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Sonst bist du dran / Renate Welsh

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Gib Gewalt keine Chance!

4  26.07.2007

Pro:
senkt die Gewaltbereitschaft der Kinder, informativ, regt Kinder zum Nachdenken an

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

Niveau

Lerngehalt

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eva84

Über sich:

Mitglied seit:05.04.2006

Erfahrungsberichte:21

Vertrauende:1

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 37 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

*** Allgemeine Infos zum Buch***

Autorin: Renate Welsh
Illustratorin: Dorothea Tust
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsjahr: 1994
ISBN: 3-401-01943-0
Preis: ca. 5€

*** Zur Autorin ***

Renate Welsh wurde 1937 in Wien geboren. Nach der Matura studierte sie Englisch, Spanisch und Sprachwissenschaften, brach das Studium jedoch nach zwei Jahren ab . Sie war zunächst als Übersetzerin tätig, seit 1975 arbeitet sie freiberuflich als Schriftstellerin mit einem ausgesprochen breiten Betätigungsfeld: Kinder- und Jugendliteratur, biografische und zeitgeschichtliche Texte, Mitarbeit und Mitherausgabe von Anthologien, Schreibwerkstätten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Hörspiele u.v.m.
Für ihre Kinder- und Jugendbücher erhielt sie zahlreiche nationale sowie internationale Preise und Auszeichnungen.

Weitere Werke:
1974: Alle Kinder nach Kinderstadt
1979: Das Vamperl
1982: Johanna
1983: Der Brieftaubenbeamte
1987: Empfänger unbekannt - zurück!
1988: Drachenflügel
1994: Schneckenhäuser
2002: Dieda oder Das fremde Kind

*** Inhalt ***

Michel geht in die vierte Klasse. Durch Zufall wird er mehrfach Zeuge, wie einige seiner Klassenkameraden einen Mitschüler brutal misshandeln. Um ihn als Zeugen auszuschalten, bietet ihm Klaus an, bei den "Hunzern" mitzumachen. Klaus ist Anführer der Bande. Michel schließt sich aus Feigheit an. Er begreift sich selbst nicht mehr. Albträume quälen ihn. Und da er nicht ein noch aus weiß in dieser unglücklichen Lage, keimen in Michel selbst auch Aggressionen auf - gegen Arnold, das Opfer. Arnold ist ein Außenseiter wie die meisten typischen Opfer.
Damit er den Mund hält, wird Michel zum Mittäter gemacht. Dieses gezielt heimtückische Verhalten der Anstifter erlaubt es ihnen später, sich mit der Begründung herauszureden, sie seien ja gar nicht aktiv gewesen.
Michel lässt sich dazu anstiften, Arnold Gras in den Mund zu stecken. Dieser Vorfall belastet sein Gewissen so sehr, dass er darüber krank wird.
Die Klassenlehrerin fühlt: Etwas Ungewöhnliches geht in der Klasse vor und die Gewalt in der Schule nimmt zu. Sie schimpft nicht mit ihren SchülerInnen, sondern versammelt sich mit ihnen im Sesselkreis. Anschließend gibt sie jedem Kind einen Zettel und stellt ihnen die Aufgabe, zuhause darüber nachzudenken, wann jeder von ihnen Gewalt ausgeübt oder erfahren hat. Ihre Erlebnisse sollen sie mit einem Satz auf die Zettel schreiben.
Am nächsten Tag liest sie die Aussagen der Kinder vor. Einige davon sind sehr grausam und schockierend. Frau Hafner macht den Kindern bewusst, wie leicht man selbst Täter oder Opfer wird. Sie lässt Zeit verstreichen und die Kinder mit ihren Gedanken allein. Dabei wird eine Veränderung der Einstellung gegenüber Gewalt bei den Kindern erkennbar.
Aber die Lehrerin hat nicht vergessen, ihr Ziel zu verfolgen: In ihrer Klasse soll keiner gehänselt und gequält werden. Endlich findet Michel auch den Mut, mit seinen Eltern über den entwürdigenden Vorfall zu sprechen. Diese sind zuerst entsetzt, reagieren dann jedoch vorbildhaft. Sie erlegen ihrem Sohn auf, sich mit Arnold auszusöhnen.
Da die Peiniger Arnolds Schal bei der Misshandlung im Park auf einen Baum geworfen hatten, begibt sich Michel dorthin. Mit Hilfe eines Mannes angelt er das Kleidungsstück aus dem Astwerk. Er wäscht, flickt, bügelt den Schal und verpackt ihn in Seidenpapier. Er wartet aus die richtige Gelegenheit, Arnold das Kleidungsstück zurückzugeben.
Michel entschuldigt sich und übergibt ihm den Schal. Auf Michels Frage hin, gibt Arnold zu, dass er nicht mehr "sauer" ist. Zwischen den beiden ist alles wieder in Ordnung, dennoch beschließen sie, dass sie sich deswegen nicht gleich mögen müssen.

*** Bildgestaltung ***

Das Buch enthält zahlreiche, sehr kleine schwarz-weiß Illustrationen, die sich auf den Inhalt oder nur einen vorhergehenden Satz beziehen. Bei den Illustrationen handelt es sich um verschiedene Gegenstände (Turnschuhe, Schulutensilien, abgebrochener Autospiegel,...), die meist sher detailliert gezeichnet sind.

*** Sprachgestaltung ***

Der Großteil der Geschichte ist in einfachen und leicht verständlichen Sätzen geschrieben. In einer
einfachen Erzählstruktur, mit kurzen Sätzen und wenig wörtlicher Rede beschreibt die Autorin Michels Gefühle und Ängste, zeigt ihn jedoch auch als Mittäter: "Plötzlich packte ihn eine ungeheure Wut. [...] Mit beiden Fäusten schlug er auf Arnold ein, bis Klaus in die Hände klatschte."

Der Wortschatz ist im Großen und Ganzen kindgemäß. Es kommen aber auch viele, den Kindern möglicherweise unbekannte Wörter oder Ausdrücke vor z.B. "roter Schwall" (S.17); "Gesäusel" (S.21); "in flagranti" (S.57); u.a.
Der verwendete Wortschatz ist jedoch nicht immer zufriedenstellend, denn es treten relativ viele Schimpfwörter oder beleidigende Sätze auf z.B. "scheußlich"; "stinkendes Arschloch!" (S.15); "scheiße" (des öfteren); "feige Sau" (S.19); "dumme, fette Kuh" (S.51); u.a.

Das Buch ist teilweise sehr schwer zu verstehen, weil der Text nur wenige Absätze enthält und viele Sätze sehr lange und verschachtelt sind. Zahlreiche lange Sätze sind lediglich durch eine Beistrich verbunden z.B. "Frau Rode ging nach vorn, nahm ein Lineal, klopfte damit an ihre Jeans." (S.12); "An einem Freitagmorgen stand Arnold vor dem Zaun, kraulte den Hund hinter den Ohren und der Hund wedelte mit dem Schwanz, dass das Zaungitter schepperte, und seine fleischige rote Zunge hing ihm aus dem Maul." (S.104) u.a. Diese Sätze erfordern teilweise viel Konzentration, wenn man sie verstehen will.
Die Geschichte wird aus der Perspektive einer aussehstehenden Person erzählt, die aber sehr gut über die Gefühle und Gedanken der handelnden Personen bescheid weiß.
Der Text ist in gut lesbarer Druckschrift (Times New Roman 14pt) geschrieben und im Flattersatz verfasst.

*** Ausstattung ***

Das Buch umfasst insgesamt 127 Seiten, ist aber nicht in Kapitel unterteilt.
Es enthält zahlreiche schwarz-weiß Illustrationen von geringer Größe, die sich meist zwischen dem Text befinden.
Auf der Titelseite des Buches ist Michel, der den Schal von Arnold in einer Hand hält, abgebildet. Im Hintergrund sind zwei Jungen zu sehen, die einen bedrohlichen Eindruck machen und Michel "abstarren". Michel blickt ebenfalls zu diesen Jungen.
Auf der Rückseite des Umschlages ist das Bild der Titelseite nochmals im Kleinformat abgebildet. Darunter befinden sich kurze Hinweise zum Inhalt der Erzählung.

*** Aussage des Buches ***

Die Autorin thematisiert in ihrem Kinderbuch ein Thema, über das nicht einfach so hinweggesehen werden darf. Sie zeigt, dass selbst in der Grundschule die zunehmende Gewaltbereitschaft nicht zu übersehen ist. Das fängt oft bei kleinen Sticheleien an und endet, in extremen Ausnahmefällen, in Mordanschlägen auf Mitschüler und Lehrer. Doch sind es nicht Mord und Totschlag, die mehr und mehr zum Schulalltag gehören, sondern die vielen kleinen Hänseleien, Gemeinheiten, Attacken und Erpressungen.
Zugleich verdeutlich sie auch, in welche schwieriger Situation man sich befindet, wenn man Zeuge eines Gewaltaktes wurde. Michel weiß zunächst nicht, ob er sich jemanden anvertrauen oder ob er lieber schweigen und sich der gewalttätigen Gruppe anschließen soll.
Die Autorin zeigt aber auch, wie man sich fühlt, wenn man sich so wie Michels unterdrücken lässt. Er hat ein schlechtes Gewissen und fühlt sich miserabel, weil er Arnold diese schrecklichen Dinge angetan hat.
Durch die Handlungen der Lehrerin bringt schließlich auch zum Ausdruck, wie schrecklich und sinnlos Gewalt ist.

*** Behandlung des Buches ***

Schule und Gewalt sind zwei Themen, die scheinbar immer enger miteinander verwachsen. Das fängt oft bei kleinen Sticheleien an und endet in extremen Ausnahmefällen in bösartigen Schlägereien mit verheerenden Verletzungen. Doch sind es nicht die Schlägereien, die mehr und mehr zum Schulalltag gehören, sondern die vielen kleinen Hänseleien, Gemeinheiten, Attacken und Erpressungen.
Der Inhalt sollte genau besprochen werden. Mit dem Kind sollte darüber gesprochen werden, ob ihm solch ein Fall vielleicht bekannt vorkommt, es so etwas schon einmal miterlebt hat,....

Fragen wie: "Kennst duAußenseiter, die gehänselt, beschimpft, erpresst oder vielleicht auch geschlagen werden? Kennst du Familien, in denen die Eltern Gewalt gegeneinander oder auch gegen ihre Kinder anwenden? Warum werden manche Menschen/Kinder zum Außenseiter? Warum wenden Menschen Gewalt an, welche Gründe haben sie dafür? Wie könnte man Konflikte gewaltsam lösen? An wen kann ich mich wenden und kann ich das Gesehene erzählen? "besprechen.


*** Gesamteindruck / Empfehlung ***

Meiner Meinung nach ist das Buch ist, auf Grund des Inhalts und der großartigen Schilderungen der Gefühle der handelnden Akteure, auf jeden Fall weiterzuempfehlen. Ein Problem stellt der Text dar, denn dieser enthält beinahe keine Absätze und auch die Sätze sind hin und wieder schwer zu verstehen.

*** Zu welchen weiteren Aktivitäten regt das Buch an? ***

Zeichnen:
Gefühle darstellen ( Wut, Angst, ...)
Collagen erstellen
Comic zeichnen

Lieder:
"Die Menschen sind alle verschieden" (Sim Sala Sing, S. 10)
"Das Lied vom Anderssein" (Sim Sala Sing, S. 14)

Weiters:
Fragen und Antworten zu dem Buch finden (Quiz)
Beschreibe Michel/ "die Hunzer"/ Arnold und ihre Gefühle,.....
Gefühle und eigene Erfahrungen erzählen bzw. aufschreiben
Lösungsstrategien zu einer gewaltfreien "SCHULE" oder Klasse finden
Über die Ursachen von Gewalt sprechen
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Miramon

Miramon

29.07.2007 14:23

Ein super Bericht!

modschegibbchen

modschegibbchen

26.07.2007 19:31

leider ein topaktuelles und hochbrisantes thema, zu dem die autorin hier ein buch geschrieben hat, denn gewalt nimmt - nicht nur - in der schule immer mehr zu und immer brutalere formen an. lg heike

TheBabz

TheBabz

26.07.2007 17:08

Sehr guter Bericht... wobei ich mich ernsthaft frage, ob sich Kinder von den Namen der Hauptfiguren angesprochen fühlen?

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Sonst bist du dran - Welsh, Renate

Sonst bist du dran - Welsh, Renate

Taschenbuch, 127 S., Erschienen: 2010

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