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Mist wird sich jetzt wohl jeder zweite denken, hier gehts ja bloß ums Stricken, aber macht auch Spaß, lest mal rein. Manchmal müssen ganz seltsame Zufälle zusammenkommen und man beginnt ein Hobby, dass für die eigene Generation völlig banane ist. Ich bin 24, stricke und stehe dazu! Klingt ... Bericht lesen





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Bondage für Anfänger ;)
Erfahrungsbericht von Tenesse über Stricken
26.02.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: macht unheimlich Spaß, kreative, handwerkliche Arbeit
Kontra: man braucht Zeit, Geduld und Geld

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Mist wird sich jetzt wohl jeder zweite denken, hier gehts ja bloß ums Stricken, aber macht auch Spaß, lest mal rein.

Manchmal müssen ganz seltsame Zufälle zusammenkommen und man beginnt ein Hobby, dass für die eigene Generation völlig banane ist. Ich bin 24, stricke und stehe dazu! Klingt doof, aber seltsamerweise ist in unserer heutigen Gesellschaft die Handarbeit im Moment auf einem so niedrigen Level angelangt, dass du fast nur abschätzige Blicke erntest, wenn du dir Kleidung selbst machst. Kleidung selbst herstellen? In Zeiten von Billig-Läden wie H&M, wo Klamotten nach einen halben Jahr schon zerschlissen sind und modetechnisch auch völlig out (passt ja dann wieder), ist der Satz "Ich mache es selbst", nur noch sexuel gesehen interessant. ;)

Ich kaufe auch gerne dort ein, aber mit Größe 44/46 schon die Übergrößenabteilung abgeschoben zu werden ist manchmal ziemlich frustrierend. Und anscheined hat sich die Idee, dass auch dicke Frauen sich schön anziehen wollen, noch nicht ganz durchgesetzt. Letzter Ausweg? Ich machs mir selbst.

Meine Mutter ist gelernte Schneiderin und hat mir schon als kleines Kind einfaches Nähen und Stricken nähergebracht. Anfangs war ich noch mit Begeisterung dabei, mit 13 war dann Sense, das war "uncool". Über 10 Jahre später passierte dann einer dieser seltsamen Zufälle, vor mir lagen 3 Knäuel sehr billige Wolle, ein Werbegeschenk, dass eigentlich als Spielzeug für unsere Katze gedacht war. Die hat diese Knäuel nicht im geringsten interessiert, aber mich umso mehr. Konnte ich noch stricken? Wie ging das nochmal? Wie ich nunmal bin, sobald sich eine Idee festgesetzt hat, muss sie SOFORT ausgeführt werden. An einem Samstag um 9 Uhr abends ohne Stricknadeln nicht so einfach zu bewerkstelligen. Aber ich bin ja kreativ, ich hab mir lange Holz-Spieße aus der Küche geschnappt und meine ersten Versuche gewagt. Tatsächlich konnte ich mich noch an die Maschen erinnern und strickte mit diesen Spießchen an dem Wochenende mein erstes Strickstück. Es war bloß ein langer Schlauch, glatt rechts, denn ich dann zu einer Wurst vernähte und mit kleingeschnittenen Schaumstoff gefüllt habe. Jetzt mochte meine Katze die Wolle und jagte mit dem Teil munter durch die Gegend.

Dieses Erlebnis hat mir soviel Spaß gebracht, dass ich mir am folgenden Montag gleich richtige Nadeln geholt habe und im Drogeriemarkt eine Packung billige Wolle. Das ist wichtig, am Anfang sollte man mit billiger Wolle Teststücke stricken, am besten einen Schal, das einfachste der Welt. Später hab ich mir noch ein Buch geholt und jetzt bin im Strickfieber gefangen. Aber jetzt möcht ich euch mal erzählen, wie man am besten anfängt, was man alles braucht und was man so alles stricken kann.

Aller Anfang ist schwer
Wer noch nie gestrickt hat, der wird einer geübten Strickerin erstmal ungläubig auf die Finger sehen und dann ausrufen "Das werd ich NIE können!". Aber stricken (und vorallem die kunstvollen Ergebnisse) sieht immer viel komplizierter aus, als es ist. Es gibt eigentlich nur 10 verschiedene Maschen, die kombiniert man in einer bestimmten Reihenfolge und schon hat man wunderschöne Muster.

Am besten kauft man sich ein Buch oder lässt es sich von einem Wissenden erklären. Aber bitte immer schauen, dass man sich als Rechtshänder auch von einem Rechtshänder lehren lässt. Ich bin Linkshänderin und hatte anfangs viele Probleme, meine Mutter hatte gottseidank viel Geduld mit mir. Ich kann bis heute nicht häkeln, weil meine Handarbeitslehrerin es nicht geschafft hat, mir die Technik für Linkshänder verständlich zu erklären. Bücher wie zum Beispiel "Das Strickbuch für Einsteiger" von Ute Hammond, erklärt anhand vieler Bilder sehr anschaulich die einzelnen Maschen und Griffe. Mir hat das Buch sehr geholfen, obwohl es natürlich wieder mal nur für Rechtshänder war. Das Internet kann beim Erlernen auch sehr hilfreich sein, Seiten wie www.stricknetz.de haben wirklich lange Linklisten, die einem weiter helfen können.

Ich werde hier jetzt keinen "Stricken für Anfänger"-Kurs geben, dass für den Umfang diesen Berichts definitv sprengen, aber wenn sich einige interessieren, kann ich gerne in dieser Kategorie gerne so etwas schreiben.

Man hat sich also in die Bücher eingelesen und möchte jetzt gerne endlich selbst zu den Nadeln greifen. Was genau braucht man also so alles zum Stricken?

Her mit den jungen Stricknadeln
Wer gerade anfängt, braucht erstmal nur Wolle und Nadeln. Beides findet sich in jedem Handarbeitsladen, sogar in meiner Kleinstadt gibts ganze drei passende Läden dafür. Wer wirklich mitten im Dorf wohnt und nichts passendes in der Nähe hat, kann wieder auf www.stricknetz.de die Linkliste nach passenden Online-Shops suchen. Als Anfänger sollte man erstmal kleine, sehr einfache Dinge stricken, einen Schal finde ich da sehr passend. Einfaches Muster, man strickt länger und hat so auch bald den eigenen Rhythmus raus und weiß, ob man eher fester oder lockerer strickt. Ich hab mir dafür in einem Drogeriemarkt ganz billige Wolle (reines Polyester, 5 Knäule um 4 Euro) geholt. Auf den Banderolen der Knäuel ist immer angegeben welche Nadel-Stärke man braucht. Es gibt Nadeln angefangen mit Größe Nr. 2 für sehr feines Garn für zum Beispiel Tops und Sommerjäckchen bis zu Größe Nr. 20 für sehr dickes Garn, also für ganz warme Winterpullover. Die Angaben für die Nadelgrößen sind in halbe Schritte unterteilt, sprich 2 – 2,5 – 3... usw. Am besten legt man sich eine Kollektion von Nadeln Größe 3 bis 7-8 zu, damit sind die meisten Stücke zu stricken. Aber keine Angst bei jeder Anleitung für ein Strickstück sind immer Nadelgrößen angegeben, man muss also nicht wild teure Wolle verstricken, um die passende Nadel zu finden. Die meisten Nadeln sind aus Aluminium und Kunststoff, wobei Alu für die dünnen Nadeln gebraucht, Kunststoff für dicke. Kinder sollten nur mit Kunststoff stricken, denn die Alu-Nadeln lassen sich ziemlich schnell verbiegen und werden unbrauchbar.
Für Socken, Mützen, ja, alles was rund ist bzw. mal rund werden soll, braucht man ein Nadelspiel. Das sind 5 gleichlange Nadeln, wobei auf 4 Nadeln das Strickstück liegt und mit der 5. gestrickt wird. Klingt auch wieder unheimlich kompliziert, aber hat man mal den Dreh raus, geht’s auch ganz einfach. Für sehr große Stücke kann man sich auch Rundstricknadeln besorgen, das sind Nadeln die mit einer Art festen Plastikschnur an den miteinander verbunden ist und in verschiedenen Längen verkauft werden. Es gibt dann auch noch spezielle Zopfnadeln, um abgelegte Maschen festzuhalten, aber die braucht man anfangs sicher nicht. Von Vorteil wäre vielleicht noch eine kleine Häkelnadel und Maschen aufzufangen, Schere und Nähnadeln müssen natürlich auch sein.
Wolle gibt es in Hülle und Fülle, in den verschiedensten Qualitäten, Preisklassen und Mustern. Wichtig ist allein der Geschmack. Am besten ist es natürlich, wenn man einen Laden in der Nähe, um mal drauflos zu fühlen, aber es gibt sogar schon zwei Online-Shops die Wollmuster versenden. Da ich hier jetzt keine Werbung machen will, geb ich die Links hier nicht an, sondern nur Anfrage.

So, jetzt sitzt ihr da, habt schon einen hübschen Schal, mit ein paar Fehlern und Löchern am Anfang und wollt mehr! Natürlich kann man jetzt stricken, was das Zeug hält und hoffen, dass mal die Form eines Pullis draus wird, aber sinnvoller (und kostensparender) wird’s doch mit einer Anleitung. Und wo kriegt man die her?

Rebecca, Sabrina, Verena und Co.
Nein, das sind nicht die Namen der netten Damen vom Bordell nebenan, sondern verschiedene Strickzeitschriften. Rebecca und Sabrina sind reine Strick- und Häkelzeitschriften, Verena eigentlich eine Nähheft, das aber quartalsmäßig Strick-Sonderhefte rausbringt. In diesem Heften werden die neusten Modelle vorgestellt, mit genauen Anleitungen und Woll-Vorschlägen. Die Modelle, vorallem in Verena und Rebecca, sind wirklich moderne Stücke, ausgefallene Strickjacken und Mäntel, Tops, Pullover, sogar Röcke und Hosen. Trends wie im Moment die Asia-Mode werden übernommen und in neue Modelle integriert. Sabrina ist eine Zeitschrift, die eher auf konventionelles setzt, aber dafür auch einiges an Kindermode bietet. Für Kinder gibt es aber auch meist eigene Sonderhefte der verschiedenen Verlage. Wer sich gerne mal selbst überzeugen möchte, surft auf die unten angegebenen Seiten. Hier gibt’s Bilder vieler Modelle der aktuellen Hefte und sogar einige Anleitungen zu runterladen.

http://www.rebecca-online.de/
http://www.burdamode.com/text.asp?text=32

Natürlich kann man sich auch Bücher kaufen, nur muss man da rechnen, dass die Modelle nie wirklich modern sind und in den Büchern vorallem Grundmuster und Schnitte angegeben sind. Damit kann man sich aber schnell eigene Schnitte erstellen. Das Internet ist eine wahre Fundgrube für Schnitte, Anleitungen, neue Musterideen und mehr. Einfach mal in verschiedenen Webverzeichnissen wie Google Verzeichnis, Web.de oder Freenet.de nachschauen, man findet sehr, sehr vieles.

Zu guter Letzt erweisen sich Online-Woll-Shops als Quell der Stricksüchtigen sehr gut. In den Katalogen findet man unheimliche viele Modelle und man kann sich dann meist Komplettpakete, sprich Wolle plus Anleitung und etwaiges Zubehör (zB. Knöpfe oder Bänder) kaufen.

Hieroglyphen oder Wie lernen eine neue Schrift
Als mein Freund mich das erste Mal murmelnd über eine Strickschrift gebeugt gesehen hat, dachte er wohl, ich würde eine neue Sprache lernen. Strickschriften sind die seltsamen Kombinationen aus Symbolen wie Rauten, Kreisen, Kästchen und Strichen mit Zahlen. Ein Beispiel: http://www.islandwolle.de/Freies_Muster/Strickschrift/strickschrift.html
Mithilfe dieser Strickschrift kann man Muster stricken, zum Beispiel Rippen, Zöpfe, Bündchen, Kreuze und was weiß ich noch alles. Es gibt auch farbige Schriften mit denen man dann verschiedene Motive, die meist glatt gestrickt werden, stricken kann. In jeder Anleitung gibt es eine genaue Legende, welches Symbol was bedeutet und nach einigen Reinlesen hat man das raus. Leider ist es so, dass es keine einheitlichen Symbole gibt, fast jede Zeitschrift oder Anleitung aus dem Netz hat andere Symbole und so muss man sich immer wieder umgewöhnen. Ich habe ein kleines Buch daheim, in dem ich mir eine Strickschrift geschrieben habe, die ich am besten verstehe. Vor jedem neuen Strickmodell schreibe ich mir die Strickschrift in „meine“ Sprache um und brauche so nicht jedesmal in der Legende nachgucken.

Laber nicht rum, ich will stricken!
Zu guter Letzt noch ein paar Tipps für die ersten Modelle. Lieber einfache Muster und die dann bitte immer erst auf einem kleinen Lappen vorher üben, sonst sehen die ersten Reihen des gewünschten Pullis noch sehr wild aus. Vor jedem neuen Modell immer eine Maschenprobe machen, auch wenn Geübte darüber vielleicht die Nase rümpfen, ich bin immer gut damit gefahren. Bei Wollkauf darauf achten, dass man sie noch in der Maschine waschen kann, sonst hat man zwar ne Menge hübscher Sachen, zieht sie aber nur so selten an, weil sie dann per Hand gewaschen werden müssen. Auch das vernähen mit den verschiedenen Stichen üben, zum Beispiel erstmal eine kleine Tasche machen und dann vernähen. Und bitte immer erstmal mit billigerer Wolle und kleinen Sachen anfangen, sonst schmeisst man nur Geld aus dem Fenster, wenn es einem dann nicht gefällt. Aber auch nicht zu sehr sparen, Socken immer mit spezieller Sockenwolle stricken, sonst kratzt es an den empfindlichen Sohlen ganz schnell, genauso für Babysachen, da gibt es auch spezielle Wolle, die sehr weich, aber robust ist.

Wenn es noch Fragen gibt oder wirklich jemand mal gerne hier einen „Strickkurs“ lesen möchte, schreibt es mir bitte, egal ob hier kommentiert oder in mein GB.   
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