Vielleicht bin ich ja Stiller
07.03.2002
Pro:
tiefgehende Problematik
Kontra:
bedrückend (auch wenn dies kein Nachteil für ein Buch ist)
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 castorp
Über sich:
Mitglied seit:29.02.2000
Erfahrungsberichte:6
Vertrauende:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 54 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet
Mit einem der berühmtesten Sätze der deutschsprachigen Literaturgeschichte beginnt dieses Meisterwerk. "Ich bin nicht Stiller" sagt Stiller und drückt damit sein größtes Problem aus, er will jemand anderes sein. Dies ist das Thema, um welches der Roman und das gesamte Schaffen Frischs kreisen, denn das merke sich einer: ein Autor schreibt immer über dasselbe Thema, egal ob er Kafka, Mann, Schiller, Goethe oder eben Frisch heißt. Eingeleitet wird der Band von einem Satz Kierkegaards, des Ersten (vielleicht nach Descartes Zweiten) Existenzphilosophen der Geschichte und nennt das Motto, die Unmöglichkeit der Existenzwahl. Stiller möchte so gerne nicht Stiller sein, denn Stiller ist ein Halunk, hat es als Bildhauer zu keinem ordentlichen Broterwerb gebracht, kann eigentlich nichts richtig, aber vieles teilweise. Er liebt seine Frau Julika und versucht ihr nahe zu kommen, doch dies gelingt nicht, denn diese ist unnahbar kühl und er hat keine Möglichkeit, sie aufzuwärmen, zu "erlösen", wie es im Buch heißt, ihm fehlen nunmal die Mittel, einen Menschen zufriedenzustellen und deshalb empfindet er sein Leben als verpfuscht, als unnütz, hat Affären und flieht nach Amerika, um sich dort eine neue Existenz zu gestalten, als Mr. White. Mr. White bändelt mit einer Indianerin an, versucht Selbstmord zu begehen, alles mißlingt, Stiller kann seinem Leben nicht entgehen. Er kehrt zurück, wird verhaftet wegen einer von Stiller begangenen Straftat, aber er ist doch White, oder doch Stiller? Man will es klären, gibt Stiller die Chance seine neue Existenz zu beweisen, er soll Tagebücher schreiben und versucht alles, zu beweisen, dass er sich gewandelt hat, ein neues Leben angenommen hat, ohne Erfolg. Dies ist der erste Teil des Romans.Im zweiten schreibt der Staatsanwalt Stillers, mit welchem er sich mittlerweile befreundet hat, soweit es Stiller überhaupt möglich ist, Freunde zu haben, denn Stiller ist ein wankelmütiger Charakter, pendelt zwischen Depression und Agression, Feinheit und Grobschlächtigkeit. Der Staatsanwalt beschreibt Stillers Leben nach der Verurteilung, in der Einöde, zusammen mit Julika, wo sich der angebliche White mittlerweile in seiner alten Existenz angenommen hat, jedoch ohne Zufriedenheit dadurch zu erfahren, so gerne wäre er nicht Stiller, jeder andere, bloß nicht Stiller. Stiller lebt dort vor sich hin, zusammen mit Julika, der er wieder habhaft zu werden versucht, was nicht funktionieren kann, denn er ist und bleibt Stiller, fast Säufer, aber nicht ganz, fast Künstler, aber auch das nicht richtig. Schließlich stirbt seine Frau an einem Lungenleiden und er ist ganz alleine und verlassen und lebt weiter. "Stiller blieb in Glion und lebte alleine" heißt es zum Schluß, damit ist auch alles gesagt.
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10.08.2002 23:48
Hallo! Ich habe für "Stiller" verhältnismäßig lange gebraucht und als ich damit fertig war, fühlte ich mich sehr aufgewühlt. Dabei empfinde ich dies nicht unbedingt als negativ, da es für meine Begriffe eine große Kunst ist, den Leser so mitzureißen. Um aber zu deinem Bericht zu gelangen, ich finde ihn wirklich sehr gut. Vor allem sprachlich. Bis dann!
11.03.2002 15:46
Kein Humor und ohne Spannung. Das sehe ich ein wenig anders. Keine brüllend komische Kriminalkomödie sicherlich!
11.03.2002 15:45
Kein Humor und ohne Spannung. Das sehe ich ein wenig anders. Keine brüllend komische Kriminalkomödie sicherlich!