Sram Spectro S7

Erfahrungsbericht über

Sram Spectro S7

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung Sram Spectro S7

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Eine hakelige Angelegenheit

4  17.06.2004 (11.07.2006)

Pro:
Getriebeabstufung, Aus -  und Einbau des Hinterrades

Kontra:
Schwergängiges Schalten

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

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CaBe

Über sich: Liebe Besucher. Ich bleibe meiner strengen Linie weiterhin treu und lass mich nicht zu unüberlegt...

Mitglied seit:03.05.2000

Erfahrungsberichte:84

Vertrauende:9

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 34 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

VORGESCHICHTE
===============
Am 12.6.2004 erwarb ich bei B.O.C. (boc24.de) ein Fahrrad aus deren Angebot. Meine Wunschkonfiguration bestand letztlich in "Herrenrad", "Nabendynamo", "Nabenschaltung" und "Federung". Das CX200 Lite von B.O.C. verfügte exakt über diese Ausstattung, sodass ich nun im Besitz eines neuen Rades mit der SRAM-7-Gang-Nabenschaltung bin. Ich möchte noch vorweg schicken, dass ich bisher ein Rad mit einer Shimano Nexus (7-Gang-Nabenschaltung) hatte und daher meine Beurteilung weit gehend auf diesem Vergleich aufbauen werde.
Ergänzung 11.07.2006 am Ende.

VORAB DIE TECHNIK
=================
Eigentlich kannte ich die Marke SRAM bisher nicht, wenn ich auch gesehen hatte, dass die Baueinheit deutliche Ähnlichkeiten mit einer Fichtel&Sachs-Nabenschaltung nicht abweisen kann. SRAM spricht hier von einer Clickbox, die die gesamte Zugseilumlenkung in einer rechts außen liegenden Baueinheit enthält. Diese Bauweise führte noch zu Zeiten von F&S zu herber Kritik, da beim Sturz eines parkenden Rades diese Einheit sehr leicht stark beschädigt wurde.
Recherchen, u.a. hier bei ciao haben dann auch ergeben, dass SRAM offensichtlich der Nachfolger von F&S ist. Die Zeiten, in denen F&S mit der berühmten Torpedo-3-Gangnabe Qualitäten setzte, an denen die Konkurrenz sich kläglich die Zähne ausbiss, schienen spätestens mit der Sachs Pentasport vorbei zu sein. Da hatte Shimano mit der Nexus zum großen Gegenschlag ausgeholt und F&S sowohl in der technischen als auch Verarbeitungsqualität deutlich übertrumpft. Nun aber zur aktuellen SRAM-7.
Die gesamte Schaltung besteht im Wesentlichen aus dem Drehgriffschalter, der Clickbox und der Hinterradnabe:

DREHGRIFFSCHALTER
===================
Offensichtlich standardmäßig wird diese Schaltung mit einem Drehgriff ausgeliefert. Ein Kipphebel (wie bei der Shimano Nexus) ist meines Wissens nicht einmal optional erhältlich. Immerhin haben sich im Laufe der Jahre diese Drehgriffschalter auch durchgesetzt. Eine Drehung mit der rechten Hand zum Radler hin schaltet hoch. Dabei rasten die einzelnen Gänge nicht besonders deutlich, aber so kann man durchaus auch mal erzwingen, gleich zwei Gänge auf einmal hochzuschalten. Runterschalten mit einer Drehung weg vom Fahrer ist mit deutlichem Widerstand verbunden, erst Recht, wenn man vom 5. in den 4. Gang schaltet. Der 4. ist offensichtlich wegen der Mittelstellung für die Justage besonders wichtig, gleichzeitig

Bilder von Sram Spectro S7
Sram Spectro S7 Bild 32086 tb
Außenliegende Clickbox
aber auch besonders widerborstig. Naja, vielleicht gibt sich das noch im Laufe der Zeit. Ich bin es gewohnt, heftigst und extrem häufig zu schalten. Zur Optik sei angemerkt, dass sich im Drehgriff ein Klarsichtfenster verbirgt und den aktuellen Gang mit einem roten Marker anzeigt. Das ist z.B. dann hilfreich, wenn man vergeblich versucht noch einen Gang höher zu schalten, obwohl man - das Sichtfenster zeigt es an - bereits im 7. Gang fährt. Insgesamt empfinde ich die Drehwinkel etwas zu groß ausgelegt, aber das mag nun wirklich Geschmacksache sein, wie weit man sein Handgelenk verdrehen möchte.

CLICKBOX
========
Die Tücken der Clickbox liegen in der Bauart. SRAM hat die gesamte Schalteinheit, die die Seilspannung des Bowdenzugs auf eine Steuerachse in der Radnabe überträgt, nach außen verlegt. Dadurch ist dieses Teil sehr anfällig gegenüber Stürzen oder äußeren Einwirkungen. Das hat andererseits den entscheidenden Vorteil, dass der Ausbau des Hinterrades sich nicht so kompliziert erweisen soll, wie es z.B. bei der Nexus ist. Ich kann zwar vom erfolgreichen Aus- und Einbau der Nexus berichten, werde mich aber hüten, die SRAM ohne Anlass zu demontieren. Daher berufe ich mich zunächst auf Erfahrungen eines Kollegen bzw. der Beschreibung im Handbuch.

HINTERRADNABE
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Eine ähnlich monströse Nabe wie die Nexus mit einer deutlichen Verjüngung in Richtung des Bremshebels (links) ist mein erster und bislang einziger Eindruck dieses Gerätes. Während ich die alte Torpedo-3-Gang-Schaltung noch ohne Anleitung komplett zerlegen und ggf. sogar Teile austauschen konnte, werde ich dies bei einer 7-Gang-Schaltung bestimmt nicht tun.
Die Abstufungen der einzelnen Gänge sind spürbar größer (und damit besser) als bei der Nexus. Aber auch hier vermisse ich "lang" ausgelegte hohe Gänge. Da ich mit meinem Rad (zumal mit einer Nabenschaltung) bestmmt keine senkrechten Wände hochfahren will, benötige ich gar nicht mal extrem kleine Übersetzungen, sondern eher fürs zügige (man könnte fast sagen: flotte) Fahren einen geeigneten Gang. Mit einer geschickten Kombination aus Kettenblatt und Ritzel lässt sich da sicherlich auch Feintuning betreiben, aber mein Rad ist von der Stange, also muss ich erstmal die vorhandene Ausstattung übernehmen.
Die Nabe enthält, wie ich es bei einer Nabenschaltung auch erwarte, eine integrierte Rücktrittbremse, was - wie ich hier bei ciao lesen konnte - gar nicht jedem Radler Recht ist. Offensichtlich, und dies geht auch aus der Dokumentation hervor, gibt es die SRAM S7 sowohl mit als auch ohne Rücktritt-/Trommelbremse. Ich stelle nach der kurzen Testphase fest, dass die Bremswirkung relativ schwammig oder weich ist. Mag sein, dass das gerade im Kontrast zu den nagelneuen V-Brakes so wirkt, aber mein altes Rad hatte nur eine ausgeleierte Cantilever-Bremse und den Shimano-Rücktritt; und diese Kombination hat mich niemals im Stich gelassen. Die Dokumentation spricht auch im Stile "lieber nicht als Standardbremse verwenden, könnte leicht überhitzen, etc." Soll man also die SRAM Trommelbremse einfach nur als Ballast mitschleppen?

DOKUMENTATION
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Fast schon zum Standard meiner Recherchen gehört die Suche nach umfangreicher Dokumentation zu technischen Produkten auch via Internet. Mit den Suchbegriffen "SRAM" und "S7" gelangt man dann auch schon schnell zum Ziel. Ich habe ein sehr umfangreiches deutschsprachiges "Technisches Handbuch Händler 2001" für sämtliche SRAM Getriebenabensysteme gefunden und daraus mal den die S7 betreffenden Part extrahiert. Mir wurde vom Händler beim Fahrradkauf eine 40-seitige "SRAM S7 TECHNICAL DOCUMENTATION" (im Format DIN A6) übergeben, die in Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Dänisch und Schwedisch mit ein paar s/w-Strichzeichnungen die grundsätzliche Bedienung, den Hinterrad Aus- und Einbau, die Montage des Drehgriffs sowie die Schalteinstellung/Wartung/Pflege beschreibt. Damit dürfte dem passionierten Radler genügend Information zur Verfügung stehen, um das wertvolle Stück wunschgemäß zu nutzen.

ERSTE ERFAHRUNG
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Nach der Überführungsfahrt des Neurades über ca. 7 km, die ohne Probleme verlief, wechselte ich zuhause den Standard-Hollandradlenker gegen eine MTB-Lenkerstange. Dabei wurden natürlich sämtliche Bauelemente des Lenkers, also die Schalt- und Bremseinheiten, ab- und wieder anmontiert, ohne sonstige Verstellungen vorzunehmen. Meine erste reguläre Fahrt fand dann am Montag Morgen zur Arbeit statt. Dabei stellte ich fest, dass die Schaltung über den Drehgriff sich leicht von kleinen in größere Gänge bewegen ließ, aber das "Zurückschalten" mit deutlich mehr Kraftaufwand verbunden war. Dies war bei der Nexus definitv nicht so, allerdings verfügte diese über einen Schalthebel, keinen Drehgriff. Nun scheint es, dass die SRAM den Bowdenzug mit sehr hoher Spannung versieht, sodass ein Lösen nur gegen den Widerstand möglich und nötig ist. Inwiefern dies "normal" ist, mag zunächst einmal dahingestellt sein. Beim Versuch, schnellere Schaltvorgänge zu provozieren, wie ich es mit der Nexus ohne Probleme über 10 Jahre gemacht habe, merkte ich jedoch, dass die SRAM etwas störrischer reagiert. Beim Runterschalten musste ich sogar rohe Gewalt anwenden, um wieder vom 6. über den 5. in den 4. Gang zu gelangen. Dies scheint nur bei leichtem Weitertreten überhaupt möglich zu sein. Die Nexus hatte sich auch im Stillstand exzellent schalten lassen (ich weiß, man sollte dies nicht unbedingt tun, aber es funktioniert trotzdem!). Meine Versuche quittierte die Antriebseinheit mit einem Abspringen der Fahrradkette! Da war offensichtlich so viel Spannung im System, dass beim Lösen des Schaltzuges das gesamte Ritzel sich von der Kette getrennt bzw. diese abgeworfen hatte. Zum Glück lässt sich eine fabrikneue Kette, ohne dreckige Hände zu bekommen, wieder auflegen. Ein Weiterfahren war mir jedoch nur unter gewisser Vorsicht gegönnt. Hochschalten war weiterhin kein Problem, Runterschalten nur mit sehr viel gutem Zureden.

ZWEITE ERFAHRUNG
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Der nächste Tag brachte im Prinzip die gleiche Erfahrung. Wieder auf dem Weg zur Arbeit sprang die Kette ab, als ich runtergeschaltet habe. Kann doch nicht sein, dachte ich mir und brachte das Rad erst mal zum B.O.C.-Service. Dieser hatte "o.B.", also ohne mir diesen Service in Rechnung zu stellen, die Kette gespannt und die Schaltung justiert. Die nun folgenden Fahrten verliefen ohne weitere Zwischenfälle. Es bleibt allerdings das Gefühl zu hoher Widerstände beim Runterschalten.

DRITTE ERFAHRUNG (JULI 2006)
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Nach zwei Jahren der Nutzung, allerdings erst seit 1/4 Jahr intensiver, rutschte mir andauernd bei leichtester Erschütterung die Fahrradkette ab. Sie ließ sich - locker wie sie war - leicht wieder aufbringen, führte nun aber zu saudreckigen Händen. Also entschied ich mich, die Kette zu spannen, indem ich das Hinterrad einmal versetze. Der erste "echte" Ausbau der Clickbox war also angesagt. Und ich muss sagen: Nach gründlichem Studium des Handbuchs (übrigens immer noch leicht im Internet verfügbar) ist die Clickbox völlig einfach wieder zu montieren, eine Justage der Schaltung ohne Zuhilfenahme von Werkzeug möglich. Hier muss ich SRAM meine große Hochachtung aussprechen, da haben sie die Nexus klar geschlagen! Warum allerdings zum Einbau der 1. Gang eingelegt werden muss, zur Justage aber vom 5. in den 4. Gang geschaltet werden soll, ist unnötig verkomplizierend; aber wenn man sich dran hält, gibt es wirklich keine Probleme und nur mäßig dreckige Hände.

BEWERTUNG
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Ich spreche trotzdem eine Empfehlung für diese Schaltung aus, auch wenn ich eine Nexus immer bevorzugen würde. Aber - und hier kommen wir zu einer großen Unbekannten - im Preis liegen diese beiden Schaltungen wohl auch deutlich auseinander. Für ein rel. einfaches Fahrrad von der Stange kann man kaum erwarten, dass da eine vergleichsweise teure Nexus eingebaut wird. Ich vermute daher, dass die SRAM S7 eher im Bereich von 40 bis 50 Euro, die Nexus hingegen eher bei 80 bis 90 Euro liegen dürfte. In der Liga der Cityräder spielt diese Differenz aber eine wichtige Kaufentscheidung.


Ich bedanke mich fürs Lesen, für konstruktive Kritik und ehrliche Bewertung.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
dennis_engfer

dennis_engfer

23.08.2007 00:47

Schreibst aber auch sehr intensiv, wenn ich das mal so sagen darf ;)

TorstenCzisch

TorstenCzisch

22.01.2007 11:09

Hallo toller Bericht, insbesondere durch den Vergleich mit der Nexus. Der Ausbau ist tatsächlich sehr einfach, das mit der rausspringenden Kette habe ich auch regelmäßig, das die Kette schnell ausleiert. Ich habe mir extra ein größeres Ritzel eingebaut, damit ich mehr kleine Gänge habe. Bin ich zu blöd? Ich finde keine Doku im Internet, kannst Du mal einen Link schicken oder veröffentlichen?

secudo

secudo

08.11.2006 00:03

Sehr ausführlich und mit direktem Vergleich zum konkurrenzmodell - ausgezeichnet :-)

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