Es begann mit Bergwanderungen in den Alpen. Im weiteren Verlauf wählte ich auch anspruchsvolle Touren, auf denen man über steile Felswände hinauf richtig kraxeln muß. So hatte ich schon einige Erfahrungen.
Die kroatische Adria
***********************Ein Gebirge ist es zwar nicht; dafür gibt es aber Felsküste und schon auf der Fahrt entlang der Küstenstraße sieht man, wie tief und steil die Küste zum Meer hin abfällt. Auf der Küstenstraße, die auch „Magistrale“ genannt wird, erlebt man wunderschöne Ausblicke aufs Meer und das ist ja auch ein Reiz für Touristen.
Vor vielen Jahren verbrachte ich dort meinen Urlaub. Eines Tages unternahm ich eine Strandwanderung, wobei der Strand plötzlich an einer Felswand endete, deren Höhe ich auf 80 bis 100 Meter schätzte. Gleichzeitig wußte ich genau, daß oberhalb der Felsen die Magistrale verläuft. Schon bei der Anreise war ich dort vorbeigekommen.Jedenfalls ging der Strand nicht weiter. Nun hätte ich den gleichen Weg zurücklaufen können, doch das wäre langweilig gewesen und außerdem war ich ein Kraxler.
Die Planung einer Route
*****************************Das ist das Wichtigste überhaupt. Man betrachtet eine Felswand aus einiger Entfernung und teilt diese gewissermaßen in drei Kategorien. Die eine nenne ich unmöglich. Dort ist der Fels so glatt, daß der Mensch überhaupt keinen Halt findet. Die zweite Kategorie nenne ich schmerzhaft. Dort ist der Fels so zerklüftet, daß man sich zwangsläufig an Felskanten stößt.
Von meinem Standpunkt aus betrachtet, war der linke Teil der Wand unmöglich. Der rechte Teil dagegen wäre schmerzhaft gewesen. In der Mitte erkannte ich eine Route und die erschien mir möglich und schmerzfrei.Es gibt eine weitere Unterscheidung. Der Abstieg ist gefährlicher als der Aufstieg. Beim Aufsteigen hat man immer den Fels vor Augen und sieht, wo man hintritt. Beim Absteigen sieht man das nicht immer. Schon in den Alpen war ich lieber bergauf geklettert. Bergab dagegen sehr ungern.
Nun wußte ich ja, daß ich oben auf eine Straße komme. Deshalb entschied ich mich für eine Route, die ich mir überhaupt nur bergauf zutraute.Die eigentliche Gefahr
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In den Alpen gibt es praktisch nur noch Routen, die von anderen Bergsteigern bereits getestet sind. Irgendjemand muß ja mal den Anfang machen und ein erfahrener Bergsteiger macht das grundsätzlich nur mit Seil und Haken. Diese Ausrüstung hatte ich nicht dabei. Ich bestieg jedoch eine Route, die noch niemals getestet war und deshalb bestand eine Möglichkeit, auf die ich nicht gefaßt war.Bisher kannte ich Felsen nur als absolut fest. Klar: das waren ja auch getestete Routen. Ich hätte mir nie gedacht, daß Felsen auch brüchig sein können.
Es passierte in 40 Meter Höhe. Mit dem rechten Arm wollte ich mich an einer Felsnase emporziehen. Das ist wie ein einarmiger Klimmzug und man kann das ganz gut am Reck trainieren. Dieser Stein war meinem Körpergewicht von 78 kg nicht gewachsen und löste sich aus der Wand. Urplötzlich befand ich mich im freien Fall. Ein mittleres Wunder
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Mein Leben verdanke ich einer Krüppelkiefer. Das ist eine kleine Kiefer, die quer aus dem Felsen herauswächst. Diese Kiefer befand sich so perfekt unter mir, daß ich ein unverschämtes Glück hatte. Man stelle sich vor, der Stamm ragt waagerecht in die Luft und darauf landete genau der mittlere Teil meines Rückens. Das ist ungefähr der Schwerpunkt meines Körpers und nur so vermochte ich die Balance zu halten. Eine Abweichung von wenigen Zentimetern hätte bedeutet, daß ich heute nicht mehr am Leben wäre. Zudem hatte ich die Muskulatur des Rückens stark angespannt und so bekam ich nur eine Muskelprellung. Die Wirbelsäule blieb unbeschädigt und auch da kann ich nur von Glück reden.Es ist klar, daß ich so nicht liegenbleiben konnte. Kopf und Füße hingen in der Luft und ich hätte immer noch richtig abstürzen können. Die Kiefer wuchs auf einem Felsvorsprung und dort kroch ich hin. Nachdem ich so knapp mit dem Leben davon gekommen war, schlotterten mir die Knie. Auf einem Felsgrat ist das lebensgefährlich. Man kann das Zittern nur durch schnelle Bewegungen unterdrücken und das war meine einzige Chance. Ich mußte schnellstmöglich aus der Felswand herauskommen. Aber wie?
Den Abstieg hatte ich von Anfang an als zu gefährlich verworfen und nun war es mir völlig unmöglich, auch noch herunterzuklettern. Die geplante Route war nicht mehr existent, weil genau ein einzelner Stein fehlte, den ich zu meinem Halt unbedingt gebraucht hätte.Es blieb nur noch der Weg nach rechts in eine Felslandschaft, die ich von vornherein als schmerzhaft eingestuft hatte.
Ein Albtraum
****************Nun mußte ich mit weiteren Verletzungen rechnen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich so hart an eine Felskante stieß, daß es blutete. Das passierte mir mehrfach. Zudem hatte ich panische Angst, daß ich erneut abstürzen könnte. Ich wußte ja, daß die Felsen nicht so stabil sind, wie ich das erhofft hatte. Es kam also beides zusammen: Angst und auch Schmerzen. Wenn man einem Gefangenen so etwas antut, dann nennt sich das Folter.
Zu dem Zeitpunkt schwor ich mir: einmal und nie wieder!!!Ich war nämlich zu einem Weg gezwungen, den ich von Anfang an nicht gewollt hatte.
Wenn ich heute eine Felswand aus der Nähe sehe, dann habe ich nur noch einen Gedanken: Zum Glück zwingt mich ja keiner! Ach wie schön, daß ich nicht mehr klettern muß. Das kleinere Übel
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Als ich es kaum noch geglaubt hatte, erreichte ich endlich die Küstenstraße. Meine Kleidung war blutverschmiert und teilweise zerrissen. Ein mitleidiger Autofahrer hielt an und fragte besorgt, was mit mir los sei. Ich wollte schleunigst zurück ins Hotel und die Einzelheiten konnte ich auch während der Fahrt erzählen.So gelangte ich ins Hotel. Dabei hatte ich nicht bedacht, daß man in Kroatien einen zusätzlichen Krankenschein braucht. Deshalb ging ich nicht zum Arzt. Ich bewegte mich sowenig wie möglich und hoffte, daß die Wunden von selbst heilen.
Die folgenden Tage saß ich in Kaffeehäusern und Kneipen herum. Das ist nicht ganz der Sinn einer Reise, doch für mich war es das kleinere Übel. Ach wie schön, wenn der Schmerz nachläßt! Das Land ist auch noch bekannt für seine guten Spirituosen. Oh ja, in der Lage helfen sie wirklich.Die körperlichen Wunden heilten dann auch. Übrig bleibt das seelische Trauma. So eine Erfahrung will ich nie wieder machen. Deshalb ist mir die Lust vergangen!
FAZITNochmals der Haken an der Sache. Zuerst sprach ich von einer Felsnase. Die hätte stabil sein müssen. Dann war es nur noch ein Stein. Der muß nicht unbedingt festsitzen. Den Unterschied erkennt man erst dann, wenn man mit einem Hammer draufschlägt. Wenn eine Route noch nicht getestet wurde, dann machen das sinnvollerweise zwei Bergsteiger, welche sich gegenseitig mit Seil und Haken absichern.
Es gibt auch Free-Climbing oder das Klettern ohne Hilfsmittel. Das ist nur zu empfehlen, wenn die Route getestet und für diesen Sport freigegeben wurde.Diesmal das Minimum von einem Stern, denn es geht ja um meine Erfahrung. Vermutlich gibt es nur wenige, die solch eine Erfahrung überlebt haben.
Nichts gegen den Klettersport als solchen. Man muß nur Bescheid wissen.
27.09.2006 19:04
Unter Klettersport versteht man im allgemeinen aber etwas anderes oder?
04.03.2005 11:42
Puh, das klingt ja wie im Film. Da war Dein Schutzengel wirklich fleißig. Dann gelobe ich mir meine harmlosen Schwimmrunden ;-)
04.03.2005 00:31
Da konntest Du ja wirklich von Glück reden. Ich hab ja auch schon so gefährliche Sachen wie Fußball (immer noch), Volleyball, Slalomrallies oder gar Darten (auch immer noch) gemacht, das reicht eigentlich *g* - aber zum Extremsport hats mich noch nie gezogen. Gruß Martin