Staatsfeind Nr. 1, Der

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Ich habe nichts zu verbergen

5  30.10.2000

Pro:
Spannung, Tempo, kritisches Thema

Kontra:
????

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Action:

Romantik:

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Dr._Schiwago

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:71

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 102 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Spannung und ein permanentes Unbehagen waren die Empfindungen, die mich während der gut zwei Stunden Dauer dieses Films begleiteten.

Spannung, weil es wirklich keine Minute gab, in der Langweile aufkam. Als bekennender Gegner von Werbeunterbrechung muss ich gestehen, dass ich eine kleine Pause hätte gebrauchen können. So aber musste ich, da ich den Film auf Premiere gesehen habe, aushalten - was mir natürlich auch gelungen ist.

Unbehagen, weil ich ständig an die Möglichkeiten denken musste, die der Staat, besser: einzelne Schergen, haben, uns zu überwachen, zu kontrollieren, zu manipulieren und, ja, auch zu vernichten.

Doch zunächst zur Handlung:

Der „Staatsfeind Nr.1“ ist Will Smith, bzw. der von ihm verkörperte Rechtsanwalt Robert Clayton Dean. Ein erfolgreicher Anwalt, spezialisiert auf Arbeits- und Tarifrecht und deshalb immer im Clinch mit den Gewerkschaften und ihrem dubiosen Umfeld. Er ist verheiratet und einen kleinen Sohn.

Er gerät absolut zufällig in diese Geschichte, die sein Leben verändert und das manch anderer bis dahin Ahnungsloser beendet.

Ein hoher Regierungsbeamter der NSA (National Security Agency) trifft sich an einem See in einem Washingtoner Park mit dem Vorsitzenden eines wichtigen Ausschusses und versucht, ihn zur Zustimmung zu einem neuen Gesetz, dem Telekommunikations- und Überwachungsgesetz., zu bewegen. Der weist jedoch nicht nur diesen Appell zurück, sondern er lässt sich auch nicht mit der Zusage höherer Wahlkampfspenden locken. Das wird ihm zum Verhängnis. Als er sich abwendet, um zu seinem Auto zu gehen, wird er von einem der Leute des Beamten ermordet. Der Mord wird als Herzanfall getarnt.

Wie Will Smith hier ins Spiel kommt, bleibt dem Zuschauer zunächst unklar, auch wenn er verschiedentlich in Erscheinung tritt. So zum Beispiel bei einem Treffen mit der bildschönen Rachel, die er von früher kennt, mit der mal ein Verhältnis hatte und die ihm jetzt als Kontaktfrau zu einem Überwachungsspezialisten dient, den er gelegentlich für seine Mandate engagiert.

Noch während Polizei und FBI am Fundort der Leiche ermitteln, wird der Zuschauer mit den Augen eines Beamten auf einen Vogelforscher aufmerksam, der auf der gegenüberliegenden Seite des Sees aus einem Kasten eine Videocamera herausholt und die darin befindliche Kassette austauscht.
Der Beamte meldet das Kennzeichen und eine mörderische Maschinerie setzt sich in Gang....

Sämtliche Überwachnungsmechanismen werden eingesetzt, um festzustellen, was der Mann vor hat. Der hat zunächst nicht anderes vor, als die Filmaufnahmen von Wildgänsen auszuwerten, bis er auf dem Video den Mord an dem Abgeordneten sieht . Er wendet sich jedoch nicht an die Polizei, sondern telefonisch (!) an eine Freund, der Journalist bei einer linksliberalen Zeitung ist. Da die Leute von der NSA (die übelsten Schergen sind übrigens Ex-Marines) das Gespräch abgehört haben, stehen sie wenige Minuten später vor der Tür, noch während der Mann dabei ist, den Film zu kopieren. Ihm gelingt die Flucht, aber nur nach den Maßstäben vergangener Tage. So aber bedient sich die NSA eines Satelliten, um ihm - weitgehend mühelos - auf den Fersen zu bleiben.

Eine gnadenlose Verfolgungsjagd beginnt, in deren Verlauf, der Videofilmer in einem Dessous-Fachgeschäft (in dem die Verkäuferinnen alle nur Dessous tragen) zufällig auf Richard Dean trifft, (den er von früher kennt) ihm die Diskette in eine Tüte mit Weichnachtseinkäufen steckt, verschwindet und kurz darauf, beim unachtsamen Überqueren einer vielbefahrenen Straße von einem Feuerwehrwagen zu Tode gefahren wird.

Die auch uns heute allen vertrauten Videokameras in Geschäften und Banken, auf Kreuzungen und Plätzen leisten nun der NSA gute Dienste, in dem sie sie natürlich darüber in Kenntnis setzen, dass der Forscher und Dean sich in dem Geschäft getroffen haben. Die Auswertung der Aufnahmen lässt schließlich nur den Schluss zu, das Dean den Film hat. Eine „Ich-will-alles-über-diesen- Mann-wissen-Aktion“ bringt den Ermittlern reichhaltige Erkenntnisse und sie zu dem Entschluss, seine Glaubwürdigkeit rein vorsorglich schon jetzt nachhaltig zu erschüttern, für den Fall, dass er es wagen sollte, mit dem Film etwas anzufangen.

Was dann passiert, jagt einem die Schauer über den Rücken. Seine Kredikarten werden ungültig, er verliert seinen Job, seine Frau schmeißt ihn ´raus, da sie ihn einer erneuten Affäre mit Rachel überführt glaubt, weil sie Fotos erhält, die - natürlich - die NSA gemacht und ihr freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Schließlich gelingt es ihm, sich mit Brill (umwerfend: Gene Hackmann) zu treffen, dem Mann, zu dem Rachel stets den Kontakt hergestellt hat. Dieser eröffnet ihm die Augen, weiht ihn in die Geheimnisse der Überwachungstechnologie ein und gibt einen Schnellkurs in der Bekämpfung von Nachrichtendiensten mit den eigenen Mitteln......

Der brillante Film steuert von da an einem fulminanten Finale entgegen. Mehr wird nicht verraten.


Was diesen Film zu etwas Besonderen macht, ist die bedrückende Erkenntnis, wohin übersteigertes Sicherhetisdenken staalticher Organe aber auch jedes Einzelnen führen kann. George Orwells „Big Brother“ nimmt sich demgegenüber angesichts der ungeahnten technischen Möglichkeiten harmlos aus und doch hat Orwell das Prinzip früh erkannt - auch wenn hier die demokratischen Kontrollmechanismen am Ende (oh.Überraschung) doch obsiegen.

Wir alle fordern ständig mehr Sicherheit in Parkhäusern, Fußballstadien, auf den Straßen, auf öffentlichen Plätzen und stören uns deshalb kaum oder nur leise an den überall installierten Kameras, die ja in der Tat auch unserer Sicherheit dienen. Die moderne Satellitentechnik, die längst das ermöglicht, was dieser Film uns plastisch vor Augen führt, die elektronischen Wanzen, und Kameras, die praktisch unbemerkt überall angebracht werden können, können uns alle zu gläsernen Menschen machen.

In diesem Film geht es um den daraus resultierenden Machtmißbrauch den und Einsatz eben dieser modernster Überwachungstechnologien gegen unbescholtene Bürger.
Es geht um die beängstigende Macht, die die alles umspannende Vernetzung den falschen Leuten geben kann und der der Einzelne kaum oder eigentlich gar nichts entgegenzusetzen hat.

Beeindruckend: Will Smith in der Rolle des eloquenten, toughen Anwalts, der seine Frau, eine engagierten Bürgerrechtlerin, nie ganz ernst genommen hat, wenn sie vor dem neuen Gesetz gewarnt und die Bürgerrechte hochgehalten hat und der erkennen muss, dass es nicht reicht, in dem Bewusstsein zu leben: „Ich habe ja nichts zu verbergen!“.

Der Staatsfeind Nr. 1 ist ein jeder Hinsicht ungewöhnlicher Film. Er ist gespickt mit guten Actionszenen, die dennoch nicht von der Handlung ablenken. Es gelingt ihm, deutlich zu machen, was möglich ist, ohne den belehrenden Zeigefinger zu heben. Ein Filmgenuss der besonderen Art.

Eine Frage bleibt am Schluss: Machen sich die Fans des BB-Containers eigentlich mal Gedanken über den Sinn und die Bedeutung von „Big Brother“, wenn sie den Menschen, die sich freiwillig rund um die Uhr beobachten lassen, zuschauen??????

Viel Spaß beim Zuschauen. In diesem Sinne auch die Bewertung unten.
Und vielen Dank für Eure Geduld.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Cora-Lee

Cora-Lee

25.11.2000 01:14

HURRA - ich war das 100. Mitglied, das diese Meinung gelesen hat! :-)

mingshio

mingshio

23.11.2000 23:31

Schon in dem Film "Die Firma" ist mir Gene Hackmann in einer Nebenrollen, angenehm aufgefallen. aber hier brilliert er neben dem von Dir treffend beschriebenen (eloquent) Smith zu einem wahren Helden. Man merkt Deiner Meinug an, das Du den Film wohl auch inhaliert hast, bye ming

Wissenschaftler

Wissenschaftler

23.11.2000 00:10

Mein Kommentar zu Deiner Meinung: "Ey super!"

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