Sparmatic - Am falschen Ende gespart
11.11.2009 (07.09.2010)
Pro:
Besser als das Geld für Zigaretten auszugeben, die noch nutzloser sind .
Kontra:
Funktioniert nicht . Kein Support . Zu teuer . Wichtige Bauteile aus Weichplastik .
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Bedienung
Zuverlässigkeit
Bedienungsanleitung
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 Botanix
Über sich:
Mitglied seit:16.08.2005
Erfahrungsberichte:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 20 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die Idee der zeitgesteuerten Thermostate besteht in der automatischen Regelung konventioneller Heizkörper, bei denen man bisher immer selbst Hand am Thermostaten anlegen musste: Wenn man einen Raum nutzt. Wenn man ihn wieder verlässt. Wenn man lüftet. Wenn man schlafen geht sowieso. Aber manchmal vergisst man den Heizkörper - und heizt dann die ganze Nacht hindurch. Das ist Umweltvershcmutzung, Energie- und Geldverschwendung. Muss ja nicht sein. Als Abhilfe schaffte ich einen Sparmatic basic an. Kostenpunkt: rund 30 Euro im Baumarkt. Die Packung verspricht eine problemloses montieren/betreiben auf fast jedem Heinzkörper. Na dann mal los!
Erster Akt: Die Überwurfmutter des Sparmatic ist natürlich aus bestem Billigplastik, außerdem scheint die Geweindesteigung nicht zu meinem Ventil zu passen. Eine Gewindelehre bestätigt die Befürchtung. Nachdem ich also das Plastikgewinde versaut habe, entferne ich mühselig das hochwertige Bauteil und montiere die (Messing)Mutter des alten Thermostats auf dem Sparmatic. Das passt halbwegs, gutgut. Batterien? Der Packung liegen keine bei, also muss man aus dem eigenen Fundus schöpfen. Zwei flammneue Durcacell-Fotozellen finden ihren Weg in den Sparmatic. Der Batteriedeckel klemmt etwas; ich helfe vorsichtshalber mit einem Gummiband nach, nachdem die Zellen einmal aus dem Gehäuse gefallen sind. Das Display fordert mich auf, den Sparmatic zu kalibieren... Zweiter Akt: Frei nach Wilhelm Busch: "Rums, da geht die Sache los, mit Getöse riesengroß ..." Man hört ein offenbar winziges Motörchen mühsam an irgendwas herumackern; die Drehzahl würgt sich bis zum gequälten Herumeiern herunter, bis es im Getriebe knackt und mir das Display schonungslos "E2" mitteilt. Mein Germanistikstudium hilft mir, die Gebrauchsanweisung zu deuten: Entweder ist mein Heizkörper im Eimer (!ist mir vorher gar nicht aufgefallen!) oder die Batterien sind leer. Ah ja. 2 Minuten später sind andere, ebenfalls flammneue Zellen im Gerät. Die Sinfonie des motorischen Knirschens und Quälens unterscheidet sich für mein ungeübtes Ohr nicht vom ersten Durchgang. Auch die Fehlermeldung ist dieselbe: "E2". Ich messe die Zellen; sie zeigen 3,1 Volt und 2,9 Volt unter Last. Aber der Motor würgt und würgt bis zum Stillstand, sobald er gegen dien Widerstand des Ventils arbeiten muss. Ich lege an die Batterieklemmen 3,6 VOlt an (3 Akkus x 1,2 Volt), und jetzt schafft der Mickermotor es endlich, das Ventil zu bewegen. Derweil sind es fast 26 Grad im Zimmer, weil die Heizung auf Vollast brodelt.
Dritter Akt: Trotz Vitaminspritze belibt es beim "E2"-Fehler. Ich demontiere das Teil und messe mit der Schieblehre den Verfahrweg des Sparmatic gegen die Außenkante der Aufnahme: 2,6mm! Das Ventil hat aber fast 11 mm Spiel. Ich schlussfolgere, dass es weiteren Verfahrweg geben muss, der entweder über eine Bimetallfeder oder über den digitalen Temperaturfühler gesteurt wird. Der Regler kommt abwechselnd in die Kühltruhe und auf die Heizung. Die Messung ergibt 3,6mm. Aber vor allem reicht die Tasterlänge nicht, um das Ventil zu schließen. Der Stift vom Sparmatic ist einfach zu kurz. So langsam bin ich echt sauer. Vierter Akt: Ich habe den Sparmatic demontiert, die Überwurfmutter entfernt und vom Kranz die berechneten 1,4 mm auf einer Drehbank abgedreht. Ich baue den Sparmatic wieder an, lege 3,6 Volt an die Batterieklemmen und starte die Kalibrierung. Diesmal haut es hin, und der Sparmatic zeigt im Display den aktuellen Sollwert der Raumtemperatur. Aber meine Laune ist dahin - was für ein unausgereifter Billigschrott!
Normalerweise freue ich mich, wenn ich eine Sache hinbasteln konnte. Aber diesmal bin ich einfach nur stinkwütend, weil dieses Mistding nie im Leben 30 Euro wert ist. Ich komme mir abgezockt und ausgenommen vor. Die Komponenten haben samt Fertigmontage doch höchstens 7 Euro gekostet. Warum macht man den Stift nicht einfach mal 5 mm länger? Oder führt ihn als Gewindestift so aus, dass man ihn einstellen kann? Warum dieser Schrott mit dem Plastikring als Mutter? Warum dieser unterdimensionierte Motor? Warum nur 2 Batterien, wenn doch 3 erforderlich sind, um die benötigte Energie zur Verfügung zu stellen?! Es kotzt mich einfach maßlos an, wenn mutwillig und aus niederen Motiven Müll hergestellt und dann teuer verscheuert wird. Diese IKEA-Mentalität ist ein echter Kulturfehler. Irgendwie scheint unserer Kultur das Empfinden dafür verloren gegangen zu sein, wann eine Sache Wert hat, und die Hersteller schämen sich wohl nichtmals mehr für die Bosheiten, die sie da herstellen. Ich besorge mir ein Bier und lasse mein Gemüt etwas abkühlen. So geärgert habe ich mich schon lange nicht mehr: Was will denn jemand machen, der keine Drehbank, kein Netzteil und keine Schieblehre zu Hause hat? Nach 15 Minuten nehme ich die Sparmatic-Anleitung, um das Teil zu programmieren.
Fünfter Akt: Ich programmiere den Sparmatic; die telegrammartige Anleitung ist dabei keine große Hilfe und schwerer zu interpretieren als dadaistische Gedichte. Nachts soll die Temperatur, bitteschön, AUS sein, zwischen 7:30 Uhr und 21:00 Uhr 19,5° betragen. So weit - so schlecht: Ein paar Tage später komme ich um 2:30 Uhr nach Hause - und im Zimmer herrscht eine Bullenhitze! Jetzt bin ich SO RICHTIG SUAER. Ich hole mir einen Tee und meditiere meine Heizung, bis ich wieder klar denken kann. Ich prüfe die Kalibirierung des Sparmatic - sie ist OK. Ob jetzt erst oder immer noch kann ich nicht wissen, natürlich. Ich hole ein Kombi-Hydrometer auf und lasse es über Nacht eine Temperaturkurve aufzeichnen: Am Morgen habe ich Gewissheit: Der Sparmatic heizt unbeirrbar immer auf 24°. Ich korrigiere die Voreinstellung (das geht gut) um die 4,5 Grad runter, kalibiere nochmals und deaktiviere die Programmierung. Dann stelle ich auf MANUELL und 9,5°. Das laute Rattern von Motor und Getriebe übertönt fast das Zischen des Wassers im Heinzungsventil, aber ich kann hören, dass das Ventil geschlossen wird. Es geht wirklich zu, kein Zweifel. Liegt vielleicht eine Fehlfunktion aufgrund der zu hohen Spannung vor? Ich setze in die 3,6 Volt-Zuleitung eine Diode und reduziere damit die Spannung auf 3,2 Volt. Mit sowenig Power verreckt der Motor aber fast wieder, und das Ventil wird nicht geschlossen. Ich nehme den Sparmatic ab und prüfe das Ventil selbst, aber es ist ist absolut OK und leichtgängig. Ich betätige es mehrmals und montiere den Sparmatic wieder. Die Probleme bleiben aber. Sechster Akt: Ich demontiere das Mistding und reklamiere es beim Baumarkt. Erstaunlich: Der Verkäufer will gar keine Erklärungen, sondern bietet gelangweilt ein Austauschgerät an. Ich lehne ab, er nickt. Offenbar bin ich nicht der Erste, der sich beschwert.
Fazit: Schei* Sparmatic! Ein typisches No-time-to-market Produkt, dass höchstkompatibel sein soll und dadurch inoparabel wird, weil die zugunsten der Profitmaximierung eine möglichst großer Käuferkreis angesprochen werden soll. Dabei ereilt die Konstruktion dieselben Probleme, die der statische Durchschnittschuh mit Größe 42,325 hat: Er passt nur in der Theorie jedem, in der Praxis aber fast keinem. Die relevanten Bauteile sind gnadenlos unterdimensioniert, und auch sonst wird am Material gespart; das bisher noch gar nicht beschimpfte Einstellrad bspw. fällt bereits beim Angucken ab und wabbelt in seiner provisorischen Klemmung wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Der Preis ist indes so gesetzt, dass Käufer den Kaufbetrag psychologisch noch als Bagatelle deklarieren und voraussichtlich auf Reklamationen verzichten. Der Hersteller, die Firma Eurotronic, verzichtet deshalb auch gleich auf einen Support und setzt auf das Prinzip Entmutingung; seine FAQ umfasst gerade drei Bagatellfragen (http://www.eurotronic.org/index.php?id=21).
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14.01.2010 15:48
Hat mir sehr geholfen, denn ich haette das beinahe gekauft !
11.11.2009 14:35
Ich bin froh, dass ich mir so´n Dings nur einmal gekauft habe... Rausgeschmissenes Geld..!!
11.11.2009 14:04
Solche Sachen habe ich auch schon erlebt. Ärgerlich.