Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Ein ruhiger, verschmuster ganz normaler Hund |
| Kontra: |
Du wirst angefeindet und brauchst viel Nervenstärke, vor allem Deiner Umwelt gegenüber |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Bist Du intelligent?
Bist Du in der Lage zu denken?
Vor allem umzudenken?
Kannst Du unterscheiden zwischen der Wahrheit und der Geldmacherei?
Bist Du bereit zu lernen?
Und vor allem, hast Du Zeit?
Denn dieser Bericht ist lang, eigentlich eher eine Geschichte und eröffnet Dir ein neues Bild, wenn Du ihn richtig liest, mit eingeschaltetem Verstand und nicht nur einfach überfliegst, um dann irgendein blödsinniges Gesülze loszulassen. Darauf könnte ich diesmal nämlich etwas arg unwirsch reagieren – dies schon mal als Vorwarnung!
Berechtigte Kritik ist immer gern gesehen, Allgemeinplattitüden der Marke "Bildzeitung & Co." könnt ihr euch von vornherein sparen, meine Reaktion könnte sehr unfreundlich sein, da ich schon seit längerem nicht mehr bereit bin, mir solch einen Schwachsinn bieten zu lassen.
Es geht um den American Staffordshire, bzw. den Staffordshire Bullterrier und seine Charakteristik sowie sein Bild in der Öffentlichkeit. Wie ich in meinem letzten Bericht schon bemängelte, konnte ich bislang hier keine gescheiten Infos finden, was ich nunmehr aufgrund angelesenem Wissen und tatsächlicher Erfahrung mit meinem und auch anderen Staffs ändern möchte.
Die Vorgeschichte:
Wie alles begann:
Herten ist ein Dorf, zumindest was Hundebesitzer untereinander angeht. Geht man im Schlosspark oder im Katzenbusch mit seinem Hund Gassi, kennt man bald die meisten Leute aus seiner näheren Umgebung, die ebenfalls einen Vierbeiner am unteren Ende der Leine führen schnell kennen. Hundebesitzer unter Euch können dies wahrscheinlich sehr gut nachvollziehen *g*. Auf diese Art und Weise lernte meine Retrieverhündin Bea auch ihre große und besondere Liebe kennen: Vincent, ein Staffordshire-Boxermischling, ein nougatbraun-schwarz-gestromter kräftiger Rüde. Dies geschah vor der großen Hetzkampagne. Aus anfänglichem sprichwörtlichem Beschnuppern, Tobereien mit Leinenverknotung auf der Straße – nebenan wäre ja eine Wiese gewesen, aber das wäre ja auch einfacher! – wurden Balgereiein im Vorgarten, bei denen sich beide nichts schenkten, aber zwischendurch immer mal innehielten, um sich gegenseitig zärtlich die Schnauzen zu lecken oder zart anzuknabbern (das kann Vinnie wirklich zart!), es folgten Verabredungen zu sonntäglichen Ausflügen, damit die Hunde miteinander toben und spielen konnten. Verabredungen der Zweibeiner zum Essen zu Sechst folgten und inzwischen verbindet Ollie und Steffie (Besitzer von Vincent) und uns (meinen Mann Micha und mich, Eure Thilli) eine gute Freundschaft.
Diese Freundschaft brachte es auch mit sich, dass wir die Eigenarten und Wesensmerkmale von Vincent beobachten und miterleben konnten und wir lernten einen eigenwilligen, manchmal recht sturen, aber auch verspielten und verschmusten Hund kennen, der gerade Frauen gegenüber ein sehr aufmerksamer wahrer Gentleman ist. Wir lernten ebenfalls einen Hund kennen, der uns in die Augen sah, wenn wir mit ihm sprachen, die Ohren spitzte und uns wirklich zuhörte (er legt dabei den Kopf schief), der uns vor Freude, wenn er eine Gegend wiedererkannte, wo er Spaß hatte, Lieder vorsang (im Ernst!!!!), der gerne rannte und schwamm und vor allem tauchte (!) und hatten riesigen Spaß mit ihm.
Trotzdem dachten wir manchmal so bei uns, machten Ollie und Steffie ein Gebaren um den Hund, mein Gott, es ist doch "nur" ein Hund. Sicherlich wir lieben unsere Bea auch über alles, aber was da manchmal ablief schien uns doch übertrieben. Nur soviel, wir sind inzwischen genauso!!!
Sie erzählten uns viel über die Rasse und so gingen wir natürlich auch viel offener auf fremde Staffordshire, Pitbulls und Mastinos zu - unvergessen hier Napoleon, ein Mastino Neapolitano, der mit Yorkshire-Terriern aufwuchs und diese seitdem (wie alle kleineren Hunde) heißinnigst liebte und als seine Brüder und Schwestern ansah (was Yorkie-Besitzer zunächst mal einen Schrecken einjagte, die das nicht wussten). Ein ruhiger gemütlicher Riese, den nichts in Wallung brachte. Bea versuchte ihn mal im Spiel umzurennen und prallte natürlich von ihm ab, wie von einer Gummiwand. Er drehte nur gemütlich den Kopf und schaute sie an, als wollte er sagen, ach Kleine, versuch's doch erst gar nicht, aber wenn Du Spaß hast.... Wir haben Tränen gelacht. Aber auch bei anderen sog. "Kampfhunden" machten wir durchweg die Erfahrung, dass sie uns jedes Mal – egal wie fremd sie uns waren und wir ihnen - uns begeistert und stürmisch freudig begrüßten.
Dann kam Hamburg:
Und nichts war mehr wie vorher. Steffie und Ollie wurden angegriffen, wenn sie Vinnie ausführten, sie mussten sich schwerste Beleidigungen und Drohungen anhören. Steffie traute sich ohne Reizgas gar nicht mehr aus dem Haus. Selbst ich wurde mit meiner Retrieverhündin angegriffen. Die Medien schaukelten sich gegenseitig hoch und ganz ehrlich – der Vergleich zur Judenverfolgung hinkte hier kein bisschen!!! Dann wurde der Maulkorbzwang beschlossen. Fürs erste Mal hatten wir uns verabredet, damit Vincent etwas abgelenkt würde – oh mein Gott! Die Verzweiflung in den Augen dieses Hundes, der nie jemand gebissen hatte, lässt mir heute noch die Tränen in die Augen steigen! Dieses Nicht-Verstehen.... viele, die ähnliches mit ihren Lieblingen erlebt haben, werden mir hier recht geben. Diese Hetzkampagne die gestartet wurde war wirklich durch fast nichts mehr zu überbieten. Doch was brachte es – die Landeshundeverordnung, die jedem Bundesland und jeder Kleinstadt freie Hand gibt, Hunde zu töten und Gelder en masse zu kassieren, mit einer Begründung, die durch nichts zu halten ist. Aber die wahren Schuldigen traf es nicht, wieder nicht!
Denn betrachten wir doch noch mal Hamburg: In den ersten Tagen, nach diesem furchtbaren Vorfall, stand erst mal gar nichts über die Nationalität des Hundebesitzers in den Medien – wäre es ein Deutscher gewesen, dessen Hunde einen kleinen ausländischen Jungen getötet hätten – die Angriffe wären sofort gestartet worden und zwar weltweit. Was aber keiner bis heute in den Medien hat lesen können, ist, dass diese Hunde misshandelt wurden bis sie auf Menschenangriffe getrimmt wurden (was das für diese Rasse wirklich bedeutet lest später), dass sie auf diesem Schulhof gedrillt wurden und dass sie bereits seit mehreren Tagen nichts, ich wiederhole NICHTS, zu fressen bekommen hatten. Jeder, der schon Diäten ausprobiert hat, weiß wozu ein Mensch mit Hunger wird, ein Hund – und zwar JEDER HUND – wird wieder zum Wolf!!! Es stand nie in den Medien, was jetzt eigentlich wirklich zum Angriff geführt hat, denn, dass diese Rasse ein Kind angreift ist absolut wesensuntypisch! Aber auch hier später mehr.
Es kehrte doch ein wenig Ruhe ein:
Steffie und Ollie fingen an, jeden Samstag und Sonntag zum Tierheim in Recklinghausen zu fahren, was wie fast alle Tierheime inzwischen, hoffnungslos mit Staffs, Pit Bulls etc. überfüllt ist, um dort mitzuhelfen, diese Hunde auszuführen. Sie erzählten uns jedes Mal begeistert von Ihren Hunden, wie dankbar sie doch seien und wie viele Menschen doch und trotz alledem wieder helfen würden. Ich konnte mich aus persönlichen Gründen nicht dazu entschließen ebenfalls dorthin zu fahren, immerhin hatten meine Eltern mal einen Hund zur Probe übers Wochenende geholt und konnten ihn dann nicht behalten und das leidvolle Jaulen, als der Hund zurückgebracht wurde – ja es war im Tierheim Recklinghausen – ist mir noch heute, obwohl es 2 Jahrzehnte her ist, noch in den Ohren und im Herzen. Steffie erzählte uns immer öfter von einer Staff-Hündin namens Lady und ihrem kleinen Patenhund Tizian.
Dann, am 22.04.01, kam von mir dann doch der Vorschlag – komm, lass uns mal ins Tierheim fahren, es ist doch egal, ob wir mit einem Hund laufen, oder mit zweien. Mein Mann zweifelte erst und hatte nicht die rechte Lust, aber ich konnte schon immer ganz gut überzeugen, wenn ich was wirklich wollte. ;->
Gesagt, getan und auf diesem Wege lernten wir unseren Tizian kennen: einen American Staffordshire, schwarz wie die Nacht, 10 Monate alt und im Tierheim aufgewachsen. Er wurde als Welpe ausgesetzt und an der Autobahn (!!!) von einer Pflegerin des Tierheimes aufgegriffen und seitdem im Tierheim aufgezogen. Er war zwar zwischendurch mal bei einer Familie (ca. 6 Wochen), wurde aber wieder – für uns unbegreiflich, aber auch Gott-sei-Dank – wieder abgegeben. Wir verliebten uns sofort in ihn. Dazu kam noch, dass er sich mit allem verstand, was ihm über den Weg lief, andere Rüden, andere Hündinnen, Menschen sowieso. Also fragte ich an, ob die Möglichkeit bestünde, ihn für das nächste Wochenende zur Probe zu holen und das ging. Also stand die Verabredung für den 28.04.01.
Stand der Dinge:
Jetzt geht's endlich ans Informative:
Ich hatte bewusst das folgende Wochenende gewählt, damit ich entsprechend vorarbeiten konnte. Immerhin wusste ich, dass hier zig Auflagen zu beachten sind und ich mich auch gründlich auf diese neue Rasse vorbereiten musste. Steffie und Ollie gaben mir Fachliteratur zu lesen und ein Videoband, das Internet wurde ebenfalls durchforstet.
Was ich in dieser Woche lernte:
Staffordshire Bullterrier, Pit Bulls und American Staffordshire wurden – hier stimmen die Medien mal – in England nach der Zucht zum Bullenbeißen (daher "Bull-"terrier) zum Hundekampf gezüchtet. Die Kämpfe fanden in sog. Pits statt, was nichts anderes heißt als Arena, nur waren die sehr klein. Überleben konnte hier nur der Hund, der am längsten Schmerzen aushielt und gesamt am stärksten war. Getrennt wurden diese Hunde jedoch in der kleinen engen Arena von MENSCHENHÄNDEN, sowohl der Hände vom Besitzer, als auch von fremden Händen. DAZU MUSSTE JEDOCH VON VORNHEREIN SICHERGESTELLT SEIN, DASS DER HUND NUR DEN ANDEREN HUND BISS, JEDOCH IM BLUTRAUSCH NICHT ETWA AUCH DEN MENSCHEN ANFIEL!
HUNDE, DIE DIESES KRITERIUM NICHT ERFÜLLTEN ODER BEI DENEN MAN SICH NICHT SICHER WAR, WURDEN RIGOROS GETÖTET!
So wurde im Laufe der Zeit ein Hund gezüchtet, der vom Charakter her absolut menschenfreundlich war, ein Hund mit einem sog. "Will to please", d.h. er möchte seinem Menschen unbedingt gefallen. Dazu hat er eine ungemein hohe Reizschwelle, die er der Zucht zur Schmerzunempfindlichkeit verdankt – hier lügen die Medien (mal wieder). Dazu kommt eine hohe Intelligenz, eigene Entscheidungsfindung und die Sturheit eines typischen Terriers sowie eine Neigung zur Dominanz.
Was bedeutet das:
1. Ein menschliches Charakterschwein mit einem minimalen Ego kann mittels falscher Erziehung – was in absoluter Misshandlung ausarten muss (Sturheit und ursprünglicher Charakter des Hundes müssen gebrochen werden – und dazu bedarf es sehr sehr viel), diesen Hund, dank seines "Herrchen-gefallen-wollen" zu einem gefährlichen Hund heranziehen. Dieser geht dann durch die Medien und verzerrt das Bild eines absoluten Traumhundes. Dieses Bild geistert jetzt durch die Medien und durch die Köpfe von Dummköpfen und engstirnigen Schwachmaten.
2. Eine wunderbare Rasse wird leider wgn. Pkt. 1 aussterben.
3. Ein Mensch, der sich mit den Eigenarten dieses Hundes vertraut macht, kann mittels richtiger Erziehung einen wundervollen Traumhund heranziehen.
Was gilt es also zu beachten:
Entgegen den Meldungen in den Medien ist es bei dieser Rasse schon fast Vorschrift, dem Tier in die Augen zu sehen! ABER VORSICHT – NUR BEI DIESER RASSE SONST NICHT!!!! Dieser Hund sieht dir wirklich in die Augen und weiß so um Deine Stimmung und Gesinnung und reagiert darauf. Genauso wie Dir dieser Hund zuhört.
Doch er ist nicht einfach. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Mensch, der sich diesen Hund als den seinen aussucht, ein sehr großes Ego hat. Falls ihr Euch gewundert habt, warum so viele Punks z.B., oder auch Glatzköpfe bzw. schrille Typen allgemein diese Rasse bevorzugen – diese Leute haben genug Ego um entgegen der landläufigen Meinung ihren Stil durchzusetzen und zu leben und somit auch das ausreichende Ego um sich diesen Hund zu halten.
Nein, ich trage trotz Tizian keine Glatze, ist auch nicht geplant ;-)
Weiter: Bei der Erziehung gilt als allererstes und schon fast als roter Leitfaden KONSEQUENZ! Inkonsequenz wird von dieser Rasse nicht toleriert und Du verlierst Deine Rolle als Rudelführer. Du musst Deine Stellung als Hierarchie-Erster festigen und halten. "Tätliche" Strafen bei Missachtung eines Befehls sind fehl am Platz bzw. wirkungslos (beachte Schmerzunempfindlichkeit), aber dieser Hund reagiert sofort auf lautes Schimpfen, er schämt sich dann regelrecht (wobei Du wiederum mit Lachanfällen kämpfen musst – allerdings darfst Du die nicht vor ihm zeigen, sonst nimmt er Dich nicht ernst). Eine Hundeschule zu besuchen ist hier eine echte Hilfe, sie dient sehr gut zur Sozialisation. Wichtig ist dies vor allem bei älteren Hunden aus dem Tierheim, natürlich auch bei Welpen. Desgleichen ist eine frühe Sterilisation bzw. Kastration insofern gut, als das der Hund (sofern man ihn als Welpen bekam) sein welpenhaftes offenes Verhalten behält. Genauso will dieser Hund bewegt werden, er ist ein regelrechter Sporthund, d.h. ein optimaler Begleithund für Jogger, Inliner und Fahrradfahrer oder Wanderfreunde. Hier gilt allerdings zu beachten, dass der Hund selbst über seine eigene Erschöpfung hinaus immer weitermacht, bis zum Exitus – und das ist auch so wortwörtlich zu nehmen. Also bist Du gefordert, Deinen Hund rechtzeitig zur Ruhe zu bringen, notfalls mit entsprechendem Befehl. Wenn Dein Staff richtig (also nicht unter Zwang und Gewalt) ans Wasser gewöhnt wurde, ist es ein Hund der gerne schwimmt und richtig gehend taucht! Dass auch ein Staff verfressen ist, wie sonst fast alle Hunde auch, brauche ich nicht gesondert zu erwähnen. Aber: gerade bei Welpen sollte man dafür sorgen, dass für ihre Zähne immer Beißspielzeug oder Kauknochen zur Verfügung stehen – ansonsten werden Möbel, Sofas etc. dazu genommen! Bea bediente sich einmal an ein paar Schuhen von mir und Tizi machte Plastiktüten etwas kleiner (jede Menge Freunde bekamen die).
Staffords sind ruhige Hunde, die selten anschlagen und dann auch nur einmal. Außer Du saugst z.B. Staub, dann muss Dein Staubsauger ausgebellt werden ;->. Eine Erfahrung, die ich unter Lachtränen letztes Wochenende mit Tizian machen konnte. Außerdem haben diese Hunde einen natürlichen Schutztrieb und eine selten große Liebe zu Kindern – nein, nicht als Futter – allerdings sind diese Hunde als Schutzhunde nicht geeignet. Ihre Menschenfreundlichkeit führt auch dazu, dass sie mit jedem mitgehen würden, der sich ihnen freundlich nähert. Gut, ab einer gewissen "Zugehörigkeitsdauer" zu "ihrem" Menschen legt sich das etwas, ist aber weiterhin nicht auszuschließen. Deshalb haben einige Züchter um die Zuchtzwinger andere Zwinger mit richtigen Wachhunden, damit nicht die Zucht gestohlen wird. Genauso wie der Retriever hilft ein Stafford einem Einbrecher noch beim Raustragen. Ein Schutz vor Einbruch ist eigentlich nur durch dieses "Nichtwissen" um diese Tatsache und das eindrucksvolle Erscheinungsbild dieses kleinen Muskelpaketes gesichert. Kindern gegenüber ist dieser Hund geduldiger und liebevoller als manch andere Rasse, daher auch die große Frage, die nie beantwortet wurde, was auf dem Schulhof wirklich geschah.
Damit der Bericht nicht endlos wird, empfehle ich u.a. als interessante und aufschlussreiche Lektüre "Kynos kleine Hundebibliothek – American Stafford – Wie sie wirklich sind....-sein sollen!" von Simone Beckmann. Dieses Buch ist ohne Klischees und sehr informativ geschrieben. Mir hat es sehr geholfen.
Meine bisherigen Erfahrungen mit Tizian:
Wie einige mitbekommen haben, war ich ja so was von hemmungslos nervös was den 28.04. betraf, weil Tizian und meine Katzen aufeinander treffen sollten. Letztendlich hatte ich mich entschlossen, meinen Metallparavent vor die Wohnzimmertür zu stellen und den anderen Wohnungseingang zu benutzen, so dass ich Tizi erst mal baden konnte und dann.... Ich hatte Schlafstörungen und grummeln im Bauch, die ganze Woche doch Freitag Abend, war ich mit einem Mal ganz ruhig. Ich wusste – fragt mich nicht warum – dass ich den Paravent gar nicht brauchen würde. Gut, ich habe ihn trotzdem aufgebaut, aber mein Bauch gab mir am nächsten Tag recht, mein Kater lag ganz entspannt in meinem Arm, Tizian kam einmal schnuppern und ging dann wieder seines Weges – genauer gesagt hüpfte er mit einem Kauknochen im Maul wieder fröhlich und sauber gebadet auf der Couch herum, dass die Ohren flogen! Selbst meine kleine Zicke Tess, die sonst jeden Hund anfaucht, kam neugierig an und bestaunte das Energiebündel. Mir fiel der erste Stein vom Herzen. Zu unserer großen Freude ist Tizian stubenrein, das einzige Malheur passierte am Samstag und da war ich auch noch dran schuld. Er ging nämlich zur Tür und schaute mich an, nur reagierte ich in dem Moment nicht entsprechend, tja und dann floss der Bach. Selbst schuld, trotzdem entfleuchte mir ein "Uih" ob der Wassermassen. Tizian sah mich an, floh ins Bad und schämte sich – obwohl ich gar nichts gesagt hatte....
Beim Sonntagspaziergang um den See zeigte er uns, wie gut er hören kann und wie gut er sich mit Bea versteht... und mein Herz wurde langsam schwer, denn eigentlich sollte er am Dienstag erst einmal wieder zurück ins Tierheim, da wir ihn ja erst zum Juniurlaub holen wollten.
Montag hatte ich die Hunde für mich alleine und hatte schon morgens Tränen in den Augen, bei dem Gedanken, dass Tizi am nächsten Tag nicht mehr da sein sollte, bzw. dass ich ihn in den Zwinger zurückbringen und zurücklassen sollte. Also beschloss ich den nächsten Test zu wagen – was ist, wenn ich ihn mit Bea alleine lasse. Denn das wäre ja der Fall, wenn Micha und ich zur Arbeit gingen. Ich bat also meine Nachbarin ein Ohr auf unsere Wohnung zu haben und ging.
Was soll ich sagen, es herrschte Ruhe während ich weg war und eine hemmungslose Freude von meinen beiden als ich wiederkehrte. Abends dann der letzte "Test" – Besuch bei meinem Bruder und seinen beiden Söhnen (3 und 5 Jahre alt). Ich erkannte Tizian nicht wieder!!! Nachdem ich am Nachmittag am See mich sicherlich lächerlich gemacht hatte, ihm den Ball abzujagen (wenn es ihm gefiel, bekam ich den auch, ansonsten nicht), so hatte Marc (3 Jahre) den liebsten Spielgefährten auf Erden. Ohne, dass irgendeiner was sagte. Marc warf den Ball, Tizian holte ihn, brachte ihn zurück, setzte sich ruhig hin und wartete bis Marc den Ball wieder warf usw. Ich sah noch vom See aus wie ein Erdferkel, weil mich mein nasser und sandiger Tizian ansprang, sobald ich den Ball erwischt hatte und hier....
Selbst als Robin (5 Jahre) sich vertrauensvoll auf Tizians äußere Schwanzspitze stellte (genau die Stelle, wo andere Hunde sofort schnappen – auch Bea!), zuckte Tizian noch nicht mal!
Danach stand für mich eines ganz sicher fest – diesem Traumhund würde ich nicht das Herz brechen und das Vertrauen nehmen. Ich konnte und wollte ihn nicht mehr hergeben und – Gott sei Dank – mein Mann kannte mich gut genug und hatte sich schon darauf eingerichtet, dass Tizian bei uns bleiben würde.
Somit, gehört Tizian jetzt schon zu uns. Er ist lt. Vorschrift gechipt, wird jetzt am 11. Mai kastriert, ist zur Hundeschule angemeldet und wird auch den Wesenstest locker bestehen, da er sich mit anderen Hunden (gleich welcher Rasse und Geschlecht) super versteht und sich auch unterwirft, Fahrradfahrer und Jogger lassen ihn kalt, ebenfalls Reiter. Wir haben zwar noch den Probevertrag für ihn bis zum 01.07., aber dann wird er ordnungsgemäß versichert und angemeldet. Das polizeiliche Führungszeugnis ist ebenfalls beantragt. Alle im Haus kennen ihn und haben ihr Einverständnis schriftlich gegeben, der Vermieter ist ebenfalls einverstanden. Für Tizian gab es also ein "Happyend" und für uns seither immer wieder neue, schöne Erlebnisse mit unseren beiden, denn auch Bea genießt den Gefährten an ihrer Seite und lebt förmlich auf.
Zum guten Schluss (endlich ;->):
Ich möchte mit meinem Bericht/meiner Geschichte dazu beitragen, das verfehlte Bild ein wenig gerader zu rücken, bzw. wieder in die Position, in die es gehört. Jeder Hund kann durch Fehlverhalten oder falsche Erziehung zu einem Beißer erzogen werden, oder aggressiv werden. Es ist durchaus auch angebracht, vor einem Staff oder Bullterrier Respekt zu haben, denn sie haben eine höhere Beißkraft als andere Hunde und mehr Kraft. Doch sie selbst wissen nicht um diese Stärke – das weiß nur der Besitzer, der das nutzt (dann kommt er in die Medien als Negativbeispiel und der Hund ist tot) oder es in die richtigen Bahnen lenkt (durch sportliche Aktivitäten die den Hund ermüden, ihm dabei aber auch noch Spaß machen). Wenn diese Tiere zubeißen ist der "Schaden" heftig, falsch ist jedoch, dass diese Hunde "zerfleischen". Diese Rasse beißt nur einmal zu und sich dann fest, zerfleischen ist die "Beißart" von Dackel bis Schäferhund.
Ich werde auch weiterhin – wie ich es bei jedem Hund mache – erst nachfragen, wie der Hund drauf ist und ob ich ihn anfassen darf, genauso wie ich niemals, weder Bea noch Tizian, mit Kindern alleine lassen würde. Dazu ist das Verhalten von Kindern zu unberechenbar, sie sind halt neugierig und testen an. Gleichwohl kommt dazu noch, dass Kinder beim Anspringen eines Hundes ab einer gewissen Größe einfach nur auf dem Hosenboden landen und dann ist das Geschrei groß. Ich werde auch nie damit aufhören, meine Hunde im Verhalten zu beobachten, den es ist bei keiner Rasse auszuschließen, dass sich das Verhalten schlagartig ändert. Bestes Beispiel ist hier der von mir in einem anderen Bericht erwähnte Golden-Retriever-Rüde, der jetzt mit einem Maulkorb rumlaufen muss.
Meine Bitte ist einfach die: Glaubt nicht alles, was die Medien schreiben – hinterfragt mehr und informiert Euch mehr und – vor allem – gebt dieser Rasse wieder eine Chance. Geht ins Tierheim und informiert Euch vor Ort, was einzelnen Tieren wiederfahren ist. Manche Schicksale sind einfach zu schrecklich und die Hunde sind immer die Leidtragenden. Hier ein letztes Beispiel: Eine Pitbullhündin (nein, das sind nicht die "Langnasen") wurde an Seilen an den Hinterpfoten an einen Baum gehangen und dann mit einem Baseballschläger von ihrem Besitzer verprügelt, so lange, bis sie aus Angst und "Gefallsucht" vor Ihrem Herrchen Menschen angriff. Der Scheißkerl sitzt im Bau, wgn. anderer Delikte, die Hündin ist mittlerweile im Hundehimmel, sie konnte nur noch eingeschläfert werden, da sie Männer grundsätzlich angriff, vor Frauen ängstlich bellend zurückwich. Nur – und das ist das herzzerreißend traurige – wäre ihr Herrchen aufgetaucht, sie wäre schwanzwedelnd vor Freude zu ihm gekommen, denn es ist "ihr" Herrchen, dem sie gefallen will.
The "will to please"........
Update 02.08.01:
Wer mehr über Tizian und seine Wesensart wissen möchte, kann sich auch meinen Bericht "Mein Kampfi" antun. Ist aber keine Pflichtlektüre! ;->
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