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Für und Wider dem Glauben - Aufarbeitet in einer Facharbeit |
| Kontra: |
siehe Text |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Der folgende Text besteht aus meiner Facharbeit aus dem letzten Schuljahr. Vielleicht ist es für den einen oder anderen interessant mal etwas über den Glauben als Mainstreambewegung zu Erfahren.
Der Glaube als Mainstreambewegung?
Versuch einer Analyse der Beziehung zwischen der heutigen Jugend und Gott
1. Vorwort
2. Definitionen
2.1. Glaube
2.2. Mainstream
2.3. Jugend
3. Verschiedene Glaubensformen der Jugendlichen
3.1. Traditioneller christlicher Glaube am Beispiel einer katholischen Messdienerin aus Lichtenau/Westfalen
3.1.1. Beschreibung des traditionellen christlichen Glaubens
3.1.2. Bewertung
3.2. Atheistischen Sichtweise am Beispiel einer evangelisch
getauften Paderborner Gesamtschülerin
3.2.1. Beschreibung der atheistischen Sichtweise
3.2.2. Bewertung
3.3. Direkte Verbindung der Mainstream - Popkultur mit dem
Glauben am Beispiel des „Billismus“
3.3.1. Beschreibung des „Billismus“
3.3.2. Bewertung
3.4. Glaube an eine höhere Macht am Beispiel eines Jugendlichen vom Kaukenberg
3.4.1. Beschreibung des Glaubens an eine Höhere Macht
3.4.2. Bewertung
4. Abschließende Analyse
4.1. Aussagen der Shell-Jugendstudie 2005
4.2. Die Beziehung zwischen der heutigen Jugend und Gott
5. Nachwort
6. Anlagen
1. Vorwort
„Ich glaube an eine höhere Macht – Das ist doch voll Mainstream! (...) Die Leute sind in ihrer Entwicklung einfach stehen geblieben“. Diese Aussage eines Mitschülers war der Denkanstoss zu meiner Facharbeit. Ich möchte versuchen, die Frage nach dem Glauben der heutigen Jugend zu klären. Ist es wirklich ein Stehen bleiben in der Entwicklung der persönlichen Glaubensfindung und gibt sich die Jugend mit diesem Status Quo zufrieden? Haben sich die Jugendlichen von Gott beziehungsweise der Religion abgewandt oder beschäftigen sie sich auch heute noch mit ihrem Glauben? Jahrhunderte lang stand die Kirche im Mittelpunkt des Lebens und die Frage nach der Existenz Gottes wurde nicht gewagt zu stellen. Dieses hat sich mittlerweile geändert. Wo liegt der Grund? Ist es reines Desinteresse an der Religion, da die Menschen zu beschäftigt mit anderen Angelegenheiten sind, oder haben sie sich von Gott distanziert? An was glauben die Jugendlichen im Jahr 2006?
Diese und andere Fragen möchte ich in meiner Facharbeit klären.
Unter Betrachtung verschiedener Aussagen und Stellungnahmen Jugendlicher über sich selbst und der „Shell – Jugendstudie 2005“ versuche ich Antworten auf die zahlreichen Fragen zu finden.
2. Definitionen
2.1. Glaube
Der Begriff „Glaube“ hat zahlreiche Bedeutungen.
Im Alltagsgebrauch wird er häufig mit „meinen“ bzw. „für wahr halten“ übersetzt. Auch Vertrauen ist mit dem „Glauben“ im alltäglichen Leben eng verbunden.
Im christlichen Sinne zeigt der Glaube eine Lebenshaltung auf, die darauf vertraut, dass alles in der Welt von Gott geschaffen wurde und durch ihn weiterhin existent bleibt. Auch, dass die von Gott gegebene Ordnung in Jesus Christus Mensch geworden ist, sowie die Annahme des allgegenwärtigen Geist Gottes, sind wichtige Bestandteile des christlichen Glaubens.
Aus der Annahme dieser Lebenshaltung ergibt sich die Konsequenz, dass sich die Gläubigen von Gott angenommen und bei ihm geborgen fühlen. Auch die Mitgestaltung der Welt in der Weise, wie der liebende Gott sie im Sinn hatte, ist eine Folge, die der Glaube mit sich bringt.
Die Bibel als Buch der Christen unterscheidet zwischen zwei Formen von Glauben. Zum einen gibt es den Glauben an die Menschen und zum anderen den Glauben an Gott, wobei der Schwerpunkt bei Letzterem liegt.
Einer der Hauptaspekte beim Glauben an Gott ist die Hoffnung. Auf diese Betrachtungsweise greifen selbst Marketing-Experten zurück: „Wo Glaube ist, ist Hoffnung, und wo Hoffnung ist, geschehen Wunder.“ Durch den Glauben an Jesus Christus erhalten viele Gläubige das Gefühl, der Inhalt ihrer Hoffnung sei bereits real geworden.
Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt im christlichen Glauben ist das Vertrauen. Der Glaube ist unmittelbar mit dem Vertrauen auf Gott und damit auch an Jesus als den Christus verbunden, was ihn im biblischen Sinne zum König und Retter macht. Dadurch wird Glaube bedeutender als die schlichte Annahme der Existenz Gottes.
Allein der bedingungslose Glaube an Gott ist es, der den Menschen zur Erlösung der Sünden führt. Im Gegensatz zum katholischen Glaube des Mittelalters sind gute Taten dafür unnötig.
2.2. Mainstream
Das Wort „Mainstream“ kommt aus dem Englischen und wird mit dem Begriff „Hauptstrom“ übersetzt. Dieser stellt den künstlerisch-kulturellen Geschmack einer großen Gruppierung dar. Das Gegenteil zum Mainstream bilden Subkulturen oder der ästhetische Untergrund (Underground).
In unserer Gesellschaft ist der Begriff „Mainstream“ vorwiegend negativ behaftet. Dennoch ist zu beobachten, dass viele Künstler, die fernab vom Mainstream arbeiten, niedrige Verkaufszahlen aufweisen. Üblicherweise wird „Mainstream“ mit der Popkultur verbunden, aber im Laufe der Zeit wurde er auf viele andere Bereiche, wie Politik und verschiedene Einzelwissenschaften, ausgeweitet. Die negativen Assoziationen erhielt dieser Begriff vor allem von alternativ und reformistisch Gesonnenen, die allen voran den „gedanklichen Mainstream“ kritisieren, da dabei das individuelle Denken als Nebensache fungiert und der Mensch selbst in der Masse vereinigt wird.
2.3. Jugend
Allgemein wird unter „Jugend“ die Zeit zwischen der Kindheit und dem Erwachsensein verstanden. Dieses entspricht etwa sieben Jahre, also die Dauer zwischen dem 14. und 21. Lebensjahr.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war der Begriff „Jugend“ mit dem Gedanken „Jugend als Gefährdung und Unreife“ verbunden. Dieser wurde aber durch ein positives Bild ersetzt, als im 1. Weltkrieg der politische Jugendmythos entstand, der unter dem Motto: „Jugend als Motor der Geschichte – Wer die Jugend hat, hat die Zukunft“ stand.
Bis heute wird die Jugend als Zukunft bezeichnet.
3. Verschiedene Glaubensformen der Jugendlichen
3.1. Traditioneller christlicher Glaube am Beispiel einer katholischen Messdienerin aus Lichtenau/Westfalen
3.1.1. Beschreibung des traditionellen christlichen Glaubens
Die Wurzeln für einen traditionellen christlichen Glauben werden meist bereits in der Kindheit gelegt, wenn das Kind schon im frühen Alter in die Rituale der Kirche miteinbezogen wird. In sehr traditionellen Familien brennt sich dieser Glaube sehr stark ein und die Bräuche, wie Beten und der Kirchgang, bleiben auch im Erwachsenenalter bestehen.
3.1.2. Bewertung
Die Kinder nehmen die Erziehung der Eltern an, ohne sich wirklich Gedanken darüber zu machen, woran sie eigentlich Glauben. Ob die Eltern die kindliche Naivität ihrer Nachkommen nun ausnutzen, um ihnen ihren Glauben zu vermitteln oder ihnen später alle Möglichkeiten der persönlichen Glaubensfindung offen stehen lassen, kann ich nicht beurteilen. Das Beispiel zeigt eine typische Glaubenshaltung, die im Kindesalter vermittelt wurde. Sie glaubt an den Gott, wie er in der Bibel beschrieben wird. Allerdings scheint ihr nie die Möglichkeit gegeben worden zu sein, ihren eigenen Glauben zu finden. Dieses zeigt sich dadurch, dass sie Gott ganz typisch als den dreifaltigen Gott beschreibt, wie er auch in nahezu jedem Gebet und Loblied gerufen wird.
Vor Jahrzehnten war diese Form des Glaubens weit verbreitet und die persönliche Glaubensfindung stand nicht einmal zur Debatte. Es lässt sich sagen, dass zu jenen Zeiten diese Form des Glaubens eine Mainstreambewegung war. Von politischer Seite aus wurde die Religion gefördert und gefordert, sodass ein Ausbruch aus diesem Hauptstrom fast unmöglich war. Erst in den siebziger Jahren änderte sich dieses mit der Hippiebewegung schlagartig.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass traditionell christlich glaubende Jugendliche eher als Außenseiter gelten, die „hinter dem Mond“ leben und scheinbar vom wahren Leben keine Ahnung haben. Meiner Meinung nach kann ich diese These nicht unterstützen, da viele der Gläubigen sich, trotz ihrer streng christlichen Erziehung, Gedanken über ihren Glauben machen und ihn auch kritisch hinterfragen.
3.2. Atheistische Sichtweise am Beispiel einer evangelisch getauften Paderborner Gesamtschülerin
3.2.1. Beschreibung der atheistischen Sichtweise
Ähnlich wie der traditionelle christliche Glauben wird der Atheismus häufig in der Erziehung mitgegeben. Bei dem Beispiel der Gesamtschülerin war es ebenso. Sie jedoch hat sich zusätzlich mit der Bibel später aus Neugier beschäftigt und darin Widersprüche gefunden, die ihr den Glauben an die Bibel unmöglich machen. Da sie die Bibel als Grundlage des christlichen Glaubens als Buchreligion sieht, kann sie daher auch nicht an den Gott, der für die unmittelbar mit der Bibel in Verbindung steht, glauben. Sie bekennt sich zum Atheismus.
3.2.2. Bewertung
Die befragte Schülerin beschreibt die Bibel als widersprüchlich. Sie erkennt keine Wahrheit in der „heiligen Schrift“ und kann es mit sich selbst nicht vereinbaren, diese Ungereimtheiten zu überlesen, einfach zu akzeptieren oder einen Sinn darin zu finden. Aus diesem Grund hat sie sich bewusst gegen den christlichen Glauben entschieden. Sie stammt zwar aus einem atheistischen Elternhaus, wurde aber im Kindesalter getauft. Ihr sollte das Außenseiterdasein, weil sie nicht am Religionsunterricht teilnimmt, in der Schulzeit erspart werden. Da die Bibel und der Glauben im Elternhaus nie Thema waren, wurde ihre Neugier mit wachsendem Alter geweckt und der Prozess ihrer Glaubensfindung begann.
Meiner Meinung nach hat die Mutter der Befragten einen guten Weg gewählt, ihre Tochter an die Religion heranzuführen – nämlich gar keinen. So konnte sie selbst ihre Neugier aufarbeiten, sich selbst Fragen stellen und sich diese beantworten. Mit ihren rationalen Denkstrukturen kann sie sich den Glauben nicht erklären und aufgrund dessen lehnt sie für sich den Glauben ab. Sie wurde durch ihre Erziehung weder in die Schranken des Glaubens noch in die des Unglaubens geleitet und konnte damit ihre Entscheidung selbst fällen.
Im Gegensatz zu anderen Jugendlichen, die entweder keine Gedanken an die Glaubensfindung verlieren und sich einfach dem Mainstream anpassen oder den Glauben aus finanziellen Gründen im Alter der Konfirmation ausnutzen, hat sich die Schülerin bewusst gegen die Konfirmation und auch die damit verbundenen Geschenke entschieden. Ich erinnere mich noch an meine erste Stunde beim Konfirmandenunterricht, als der Pastor uns fragte, wieso wir zur Konfirmation gingen. Zunächst zögernd antworteten immer mehr, dass sie diesen Schritt nur aufgrund der Geschenke gehen würden.
Wenn sich jemand gegen die christlich - gesellschaftlichen Normen, die gerade in Paderborn tief verwurzelt sind, stellt, weil er den Glauben nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, finde ich es durchaus legitim, denn er hat sich bewusst gegen die Kirche und den Glauben entschieden.
3.3. Direkte Verbindung der Mainstream- Popkultur mit dem Glauben am Beispiel des „Billismus“
3.3.1. Beschreibung des Billismus
Der so genannte „Billismus“ gründet sich auf den Sänger der deutschen Pop- und Rockband „Tokio Hotel“, Bill Kaulitz, und wird als „Fanclub-Religion“ bezeichnet.
Im Juni 2005 begann die Hysterie um die Teenieband „Tokio Hotel“, die durch zahlreiche Medienberichte verstärkt wurde. Es bildeten sich Internetportale und Fanclubs in ganz Europa.
In einem deutschen Fanportal wurden die Mitglieder der Band, anfangs nur als Scherz gedacht, als Götter bezeichnet. Dieser Ausspruch zog jedoch seine Kreise und schon bald fanden sich einige Fans, die den „Billismus“ gründeten.
Ihre „Religion“ steht unter den Mottos „Schrei bis du, du selbst bist!“3 und „Leb die Sekunde!“4, die jeweils aus Liedtexten entnommen sind. Die Gebote, die geschaffen wurden, basieren vor allem auf Toleranz und Treue im Bezug auf ihre Band, „Tokio Hotel“.
Die Billisten „wollen keiner Religion gleichen“5 und so haben sie „aus verschiedenen Religionen Ansätze entnommen“6.
Da sich der „Billismus“ derzeit noch in seiner Anfangphase befindet, wird an einer „Bibel“ noch gearbeitet. Gebete, Lobeslieder, Feiertage und erste Bücher der „Bibel“ wurden bereits fertig gestellt.
Mittlerweile hat der Billismus mehr als 50 Anhänger gefunden, alle im Alter zwischen 12 und 18 Jahren – und es werden täglich mehr. Die Gründer arbeiten inoffiziell bereits an einer Eintragung als Sekte, wozu allerdings 300 Mitglieder nötig sind.
3.3.2. Bewertung
Vom Billismus erfuhr ich von einer Bekannten, die ich im Rahmen meiner Facharbeit nach ihrem Glauben fragte. Die erzählte mir zunächst von der Entstehungsgeschichte ihrer „Religion“ und den derzeitigen Plänen, die das Schreiben ihrer „Bibel“ vorsehen. Meine Bekannte berichtete derart begeistert von ihrem Billismus, dass ich fragte, ob sie diese „Religion“ ernst nehme. Ihre Antwort, dass Billisten selbst ihre „Religion“ als „Spinnerei, um [sich] kreativ auszuleben“ bezeichnen, sie aber dennoch die Grundsätze von Toleranz und Treue sehr ernst nehmen, gab mir zu denken.
Sehnen sich die Jugendlichen wirklich nach jener Toleranz und Treue, nehmen die Billisten ihren „Glauben“ ernst oder ergeben sie sich nur der Massenhysterie, um die Band „Tokio Hotel“? Ist der Billismus eine neue Form des „Opium fürs Volk“ bzw. für die Fans?
Diese Fragen stellte ich Billistinnen und ihre Antworten waren eindeutig. Sie nehmen den Billismus nicht als Religion sondern als Fanclub, mit dem Thema Religion, ernst. Eigentlich sollte es ein Witz sein, allerdings zeigt der Billismus genau das, „was viele Jugendliche wollen: Ernst genommen zu werden und keine Angst davor haben zu müssen, so zu sein, wie man ist, so zu sein wie man sein möchte - nicht dafür verurteilt zu werden, dass man andere Dinge mag oder eben nicht.“
Dementsprechend ist der Billismus für die Anhänger eine Zuflucht aus der Realität, in der sie aufgrund verschiedener Faktoren, wie z.B. ihr Erscheinungsbild, als Außenseiter gelten. Sie nehmen den Billismus als ihren Glauben an, wobei sie jedoch einen Zerfall der Religion mit dem Ende der Band „Tokio Hotel“ billigend in Kauf nehmen.
3.4. Glaube an eine höhere Macht am Beispiel eines Jugendlichen vom Kaukenberg
3.4.1. Beschreibung des Glaubens an eine höhere Macht
Der Befragte Jugendliche ist in einer Familie aufgewachsen, in der die Kirche nur zu den Feiertagen, wie zum Beispiel Weihnachten, eine Rolle spielt, wo der Kirchgang zur Tradition gehört. Dieses Ritual ist nicht mit Glauben verbunden, sondern lediglich Gewohnheit und gehört zum Fest, wie das Osterlamm oder die Weihnachtsgans. Fernab von einer religiösen Erziehung hat er sich Gedanken über Gott und den Glauben gemacht. Er ist zu dem Schluss gekommen, dass der „liebende Gott“ ihm jede Sünde, mit Ausnahme der Todsünden, vergeben würde, also auch den Unglauben, und ihn nach dem Tod dafür nicht bestrafen würde. Gäbe es keinen Gott, wäre es für ihn unnütz an ihn zu glauben. Dieser Widerspruch macht für ihn die Nicht-Existenz des biblischen Gottes aus.
Da er sich allerdings viele Dinge in der Welt nicht rational erklären kann, setzt er dafür eine „höhere Macht“ ein, die zwar gottgleiche Wesenszüge besitzt, aber nicht „Gott“ genannt wird. Er benutzt diese höhere Macht also als Platzhalter für rationale
Erklärungen, die bisher keine Wissenschaftler liefern können.
3.4.2. Bewertung
Der befragte Jugendliche kann sich zahlreiche Dinge der Welt nicht erklären und benutzt dafür eine „höhere Macht“. Die Angst vor der Ungewissheit, wieso viele Dinge so sind, wie sie sind, überdeckt er mit dem Glauben an etwas Übersinnliches. Durch die Widersprüchlichkeit des Gottesbildes scheidet für ihn der Glaube an den biblischen Gott aus.
Ich denke, dass es für viele Jugendlichen wichtig ist, etwas zu haben, an dem sie sich festhalten können, wenn sie in Not geraten, Angst haben oder vor Ungewissheit stehen. Reichlich Teenager übernehmen diesen Glauben allerdings auch einfach, weil sie keine Lust haben, sich wirklich Gedanken über den Glauben zu machen. Es ist schließlich einfach zu sagen „Ich glaube an eine höhere Macht, aber nicht an Gott“, weil sie sich nicht die Mühe machen wollen, selbst einen weg aus der Glaubensfrage heraus zu finden.
Meiner Meinung nach ist diese Einstellung die Falsche. Zwar spielt die Religion heute keine tragende Rolle in der Gesellschaft mehr, jedoch sollte jeder Jugendliche (und auch Erwachsene) wissen, woran er glaubt, um ein böses Erwachen, bei dem womöglich das Leben sinnlos erscheint, weil man nicht weiß, auf was man vertraut, zu vermeiden.
Den Glauben an diese „höhere Macht“ ohne eine gedankliche Basis, auf die der Glaube aufbaut, ordne ich in den Mainstream ein, da bei dieser Haltung jeder kritische Gedanke vermieden wird und man wirklich nur „mit dem Strom schwimmt“.
Die Einstellung des befragten Jugendlichen vom Kaukenberg jedoch beurteile ich nicht als Anpassung an den Mainstream. Er hat sich kritisch mit dem christlichen Gottesbild auseinandergesetzt und kann sich nicht mit diesem identifizieren. Dennoch hat er sich eine gottesähnliche Gestalt gesucht, an der er sich festhalten kann.
Ich denke, dass die Phrase „an eine höhere Macht glauben“ sehr zweideutig ist. Dieses ließe sich vermeiden, indem man der „höheren Macht“, die aufgrund der kritischen Auseinandersetzung entstand, einen eigenen Namen gibt. Im Religionsunterricht ist dabei der Name „Paulchen“ entstanden. Dieser ist zwar ursprünglich als Scherz verstanden worden, spiegelt aber genau das wieder, wonach die „höhere Macht“ verlangt: einen konkreten Namen.
4. Abschließende Analyse
4.1. Aussagen der Shell-Jugendstudie 2005
Die Shell-Jugendstudie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Einstellungen der Jugendlichen in Deutschland gegenüber Werten, Gewohnheiten und Verhaltensweisen zu erforschen. Zwar ist die Studie ein Marketing-Projekt des Mineralölkonzerns, jedoch wissenschaftlich fundiert und geprüft.
Im Verhalten der Jugendlichen im Aspekt auf Religionsausübung und religiösen Vorstellung gibt es drei grundlegende Entwicklungen.
Es ist sowohl ein „Rückgang von Glaubensvorstellungen“ festzustellen als auch eine „abnehmende praktische Ausübung bestimmter […] Rituale“.
Außerdem lässt sich zunehmend ein Auseinanderdriften im Bezug auf Glaubensausübung zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen feststellen, wobei jedoch die Differenz zwischen evangelisch und katholisch getauften deutschen Jugendlichen aufgrund der „Entkirchlichung“ stets kleiner wird.
Okkulte und spirituelle Rituale gewinnen bei Jugendlichen nicht an Faszination.
Private Glaubensfindung und damit verbundene Glaubensvorstellungen verbreiten sich immer weiter in Deutschland. So glauben heute die meisten Jugendlichen eher an ein waltendes Schicksal oder eine höhere Macht als an die dogmatischen Grundsätze der christlichen Lehre. Die Entwicklung der Gesellschaft bietet der christlichen Kirche wenige Chancen, Einfluss auf die heutige Jugend auszuüben, wie es bis vor wenigen Jahrzehnten der Fall war.
6. Anlagen
Text einer katholischen Messdienerin aus Lichtenau/Westfalen:
Ich lebe in einer sehr traditionsbewussten Familie.
Schon in frühster Kindheit wurde ich mit in die Kirche genommen und natürlich wurde
jeden Abend vor dem schlafen gehen gebetet, zwei Traditionen, die sich bei mir bis heute weitgehend erhalten haben. Außerdem besuche ich oft Jugendgottesdienste und war beim Weltjugendtag in Köln dabei. Aber ich engagiere mich auch außerhalb der Kirche in unserer Gemeinde in der Jugendarbeit, da ich das was ich mit Glaube und Kirche verbinde auch an andere weitergeben möchte.
An was ich glaube? Ich glaube an den „lieben Gott“, den Vater, den Sohn und den
heiligen Geist. Mein Glaube inspiriert mich und motiviert mich immer wieder anderen
zu helfen, wenn sie Probleme haben. Außerdem spendet er mir Trost und Geborgenheit,
denn ich weiß, dass Gott immer seine schützende Hand über mich hält. Diesen vielleicht allzu naiven Glauben habe ich aus meiner Kindheit erhalten und ich bin froh darüber, denn da wurde das Fundament meines Glaubens gelegt. Natürlich habe ich mich im Religionsunterricht und auch privat mit anderen rationalen Ansätzen des Glaubens beschäftigt. Doch geprägt wurde mein Glauben in den letzen Jahren vor allem an einen Gott, der ein Geheimnis ist, etwas unerklärbares, das meinem Leben einen Sinn verleit und mir vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen oder einem Moment „absoluten“ Glücks vor Augen geführt wird.
Kein Name, 18 Jahre, Lichtenau/Westfalen
Text einer evangelisch getauften Paderborner Gesamtschülerin:
Meine Mutter ist allein erziehend – und auch Atheistin, mit Kirche und Glauben hatte ich lange keine Berührung. Nachdem ich mich später aber näher mit der Bibel beschäftigt habe, kann ich nicht an die Bibel, die ja die Grundlage für den Glauben ist, glauben. Der Glaube an Gott, wie er in der Bibel beschrieben wird, macht für mich den Glauben durch die vielen Ungereimtheiten unmöglich.
Ein Beispiel:
Gott erschuf Luzifer, oder Satan. Allerdings als Ehefrau bzw. Ehemann. Ist Satan nun männlich, also "der Teufel" muss Gott folglich weiblich sein (oder schwul, aber Homosexualität wird ja in der Bibel stark verurteilt, Analverkehr ist eine Todsünde), und doch heißt es "der Gott" und nicht "die Göttin". Ist Gott aber männlich, muss der Teufel weiblich sein. Dennoch ist von beiden als "männlich" die Rede.
Außerdem wird von der Kirche Sex verurteilt, die Bibel ist aber voll davon.
Außerdem ist die ganze Bibel diskriminierend. Darin kommen die Frauen schlechter weg als alle Römer, Juden, Ägypter und Pharisäer zusammen. Eine FRAU wollte den Kopf von Johannes den Täufer, eine FRAU schnitt Samsons mächtige Mähne ab, eine FRAU ist für die Erbsünde verantwortlich. Und dann heißt es, "Jedes Wesen ist vor mir gleich"? Nein, nicht wirklich.
Kein Name, 16 Jahre, Paderborn
Text eines Jugendlichen vom Kaukenberg
Ich komme aus einer Familie, in der Glauben nur als Tradition zu Ostern und Weihnachten eine Rolle spielt. Dennoch habe ich mir eine Meinung über Gott gebildet.
Im christlichen Glauben wird Gott als so gütig beschrieben, dass es ihm möglich ist nahezu jede Sünde zu vergeben, mit Ausnahme der Todsünden.
Da es aber nun nicht zu den Todsünden zählt, nicht dem christlichen Glauben anzugehören, wird Gott mir diese Sünde vergeben und mich ins Himmelreich einkehren lassen.
Gibt es aber nun keinen Gott, so wäre es unnütz an ihn zu glauben.
Die Existenz einer höheren Macht werden wir weder dementieren noch bestätigen. Weitere Informationen werden wir ausgeben, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt.
Dass Gott im christlichen Sinne nicht existiert, schliesst keinesfalls die Existenz einer anderen höheren Macht aus. Solange ich mir viele Dinge, wie z.B. die Entstehung der Erde nicht ganz rational erklären kann, glaube ich, dass es eine höhere Macht gibt, denn irgendwoher müssen diese ganzen Sachen ja kommen. Für mich ist diese Macht nicht Gott, weil Gott einfach zu widersprüchlich ist.
Kein Name, 19 Jahre, Paderborn
4.2. Die Beziehung zwischen der heutigen Jugend und Gott
Nur noch wenige Jugendliche bekennen sich offen zu dem Gott, wie er in der Bibel beschrieben wird. Einige erkennen in Notsituationen, wie Krankheit, dass für sie der Glaube an den christlichen Gott der wahre Glaube ist.
Auch der Atheismus ist unter Jugendlichen wenig verbreitet.
Die Mainstreambewegung hat sich über die Jahrzehnte vom traditionell christlichen Glauben zum Glauben an eine höhere Macht entwickelt.
Ich bezweifele allerdings, dass Mainstream in diesem Fall die richtige Bezeichnung ist, denn viele der Jugendlichen, die sich zu dieser höheren Macht bekennen, haben nicht die kritische Betrachtung bei ihrer Glaubensfindung vernachlässigt, sondern lediglich den Begriff „höhere Macht“ aus der Mainstreambewegung übernommen. So lassen sich die Glaubensformen nicht voneinander differenzieren, was meiner Meinung nach das Hauptproblem darstellt. Die Jugendlichen, die sich an dem traditionellen christlichen Glauben festhalten, nennen ihre Macht schlichtweg Gott. Atheistische Jugendliche haben keine Macht, an die sie glauben. Lediglich diejenigen, die entweder in der Entwicklung der Glaubensfindung stehen geblieben sind oder tatsächlich an eine höhere Macht, die nicht Gott genannt wird, glauben, können nicht voneinander unterschieden werden. Gäben Letztere ihrer Macht einen Namen, ließen sie sich vom gedanklichen Mainstream unterscheiden und würden nicht weiterhin mit negativen Assoziationen in Verbindung gebracht.
Schon die Entwicklung vom traditionellen, anerzogenen Glauben hin zu einer „höheren Macht“ ist ein Widerspruch zum Begriff „Mainstream“, da kritisches Denken von Nöten ist, um die dogmatischen Grundsätze der christlichen Kirchen anzuzweifeln und sich von ihnen zu entfernen.
Insgesamt beurteile ich also den Glauben aus oben genannten Gründen nicht als Mainstreambewegung, da der Prozess der Glaubensfindung durchgeführt wird und die Betroffenen keinesfalls in ihrer Entwicklung stehen geblieben sind.
5. Nachwort
Anfangs war die Facharbeit für mich ein reines Sammeln von verschiedenen Informationen. Je mehr ich mich jedoch in das Thema eingelesen habe, desto komplexer wurde es. Ich hatte zunächst Probleme mit dem Aufbau, da verschiedenste Themenbereiche zum Glauben der Jugendlichen bestehen und zunächst die Frage im Raum stand, auf welchen Themenkomplex ich mich konzentrieren möchte. Viele profane Jugendorganisationen, aber auch Kirchenoberhäupter und Eltern, haben sich bereits mit dem Thema meiner Facharbeit beschäftigt. Schlussendlich habe ich mich dazu entschieden, Aussagen Jugendlicher über sich selbst als Grundlage meiner Facharbeit zu verwenden und diese mit der Shell-Jugendstudie zu verbinden, denn schließlich können Jugendliche selbst ihren Glauben besser beschreiben als Außenstehende. Die Shell-Jugendstudie bestätigte meine Erfahrungen und klärte mich über den Umfang des Glaubens der Jugendlichen auf.
Auf der Suche nach verschiedenen Informationen, die die exemplarischen Texte der befragten Jugendlichen unterstützen, stieß ich auf unterschiedlichste „Religionen“, wie z.B. den Glauben an das „fliegende Spaghettimonster“14 oder das „unsichtbare rosafarbene Einhorn“15, die als Parodie auf das Christentum fungieren. Meiner Meinung nach weisen auch sie kritisches Denken auf, waren aber für meine Facharbeit irrelevant. Sie dienten lediglich zur Erheiterung bei der Bearbeitung der, teilweise sehr komplexen, Texte.
Das Ergebnis, dass der Glaube nicht als Mainstream funktioniert, ist für mich eine Bestätigung der These, die ich schon vor dem Schreiben der Facharbeit aufgestellt hatte.
Insgesamt haben die Gespräche mit den Jugendlichen wirklich Spaß gemacht - und ich habe noch eine Menge über Gott, die Bibel, Glaubensrichtungen, Gottesbilder, Einstellung zur Kirche und vieles mehr erfahren.
Die Facharbeit ist übrigens bereits abgegeben, bewertet und kommentiert.
LG
Carina
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