Staatstheater Stuttgart, Stuttgart

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8 Erfahrungsberichte der Community

Erfahrungsbericht über "Staatstheater Stuttgart, Stuttgart"

veröffentlicht 06.05.2002 | klabowa
Mitglied seit : 29.04.2002
Erfahrungsberichte : 41
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"Mittelalter in die Gegenwart versetzt"

Die Stuttgarter Oper hat im letzten Jahr den Titel "Oper des Jahres", nachdem sie diesen bereits zwei Jahre innegehabt hatte, verloren. Um so gespannter war ich auf die Aufführung von "Il Trovatore", die, da sie bereits am 8. Dezember 2001 Premiere hatte, ja in diese Bewertung schon mit eingegangen sein musste.

Zur Oper selbst:
Il Trovatore ist eine Oper von Giuseppe Verdi, wer den Unterschied kennt, dem mag wichtig sein, dass es sich um ein "Dramma lirico in quattro parti" also ein lyrisches Drama in vier Teilen handelt. Die Vorlage ist das Drama "El Trovador" des Spaniers Garcia Guitierrez, das im frühen 15. Jahrhundert in Aragon spielt.
Das Libretto, also der Text ist von Salvadore Cammarano und Leone Emmanuele Bardarei, zwei Librettisten, da der Erste während seiner Arbeit verstarb. Das ist auch mit ein Grund, warum Verdi drei Jahre mit der Komposition des Trovatores zubrachte, der andere ist, dass er mal zwischendurch die Oper "La Traviata" komponierte. Diese Tatsache scheint auch auf die Musik Einfluss gehabt zu haben, manchmal ging es mir so, als ob ich manche Stellen aus "La Traviata" kennen würde, aber das ist wahrscheinlich nur ein Zeichen, dass es sich auch hier um einen typischen Verdi handelt.


Handlung:
1. Akt:
Der Soldatenhauptmann Ferrando berichtet seinen Soldaten, dass ihr Graf unter dem Balkon seiner Angebeteten Leonora auf einen Rivalen lauert. Dieser ist ein unbekannter Troubadour, der jede Nacht Leonora ein Ständchen bringt. Dann erzählt Ferrando eine Geschichte von der Entführung des Bruders des Grafen als Kind und fügt hinzu, dass der Vater bis zu seinem Ende davon überzeugt war, dieser lebe noch.
Leonora wartet mit ihrer Vertrauten Ines auf den geheimnisvollen Troubadour. Sie erzählt dieser, dass sie sich in den Troubadour verliebt hat. Graf Luna erscheint, um Leonora den Hof zu machen, als plötzlich das Lied des Troubadours ertönt. Leonora eilt in den Garten, hält den Grafen für den Sänger und sinkt ihm in die Arme. Der Troubadour tritt vor, und sie erkennt ihren Irrtum. Sie bittet den Geliebten um Verzeihung. Als der Graf seinen Rivalen zur Rede stellt, gibt dieser sich als Manrico zu erkennen, ein bekannter Aufständischer. Der Graf fordert ihn zum Duell und in dem Moment, als beide sich mit gezückten Schwertern gegenüberstehen, bricht Leonora ohnmächtig zusammen.

2. Akt:
Bei Tagesanbruch arbeiten Zigeuner in ihrem Lager an ihren Ambossen, und Azucena, Mutter von Manrico, singt ein Lied von der Verbrennung ihrer Mutter. Als die Zigeuner abgegangen sind, will Manrico die Geschichte in allen Einzelheiten hören. Azucena beschreibt, wie sie den Bruder des Grafen Luna entführte. Sie verrät, dass sie versehentlich bei der Hinrichtung ihrer Mutter auf dem Scheiterhaufen ihr eigenes Kind verbrannte. Daraufhin wird Manrico klar, dass er nicht ihr Sohn sein kann, doch seine Mutter behauptet, nicht bei Sinnen gewesen zu sein und nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Manrico erzählt, wie er im Duell den Grafen besiegte, es aber nicht schaffte ihn zu töten. Azucena erinnert ihn daran, dass der Graf selbst niemals Nachsicht gezeigt habe und ermutigt ihn, den Tod ihrer Mutter zu rächen. Ein Bote überbringt die Nachricht, dass die Festung Castellor eingenommen wurde. Er berichtet von Leonora, dass sie ins Kloster gehen will, weil sie glaubt Manrico sei tot. Manrico eilt davon, um Leonoras Vorhaben zu verhindern.
Das Gleiche will auch Graf Luna. Er hat vor, Leonora zu entführen und beschreibt seine maßlose Liebe zu ihr. Als diese mit Inez und den Nonnen erscheint, stürzt der Graf auf sie zu. Plötzlich tritt Manrico dazwischen und hält ihn zurück. Manrico kann mit Leonora fliehen. Graf Luna ist abermals gedemütigt.

3. Akt:
Lunas Soldaten rüsten zum Sturm auf die Festung Castellor. Graf Luna wird eine alte Zigeunerin vorgeführt, die man in der Nähe des Lagers aufgegriffen hat. Ferrando erkennt in ihr jene Zigeunerin wieder, die damals das Grafenkind geraubt hatte. Es ist Azucena. Der Graf sieht die Chance seinen Bruder zu rächen und gleichzeitig Manrico zu treffen. Auch Azucena soll auf dem Scheiterhaufen sterben.
Auf der Festung erwarten Manrico und Leonora ihre Trauungszeremonie. Er versucht ihre düstere Stimmung durch sein Liebesbekenntnis zu zerstreuen. Sein Gefährte Ruiz taucht auf und berichtet, dass seine Mutter gefangen genommen wurde und hingerichtet werden soll. Sofort ruft Manrico seine Männer zu den Waffen, um die Mutter zu befreien.

4. Akt:
Manrico ist gefangengenommen worden. Er wurde zu seiner Mutter gesperrt und sie erwarten gemeinsam ihre Hinrichtung. Um Manricos Leben zu retten, verspricht sich Leonora dem Grafen Luna, doch als sie unbeobachtet ist, trinkt sie ein langsam wirkendes Gift, um ihre Treue zu bewahren.
Die Nachricht von seiner Freilassung überbringt Leonora Manrico selbst. Graf Luna, der die beiden belauscht, sieht sich, da er Leonora sterben sieht, zum dritten Mal betrogen und befiehlt die sofortige Hinrichtung Manricos. Azucena schleudert dem Grafen entgegen, dass Graf Luna soeben seinen eigenen Bruder hat hinrichten lassen und ihr Ziel ist erreicht. Ihre Mutter ist gerächt!


Zur Stuttgarter Inszenierung
Da gerade Verdi-Opern (zumal in einem solchen Jahr, wie dem letzten, dem zum 100. Todestages gefeierten "Verdi-Jahr") an vielen Orten der Welt immer wieder gespielt werden, wozu vor Allem natürlich die Musik Anlass gibt, muss man sich in der Inszenierung von anderen Aufführungen unterscheiden. Auch aus diesem Grund gab es in Stuttgart wohl keine konservative Inszenierung mit klassischem Bühnenbild. Keine Paläste waren aufgebaut, keine Zigeuner-Ambosse und auch kein klassischer Kerker im letzten Bild.
Bei der Transformation eines mittelalterlichen Stoffes in die Neuzeit fühlt man sich immer etwas hin- und hergerissen. So versteht es die Technik mit Licht und Schatten für besondere Effekte zu sorgen, man hat so manches Aha-Erlebnis, so, wenn die Zigeunermama mit ihrem Sohn am Campingtisch mit Gaskocher sitzen, doch manchmal mag man auch gar nicht hinsehen, so, wenn im Kerker eine Handlampe an ihrer Schnur hell leuchtend zwischen Mutter und Tochter hin und herpendelt. Dafür war die Darstellung der Chorszene am Anfang des dritten Teils aber sehr passend, die Soldaten in ihren modernen Kampfanzügen mit schattenboxenden Machogehabe sich auf den bevorstehenden Sieg freuen.
Trotz der Modernität der Inszenierung ging es aber nicht soweit, dass etwa Sänger so über die Bühne gehetzt wurden, dass sie nur noch japsende Töne herausbekommen hätten, oder im Liegen hätte gesungen werden müssen.

Zu den Stimmen kann ich nicht viel Fachliches beitragen, so ich halte es auch für vollkommen egal, ob der Manrico in der Oper nun das ominöse "hohe C", im "Do di petto" am Ende der Cabaletta des dritten Aktschlusses (das Verdi aber gar nicht abverlangt hat, trotzdem aber meist gebracht wird) singt oder nicht. Trotzdem vergleicht man den Gesang natürlich mit den der CD's, die man daheim im Plattenschrank hat. Bei diesem Vergleich gab es sowohl positive, wie auch negative Überraschungen. So enttäuschte mich das Stuttgarter „Misere“, dass mich nicht die dramatische Stimmung nachvollziehen lies, die ich von anderen Aufnahmen in Erinnerung hatte. Positiv fand ich den erregten Vortrag von "Di quella pira", der mir vom Inhalt viel besser zu passen schien, als die sonst üblichen runden und glatten Versionen. Insgesamt hat mir, ohne den Beitrag der Sänger schmälern zu wollen, und trotz tobenden Schlussapplaus für Catherine Naglestad, Tichina Vaughn am besten gefallen, und ich fand auch Raimo Laukka besser als Vladimir Kuzmenko.

Fazit
Stuttgart bleibt zumindest mit "Il Trovatore" bestimmt ein hervorragendes Opernhaus, auch wenn man nicht mehr den Titel "Opernhaus des Jahres" tragen kann.

Info
Leonora (Sopran) Catherine Naglestad
Manrico, Troubadour (Tenor) Vladimir Kuzmenko
Azucena (Mezzosopran) Tichina Vaughn
Graf Luna (Bariton) Raimo Laukka
Ferrando (Bass) Attila Jun
Inez (Sopran) Helga Rós Indridadóttir
Ruiz (Tenor) Julio Fernandez
Musikalische Leitung Nicola Luisotti
Regie Nicolas Brieger
Bühne und Kostüme Karl Kneidl

8 (für Studenten) sonst 18,50 bis 79 EUR
öffentliche Verkehrsmittel zur Hin- und Rückfahrt im VVS inbegriffen.

Spielplan, weitere Informationen und Karteninfos bekommt man unter http://www.staatstheater.stuttgart.de

Community Bewertungen

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Kerstin_Henke veröffentlicht 31.05.2006
    Super Bericht ! Ich freue mich schon auf den "Freischütz" morgen Abend... Ob der wohl auch so modern ist? LG Kerstin
  • Vio1107 veröffentlicht 07.07.2002
    Ich gebe dir, obwohl die Kategorie eigentlich falsch ist ein s.h., da mir dein Bericht dennoch sehr gut gefällt! Viele Grüße, Viola
  • Matama veröffentlicht 25.06.2002
    Guter Bericht ! gruß Maria
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Produktdaten : Staatstheater Stuttgart, Stuttgart

Produktbeschreibung des Herstellers

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Haupteigenschaften

Typ: Theater

Telefonnummer: 0711/20 20

Internet / E-Mail: info.verwaltung@staatstheater-stuttgart.de

Kontinent: Europa

Land: Deutschland

Region/Bundesland: Baden-Württemberg

Stadt: Stuttgart

Postleitzahl: 70173

Straße: Oberer Schlossgarten 6

Adresse: Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

Long Name: Württembergische Staatstheater

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