Steinfeld - Hermann-Josef-Kolleg

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...zwei Jahre auf einer Schule, dem Hermann-Josef-Kolleg, Katholisches privates Gymnasium in Kall-Steinfeld in der Eifel, werde ich wohl nie vergessen. Und ich rede bereits über eine Zeit, in der die Prügelstrafe in Schulen eigentlich längst abgeschafft war... @@@ Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld ... Bericht lesen





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Zum Glück ist heute alles anders ...
Erfahrungsbericht von GlineurJL über Steinfeld - Hermann-Josef-Kolleg
12.01.2005


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Pro: .  .  .
Kontra: s .  Bericht  -  Erinnerungen, Erfahrungen

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Kompletter Erfahrungsbericht

Erinnerungen und Erfahrungen...zwei Jahre auf einer Schule, dem Hermann-Josef-Kolleg, Katholisches privates Gymnasium in Kall-Steinfeld in der Eifel, werde ich wohl nie vergessen. Und ich rede bereits über eine Zeit, in der die Prügelstrafe in Schulen eigentlich längst abgeschafft war...


@@@ Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld @@@

Steinfeld, ein klener Ort in der Eifel, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Wer kein Auto oder anderes Gefährt hat, kann froh sein, wenn hin und wieder ein Bus durch den ausdrucklosen Ort mit wenigen hundert Einwohner fährt. Und dennoch ist das kleine Dorf bekannt durch das Kloster Steinfeld.

Es war 1923, als die Salvatorianer in den alten und imposanten Gemäuern, die für jeden Horrorfilm bestens geeignet wären, das Hermann-Josef-Kolleg in Steinfeld gründeten. Christlich und katholisch, zölibatär und asketisch.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen. Primär war diese Schule ein Internatsbetrieb, aber später wurden „Externe“ zugelassen und - man höre und staune - sogar Mädchen. Diese aber auch nur extern. Vielleicht ist das auch gut so, wenn man doch weiß, welche Skandale immer wieder mit Geistlichen in den Medien genannt wurden. Solche Übergriffe sind mir aber in diesem Umfeld nie bekannt geworden.


Das Hermann-Josef-Kolleg im Kloster Steinfeld liegt etwa 500 Meter über NN und gehört zur Eifelgemeinde Kall, ca. eine Autostunde von jeweils Bonn, Köln und Aachen entfernt.

Das Gymnasium wird von Patres geleitet. Junge Menschen ab der fünften Schulklasse sollen - Zitat - „Erziehung und Bildung nach dem christlichen Welt- und Menschenbild gemäß den Erfordernissen unserer Zeit" erhalten.

Im Internat sind die Jungen in Mehrbettzimmern untergebracht. In den letzten Oberstufenjahren sollen sie mittlerweile sogar Einzelzimmer erhalten. Einzelne Gruppen sind laut Web-Aussage nach Klassenstufen eingerichtet und haben ca. 20 Schüler.

In zwei Turnhallen und auf einem Mehrzweckspielfeld werden verschiedene Sportmöglichkeiten angeboten, u.a. Fußball, Volleyball, Basketball, Tischtennis oder auch Minigolf.

Eine Internatsbücherei mit 2.500 Titeln ist aktuell das Reich der Leseratten...

@@@ Und die Realität... @@@

Zitate über das Leben im Internat: “Während wir entweder zu zweit oder zu dritt in unseren Zimmern schlafen, gab es früher große Schlafsäle in denen die Schüler schlafen mußten. "Auf den Schlafsälen herrschte strengstes Stillschweigen. Wurde man beim Schwatzen erwischt, gab es z.T. unsinnige und phantasielose Strafen, wie z.B. 100mal schreiben: "Im Schlafsaal habe ich immer strengstes Silentium zu bewahren!"

QUELLE: http://www.kloster-steinfeld.de/unterstufe/1999/2100.htm


Oder auch diese Äußerung eines Ex-Schülers: “ Im Vergleich zu heute herrschten früher sehr strenge religiöse Vorschriften. Der Rhythmus des Kirchenjahres bestimmte auch den Alltag der Internatsschüler. Der Tag begann mit der Morgenmesse und endete mit dem Abendgebet. "Das Abendgebet war in der Regel mit einer Gewissenserforschung anhand der Zehn Gebote oder des Beichtspiegels verbunden."

QUELLE: http://www.kloster-steinfeld.de/unterstufe/1999/2000.htm


Teil streng katholischer Erziehung bis Ende der 50er Jahre war ferner:

- tägliche Heilige Messe in der Schülerkapelle
- an hohen Festtagen das Hochamt in der Kirche um 10:00 Uhr
- Bittprozessionen vor Christi Himmelfahrt
- samstags und sonntags die Andachten um 18:00 Uhr
- die Maiandacht im gesamten Monat Mai
- die Rosenkranz -Andachten im gesamten Monat Oktober
- die Sühne-Andacht an Karneval für die "Sünden der Welt"

@@@ Erfahrungen und Erinnerungen @@@

Wie angedeutet, war im Schulwesen auch bereits Mitte der 70er Jahre das Züchtigen von Schülern gesetzlich verboten. Ich habe es in Steinfeld manchmal etwas anders erlebt.

Allerdings hatte ich das Glück, nicht im Internat zu sein, sondern jeden Tag mit dem Schulbus diese „Schule“ zu besuchen.

Glück ist relativ, denn meine Mutter hatte sich von ihrer extrem katholischen Familie überzeugen lassen, wie toll diese Schule doch sei. Mich schockte das eher und meine einziger Trost war, dort den einen oder anderen Cousin zu treffen.

Fünftes und sechstes Schuljahr... so rund 10 oder 11 Jahre alt: sehr bedrückend war, wenn ich immer wieder hörte, wie Jungen aus dem Internat erzählten, dass sie für irgendwelche Widrigkeiten Ohrfeigen bekamen. Und wir reden von Patres, die laut diesen Aussagen angeblich zuschlagen sollten.

Der Unterricht selbst unterschied sich nicht von anderen Gymnasien, außer dass es ungewöhnlich war, bereits im 5. Schuljahr zwischen Latein und Englisch wählen zu können. Zweiteres war offenbar beliebter.

Immerhin waren schon Mädchen mittlerweile erlaubt. Die wurden übrigens auch deutlich rücksichtsvoll behandelt. Die Patres, die in Theorie und Praxis mit Frauen nichts am Hut haben sollen, haben diese unbekannten Wesen doch recht freundlich und mit großem Respekt behandelt.

Nicht nur „normale“ Lehrer, sondern auch Patres gaben Unterricht. Prinzipiell ist dagegen nichts zu haben. Aber zwei Patres waren auch die Gruppierung, die sich nicht bremsen und mäßigen konnte: ich erlebte, wie ein Schüler von einem Pater XYZ mit dessen Kuttengürtel böse und brutal während einer Unterrichtsstunde geschlagen wurde. Ich möchte nicht wissen, wie grün und blau dieser Rücken des Internatszöglings gewesen sein wird.

Ein paar weitere Ohrfeigen habe ich immer wieder registriert... auch selbst erhalten.

Ich selbst habe ein Erlebnis inklusive einem blutverschmierten Hemd in Erinnerung: es gab da etwas, das sich Silentium nannte. Wenn man eine Freistunde hatte, musste man in der Klasse bleiben und wortlos Hausaufgaben machen. Wer sprach bekam Ärger, oder eine Ohrfeige. Ich erinnere mich u.a. an einen Faustschlag auf den Hinterkopf. Von einem Pater ...

Und eben dieser kannte keine Grenzen. Ich fragte in einem „Silentium“ mal einen Schüler neben mir nach einem Lineal. Da kam Mister Kontroll-Pater, der zwischen zwei Klassen pendelte, wie ein Irrwisch hereingejagt und riess den anderen (schuldlosen) Schüler und mich an den Ohren hoch. Er war so brutal, dass mir ein Teil des Ohres riss und das Blut nur so über Hals und Hemd lief ... und D-A-S für ein geflüstertes "kann das ich Lineal mal haben"...


@@@ AT LEAST @@@

Das ist dreissig Jahre her, aber auch vor dreissig Jahren sollte das Schulgesetz vor solchen Gewalttätigkeiten schützen. Ich kenne hier konkret Pater 1 und 2 ...die beide als Pädagogen ebenso unfähig schienen wie eine Kuh für das Ausbrüten von einem Hühnerei. Es waren manche Schüler verängstigt.

Erinnerungen und Erfahrungen...? Eine Schule, die Prügel erlaubte, gehörte eigentlich geschlossen. Was mich schockt ist die Tatsache, dass so etwas immer unter den Tisch gekehrt wurde. Sicher hat sich da einiges geändert, aber Vergangenes bleibt sehr schwer verzeihlich.

Christen verstehen sich meines Erachtens auch anders und wollen ihren Glauben leben. Solche Erlebnisse - und seien sie auch 30 Jahre her und heute sicher nicht mehr vorkommend - schrecken natürlich auch ab und schmälern den Ruf einer Religion. Diese ehemalige Form der sogenannten schwarzen Pädagogik war wahrlich nicht nötig :-(


@@@ HEUTE IST ALLES ANDERS @@@

Dies sind persönliche Erinnerungen und Eindrücke, wie ich sie wahrgenommen habe. Das waren die zwei einzigen Jahre meiner Schulzeit, die ich am liebsten aus der Erinnerung streichen würde.

Natürlich gab es auch gute Lehrer ... ich erinnere mich da an einen Briten, der Englisch lehrte. Ein humorvoller und sympathischer Mensch, auch ein guter Lehrer, an einen klasse Deutsch- und Musiklehrer, und auch an eine Mathematiklehrerin, die sehr einfühlsam mit meinen Problemen mit der Mengenlehre umging. Ich wäre damals aus diesen Gründen sogar gerne auf dieser Schule geblieben, wenn ich nicht irgendwann die Angst so tief in mir sitzen gehabt hätte, dass ich wieder mal für eine Lappalie eine Art Züchtigung erfahre oder sie beobachten muss.

Indes suche ich "Antworten" - ein Statement der Schulleitung, vielleicht einfach ein "es tut uns Leid, dass es früher mal so war". Das wäre eine große Geste. Zwei Anfragen vergangener Jahre wurden übrigens nie beantwortet. Fairerweise sollte ich sagen, dass die Schule nach heutigen Gesichtspunkten einen viel besseren Ruf seit vielen Jahren hat und "Züchtigen" dort mittlerweile ein Fremdwort ist. Es ist über dreissig Jahre her, aber es bleibt leider eine sehr wache Erinnerung.

Trotzdem - wenn ich über viele Jahre immer wieder durch die Klosteranlage mal spazierte, ergriff mich auch die Schönheit und die Imposanz der Anlage. Fern von schulischen Erinnerungen "hat sie was". Auch die gewählte Lebensform der Geistlichen hat meinen Respekt, auch wenn ich anders lebe und denke. Neben kritisierten Einzelfällen des Unterrichtes sollte auch erwähnt werden, dass es ebenso sehr liebevolle und pädagogisch vorbildliche Patres gab. Selbst habe ich aber tatsächlich Jahrzehnte gebraucht, um wegen zwei hier beschriebenen Patres die katholische Kirche nicht pauschal abzulehnen und auch wieder Dialoge mit Geistlichen als sehr interessant und vielseitig zu empfinden. Auch den verstorbenen Papst Johannes Paul II habe ich stets mit Faszination betrachtet, auch wenn ich manche Meinung überhaupt nicht teilte, aber er stand aufrecht für seine Ansichten ohne sich zu verwinden. Kirche darf sich sicher nicht "verbiegen" lassen, und dafür stand Johannes Paul II ebenso wie sein Nachfolger es tut. Und man sollte viele Werte, die die Kirche vermittelt, keinesfalls unterschätzen, denn trotz aller Diskussionen über Gebote, die heute "lockerer" gehandhabt werden, baut unsere Gesellschaft auf viele urchristliche Werte auf.

Selbst habe ich mich daher nie als pauschaler "Kritiker der Kirche" gesehen und nehme auch keinen Platz unter den Andersdenkenden ein, die permanent gegen Kirche und Glauben opponieren. Ich mag auch Menschen nicht, die abfällig über Gläubige reden, oder sich gar über sie lustig machen, weil sie nach den Vorstellungen Jesu Christi leben. Im Gegenteil, ich habe dafür mehr Respekt als vor mancher Dekadenz in unserer Gesellschaft.

Und, um meinen Beitrag abzuschließen, finde ich es beruhigend, dass sich auch in Steinfeld vieles in über 30 Jahren verändert hat. Und darauf basiert der heutzutage gute Ruf der Schule, die sich über mangelnden Zulauf nicht beschweren kann. Das ist schön, denn ich höre auch immer wieder, dass die Vermittlung von Lehrstoff dort sehr gut ist ... bei der nächsten PISA-Studie wäre vermutlich wünschenswert, dass 2-3 Schüler von Steinfeld dabei wären, um den deutschen Durchschnitt bei Pisa zu verbessern :-)

JL


Auszug aus der Website

http://www.kloster-steinfeld.de/unterstufe/1999/0745.htm

Zitat: " Fast alle Lehrer waren Patres. Der Unterricht war sehr viel strenger. Wenn man nicht artig war oder gar nicht aufpaßte, gab es oft Schläge die sich gewaschen hatten. " Zitat, Ende.

   

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WER BRAUCHT MATHE...???? Ich jedenfalls nicht ;-)
Bewertung für Städtisches Gymnasium Schleiden von  GlineurJL

Pro: gute Anbindung, tolle Schule, tolle Lehrer !!!!!
Kontra: nichts

...Nach zwei mich bis heute abstoßenden Jahren auf einem Gymnasium in Steinfeld, dem sogenannten Hermann-Josef-Kolleg, wechselte ich auf das Städtische Gymnasium in Schleiden. Nicht nur, dass ich diesem von Patres geführten Laden entfloh, nein, ich hatte mit 5 Kilometer von zuhause auch eine viele simplere Anfahrt. Und letztlich gab es im Schleidener Gymnasium auch keine prügelnden Geistlichen, die sich nicht darum scherten, dass die Prügelstrafe in Schulen verboten war. Von 1976 bis 1984 war ich also Schüler im Städtischen Gymnasium ...eine ?Ehrenrunde? wegen fataler Mathematiknoten inklusive ;-) Das Städtische Gymnasium in Schleiden stellt sich auf der eigenen Website http://staedtisches-gymnasium.schleiden.de mit den Worten... ?Das Städtische ist ein modernes Gymnasium mit alter Tradition. Tradition ist kein Wert für sich... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich

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01.01.1970

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