Angeschubst von einem Bericht über ein Verhütungspflaster, bei dem heftige Nebenwirkungen geschildert wurden, möchte über eine etwas andere Verhütungsmethode berichten.
Vorweg und ganz deutlich: Wer einen Kinderwunsch hegt, braucht über eine Sterilisation nicht nachdenken. Sie ist endgültig und nur unter großen Schwierigkeiten rückgängig zu machen.Vorgeschichte
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Meine Frau leidet unter verschiedenen chronischen Krankheiten, die eine Einnahme von Hormonpräparaten nicht ratsam erscheinen ließen. Andererseits hatten wir nie den Wunsch eigene Kinder zu haben.
Also fragten wir uns, wie man Spaß mit der Sicherheit verbinden kann, dass man nicht doch irgendwann in die Lage gerät über ein Kinderzimmer nachzudenken.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf begannen unsere Überlegungen und so landeten wir sehr schnell bei einem operativen Eingriff.
Die Folgefrage war natürlich klar: Sie oder Er?
Es gibt einige K.O. Kriterien gegen die Sterilisation bei der Frau. Es ist ein massiver operativer Eingriff, der auch schwere Komplikationen verursachen kann.
Dagegen ist der Eingriff beim Mann relativ einfach - so einfach, dass man sofort danach wieder nach Hause darf.Konkrete Gedanken
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Nach einigen Monaten, in denen wir mit dem Gedanken schwanger gingen, wollte ich es nun endlich machen lassen. Also auf zu einem Urologen meines Vertrauens - den ich bis dahin gar nicht kannte. Der erste Weg führte mich zu Pro Familia (lustig, wenn es um endgültige Verhütung geht), die dann eine Liste mit Ärzten rausrückten, die in Hamburg Sterilisationen, die auch Vasektomie genannt werden, durchführen.
Erstkontakt
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Beim ersten Besuch waren wir gemeinsam beim Arzt. Natürlich richteten wir uns auf eine Art Gewissensprüfung ein (schließlich war ich mit 26 Jahren noch relativ jung) - doch nichts dergleichen kam. Statt dessen wurden wir genau über den Ablauf und, viel wichtiger, über die Folgen des Eingriffs informiert.
Für uns nicht ganz unwichtig war die Tatsache, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt.
Das hat sich inzwischen geändert. Die Vasektomie muß man selbst bezahlen. Die kosten liegen zwischen 400 und 600 Euro.Zu allererst jedoch mußte ich einen Beweis meiner Manneskraft ablegen - in Form einer völlig unromantischen Spermaprobe. Denn, wenn da nix schwimmt, braucht man auch nichts wegoperieren.
Allerdings schwammen in meinem Ejakulat genügend Spermien herum - also mußte nun Plan B her, der ja eigentlich unser Plan A war.
Nun wurde es also ernst. Wenn ich wirklich meinen Beitrag zur Empfängnisverhütung leisten wollte, konnte ich mich jetzt noch zwischen relativ unerotischen Latextütchen (auf die meine Frau allergisch reagiert) oder einer ultimativen Methode entscheiden.OP und die Folgen - Die Theorie
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Der Eingriff ist einfach.
Zunächst bekommt man eine örtliche Betäubung. Ein größerer Aufwand ist nicht nötig, der Eingriff erfolgt ambulant.
An der Unterseite des Hodensacks wird beidseitig ein sehr kleiner Schnitt gemacht und der Samenleiter durchtrennt. Damit er nicht anschließend wieder zusammen wachsen kann, bekommt er noch eine kleine Geschenkschleife umgewickelt - allerdings mit haltbarem medizinischen Zwirn.
Danach wird alles wieder zugenäht und wird ordentlich eingepackt. Und jetzt das schlimmste - sechs Wochen darf man keinen Verkehr haben bzw. nicht selbst Hand anlegen, da sonst die Samenleiter spontan zusammen wachsen können oder die Wunde Schaden nehmen kann.
Nach drei Wochen wird der Verband endgültig abgenommen. Nach sechs Wochen und nach drei und sechs Monaten mußte ich jeweils ein Ejakulat beim Arzt abgeben um den Erfolg der Operation zu verifizieren. In dieser Zeit können immer noch Spermien im Ejakulat sein, deshalb sollte man so lange auch noch auf andere Art verhüten.
Die Risiken
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Wie bei jedem Eingriff von außen, ist vor allem das Infektionsrisiko zu nennen. Dazu kann die OP ansich misslingen, d.h. der Eingriff muss eventuell wiederholt werden, damit auch wirklich keine Spermien mehr unterwegs sind.
Als letzte Komplikation kann der Samenleiter mit dem Hodensack verwachsen. Aber die Komplikationsrate ist extrem gering und das Verfahren relativ einfach.OP und die Folgen - Real Life
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Natürlich hatte ich am Tag der OP ein mulmiges Gefühl. Vorher muß man alle Haare an den betroffenen Stellen abrasieren. Damit war mein Part der Operationsvorbereitungen erledigt.
Beim Arzt angekommen wurde ich in ein kleines OP-Zimmer geführt und gemeinsam mit einem assistierendem Arzt wurde der Eingriff vorbereitet.
Nach der Spritze für die Betäubung wurde unterhalb meines Bauches ein Tuch gespannt. Von dem eigentlichen Eingriff habe ich außer ein paar Geräuschen und dem Gefühl, dass da jemand an mir rummacht nichts mitbekommen.
Nach einer halben Stunde war alles vorbei. Mein Hoden und alles was so dazu gehört waren mit einem Verband gut verpackt.
Schmerzen spürte ich keine. Nachdem die Betäubung abgeklungen war, fühlte ich einen leichten Wundschmerz. Aber nichts dramatisches, etwa wie eine kleine Brandblase.
Ein paar Tage später wurde der feste Verband gegen einen leichteren ausgetauscht. Nach etwa 10 Tagen durfte ich ohne Verband nach Hause und außer Praktiken bei denen der kleine Freund allzusehr gefordert wurde, durfte ich wieder alles machen.
Schmerzen waren schon nach einer Woche keine mehr zu spüren. Die Woche Urlaub, die ich extra für den Eingriff genommen hatte, wäre nicht nötig gewesen.
Nach sechs Wochen waren nun erste Aktivitäten wieder erlaubt und die Abgabe des Ejakulats ergab, dass der Spermiengehalt schon an der Nachweisgrenze lag. Beim 3-Monats-Termin war nichts mehr zu sehen und das änderte sich auch nach Ablauf der 6 Monats Frist nicht.
Einzig die Tatsache, dass ich anfangs bei weiteren Unterhosen (Boxershorts und Co.) etwas empfindlich reagierte erinnerte mich noch an die OP.Psyche
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Zwangsläufig habe ich mit Freunden und Kollegen mal über das Thema gesprochen und die erste Frage war und ist:
"Hat sich was verändert?"
"Äh, nein! Warum sollte es?", frage ich dann meist zurück.
Eine Vasektomie ist keine Kastration. Meine Stimme spielt nicht in Richtung Mezzosopran und mein Haarwuchs in der Kinngegend ist unverändert.
Der Lustfaktor ist unverändert und der Austausch von Körperflüssigkeiten funktioniert genauso wie immer - vielleicht sogar noch ein wenig besser als vor der OP.
Wir können uns jetzt absolut sicher sein, dass nichts passieren kann.
Allerdings habe ich von Fällen gelesen, bei denen die Männer sich nicht mehr vollwertig fühlten oder gar impotent wurden, weil sie sich eben nicht mehr verwirklichen konnten.
Vielleicht kommt man(n) aber auch zu dem Entschluss, dass der Eingriff etwas überhastet war.Vasektomie - The return of sperm
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Deshalb die Frage. Kann man es wieder rückgängig machen?
Im Prinzip nein.
Das Rohr kann man natürlich wieder zusammenflicken. Mein Arzt meinte, dass die Chance umso größer ist, je eher man sich dazu entschließt. Als spätester Zeitpunkt werden etwa vier Jahre nach der OP angegeben.
Bei mir ist nach 15 Jahren also wohl nichts mehr zu machen. Die Spermienpumpe ist geschlossen und wird es wohl auch für immer bleiben. Hätte ich jedoch mit 30 jemanden kennen gelernt, die unbedingt Kinder haben wollte (und ich diesen Wunsch auch gehabt hätte) so wäre die Chance bei etwa 50 % gewesen.
Diesen Eingriff übernimmt die Krankenkasse aber in keinem Fall. Dafür sollte man etwa 2000 - 3000 Euro einplanen.
Fazit
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Eine Vasektomie durchführen zu lassen ist unproblematisch und extrem nebenwirkungsfrei. Über das Thema Verhütung braucht man sich etwa ein halbes Jahr nach dem Eingriff nie mehr Gedanken zu machen.
Wir fühlen uns dadurch enorm befreit. Bereut habe ich den Eingriff zu keiner Sekunde, weil ich mir über meine Entscheidung völlig sicher war. Es ging mir in der Folge besser denn je. Auch weil ich wusste, dass meine Frau sich nicht mit Medikamenten voll pumpen muss, die massiv in ihren Hormonhaushalt eingreifen. Allerdings ist der Eingriff nur selten rückgängig zu machen und MUSS deshalb genau überlegt werden. Wichtig ist dabei, dass man es nicht nur irgendjemanden zuliebe macht, sondern nur und ausschließlich aus eigener Überzeugung das Richtige zu tun. Die Motivation mag woanders herkommen - die Folgen trägt man(n) selbst.
Man sollte es dem Arzt daher auch nicht krumm nehmen, wenn er etwas genauer fragt, warum man sich sterilisieren lassen will und ob man sich über die Tragweite der Entscheidung wirklich bewusst ist.
04.03.2009 10:35
sehr gute Info, endlich mal jemand der sagt was er denkt bzw. erlebt hat
02.09.2006 01:14
Mutiger und ehrlicher Bericht! LG eva
18.05.2006 17:36
Sechs Wochen keinen Verkehr? Was für mich wie ein Segen erscheint, hat Dich wohl arg mitgenommen, hm? *wundert sich immer wieder, wie sehr der geschlechtsspezifische Trieb divergiert* LG, Emi