Sonnenallee

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War es wirklich so in der DDR?
Erfahrungsbericht von telemo über Sonnenallee
07.10.2002


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Gute Darsteller
Kontra: Viele überzogene Possen

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Liebe Ciao Gemeinde,
nach langer Abwesenheit heute mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Leider lässt es mein Job nicht zu, öfter hier etwas zu veröffentlichen und weiß Gott, ich würde es doch so gern viel öfter tun. Aber was soll’s? Ich bleib am Ball und bin, wenn auch dieses Jahr nicht all zu oft, immer wieder gerne hier.
Nun aber zu meinem Bericht. Wie viele von euch habe ich mir den Film- Sonnenallee- gestern Im TV angesehen. Meine Eindrücke hierzu möchte ich euch kurz schildern.

Es war natürlich nicht leicht für all jene die die DDR nie kennen gelernt haben, hier zu verstehen was uns dieser Film denn sagen wollte. Sollte es wirklich nur eine Komödie sein? Konnte man auch über jede Szene lachen, in der es eigentlich angebracht war. Nun ich glaube nicht. Für mich als ehemaliger DDR Bürger allerdings erschienen mir viele Details sehr gut getroffen. Und da ist eigentlich das Problem für viele die die Zustände hier nicht kannten. Viele Sachen lassen sich einfach nur für die Leute nachvollziehen die auch hier gelebt haben.
Trotz allem ein Film der in einigen Passagen doch sehr witzig war und mich in vielen Dingen auch an meine Zeit hier erinnert hatte.


Sonnenallee

Regie
Leander Hausmann
Thomas Brussig

Darsteller
Alexander Scheer - Michael
Alexander Beyer - Mario
Detlev Buck - der ABV
Teresa Weißbach - Miriam
Henry Hübchen - Hotte
Katharina Thalbach - Doris


Handlung

Die Sonnenallee ist eine Straße, die durch den Mauerbau geteilt wurde und zum einen Teil im Westen und zum anderen im Osten liegt. Klar dass unter diesen Vorraussetzungen so einiges passiert, denn die Westberliner konnten ja in die DDR einreisen wann sie wollten.
Die Handlung spielt auf dem teil der Sonnenallee der in Osten liegt.
Erzählt wird vom 17-jährigen Michael Ehrenreich (Alexander Scheer), der im Ost-Berlin der 70er Jahre lebt, gleich hinter der Mauer, und sich mit den beiden zentralen Fragen seiner Altersklasse herumschlägt: Wie wird man Popstar? Und wie kommt er an die Heißbegehrte Miriam heran? Michael hat natürlich auch Freunde, die mehr oder weniger in die Handlung mit eingebunden sind. Da wäre der aufrührerische Marko, mit dem er in der Schuldisco eine heiße Sohle aufs Parkett legt. Mit dem er unfreiwillig wilde Partys feiert und immer wieder unfreiwillig an den ABV (Abschnittsbevollmächtigter- oder zum besseren Verständnis –Polizist) gerät. Und natürlich nicht zu vergessen seine Familie. Schwester Sabine, die immer wieder neue Liebhaber anschleppt, Vater Hotte, der als Systemkritiker ständig das System aufmischen will und Mutter Doris die dieses System gerne mal von außen sehen würde. Nicht zu vergessen Onkel Heinz aus dem Westen der ständig mit dem Asbest zu tun hat. In großen und ganzen spielt der Film aber um die Liebe Michaels zu Miriam, die ihm zu Beginn zwar verschlossen bleibt, aber ihm endlich doch erliegt. Viele Poenten und Possen spiegeln hier das normale Leben eines Jugendlichen in diesem Alter wieder, wie sie auch in Hamburg, München oder Kleinkleckersdorf hätten passieren können. Leider kann ich an dieser Stelle nicht auf jede Einzelheit eingehen, denn das würde bei weitem den Rahmen eines normalen Berichtes sprengen. Ganz abgesehen davon dass viele Leser dann die Lust am Lesen verlieren würden.

Nach mittlerweile 12 Jahren lässt sich nur noch schwer erahnen was in der damaligen DDR so alles vor sich ging. Einem Außenstehenden ist wirklich die Logik der DDR nicht all zu einfach beizubringen. Dass man z.B. Westfernsehen hat, aber in der Schule nichts darüber erzählen kann. Oder, warum der Nachbar Telefon hat. Weil er bei der Stasi war, so zumindest die einfache Erklärung von Hotte(Michaels Vater). Reden durfte man über diese offenen Geheimnisse allerdings nicht.

Eben diese Absurditäten bringt der Film zur genüge und das hervorragende ist, dass hier Schauspieler mitwirken, die dieses Unernste auch ernst spielen können.
Hierbei lässt sich sagen dass mich in diesem Film wirklich alle Schauspieler überzeugen konnten. Zwei aber ganz besonders. Zum einem Henry Hübchen (Hotte) und der ABV, gespielt von Detlev Buck. Ich hätte mich kringeln können über diesen ABV. Aber mal am Rande. Für mich ist Detlev Buck eh einer der besten Schauspieler den wir in Deutschland haben. Unterstützt wird die Handlung des Unwirklichen durch Kamerazooms und Überstilisierungen, wie zum Beispiel der Auftritt der Märchenhaft schönen Miriam. Ich fand es toll, denn so wurde dem Streifen doch eine gewisse Menschlichkeit gegeben und nicht all zu sehr die politische Situation in den Vordergrund gestellt.

Allerdings muss man auch sagen dass viele überzogene Pointen und Inszenierungen es unmöglich machen die Charaktere als lebendig zu empfinden. Zum Beispiel Miriams Interesse an Michaels Tagebüchern, was mir das Gefühl gab den Film mit einer Handlung zu versehen, was aber für mich eher künstlich wirkte als real. Oder die beiden Sachsen, die zum Jugendfestival kamen und so taten als hätten sie noch nie Westfernsehen geschaut und sich letztendlich noch am Testbild begeisterten. Die Handlungen waren nie psychologisch motiviert, sondern wirkten eher wie extra gebaut. So fehlte mir auch ein richtiger Höhepunkt, der sicher ein Glanzpunkt gewesen wäre.

Deshalb war das Ende für mich ziemlich unbefriedigend. Man hat sich 90 Minuten lang amüsiert und hat die DDR begriffen (hoffe ich zumindest). Es wirkte ein wenig sonderbar auf mich als in der Schlussphase nach den Worten eines –Off Erzählers— Michael endlich Pop- Star werden darf. Es war schön in der DDR. Nur weil er jung und verliebt war. Irgendwie klingt es wie eine Ausrede zu dem Vorwurf dass man zwischen SED, Stasi und Partei auch glücklich sein konnte.

Fazit

Was lässt sich zum Abschluss zu diesem Streifen sagen. Für mich persönlich ein Rückblick in die Vergangenheit, in der sich vieles Vergangene widerspiegelte, aber vieles auch eher künstlich und nachgestellt wirkte. Die Handlung war eher nur Unterhaltung am Rande, und das Happyend war schon nach dem ersten Auftritt von Miriam zu erahnen. Zur Unterhaltung sicher ein Streifen den man sich ansehen kann. Wer allerdings die Erwartungen, trotz angekündigter Komödie, zu hoch schraubt, wird hier eher enttäuscht sein. Sicher ein Film der auch international guten Anklang gefunden hatte, aber mich persönlich nicht gerade in einen Begeisterungssturm verfallen ließ. Sicher werden viele über mein Urteil verwundert sein, aber ich betrachte die DDR nun mal eher realistischer als sie in einer Komödie darzustellen. Vielleicht ein Fehler, der Zugegebenerweise auch mit meinem negativ erlebten in diesem Staat zusammenhängt.

Viele Grüße an die Ciao Gemeinde

telemo
   
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