Teuflisch gutes Leichtgewicht
11.12.2010 (06.04.2011)
Pro:
Bildqualität, Größe/Gewicht, Verarbeitung
Kontra:
umständliche Menüstruktur, Akkulaufzeit
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Verarbeitung
Ausstattung
Bildqualität
Akkulaufzeit
Bedienung
mehr
 de_kuypers
Über sich:
Mitglied seit:31.08.2010
Erfahrungsberichte:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Drei Wochen Urlaub in Asien und Kairo standen bevor und damit die Frage nach dem passenden Foto-Equipment. Kleine Knipskisten mit Minichips und Spielzeug-Objektiven sind zwar praktisch, wenn es um einfachen Transport und unkompliziertes Tragen geht, die Bildqualität taugt bekanntlich jedoch höchstens für Schnappschüsse – ein einigermaßen großer Chip und Wechselobjektive sollten es schon sein, ohne dass ständig eine Kiloschwere Fototasche mitgeschleppt werden müsste. Somit schieden auch Profi-DSLRs wie bspw. Canons EOS 5D Mk II aus, obgleich solche Boliden bei gleichzeitiger Verwendung von Profi-Objektiven am oberen Ende der Qualitätsskala stehen. Leider muss diese Leistung mit mehreren tausend Euro und drei bis vier Kilo Zusatzgepäck teuer erkauft werden – ein Kompromiss musste also her. Großer Sensor und Wechselobjektive
Nach intensiven Recherchen im Internet und Fachhandel entschied ich mich zum Kauf der NEX 5 von Sony, deren technische Daten zunächst vielversprechend erschienen: CMOS-Sensor im APS-C-Format (23,4 x 15,6 mm), 14,2 Megapixel Auflösung, Wechselobjektive, ansprechendes Design, geringes Gewicht und budgetfreundlicher Preis. Die Kamera wird in zwei Farbvarianten (Schwarz und Silber) angeboten, wobei das silberne Gehäuse wesentlich wertiger daherkommt als die schwarze Schwester. Darüber hinaus bietet Sony die NEX in verschiedenen Bundles mit unterschiedlichen Optiken an: als Basis-Paket kommt das Gehäuse mit einer 16mm, f 2,8 Festbrennweite daher (entspr. 24mm im Kleinbildformat). Darüber hinaus stehen zwei Zoom-Objektive zur Wahl, und zwar ein 18-55mm, f 3.5-5,6 (KB 27-82mm) sowie ein 18-200mm, f 3,5-6,3 (KB 27-300mm). Beide Zooms verfügen über einen optischen Bildstabilisator, auf den man beim Weitwinkel aufgrund der geringen Brennweite sowie der größeren Öffnung verzichten kann. Es ist zu erwarten, dass Sony noch einige Objektive nachlegt, eine 32mm (50mm Kleinbild) Festbrennweite mit großer Anfangsöffnung wäre eine sinnvolle Ergänzung der Palette. Durch die Verwendung eines Adapters kann aber auch auf die Optiken der Sony Alpha-Reihe zurückgegriffen werden. Da ich einerseits ein Fan von Festbrennweiten bin, andererseits aber nicht nur im Weitwinkelbereich unterwegs sein wollte, fiel die Wahl auf das Bundle mit dem 16mm plus das kleinere der beiden Zooms, welches zumindest eine gewisse zusätzliche Flexibilität in Aussicht stellte. Zwar hatte ich von der Zoom-Optik keine überragenden Abbildungsleistungen erwartet, aber aufgrund der Tatsache, dass ich während des Urlaubs generell mit guten Lichtverhältnissen rechnen konnte, würde es als „Schönwetterobjektiv“ sicher nicht die schlechteste Figur machen. Später dazu mehr. Motivprogramme - etwas starr
Zwar hat Sony die spiegellose Kamera mit allerlei Motivprogrammen und Automatiken ausgestattet, ambitionierte Fotografen können jedoch alle wichtigen Funktionen komplett manuell steuern – inklusive der Möglichkeit zu manueller Fokussierung, die speziell bei Makro-Aufnahmen sinnvoll ist. Natürlich stehen auch die hinlänglich bekannten Programmautomatiken (Blendenautomatik, Zeitautomatik, Vollautomatik) zur Verfügung. Darüber hinaus verfügt die NEX 5 über Einstellmöglichkeiten und Eigenschaften, die normalerweise eher im professionellen Bereich zu finden sind: Blitzkompensation bis +/-2 Blenden, Synchronisierung auf den zweiten Vorhang, optionales Speichern der Fotos im RAW-Format, Serienbilder bis 7 Aufnahmen/Sekunde(!), 49 Segment Belichtungsmessung, u.s.w. Etwas störend: Befindet man sich in einem der Motivprogramme (bspw. Portrait), können einzelne Einstellungen nicht mehr „von Hand“ nachjustiert werden. Sämtliche Parameter wie Sättigung, Blende, Zeit, ISO-Wert, etc. werden in diesen Modi von der Kamera vorgegeben und sind somit festgelegt, allerdings: Beim Speichern der Bilder im RAW-Format können später am PC ausreichende Modifikationen vorgenommen werden. Fortgeschrittene Fotografen werden sich wahrscheinlich vornehmlich im manuellen Modus oder in den Halbautomatiken bewegen – dennoch machen die Motivprogramme durchaus Spaß (siehe Beispielbilder). Hervorzuheben ist die Panorama-Funktion, bei der die Kamera aus ca. 20 Einzelaufnahmen ein Panoramabild erstellt. Voraussetzung ist eine gleichmäßige horizontale Schwenkbewegung (Stativ) während des Vorgangs, hier ist etwas Übung erforderlich. Ein Highlight ist die HDR (High Dynamic Range) Funktion, bei der aus drei Aufnahmen ein Einzelbild erstellt wird, das einen bis zu acht(!) Blenden höheren Dynamikumfang im Vergleich zum herkömmlichen Foto aufweist. Ebenso hilfreich können die Automatiken sein, die dem Fotografen das Arbeiten in schlechten Lichtverhältnissen erleichtern. Hier spielt der große Sensor seine Stärken aus: Selbst ISO-Werte bis 1600 müssen nicht mit starkem Bildrauschen erkauft werden. Zwar werden die Bilder ab ca. 1200 ISO in den kleinsten Details ein wenig „weicher“, aber alles in allem ist die Qualität noch immer sehr gut. Im Extremfall kann die Kamera auf ISO 12.800 eingestellt werden.
Das Arbeiten mit sequenzieller Schärfe (unscharfer Hintergrund) wird – auch hier ein Dank an den großen Sensor – zum reinsten Vergnügen, wobei nicht ganz das Niveau professioneller DSLRs erwartet werden kann. Man sollte hier jedoch nicht Äpfel und Birnen vergleichen, schließlich kostet die Kamera im Bundle mit den beiden Optiken gerade einmal 750,- Euro und wiegt nur einen Bruchteil eines Spiegelreflex-Trümmers.Menüstruktur - bitte nachbessern!
Ärgerlich ist die Tatsache, dass man sich beim Wechseln der Modi oder beim Umschalten der Programme umständlich durch die Menüstruktur klicken und drehen muss. Sony hat es leider versäumt, bspw. die Softkeys individuell belegbar zu machen oder der Kamera ein analoges Einstellrad zu spendieren, was die Handhabung extrem erleichtert hätte und in der Bewertung den fünften Stern kostet. Ebenso wünscht man sich bei starker Sonneneinstrahlung einen optischen Sucher, denn das ansonsten hervorragende Display (7,5 cm, 921.600 Pixel) erreicht hier seine Grenzen. Dieser Nachteil ist konstruktionsbedingt, denn die sogennanten EVIL-Kameras (Electronic Viewfinder, Interchangeable Lenses) sind durch das Fehlen des Spiegels auf die elektronischen Sucher angewiesen. Vorteil: im Videomodus kann die Kamera während des Filmens permanent die Schärfe nachführen, was in der Praxis auch annähernd perfekt funktioniert. Überhaupt ist die Qualität der Videofunktion bemerkenswert gut. Ich persönlich sehe die Möglichkeit, Filme aufzunehmen eher als zusätzliches Gimmick und gehe deshalb nicht weiter ausführlich darauf ein; schließlich ist die NEX 5 in erster Linie eine Fotokamera – und zwar eine richtig gute! Selbst das 18-55mm produziert bei guten Lichtverhältnissen eine herausragende Bildqualität. Abgeblendet lassen sich keine nennenswerten Vignettierungen erkennen, die Schärfe in der Bildmitte ist hervorragend und fällt zum Rand hin nur unwesentlich ab. Auch die Verzerrungen halten sich für ein Zoom in akzeptablen Grenzen. Das 16mm Weitwinkel ist fast schon eine „erwachsene“ Optik. Knackige Schärfe bis zum Rand, keine sichtbaren Abberationen und durch die große Öffnung auch bei schlechten Lichtverhältnissen einsetzbar. Schade, dass Sony der mitgelieferten Software keine automatische optische Korrektur für die jeweiligen Objektive spendiert hat. Aber einigermaßen geübte „Photoshopper“ haben hier schnell den Dreh raus, die Bildqualität nachträglich zu optimieren. Was gibt es noch zu meckern? Die Gitternetzlinien im Sucher könnten etwas deutlicher sein und der mitgelieferte Akku macht auch nicht unbedingt den Eindruck eines Konditionswunders. Der Aufsteckblitz kann nicht gegen einen Systemblitz getauscht werden, da der Anschluss kein Standardformat besitzt. Dies sind aber eher kleinere Schönheitsfehler, denn wer möchte schon einen riesigen Aufsteckblitz auf eine kleine Kamera schrauben, um damit gleichzeitig den Gewichts- und Größenvorteil komplett ad absurdum zu führen? Fazit: Sony´s „EVIL“ Kamera richtet sich gleichermaßen an Aufsteiger aus der vollautomatischen Knipskistenliga als auch an ambitionierte Fotografen, die nicht ständig den schweren Equipmentkoffer schleppen möchten – und der Spagat gelingt, wenn auch mit einigen wenigen – vertretbaren – Abstrichen. Die Belichtung sitzt meistens perfekt, der Autofokus ist blitzschnell und wird erst bei Kerzenlicht ein wenig langsamer. Der Bildstabilisator des Zooms ermöglicht auch Aufnahmen aus der Hand bis ca. ¼ Sekunde – je nach Brennweite. Die Verarbeitung des Magnesium-legierten Gehäuses ist hochwertig, die mitgelieferte Software ist intuitiv zu bedienen. Wer sich erst mal mit der etwas umständlichen Menüführung arrangiert hat, wird von den Qualitäten der NEX 5 begeistert sein. Das teuflisch gute Leichtgewicht spielt hier in Sachen Bildqualität durchaus in der Liga ambitionierter Amateur DSLRs – und das alles im „Handtaschenformat“.
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12.12.2010 12:54
Super vorgestellt. LG
12.12.2010 09:13
Es gibt sie wohl doch noch, die wirklich brauchbaren Beiträge zu einer Kamera die mich auch tatsächlich interessiert. Ich hatte die Sony eigentlich schon "abgehakt". Nun bin ich dank dieses sehr informativen Beitrags tatsächlich wieder sehr nachdenklich geworden. :-)
12.12.2010 03:03
prima bericht lg. petra