Paddeln - meine Sucht - wie alles begann
03.02.2002
Pro:
bewegung an frischer luft, natur erleben
Kontra:
vielleicht manchmal das wetter
Empfehlenswert:
Ja
 mugi
Über sich:
so oft wie nur irgend möglich, fröhne ich meinem hobby, dem paddeln. die urlaubsgestaltung richtet s...
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Ja, ich bekenne mich dazu, ich bin süchtig!!! Ich kann nicht genug davon bekommen. Ich will euch verraten, wie es dazu kam. 1989, der Sommer wollte gerade langsam Einzug halten. Da überraschte mich meine Schwester mit der freudigen Nachricht, daß sie sich ein Faltboot gekauft habe. Mit Freunden wollte sie im Spreewald paddeln und lud uns herzlich dazu ein. Paddeln? Im Spreewald? Wird man dort nicht mit einem Kahn durch den Wald gestakt? Viele Fragen stellten sich mir.Woher bekomme ich ein Boot, ein Zelt, einen Kocher, Schlafsäcke etc., pp.? Meine Kinder waren damals gerade 8 und fast 5. Paddeln mit Kindern? Doch die Idee, einen Urlaub auf dem Wasser zu verbringen, reizte mich trotz der vielen Imponderabilitäten (Unwägbarkeiten, schönes Wort nicht?). Richtigen Urlaub hatten wir bis dahin auch noch nie gemacht, immer nur Verwandschaftsbesuche. Damit mußte mal Schluß sein. Gesagt, getan. Als erstes mußten zwei Boote her. Damals gab es in Berlin Grünau eine Bootsausleihe. Dort orderten wir zwei Zweierkajaks einfachster Bauart, leider ohne Steueranlage (wir wußten ja damals noch nicht, was uns erwarten würde). Dazu Paddel (aus Holz und ganz schön schwer), sowie Schwimmwesten (man kann ja nie wissen). Ein Zelt bekam ich von einer Freundin, dazu einen Schlafsack. Einen Schlafsack von meiner Mutti geborgt und einen hatte ich selbst. Wo der vierte Schlafsack herkam weiß ich nicht mehr. Isomatten konnten wir käuflich erwerben. Die Grundausstattung hatten wir nun, jetzt fehlte noch ein Kocher. Da wir niemanden kannten, der uns einen Kocher leihen konnte, mußten wir einen kaufen. Wir erstanden einen zweiflammigen Spirituskocher. Auf dem Balkon probierten wir ihn aus. Prima, funktioniert. Später im Echtbetrieb versagte er kläglich. Er wurde nach dem Urlaub umgehend entsorgt.Die Freunde meiner Schwester wollten ursprünglich mit ihren Faltbooten (gut gefaltet und verpackt) mit dem Zug direkt nach Lübbenau fahren. Doch, wie sollten wir mit den riesigen Kunststoffbooten in einen Zug passen? Wir konnten nur von Berlin aus starten. Netterweise entschlossen sich die Freunde und meine Schwester nach Berlin zu kommen (sie kamen alle aus Halle) und gemeinsam mit uns von Grünau aus, Richtung Spreewald zu paddeln. Schwer beladen zogen also 7 Erwachsene und 4 Kinder mit S- und Straßenbahn nach Berlin Grünau. Die geliehenen Boote waren schnell aus dem Bootshaus geholt und zur Einstiegsstelle gepaddelt. Einen kleinen Paddeltest hatten wir bereits vor einigen Tagen gemacht, die Premiere lief ausgezeichnet.An der Einstiegsstelle schauen wir fasziniert beim Aufbau der Faltboote zu. Bootshäute, Spanten, Holzteile, deren Bestimmung mir damals verborgen blieb. Das reinste Chaos. Doch, oh Wunder, das Chaos ordnete sich allmählich zu drei Paddelbooten. Erstaunlich! Nachdem endlich die in Tüten und Säcken verpackten Klamotten in den Booten verstaut sind, (der Rest, der nicht in die Boote paßt, wird obenauf geschnallt) stechen wir in See. Es ist Sommer geworden und entsprechend warm. Wind und Wetter halten sich in Grenzen. Also, ideal für Anfänger. Wenn da nicht das Problem mit dem Bootshandling wäre. Ständig ist man am korrigieren der Fahrtrichtung, das Boot macht was es will. Wieso haben diese blöden Boote keine Steueranlage?! Ich bin am verzweifeln. Aber, ich gebe nicht auf. Das muß doch irgendwie gehen. Um meine Kräfte nicht vorzeitig aufzubrauchen, werde ich in’s Schlepptau genommen. Jetzt muß ich nur noch wenig korrigieren, endlich macht es Spaß.Wir sind damals nur relativ kurze Tagesetappen gepaddelt. Mit Kindern sollte man ohnehin maximal 3 Stunden paddeln, sie langweilen sich schnell und brauchen halt ihre Bewegung. Unsere Kinder haben sich, glaube ich, gerne durch die Gegend kutschieren lassen. Mittagschlaf im Boot fanden sie auch ganz nett. Da sie ja damals noch klein waren, war es auch problemlos möglich. Ich glaube wir waren damals 5 oder 6 Tage Richtung Spreewald unterwegs. Es war im Grunde genommen sehr schön, doch das Wetter wurde immer schlechter. Wir lagerten vor der Schleuse in Märkisch-Buchholz. Danach sollte endlich der untere Spreewald beginnen! Die Stimmung wurde immer mieser. René, der den Ehrgeiz hatte, gesteckte Ziele zu erreichen, ließ seinem Frust freien Lauf. Wir fühlten uns irgendwie schuldig. Sie hatten extra ihre Route für uns geändert und nun sollten wir es nicht in den Spreewald schaffen. Schweren Herzens rang er sich dazu durch, Rücksicht auf Frauen und Kinder zu nehmen und dem Rückzug zuzustimmen.Der Rückweg wurde eine einzige Qual. Der Wind hatte derart zugenommen, daß er beinahe sturmähnliche Ausmaße annahm. Solange wir auf der Spree unterwegs waren, war vom Wind nicht so viel zu spüren. Aber, die Auffahrt auf den Dolgensee war beinahe unmöglich. Der See hat eine Ost-West-Ausrichtung. Der Wind kam von West, dorthin waren wir aber unterwegs. Mit aller Kraft blies er uns auf die Spree zurück. Ich stand förmlich auf dem Wasser, ich paddelte, kam aber nicht vorwärts. So bald ich das Paddel ablegte, um Kraft zu schöpfen, schob mich der Wind wieder zurück auf die Spree. Die anderen waren mit ihren Faltbooten schon auf und davon. Mein Uwe, treue Seele, nahm mich in`s Schlepptau und zog mich über den See. Wie ein Motor zog er das Paddel durch. Ich bin heute noch fasziniert von seiner Kraft. Beinahe spielend bewegte er das Holzpaddel. Mir sind währenddessen, beim Versuch mitzuhalten, fast die Arme abgebrochen. Noch heute brechen wir in wüstes Gelächter aus, wenn wir an die Überquerung des Dolgensees denken. Ich hatte damals furchtbare Angst auf diesem See zu kentern und möglicherweise zu ertrinken. Aus diesem Grund fuchtelte ich bei jedem vorbeifahrenden Motorboot wie wild mit den Armen und rief mir die Kehle aus dem Leib, in der Hoffnung, einer würde sich erbarmen und uns über den See ziehen. Doch, die Motorbootfahrer verstanden offensichtlich mein Ansinnen nicht und winkten freundlich zurück.Auf dem Zeltplatz in Senzig beschloß ich dann das Ende unseres Paddelurlaubs. Uwe und René wurden dazu auserkoren, die Kajaks nach Grünau zurückzupaddeln. Einen Transporter bekamen wir nicht, also mußten die Boote auf dem Seeweg zurück. Die beiden hatten nichts dagegen und freuten sich, glaub ich, sogar auf das Abenteuer. Wir anderen schleppten, die nun wieder in ihrer Verpackung verstauten Faltboote zum Bus und fuhren nach Berlin. Zwei Tage später holten wir die Heimkehrer gesund und unversehrt in Grünau ab.Fazit: Trotz der teils widrigen Umstände des ersten Paddelurlaubs, hat es uns doch so schwer erwischt, daß wir seither vom paddeln nicht loskommen. Noch im selben Jahr erstanden wir zwei Faltboote der Marke Kolibri (Hersteller: Mathias Thesen Werft – Wismar) und haben damit zehn Jahre lang die Mecklenburger Gewässer unsicher gemacht. Anfangs mit `ner Gruppe, dann als Familie und im letzten Jahr (also 1999) dann allein, will sagen zu zweit.Äußerst hilfreich, war die Erfahrung der Freunde meiner Schwester. Ohne deren Ruhe und Hilfsbereitschaft hätten wir heute nicht ein so schönes Hobby. Hätten wir noch Kontakt, würden wir uns bei ihnen persönlich bedanken. So danken wir ihnen auf diesem Weg. Ich hoffe ihr hattet ein wenig Spaß beim Lesen und versteht einmal mehr, warum ich paddel-süchtig bin *ggg*. Gruß mugi
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22.07.2003 16:40
jup..ich kann dich verstehn...nur zu dumm, dass ich unser faltboot immer erst aufbeun muß, weils zusammengefaltet *g* im keller lagert....aber was tut man nich alles um seine sucht zu brefriedigen *g*. lg anne (ich hör dann mal auf zu lesen, sonst geb ich noch zu jedem artikel meinen senf dazu *lach*)
28.04.2002 18:16
ja ja, ein paar erinnerungen habe ich auch daran! ich war ja damals noch sooo klein.
19.03.2002 21:41
Hallo, schööööner Bericht, freue mich immer wieder auf gleichgesinnte Paddelfreunde zu stoßen. Zumal wenn es noch Freude macht so einen schönen Bericht zu lesen.