=> Robuster Klotz
31.10.2001
Pro:
sehr zähes Fahrzeug, komfortabel, schnell, unauffällig
Kontra:
zu hoher Verbrauch, zu kleines Händlernetz
Empfehlenswert:
Ja
 matsch_fun
Über sich:
AllradFahrer aus Passion - mittlerweile auch beruflich
Mitglied seit:31.10.2001
Erfahrungsberichte:4
Vertrauende:5
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=> Der MUSSO E32 ist vermutlich das meist unterschätzte Auto, dass die Erde kennt - dabei kann man soviel Spass mit ihm haben... Ich habe meinen Musso bereits 1998 erstanden. Ich hatte das große Glück, ihn bei einem Verkauf von Konkurs-Masse eines mittelständischen Frankfurter Unternehmens zu erwerben - dort war er das letzte, was sich der Chef gegönnt hatte, bevor er den Laden völlig gegen die Wand fuhr (besser als das Auto...) Ich hatte zu dieser Zeit meine erste Tochter bkommen und war auf der Suche nach etwas mit einem größeren Laderaum als der RAV 4 bot, den wir damals hatten. Den fuhren wir eigentlich eher zufällig - meine Leidenschaft für Geländewagen, der ich mittlerweile auch beruflich nachgehe, stellte sich erst mit dem Musso ein. Zurecht, denn er ist wirklich ein Monument dieser Gattung und - wie gesagt - völlig zu unrecht unterschätzt.
=> Der Wagen ist ein Stückchen weit eines der deutschesten Autos des Auslandes - er basiert auf einer ehemaligen Zusammenarbeit der beiden Konzerne und basiert daher in zahlreichen Komponenenten auf der G-Klasse von Mercedes, wie wir sie bereits seit 1979 kennen. Dennoch fährt sich der Musso sehr zeitgemäß, ist in diesem Pounkte der M-Klasse, dem wesentlich moderneren Konzept somit um einiges näher. => Bekannte Komponenten findet man dennnnoch zuhauf, beispielweise das exquisite und auch excellent schaltbare Automatik-Getriebe ist ein alter Bekannter und in Metrik und Bedienung so schon im /8 von Mercedes oder den 116er Limousinen verbaut worden. Darüber hinaus harmoniert es formidabel mit dem sehr kräftigen 6Zylindermotor, ein nicht ganz so alter, dennoch guter Bekanter aus dem Hause Mercedes: der 320er Motor nämlich, hier in einer Version mit satten 219 PS. Die 219PS bekommt man hier in vollem Umfang zu spüren, sie setzen sich wesentlich freudiger in Bewegung, als man das bei einem Geländewagen dieser Größenordnung erwarten kann, zudem einem per Automat geschalteten Exemplar. Für den Spurt an der Ampel ist der Musso die absolute Nummer 1, setzt sich in etwas unter 10 Sekunden vor jeden 16V-Tiefergelegten-Kompaktwagen. Für diese Leistung langt der Wagen leider auch wirklich ziemlich zu - selbst gemessen an seinen traditionell ohnehin schluckfreudigen Mitbewerbern. Dieses Phänomen ist ja bereits von verschiedenen anderen Koreanern bekannt und findet erst dieser Tage mit den neueren Hyundais sein langsames Ende. Für einen in Deutschland Tankenden jedoch ist der Musso ein echter Schluckspecht, was sicherlich mit einen großen Teil seines geradezu rapiden Wertverfalls ausmachen dürfte. Das Trinkverhalten liegt so zwischen 12 und 26 Litern, wobei der kleiner Wert wirklich eher was für Leichtfüsse ist, die vorsichtig auf Landstrassen unterwegs sind. Objektiv sind Werte um 13.5-14 die Regel, nutzt man die sensationelle Spurtkraft aus - und sei es nur selten - oder fährt man in traditionellen Stop-and-go-Städten wie Köln oder Frankfurt umher, laufen eher 16.5-17 Liter durch. Findet man sich mit dieser Tatsache ab, ist der Musso dennoch ein hervorragendes Auto - vor allem gebraucht ist er im Prinzip unübertroffen. Trotz recht satter Einstufung bei der Versicherung und hohem Verbrauch nämlich ist der Wagen derartig billig zu bekommen, vor allem in den neuen Bundesländern, im Raum Dresden und Leipzig besonders, dass er unterm Strich mit seinen sparsameren und freundlicher versicherten Mitbewerbern immer noch locker gleichziehen kann. 96er Exemplare ohne utopische Fahrleistungen gibt es schon mal unter 20.000 - Ein Nissan Patrol für diese Summe mit vergleichbarer Ausstattung ist doppelt so alt und hat die dreifache Laufleistung - oder anders gesprochen - für einen vergleichbaren Mitbewerber zahlt man das doppelte oder dreifache, speziell für einen Mitbewerber mit einem Stern auf der Kühlermaske. Für die 20-40TDM die dazwischen liegen, kann man Jahrzehnte lang mit mehr Verbrauch durch die Gegend fahren.
=> Fahren mit dem Musso gestaltet sich generell sehr angenehm. Die Klimaanlage ist nicht der Weisheit allerletzter Schluss, ein wenig zugig nämlich, aber ansonsten ist hier alles auf Luxus der ersten Klasse ausgelegt. Ledersitze sind bei Mussos sehr verbreitet und auch sonst Vollausstattung wie elektrische Fensterheber hinten, die heute immer noch - auch bei großen Geländewagen - unverschämte Aufpreise kosten. Mit Ausnahme der vorderen rechten Ecke ist der Musso sehr überischtlich für ein Fahrzeug dieser Größe, entschieden übersichtlicher in jedem Falle als die M-Klasse von Mercedes, die schlicht un ergreifend zu rund ist oder aber Fahrzeuge wie der Opel Frontera, bei denen schon die Sitzposition eine echte Übersichtlichkeit verhindert. Meine Frau ist gerade einmal 1,62 und hat keinerlei Probleme, den Wagen über enge Parkplätze in Einkaufszentren zu jonglieren. Einziges Manko hier: Der Wendekreis ist mit etwas über 12 Metern nicht gerade das, was sich der Lupo-Fahrer so erträumt... Die Sitze des Musso gehören zum besten, was der Markt kennt und sind extrem langstreckentauglich, sehr breit gepolstert und verschließfrei. Das Leder allerdings bedarf Pflege, hier sollte man sich nichts vormachen. Leder, wie es in asiatischen Ländern Verwendung findet, wird in den meisten Fällen nach einem anderen Verfahren verarbeitet - das macht es in seiner grundsätzlichen Qualität nicht schlechter, es weist jedoch eine gewisse Tendenz zur Trockenheit auf, der man mit entsprechender Pflege, etwa alle 4 bis 5 Monate entgegenwirken sollte. (wie fast überall empfiehlt sich hierfür ARMOR ALL, gibt's in jedem Baumarkt oder bei ATU) . Da ich den Musso sowohl beruflich als auch privat ziemlich stark genutzt habe, haben sich mittlerweile satte 170.000 auf seinem Kilometerzähler angesammelt, weshalb ich ihn vermutlich bald gegen ein etwas neueres Modell oder einen Ford Explorer austauschen werde. Selbst letztere Entscheidung würde nichts an meiner grundsätzlichen Faszination gegenüber diesem günstigen Fahrzeug ändern. Der Wagen ist leise, schnell (etwa 200) und eben günstig - darüber hinaus sogar recht preiswert zu reparieren. Darüber hinaus ist er nicht ganz so kernig gefedert wie etwa der MB G oder der Pajero. Ein gutes Auto also, krankt er lediglich an dem Problem eines gescheiterten Händlernetzes und einer unklaren Marktsituation. So ist zum gegebenen Zeitpunkt nicht nur unklar, wie es mit SsangYong in Deutschland weitergeht - auch weltweit ist der Konzern im Umbruch. In Deutschland war die Marke eine Zeitlang Bestandteil des Daewoo-Modellprogramms - jedoch ist ja auch diese Marke auf ziemlich wackligen Beinen seit über einem Jahr, Konzernkauf hin- oder her. Trotz absolut ausgedünntem Händlernetz in der BRD spricht, ist die Tatsache, dass die meisten Werkstätten in der Lage sind, die sehr überschaubar angeordnete Technik zu reparieren - sofern dies überhaupt mal notwendig ist. Bei uns war das so gut wie nie der Fall, mit Ausnahme der obligatorischen Birnchen, die mal zu wechseln waren und den Bremsen, die bei einem 2-tonner mit Automatik natürlich ziemlich viel zu tun haben. Teurere Pannen gab es nicht, einmal jedoch hat es ein Marder auf ein paar Kabel abgesehen. Dies erzeugte in Folge einen Schwelbrand, bei dem herabtropfendes Kabeldämm-Material einen Kühlschlauch traf, der anschließend leck schlug Der Motor lief sehr heiß, überstand das ganze jedoch ohne Macke. Die Reparatur der teilweise recht exotischen Kleinteile, die bei der Löschung des Kabelbrandes in Mitleidenschaft gezogen wurden, schlug leider mit 1200.- zu buche, was jedoch zum Glück von meiner Versicherung (Deutsche Allgemeine) gedeckt wurde (hatte ich bis dahin noch nie gehört, daß sowas mit versichwert ist. ============================ ============================ ============================ Fazit: Der Musso E32 ist etwas für Leute ohne Statusdenken, die nach einen geräumigen Geländewagen suchen, der bequem, schnell, zuverlässig ist und nicht gleich die Löcher einer G-Klasse oder eines Land Rover in die Kasse reisst. Aufnehmen kann es der Musso locker mit beiden.
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01.11.2004 20:11
Ein sehr guter Bericht - bis auf das fehlende Verhalten des Musso im Geläne. Er hat ja vorne und vor allem hinten große Überhäne = schlechter Böschungswikel.
12.06.2004 15:10
Da wollte ich mal was über einen Geländewagen erfahren, aber wo ist das Gelände abgeblieben? Hast Du jemals die übliche Strasse verlassen? Warum also überhaupt einen GELÄNDEwagen gekauft? Warum nicht was Passenderes wie ein VW-Bus?
23.05.2003 14:31
Lese den Testbericht zwar sehr spät, aber er ist und bleibt dennoch super. Kann ansonsten Deine Erfahrungen zum grossen Teil nur bestätigen, habe selbst einen Musso und bin ziemlich zufrieden.