Soundman OKM II Klassik Solo

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Soundman OKM II Klassik Solo

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Erfahrungsbericht über "Soundman OKM II Klassik Solo"

veröffentlicht 01.08.2002 | Brettermeier
Mitglied seit : 30.07.2002
Erfahrungsberichte : 68
Vertrauende : 46
Über sich :
"Ein Leben öhne Möpse ist denkbar, aber nicht sinnvoll" (Loriot)
Sehr gut
Pro Guter Klang, einfache Handhabung
Kontra nur minimaler Windschutz
sehr hilfreich
Verarbeitung
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"Kunstkopfstereo goes Surround"

ACHTUNG : WICHTIGES UPDATE (21.09.2002)
Besitzer einer Surroundanlage sollten unbedingt den neuen Absatz am Schluß lesen!!!


Was ist Kunstkopfstereophonie ?
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Kunstkopfstereophonie ist bisher die einzige Möglichkeit, eine nahezu perfekte räumliche Wiedergabe von Mikrofonaufnahmen auf lediglich zwei Stereokanälen ohne zusätzliche Encoder Geräte zu speichern. Jedes normale Stereoaufnahmemedium ist also geeignet.
Beim Abhören solcher Aufnahmen kann nicht nur Links-Rechts, sondern auch Oben - Unten, Hinten - Vorne unterscheiden werden. Die Sache hat nur einen Haken: Dieses Hörerlebnis, sprich die Ortung, kann nur mit einem (offenen oder halboffenen) Kopfhörer wiedergegeben werden; über Lautsprecher abgehört
verschwindet dieser Effekt leider fast vollständig (siehe nun unbedingt das UPDATE weiter unten)!

Kunstkopfaufnahmetechnik, in den 70ger Jahren sehr populär, erfährt in zur Zeit eine Art Renaissance. In der akustischen Meßtechnik gehört der Kunstkopf schon lange zum Standardequipment.
Zur Kunstkopfstereophonie werde grundsätzlich zwei Monomikrofone und ein Dummy-Kopf benötigt. Die beiden Mikrofone werden an diesem sog. "Trennkörper" in die nachgebildeten Ohrmuscheln montiert. Das ist der klassische Kunstkopfaufbau. Bislang wurden für Kunstkopfaufnahmen nur Dummies verwendet.

Was ist Originalkopfstereophonie ?
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Im Prinzip das gleiche wie die Kunstkopftechnik. Für mobile, unaufwendige Aufnahmen jedoch, kann statt des Dummys auch der eigene Kopf als Trennkörper herhalten. Daher der Begriff "Original".
Zur Originalkopfaufnahme benötigt man ein sog. In-Ohr Stereomikrofon, welches wie ein normaler Kleinohrhörer (wie für tragbare CD-Player, MDs oder
Kassettengeräte) in die Ohren eingesetzt wird. Auch die Größe entspricht diesen Ohrhörern.

Wer lange sucht...
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...wird im Internet fündig! Dort stieß ich nämlich auf eine WEB-Site des WDR (Jean Pütz besprach in 2001 in einer Hobbythek Sendung das Thema "Kunstkopfstereophonie") und fand ein Posting in einem Forum zum Stichwort "OKM" und "Soundman".
Weitere Nachforschungen ergaben, daß die Firma Sennheiser die Produktion ihres Kunstkopfmikrofons der Serie MKE 2002" eingestellt hat und die preisliche Liga von z.B. Neumann (mit dem KU 100) oder AKG für gelegentliche Privataufnahmen eigentlich nicht sinnvoll ist. Daher fiel die Wahl auf das OKM II der Firma Soundman aus Berlin.
OKM steht übrigens für Original Kopf Mikrofon.

Das Soundman OKM II
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Soundman bietet verschiedene Varianten ihres OKM an. Vor dem Kauf sollte man sich entscheiden, für welchen Einsatzzweck das Mirko verwendet werden soll. Gute Infos hierzu findet man auf der Soundman Internetsite www.soundman.de. Grundsätzlich gibt es zwei Modelle: Das ältere OKM I und das neuere OKM II. Die Preise variieren beim OKM II zwischen Eur. 135.- und 290.- für die Studioversion.
Ich habe mich für die universelle "OKM II Klassik Solo" Variante entschieden (Eur. 135.-).

Grundversorgung
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Da es sich bei den OKMs um "Elektret-Kondensator" Mikrofone handelt, wird zum Betrieb eine sog. Phantomspannung benötigt. Diese wird von vielen Aufnahmegeräten über die Mikrofonbuchse (meistens um die 1,6V DC) bereitgestellt. Solche Geräte sind dann oftmals mit "Plugin Power" gekennzeichnet. Falls das Aufnahmegerät keine Hilfsspannung ausgibt oder keinen Mirkofoneingang besitzt, kann von Soundman als Zubehör der batteriebetriebene Vorverstärker "A3" verwendet werden.Der A3 hebt zudem den Pegel des Mikros soweit an, daß es direkt an einem beliebigen Line-Input angeschlossen werden kann. Außerdem erzeugt der A3 eine Phantomspannung von 6V, womit die Aussteuerbarkeit des Mirkos gesteigert wird.

Selbstverständlich kann das Mikrofon auch an jeden PC oder MAC angeschlossen werden, sofern das eingebaute Sound-device die erwähnte Phantomspannung liefert. Auf diese Weise lassen sich Mikrofonaufnahmen direkt in CD-Qualität (oder noch hochwertiger, wenn höhere Sample rates wie z.B. 96kHz verwendet werden) mastern!

Verpackung
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Edel kommt es daher: Das OKM II:
Im schwarzen Massivholzkasten mit samtroter Innenpolsterung liegt das Mikrofon, wiederum verstaut in einer geschlossenen Kabeltrommel mit Klarsichtdeckel. Im Nachbarfach der Kiste liegt ein kompletter Satz Ersatz - Ohrenpolster. Im ebenfalls rot gepolsterten Deckel der Box befindet sich das 12-seitige Manual.

Ausstattung
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Um die Kapseln für Links und Rechts zu unterscheiden, gibt es ein blaues (Links) und ein rotes (Rechts) Schaumstoffpolster für die Mikrofone, die auf der Seite der Schalleintrittsöffnung montiert sind. Diese Polster haben noch zwei weitere Funktionen:
1. Windschutz (Bei mäßigem Wind werden so wirkungsvoll Rausch- und Poltergeräusche vermieden (siehe auch weiter unten) und
2. Schutz vor dem Eindringen von Fremdkörpern (Haare, Staub, Sand usw) in das Mikrofon

Auf der Rückseite der jeweiligen Kapsel befindet sich je ein schwarzes Polster für einen sicheren und komfortablen Sitz im Ohr.
Fest an den Mikrofonen angeschlossen ist ein schwarzes, ca. 1m langes, dünnes, flexibles Stereokabel. Am Ende der Leitung findet man einen angespritzten, vergoldeten! 3,5mm Stereoklinkenstecker mit 90° Kabelabgangswinkel.

Tragekomfort / Handling
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Der Tragekomfort ist gut. Es drückt nicht, sitzt bequem und rutscht nicht aus den Ohren. Das Einsetzen in die Ohren ist durch die mit den Fingern deutlich spürbaren, unter dem farbigen Schaumstoff verborgenen Plastikstege ein Kinderspiel. Achtung: Immer mit den schwarzen Polstern voran in die Ohren stecken!
Glücklicherweise kann man trotz eingesetzter Mikrofone nur eine geringe Dämpfung des eigenen Hörens feststellen, weil die Ohrpolster locker im Ohr stecken, aber die Gehörgänge nicht zustopfen.
Nach Gebrauch wird das Mikrofon samt Kabel wieder sicher in der kleinen mitgelieferten Kabeltrommel verstaut.

Klang
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Mehrere Testaufnahmen mit einem Sony Minidisc Recorder MZ-N1 NetMD, teilweise unter freiem Himmel, ergaben ein sehr natürliches Klangbild und den erhofften Kunstkopfeffekt.

Die Beschreibungen der Geräuschkulissen für die Testaufnahmen stehen für interessierte Leser am Ende dieses Artikels.

Beim Abhören der Aufnahmen über meinen halboffenen Sennheiser Kopfhörer HD 420 in ruhiger Umgebung, traten die Räumlichkeitseffekte dermaßen realistisch hervor, daß ich mich teilweise unwillkürlich zu dem ein- oder anderen Geräusch umdrehte. Da war z.B. die Fliege (die mich während der Aufnahme unbemerkt dicht über meinem Kopf überflog) nach der ich beim Abhören reflexartig schlagen mußte!

Mit geschlossenen Augen kann man die aufgenommenen Szenen förmlich "sehen". Der plätschernde Wasserfall kam glasklar und verblüffend realistisch rüber, der durch das Zuschlagen der Autotüren verursachte Tiefbaß schien fast schon überbetont, was aber letztlich an der eingestellten Abhörlautstärke
lag. Das Blätterrauschen der Gartenpflanzen ließ diese in greifbare Nähe rücken, und das Kind des Nachbarn wurde vom Mirkofon genau da positioniert, wo es hingehörte: In Nachbars Garten!. Der leichte Wind hinterließ keinerlei Geräusche in der Aufnahme.

Im zweiten Szenario konnte ich das herannahende Gewitter mit dem prasselnden Regen noch einmal durchleben und hatte wieder das Gefühl, mittendrin zu sein. Fantastisch eindrucksvoll wurde das von links nach rechts durchlaufende Donnergrollen mit dem gleichen Schreck-Effekt wie im Originalgewitter
wiedergegeben! Selbst der Regen klang in der Aufnahme nicht wie das berühmte "Schnitzel in der Pfanne". Lediglich die heftigen Windböen, die das Mikrofon direkt trafen, verursachten ein deutliches Poltern in der Aufnahme.

@Sundman:
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Mit derartigen Windverhältnissen sind die kleinen Schaumstoffpolster vollkommen überfordert. Für einen effektiven Windschutz müssen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden.

Rauschen
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Elektret-Kondensatormikrofone besitzen zur Verstärkung des Schallsignals und zur anschließenden Impedanzwandlung einen eingebauten Feldeffekt -Transistor (das ist übrigens auch der Grund der notwendigen Phantomspannungsversorgung, s.o.). Leider sind diese Bauelemente nicht frei von Rauschen.
Somit ist es schwierig mit einem Elektret-Mikro die Störabstände von z.B. dynamischen Mikrofonen zu erreichen.
Soundman gibt für die Klassikversion des OKM II einen Geräuschspannungsabstand von ca. 61dB (mit Bezug auf 1 Pascal Schalldruck) an. In der Praxis bedeutet dies, daß das Rauschen des Mikrofons vernachlässigbar klein gegenüber dem Rauschen der anderen in der Signalkette liegenden Komponenten (z.B. Mirkofoneingang des Aufnahmegerätes, Ausgangsrauschen des Kopfhörerverstärkers usw.) ist.

Beim Abhören auf dem PC der mit dem Sony Minidisc MZ-N1 gemachten Aufnahmen, stelle ich ein leichtes Rauschen fest. Schuld am Rauschen ist die gesamte Kette:
- Line-Input Creative Soundblaster Live! 5.1 (50%)
- Line-Output Creative Soundblaster Live! 5.1 (5%)
- Line-Output Sony Minidisc MZ-N1 (30%)
- Mic-Input Sony Minidisc MZ-N1 (10%)
- Und das OKM II (5%)
Mit einem geeigneten WAV -Bearbeitungsprogramm (z.B. GoldWave) kann man das Rauschen aber unhörbar machen - ohne Klangeinbußen!


Anwendungsgebiete
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Will man z.B. einen Livemitschnitt seiner eigenen Band machen, besteht die Möglichkeit, das OKM in einen selbstgebauten Dummy-Head zu stecken und vor der Gruppe zu postieren.
Ambitionierte Videofilmer können das Mikrofon an den Camcorder anschließen, um ihren Urlaubsfilmen einen dreidimensionalen O-Ton zu verpassen.
Oder Naturfreunde dokumentieren mit dem OKM in plastischer Weise Tierstimmen usw. usw. Meeresbrandung natürlich zu konservieren soll ja eine große Herausforderung sein...
Dem Experimentieren sind keine Grenzen gesetzt.

Auf ein paar Dinge sollte man jedoch achten:
- Jegliches Husten, Räuspern, Sprechen des Mikrofonträgers werden mit aufgezeichnet.
- Bei Aufnahmen unter freiem Himmel muß man bei starkem Wind unbedingt weitere Maßnahmen zur Windgeräuschdämmung ergreifen!
- Und ganz wichtig: Den Kopf während der Aufnahme NICHT DREHEN, weil ansonsten beim Anhören der Aufnahme Ortungsirritationen auftreten können!

Fazit:
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Grundsätzlich gibt es einige prinzipielle Einschränkungen für den vollen Genuß des Kunstkopfeffektes:
Abhören der Aufnahme über einen guten (halb)offenen Kopfhörer, denn nur hier tritt der Räumlichkeitseffekt auf. Das stimmte bisher! Aber jetzt kommt der HAMMER:

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(Update 21.09.2002) Kunstkopfstereo UND SURROUND!
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Beim Abhören meiner jüngsten Live-Aufnahme (ein schottischer Sänger in einem Park in unserer Nähe), über meine HiFi-Anlage, saß ich plötzlich und unerwartet wieder genau da, wo ich während der Aufnahme stand! Meine Anlage war nämlich rein zufällig auf Dolby Surround-Mode geschaltet und beschallte mich deshalb von allen Seiten!

Das bedeutet, dass Kunstkopf-Eigenaufnahmen mit nahezu voller räumlicher Darstellung auf JEDER Dolby-ProLogic-Surroundanlage über LAUTSPRECHER abgehört werden können!!!

Mit dieser Erkenntnis eröffnen sich völlig neue Dimensionen!
Bislang ist mir keine Quelle bekannt, die diese Tatsache explizit veröffentlich hätte!
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Blut geleckt ?
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Für alle, die neugierig auf die verblüffend realistische Darstellung akustischer Szenarien sind, aber auch alle, die klanglich ausgewogene Musik- oder Naturaufnahmen machen wollen, ist das OKM II von
Soundman eine echte Empfehlung!
Das von mir gewählte Modell "Klassik Solo" ist geeignet für den ambitionierten Amateur. Für professionelle Einsatzgebiete gibt es bei Soundman auch wesentlich teurere Modelle.

Manchmal ist "weniger eben mehr".

Für weitere Fragen zu diesem Produkt und Anregungen zu diesem Artikel würde ich mich freuen.


Beschreibung der Testaufnahmen
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Geräuschkulisse Nr. 1:
Ein kleiner plätschernder Wasserfall des Gartenteiches in ca. 10m Entfernung, Geräusche einer 40m entfernten Baustelle eines Hauses (Elektrohobel, Hämmern, Öffnen /Schließen der Türen eines Kleintransporters), und in Nachbars Garten in ca. 20m Entfernung das Rufen eines kleinen Kindes). Es wehte ein mäßiger Wind.
(sicherlich keine spektakuläre Aufnahme, aber immerhin mit einigen netten Details zur Klangbeurteilung!)

Geräuschkulisse Nr. 2:
Ein leichtes Gewitter, aufgenommen an drei verschiedenen Positionen:
Die erste Position war am geöffneten Dachfenster in ca. 7m Höhe. Der Regen trommelt auf das Dachfenster, in 100m Entfernung rauschen die von Windböen getroffenen Eichenbäume.
Leichtes, entferntes Donnergrollen des herannahenden Gewitters; die Rufe eine zufällig in ca. 50m Höhe vorbeifliegenden Krähe. Auf der Straße unten ein ankommendes Auto, aus dem hektisch ausgestiegen wird, um sich vor dem Regen in Sicherheit zu bringen.

Die zweite Position: Am geöffneten Fenster im ersten Stock. Es regnet kurzzeitig recht heftig und prasselt deutlich auf die Terasse, der Donner ist unterdessen recht laut und großflächig.

Dritte Position: Auf der Terasse (es regnet nicht mehr), der Donner entfernt sich mit etlichen recht lauten, sehr trockenen und "hübschen" Schlägen.


Community Bewertungen

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • KruegerChristine veröffentlicht 19.01.2009
    Beeindruckende Erkenntnisse!
  • Lost_Hero veröffentlicht 27.03.2003
    Hört sich faszinierend an... Ich glaub', da muss ich mir auch mal ein paar Infos drüber besorgen, schon allein die verwendete Technologie würde mich ziemlich interessieren... Gruß, Patrick
  • ganjaklaus veröffentlicht 23.09.2002
    *lol*, jetzt habe ich schon wieder was von dir gelernt: ich wußte nie, was mit kunstkopfaufnahmen gemeint war! in der ddr gab es eine wöchentliche reihe ( glaube auf radio ddrII), da ging es immer darum, aber darüber was gefunden habe ich nie, auch keine infos. cui
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