehmen dürfen. Diese werden dann von weisen Experimentatoren geprüft und für gut befunden. Mit diesem Aufdruck weiß dann auch die Allgemeinheit dieses merkwürdigen Planeten, womit man es zu tun hat. Gar nicht mal so unklug die hiesige Bevölkerung.
Ebenso erfahre ich, dass sich viele der dortig angesiedelten Bewirter zu einer Gemeinschaft vereinen, dort ihre Ernte abgeben und einen gemeinschaftlichen „Wein“ produziert. So nennt man sich dann beispielsweise „Winzergenossenschaft“ oder „Winzerkeller“. Schlau, schlau diese Ureinwohner.

Logbucheintrag 228, der Zweite

Zurück auf unserer heimatlichen Raumfähre, Sternzeitalter Zweitausenelf, fünftes Kalenderblatt nach Mondumdrehung.

Da sich dieser Planet um die Sonne dreht, teilt die Bewohnerschaft ihre Zeitmessung in Tag (hell) und Nacht (dunkel) ein. In letzterer Variante holt man sich in Form von liegender Erholung die bis dato verbrauchte Energie zurück. Aus Höflichkeit haben auch wir uns an dieser menschlichen Geste beteiligt. Somit finden wir uns mit einem Tag Verspätung im heimischen Raumschiff ein.

Mit gemischten Gefühlen verlassen wir nun wieder diese äußerst interessante Umgebung. Auch wir haben das gestrige Mahl genossen. Tatsächlich ist das am Vortag aus dem Erdreich entfernte Gemüse mit allem drum und dran ein Genuss. Habe mich an den Rat der Gastgeber gehalten und den fränkischen Silvaner unseres klassischen Saturngebräus vorgezogen. Eine weise Wahl! Und das Flaschenweise. Wieso sich heute meinen Kopf nur schwerlich bewegen lässt, steht allerdings in den Sternen. Es fällt mir schwer, den gestrigen Verlauf noch nach zu vollziehen.

Das gläserne Behältnis namens „Flasche“ musste erst von einem blechernen Verschluss gedreht werden, damit man an den Inhalt gelangt. Keine große Sache. Bereits nach der dritten Flasche hatte selbst unser Käpt´n den Dreh raus. Im Kelch befindlich präsentiert sich das Weingetränk als hell, leicht gelblich, mit einem dezenten Grünstich. Gefärbtes Wasser! Hier sind Magier am Werk! Beim Eingießen entstehen kleine Luftbläschen, die am Rand des Glases nach geraumer Zeit zerplatzen. Den Bewohnern hier nachgemacht, schwenke ich das Behältnis und bemerke, dass am Rand des Selbigen eine erkennbare, kremige Menge verbleibt, die gemächlich gen unten läuft. Urkomisch. Sieht ganz so aus, wie die Fenster unseres Sternenkreuzers.

Frisches Gras dringt mir in Nüstern. Da sich absolut keines des saftigen Grüns in meinem Gefäß befindet gehe ich davon aus, dass dieser angenehme Geruch direkt von der Flüssigkeit darin entspringt. Dieses magische Wasser wird mir langsam immer lieber. Ein weiteres erfrischendes Aroma wirkt mir entgegen. Ich kenne es. In unserer Galaxie nennen wir diese Frucht Zitruse. Mein Verstand vermag allerdings nicht danach zu fragen, wie sich dieser Rohstoff auf diesem Planeten nennt. Egal, ich muss diesen „Wein“ probieren.

Booyaah! Anders kann ich dieses Geschmackserlebnis nicht beurteilen. Jeder Schluck ist der Brenner. Nur schwer kann ich mich an den Originalwortschatz unserer Gastgeber erinnern. Vielleicht war eines der vielen Weine ja doch nicht in Ordnung. Es klang ungefähr so: “Hammer!“, „Burner!“, „Lecker!“ Dem Gesichtsausdruck zu urteilen sind das positive Worte. Ähnlich sieht es der Käpt´n. Auch wenn ich im Laufe des Abends sein meist strenges Gesicht nun nicht mehr beurteilen kann, da er nur noch in unvollständigen Sätzen spricht.
Um bei dem „Wein“ zu bleiben vermag ich mich noch zu erinnern, dass wir viele im Vorwege probierte heimische Beeren wiederentdecken. Eine wirklich kuriose Entdeckung, dieser „Wein“. Auch dieses leichte Prickeln auf der Zunge, die angenehme Kühle sowie der abgerundete Geschmack wirken zauberhaft auf mich und die Crew.

Abgefahren

Da unsere galaktischen Zollbestimmungen nur einen bestimmten Teil an einzubringenden Materialen zulassen, können wir lediglich eine Probe des „Weißen Gestänges“ mitnehmen. Mit einiger Überredungskunst konnten wir die Erdenbewohner dazu bewegen uns ihren Bestand an Weinen zu überlassen. Unser Lager ist nun reichlich gefüllt. Auch wenn wir die heimischen Bestimmungen hiermit um einiges an Gewicht überschreiten, nur wenige der gefüllten „Flaschen“ werden den uns angepeilten Zielort erreichen. Zumal wir bereits einen Teil des Weines unseren flexiblen Raumwissenschaftlern zur Verfügung stellten. Schließlich muss jeder der Crew wissen, welche Indigrenzien sich hier befinden. Auch der Käpt´n buckelt derzeit viele der Kartonagen in seine Kajüte, der Rest geht auf der Brücke drauf. Memo an mich selbst: Letzteren Satz unbedingt löschen!

Wieder einmal ist es uns gelungen, ein Gebiet dieses Universums zu erkunden. Wir wissen nicht, ob es uns noch einmal auf den Planeten Erde verschlägt. Wenn es so ist, dann möchte ich unbedingt wieder etwas von diesem magischen Getränk horten. Schweren Herzens heben wir ab. Und wieder einmal durchqueren wir die unendlichen Weiten des Weltlichen, um neue Inspirationen der hiesigen Lebensformen und Landschaften zu entdecken, weiter zu entwickeln und für unsere Zwecke zu gebrauchen. Dabei dringen wir in Galaxien vor, die schon viele Menschen vor uns betreten, diese aber noch niemals nicht in jeglicher Form bekrittelt haben.

Kurzinfos

Name: „Sommeracher Katzenkopf“
Anbaugebiet: Franken, Deutschland
Rebe: Silvaner
Jahrgang: 2011
Geschmacksrichtung: trocken
Qualitätsstufe: Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete
Hersteller: Winzerkeller Sommerach eG, Sommerach
Alkohol: 12,5% Volumen
Inhalt: 0,7 Liter
Preis: € 4,00

Ende Logbucheintrag 228, Brückenschreiberling ©Knopfi.de´2012

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Cuchulainn1981

Cuchulainn1981

23.02.2013 15:17

Galaktisch guter Bericht.

chipad

chipad

14.02.2013 07:12

BH!

nostalgia86

nostalgia86

04.12.2012 15:56

BH

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