Spinalonga, Kreta

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Spinalonga, Kreta

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Erfahrungsbericht über "Spinalonga, Kreta"

veröffentlicht 18.07.2016 | Lilia81
Mitglied seit : 17.04.2007
Erfahrungsberichte : 330
Vertrauende : 68
Über sich :
Ausgezeichnet
Pro Geschichtlicher Hintergrund, Aussicht
Kontra Rundgangbeschilderung auf das nötigste begrenzt
sehr hilfreich
Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

"Die Leprainsel"

Im Juni war der Sommerurlaub angesagt und es ging zum ersten Mal auf die Insel Kreta in Griechenland. Gleich zu Beginn mieteten wir uns einen Wagen, um einfach ein wenig von der Insel zu sehen. Im Vorfeld haben wir uns bereits ein paar Ausflugsziele herausgesucht – unter anderem die Lepra Insel Spinalonga. Hier nun mein Bericht über die Insel:

Fakten

Gewässer Mittelmeer
Länge 440 m
Breite 250 m
Fläche 85 ha
Höchste Erhebung 53 m
Einwohner (unbewohnt)

Der Weg zur Insel

Die Insel liegt im Nordosten von Kreta und zählt zum Gebiet der Ortschaft Elounda der Gemeinde Agios Nikolaos. Wir sind zu dem kleinen Küstenort Plaka gefahren, von wo man mit einem Boot zur Insel übersetzen kann. Schön ist, dass ein paar Meter von der Anlegestelle ein kostenloser Parkplatz zur Verfügung steht. Nachdem wir uns ein Ticket gekauft haben (ca. 5 Euro pro Person für Hin- und Rückfahrt), bestiegen wir ein kleines Boot, was sich an dem Tag aufgrund etwas windigem Wetter schaukelig den Weg zur Insel bahnte. Die Entfernung beträgt lediglich 750 m, was eine Fahrzeit von 10-15 Minuten bedeutet.

Geschichte der Insel

Die Venezianer errichteten im 15. Jahrhundert auf Spinalonga eine Burg bzw. ein riesiges Fort. Im Jahr 1669 eroberten die Türken Kreta. Jedoch hielten die Venezianer, trotz heftiger türkischer Angriffe, noch fast 50 weitere Jahre die Festung Spinalonga. Zu dieser Zeit war ein Fort mit solch dicken Mauern praktisch uneinnehmbar. Bis die Türken um das Jahr 1900 Kreta endgültig verließen, diente die mächtige Burg als Wohnraum für türkische Siedler.
Im Jahr 1913 beschloss die Regierung von Kreta, die Insel in eine Leprakolonie umzuwandeln und ließ alle Menschen, die an dieser Krankheit litten, dorthin bringen. Lepra, eine hochansteckende Krankheit verdammte die Betroffenen zur Isolation und zum schmerzvollen Dahinsiechen. Vor der Entscheidung zur Eröffnung der Lepra-Insel hausten die Betroffenen meist in Höhlen oder abgelegenen Dörfern in den Bergen ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Die Isolierung der Kranken auf diese Insel sollte ein Ausbreiten der Krankheit verhindern. Die Ausgestoßenen, die normalerweise weitab von den Siedlungen leben mussten, erhielten hier eine Behandlung und konnten eine kleine Stadt mit eigener Infrastruktur aufbauen. Sie renovierten die vorhandenen Häuser, hielten Vieh und erbauten zwei Kirchen. Viele der Lepra-Kranken konnten ihre Berufe ausüben, es wurde geheiratet, Familien gegründet und es gab auch zahlreiche Geburten. Man sah den meisten Bewohnern oft ihre Krankheit gar nicht an, da sie zwar die Bakterien in sich trugen, doch die Krankheit brach oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten aus. Besuche von Verwandten waren anschließend stets mit kompletter Desinfektion verbunden.
In Spitzenzeiten waren über 1.000 Kranke auf der Insel. Etwa 1953 konnten die ersten wirksamen Lepramedikamente gefunden wurden. Ungefähr acht Jahre später wurde die Leprastation Spinalonga überflüssig und aufgelöst. Viele Bewohner konnten die Leprainsel überglücklich geheilt verlassen.

Der Besuch

Nachdem wir dort angekommen sind, mussten wir uns Tickets kaufen (ca. 4 €), um uns die „Siedlung“ anschauen zu können. Leider weiß ich den Eintrittspreis nicht mehr. Am Eingang hängt eine Übersichtskarte, die man sich auch in Papierform mitnehmen kann. Der Rundgang um die Insel umfasst ca. 1,5 km. Der Eingang in die Festung erfolgt durch einen etwa 10m langen Tunnel (links am Hafen). Nach wenigen Metern erreicht man die Wohnsiedlung. Einige Häuser sind restauriert, bei anderen sieht man lediglich die Grundrisse und oft sind steinerne Ruinen vorhanden. Überraschend finde ich die verschiedenen Bauarten und –formen. Man erkennt kleine Zweizimmerhäuser mit Kochstelle/Kamin, größere auf 2. Etagen. Eine Kirche wurde restauriert, man sieht ein Wassersystem und kann den Friedhof und das Krankenhaus erkennen. In den restaurierten Häusern sind interessante Fotoausstellungen und Gegenstände ausgestellt. Zum Ende des Rundganges klettern wir auf das große venezianische Fort, zu dem auf einem rutschigen Weg hinaufgehen kann. Festes Schuhwerk ist ratsam. Von hier hat man dann einen wunderbaren Ausblick auf Plaka und Elounda.
Eine einfache Snackbar ist am Ende zu finden. Hier gibt es Wasser, Cola, Chips u.ä. und man kann sich hier hinsetzen und die Eindrücke auf sich wirken lassen. Zu den Preisen kann ich nichts sagen. Toilette ist hier vorhanden.
Und schon ging es wieder für den Rückweg ab aufs Boot.
Überfahrt: erste Abfahrt ca. um 09.00 Uhr, letzte Rückfahrt vor Sonnenuntergang, je nach Jahreszeit.
Ein Besuch Spinalongas im Winter ist nicht möglich, da der Bootsverkehr zur Insel ab 01. November eingestellt wird.

Fazit

Die Insel ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Würde man sich die Siedlung anschauen, ohne den Hintergrund zu betrachten, sieht man dort restaurierte Häuser, steinerne Ruinen, zwei Kirchen, große Häuser (u. a. Krankenhaus), kleine Wohnhäuser, Friedhof, ein Bewässrungssystem, Festungsmauern und das Fort. Es wirkt alles überschaubar, muckelig und friedlich. Kann man sich alles anschauen und ist auch interessant. Die Aussicht vom Fort ist wunderbar. Beim Rundgang sollte man sich aber einfach vor Augen halten, wofür die Siedlung erbaut war und mit welchem Schicksal die Menschen hier gelebt haben. Die Krankheit Lepra hat sie befallen. Sie wurden nicht gefragt, ob sie hier leben möchten. Wurden von ihren Familien, Freund getrennt und mussten abgeschirmt auf dieser Insel leben. Die Insel ist sehr nah zum Festland, so dass man quasi die „gesunden“ Menschen am Ufer erkennen könnte. So nahe, und doch unerreichbar.
Ich habe bei mir beobachtet, dass meine Stimmung im Laufe des Rundganges immer bedrückter, nachdenklicher und auch faszinierender wurde. Wenn man sich die Bilder anschaut, sind das alles nicht mehr nur Ruinen, sondern auf einmal kommen Gesichter dazu. Ich habe mir vorgestellt, wie das Leben dort in den Gassen abgelaufen ist. Traurige Gesamtsituation (unheilbare Krankheit, weggesperrt und isoliert auf der Insel) und doch hat hier das Leben stattgefunden! Freundschaften wurden geschlossen, Familien gegründet, gearbeitet, gelacht, geweint und gefeiert – und der Tod war allgegenwärtig. Komisches Gefühl! Lepra war für mich immer eine Krankheit, die ich aus Geschichtsbücher, historischen Romanen kannte. Mir war nicht bewusst, dass erst so spät Heilungsmethoden gefunden wurden. Die Station wurde erst um die 1900 gegründet und erst um die 1960 aufgelöst. Das hat bei mir Verwunderung ausgelöst – war mir nicht bewusst, dass die Krankheit noch so lange unheilbar/existent war. Man sollte sich im Vorfeld bei Interesse bereits etwas über die Geschichte informieren - dann sieht man die Insel mit anderen Augen.
Das folgende Gedicht verfasste der Lepra-Kranke Epaminóntas Remoundákis, er war auch der Gründer der “Bruderschaft der Kranken Spinalongas”. Ich habe es in einem Reisebericht im Netz gefunden. Es hat mich berührt und passt zum Besuch auf der Leprainsel Spinalonga:


“Wenn du den Weg von Spinalonga entlangläufst,
verweile einen Moment und halte deinen Atem an.
Aus irgendeinem der verfallenen Häuser wirst du
noch den Totengesang einer Mutter,
einer Schwester oder den schmerzgefüllten Atemzug eines Mannes hören.
Laß zwei Tränen aus deinen Augen entrinnen
und du wirst den Glanz von Millionen Tränen sehen
die diesen selben Weg begossen haben,
auf dem du heute entlangschreitest”.
(wurde frei von reiseideenkreta übersetzt, Quelle: GEO Reisecommunity)


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • LadyKarola veröffentlicht 26.12.2016
    lg
  • Karry2000de veröffentlicht 12.12.2016
    Würde ich durchaus auch mal gerne besuchen.
  • lisarie veröffentlicht 08.11.2016
    bh
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Produktdaten : Spinalonga, Kreta

Produktbeschreibung des Herstellers

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