Pro:
. . . da muss ich jetzt aber lange nachdenken, und wenn mir was einfällt bezieht sich das sicherlich hauptsächlich auf die zweite Hälfte des Buches
Kontra:
. . . so gut wie alles : öde, platt, flache Charaktere, ein übermenschlich guter Cop etc .
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Ach, wie oft ist mir dieser Patterson schon empfohlen worden, ist er gelobt und als Autor, den es zu lesen lohnt, dargestellt worden. Einmal fiel ich darauf rein, las eines seiner Werke, fand es ausgesprochen langweilig: aber ihr, ihr konntet es nicht lassen euch darüber zu wundern und mir zu raten, dies oder jenes wäre aber doch SO gut. Nun denn. Einmal verzeihe ich jedem, also war bei meiner ellenlangen Leseliste auch wieder ein James Patterson dabei. Diesmal: "Sonne, Mord und Sterne".
Eines Tages möchte ich einen von den Menschen kennenlernen, die sich diese überaus originellen Titel ausdenken und ihm sagen, was ich davon halte. Aber vorher erzähle ich euch noch etwas von der Story. Es dreht sich wieder um Alex Cross, den Psychologen und Polizisten, und seine neusten Fälle. Diesmal hat er sich gleich um zwei Mörder zu kümmern, aber seinem Chef zufolge sind die Morde an den kleinen Kindern nicht so dringend, das sind ja nur schwarze Kids aus einer miesen Gegend. Nein, viel wichtiger sind da schon, und das frustriert Alex Cross auch gehörig, die Jack & Jill-Morde. Jack und Jill jedenfalls nennen sich die Täter, die es offensichtlich auf reiche, weisse Promis abgesehen haben. Aber welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen Opfern?
Cross ist gehörig unter Druck, zumal irgendwann ermittelt wird, dass die Mörder wohl einen Anschlag auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten planen. Da Cross als Experte bei psychopathischen Serienkillern gilt, soll er mithelfen, den Präsidenten zu schützen. Aber das ist nicht leicht, denn Jack & Jill sind ein verteufelt schlaues Pärchen. Und Cross macht immer noch der Kindermörder zu schaffen, ist er doch selbst Vater und möchte diesen Kerl unbedingt schnappen. Aber auch dieser Killer ist intelligent - und damit doppelt gefährlich...
Klingt spannend? Dachte ich zunächst auch. Aber wie schon bei dem anderen Buch von Patterson, dass ich zuvor gelesen hatte, beginnt auch "Sonne, Mord und Sterne" ausgesprochen schleppend. Rechte Spannung wollte bei mir nicht aufkommen, bleibt doch zu Beginn alles noch bei ziemlich oberflächlichen Beschreibungen. Dabei ist auch hier die Grundidee ausgesprochen interessant. Jack & Jill könnten ein faszinierendes Paar sein, wenn Pattersons Schreibstil in der ersten Hälfte des Buches nicht so lahm und stellenweise auch ausgesprochen simpel wäre. Für vernünftige Charakterzeichnungen hat er sich auch in diesem Buch kaum die Zeit genommen, was ein weiterer Grund war, weshalb mich die Taten von Jack & Jill zunächst nicht sonderlich fesseln konnten.
Auch fand ich es irgendwie überflüssig, das Buch gleich mit zwei parallelen Mordgeschichten zu füllen; das sorgt allerdings für einen gewissen Druck auf Cross, obwohl ihm nach einiger Zeit ja befohlen wird, sich nicht mehr um die Kindermorde zu kümmern. Aber als der aufrechte Gutmensch, der Cross auch in diesem Buch wieder mal ist (gäääähn!), kann er sich daran nicht wirklich halten. Dennoch war es zu Beginn vordergründig der Schreibstil Pattersons, der mir ganz schön auf die Nerven ging. Zunächst einmal sind da eine Menge recht kurze, fast schon abgehackte Sätze, was man aber noch verschmerzen kann. Aber noch mehr störten mich zahlreiche Wiederholungen wie: "Jetzt hatten sie ihn... todsicher. Sie hatten ihn erwischt! Sie hatten ihn!" und Sätze, die offensichtliche Dinge breittreten: "Er ist so mies wie sein Job, und das sollte er nicht sein." Gerade von diesem gibt es eine Menge Beispiele in diesem Buch, einen Haufen Sätze, die mit sinnlosen Zusätzen oder unwichtigen Adjektiven aufgebläht wurden.
Aber Patterson scheint gerne unwichtige Details zu erzählen. Das wirkt dann manchmal wie in Soap Operas, wo die Personen ein Lokal betreten, einen Kaffee bestellen und gerade, wenn der Kaffee kommt, zu ihrem Gegenüber sagen: Jetzt muss ich leider gehen. Genau so sinnlos erscheint es mir, wenn Alex Cross in seine Küche kommt, bemerkt dass dort gerade sein Leibgericht gekocht wird und sich dann sofort ein Sandwich macht.
Hinzu kommt, dass gerade in der ersten Hälfte sehr viele Schimpfworte und Fäkalausdrücke verwendet werden, die ich von den beteiligten Personen nicht immer so erwartet hätte. Vielleicht soll das besonders authentisch wirken, aber vielleicht wäre es auch spannender, Alex Cross tatsächlich als den gebildeten Polizisten zu zeichnen, der er aufgrund seiner psychologischen Kenntnisse ja ist. Insgesamt also ist die Sprache im ersten Teil des Buches nicht nach meinem Geschmack. Das seltsame ist nur, dass das Buch in der zweiten Hälfte plötzlich an Schwung gewinnt, spannender wird, auch sprachlich ein wenig besser. Genau das gleiche hatte ich schon bei dem anderen Buch, das ich von Patterson gelesen hatte, beobachtet. Ich stelle mir mittlerweile vor, dass Patterson seine Bücher, von Zweifeln geplagt, irgendwann seiner Frau zu lesen gibt und sie um Rat fragt, und sie schlägt dann immer die Hände über dem Kopf zusammen und versucht zu retten, was zu retten ist... Na ja, mich zumindest hat diese Vorstellung erheitert :)
Alles in allem mal wieder ein schwacher Thriller, der gegen Ende plötzlich - endlich! - aufdreht, noch einige Überraschungen bietet und schliesslich doch noch spannend wird. Warum nicht gleich so? Dennoch reicht mir das nicht, um das Buch zu empfehlen. Ob ich jemals wieder versuche, herauszufinden warum alle Welt diesen Autor so wahnsinnig toll findet? Ich weiss nicht. Erstmal wohl nicht. Ich bitte von Kommentaren abzusehen, in denen man mir dies und jenes Buch empfiehlt - ich glaube euch nicht mehr! SO! :)
-- James Patterson: Sonne, Mord und Sterne. München, Ehrenwirt, 2000. 382 Seiten, gebunden 19,90 EUR, broschiert 8,90 EUR (noch nicht erschienen) --
23.11.2003 15:20
Endlich mal jemand, der dieses mäßig interessante Buch nicht über den grünen Klee lobt!
06.09.2002 09:59
Dr. Alex Cross ist beileibe kein "Übermensch". Und überhaupt würde mein Urteil zu diesem Buch anders ausfallen. VG, mima
04.09.2002 14:15
hm, ich hab das hörbuch davon gehört und fand das eigentlich ziemlich cool....lg niko