Dieser Erfahrungsbericht wurde von 41 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ihr kennt das. Man steht in der Videothek und nix gescheites ist im Abgebot. Die guten Filme sind mal wieder alle verliehen. Letztes Mal habe ich noch den Fehler gemacht und mich trotz schlimmer Befürchtungen für "The Mexican" entschieden (vgl. Testbericht). Diesmal habe ich Gott sei Dank neben all den schlechten Popcorn-Produktionen einen Kitano-Film, den ich noch nicht kannte, entdeckt: "Sonatine"!
Der Film ist einer der Frühwerke von Regisseur Kitano aus dem Jahre 1993. Und wie bei fast allen anderen seiner Filme tritt er auch als Hauptdarsteller, Produzent, Autor und Cutter im Abspann auf. Der Mann, in Deutschland wohl am ehesten durch seine Quatsch-Serie "Takeshi's Castle" bekannt, ist ein wahres Multitalent. "Sonatine" ist ein weiterer Beweis dafür.
Wie so oft, geht es auch in "Sonatine" um einen hochrangigen Yakuza aus Japans Hauptstadt Tokyo. Und wie so oft soll dieser Yakuza aus dem Weg geräumt werden - von seinen eigenen Kollegen. Denn es geht um Macht und Machterweiterung und da steht Aniki Murakawa, so der Rollenname von Kitano, im Weg. Unter dem Vorwand einen Yakuza-Streit zu beenden wird er auf Japans Sonneninsel "Okinawa" (bekannt aus "Kill Bill", vgl. Bericht) geschickt. Doch das einzige, was dort beendet werden soll, ist sein Leben, was sich für Murakawa auch sehr bald herausstellt. Es folgt das typische Kitano-Gemetzel. Doch halt, Gemetzel ist bei Kitano-Filmen anders zu verstehen. Hier wird nicht im Sinne von "Rambo" abgeschlachtet, sondern ästhetisch gemordet. Klingt pervers, ist faszinierend. In all diesen Szenen herrscht eine beängstigende Ruhe und Langsamkeit. Die Bilder sind meist statisch und stets länger als eigentlich nötig. Die Kamera verweilt bis hinter die eigentliche Handlung und lässt das Bild somit langsam ausklingen. Kitano kombiniert diese Szenen mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen und für Kitano ungewöhnlichen fast schon romantischen Szenen vor der Kulisse dieser wunderschönen Insel. Sogar eine Frau kommt vor. Und sie spricht. (Bei Kitano eine Seltenheit.) Und sie und Murakawa verlieben sich und haben Sex. (Bei Kitano eigentlich unvorstellbar.) Aber wahrscheinlich ist es genau das, was diesen Film so faszinierend macht. Es passiert fast nichts, und wenn etwas passiert, dann mit einer unerträglichen Ruhe und Gleichgültigkeit. Sogesehen ist der Film sehr kalt. Aber dann kommen plötzlich diese schönen Szenen: Natur, Freundschaft, Liebe. Denn auch im Leben eines unnahbaren scheinbar eiskalten Yakuza existieren diese Dinge. Bevor ich jetzt zu geschwollen daherrede: Der Film besticht einfach durch diese eben beschriebene Ambivalenz. Bei all der Grausamkeit ist er dennoch irgendwie schön.
Einziger Wehrmutstropfen ist die grausame deutsche Synchronfassung. Ein unüberhörbares Rauschen zieht sich durch den kompletten Film und die Geräusche und Dialoge scheinen oft doppelt zu klingen. Zudem passen die Stimmen zum Teil überhaupt nicht bzw. sind einfach schlecht. Gäbe es auf der DVD eine Originalfassung mit deutschen Untertitel, wäre das nicht so schlimm. Aber die gibt es eben nicht.
Trotzdem: Der Film ist nur zu empfehlen. Wer auf japanische Yakuza-Filme steht und auf stupide Bumm-Bumm-Action verzichten kann, der sollte sich "Sonatine" unbedingt anschauen.
Sonatine kenne ich leider noch nicht, aber die Takeshi Kitano Filme, die ich kenne sind hervorragend. Schöner Bericht. Mfg Björn. P.S.: Ich will nicht groß rumspammen hier, aber da Dir Takeshi Kitano gefällt ein Tipp: Im Forum der Seite, auf der ich mitarbeite (www.filmbesprechungen.de) wird diese Woche die DVD des Takeshi Kitano Film "Brother" verlost. Falls Du Interesse hast, kannst Du ja mal Dein Glück versuchen.
31.10.2003 11:25
Der Bericht hat sicher viel Mühe gemacht sehr gut.
31.10.2003 01:21
Sonatine kenne ich leider noch nicht, aber die Takeshi Kitano Filme, die ich kenne sind hervorragend. Schöner Bericht. Mfg Björn. P.S.: Ich will nicht groß rumspammen hier, aber da Dir Takeshi Kitano gefällt ein Tipp: Im Forum der Seite, auf der ich mitarbeite (www.filmbesprechungen.de) wird diese Woche die DVD des Takeshi Kitano Film "Brother" verlost. Falls Du Interesse hast, kannst Du ja mal Dein Glück versuchen.
31.10.2003 00:44
Den kann man sich mal ausleihen. Danke für den guten Bericht. Gruß Joachim