Wer schon einige Bücher von Ellroy gelesen hat, wird nicht
verwundert sein, daß sich "Stiller Schrecken" mit einem Massenmörder
beschäftigt. Die Variation des Themas ist in diesem Fall aber die
Schilderung aus der Perspektive des Killers. Die Beschreibung der
Polizeiarbeit nimmt im Vergleich ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von thb6 über Stiller Schrecken / James Ellroy 25.08.2000
Produktbewertung des Autors:
Pro:
Interessante Perspektive, packende Schilderung
Kontra:
Kein Hardboiled - Krimi im eigentlichen Sinn
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Wer schon einige Bücher von Ellroy gelesen hat, wird nicht verwundert sein, daß sich "Stiller Schrecken" mit einem Massenmörder beschäftigt. Die Variation des Themas ist in diesem Fall aber die Schilderung aus der Perspektive des Killers. Die Beschreibung der Polizeiarbeit nimmt im Vergleich zur Bildungsgeschichte des Mörders einen untergeordneten Rang ein. Wir treffen Marty Plunkett zuerst als verstörten Kid in einem Vorort von Los Angeles, und werden Zeuge seines Aufstiegs zu blutigem Ruhm und seinem selbstzerstörerischen Ende. Die wichtigen Wegestationen werden sowohl grausigen Ansichten in der ersten Person geschildert, als durch Zeitungsausschnitte und Polizeireporte belegt - Stilelemente, die sich durchweg auch in späteren Romanen von Ellroy finden.
Irgendwie erinnert mich dieses Buch von 1986 an "American Psycho" von Bret Easton Ellis und "In Cold Blood" von Truman Capote. Doch obwohl es bei Ellroy brutal zugeht, reichen seine Beschreibungen glücklicherweise nicht an die Gewaltorgien im "American Psycho" heran. Andererseits sind seine Schilderungen auf ihre Art ähnlich deprimierend wie die Schilderung des Gemetzels in "In Cold Blood" durch die Mörder. "Stiller Schrecken" unterscheidet sich deutlich von den typischen "Hardboiled"-Romanen, die Ellroy sonst abliefert. Wer Ellroy wegen dieses Stils mag, wird von diesem Buch enttäuscht werden.
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