Ökokatholisch gelb sparen
14.10.2000
Pro:
Wir sparen wirklich alle schon ganz gut
Kontra:
Immer der moralische Zeigefinger dahinter
Empfehlenswert:
Ja
 hjesche
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Strom kommt aus der Steckdose, fragt sich nur zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen. Ob nun Aqua oder gelb , wenn ich mit meinem Phasenprüfer mal etwas unvorsichtig hantiere , ist er ja eigentlich blau, egal zu welchem Preis. Energie soll teurer werden. Nicht damit wir alle sparen, sondern damit Geld in die Kasse kommt - auch wenn sich Gerhard Schröder in Altvätermanier hinstellt und Volk und Plenum meint darüber belehren zu müssen, dass unsere fossilen Energien endlich sind. Für den aufmerksamen Leser: Diese Meinung ist teilweise auch ironisch, wurde aber mit Fakten aus meiner Umwelt gewürzt... Tatsache ist, dass in diesem Land schon reichlich gespart wird. Es gibt inzwischen Überkapazitäten , Strom aus Norwegen wird mitunter für sage und schreibe 4 Pfennige pro kw/Stunde eingekauft - und um die 20 Pfennige verkauft. Ein paar andere Tatsachen stimmen allerdings auch. Atomkraftwerke bleiben länger am Netz, als konventionelle und es wird noch mehr billiger Strom aus anderen Ländern importiert, als je zuvor. Neuestes Beispiel ist der neue Atommailer nach russischer Bauart vor den Toren Passaus. Eine weitere Tatsache ist, dass Solaranlagen auf dem Dach des eigenen Hauses helfen, Energiekosten zu sparen, allerdings nur, wenn ich bei der Bank dafür erst einmal einen Kredit von 25.000,- bis 30.000,- Mark aufnehme, den ich dann binnen 10 Jahren zurückzahlen muss. Das 100.000 Dächerprogramm erleichtert mir ja lediglich die Rückzahlung und stellt mir etwas günstigere Zinsen zur Verfügung. Zur Anlage kommen aber auch noch so einige Handwerkerrechnungen, die für Arbeiten am Dach und am Haus notwendig werden. Sicher, die Rückspeisung unverbrauchter Energie kann derzeit noch mit 95 Pfennigen pro kw/h verrechnet werden. Aber wer hat denn sowas schon ? Eine weitere Tatsache ist, dass auf einem Berg im Vogelsbergkreis fast mehr Windräder als Bäume stehen - solche Bilder gibt es des Öfteren. Gefördert durch Umweltprogramme und ganz bestimmt keine Verschönerung einer Waldlandschaft. Hier wird Kohle gemacht - sonst nichts und wir als Verbraucher sind wieder die Unanständigen dabei, wir sparen nämlich nicht - und das ist ja überaus unmoralisch. Ich muss wirklich sagen, dass mir derart ökokatholische Argumente schon lange aus dem Hals hängen und ich mich nur wundere, dass nicht schon mehr Leute den Finger auf die Wunde legen und hier Klartext reden, wie dem letzlich hilflosen Verbraucher mit dem pseudoökologischen Zeigefinger die Strompfennige pro Stunde aus dem Geldbeutel gezogen werden. Unser Haushalt besteht aus 3 Personen und die Stromrechnung dafür beträgt monatlich knapp DM 70,- . Der kw/h Preis beträgt bei uns 24 Pfennige (netto). Gelben Strom haben wir nicht, lila und andere Farben auch nicht. Nun werden so einige erst einmal durchatmen, da sehen die Rechnungen anders aus.Heiz- und Nebenkosten betragen in unserem Haushalt trotz kleinem Kind und entsprechend höherem Warmwasser - und Wäscheaufwand monatlich DM 250,- - und davon bekommen wir im Jahr noch DM 750,- bis DM 900,- Mark zurück. Was haben wir gemacht? Stromverbrauch, heizen, warmes Wasser, Zimmerbeleuchtung, Fernsehen, Kochen, Spülen, Waschen beeinflussen unsere Energiekosten. Dazu zähle ich auch Frisch-Wasser und Abwasser-Kosten. Vor etwa 5 Jahren fing es an. Seither gibt es bei uns keine normale Glühbirne mehr. Deckenfluter ( mit 500 Watt ) sieht zwar ganz nett aus, haben wir aber drauf verzichtet. Es wurden in allen Räumen Stromsparbirnen mit einem Verbrauch zwischen 3 und 25 Watt angeschfft. Und zwar da stärker, wo man auch helleres Licht braucht und da schwächer, wo man sowieso nicht so häufig Licht benötigt. Ausserdem wurden mehr "Brennstellen" geschaffen. In der Küche gibt es zum Beispiel da helle punktuelle Beleuchtung, wo man es zur Arbeit auch braucht. Leselampen wurden mit 7 Watt Sparbirnen bestückt. Nächster Schritt waren Zeitschaltuhren für Geräte, die auf Stand-By Betrieb laufen, aber eigentlich nicht ständig gebraucht werden. Bei Fernseher, Video-Recorder, Satelliten Receiver und Stereoanlage befinden sich infrarotgesteuerte Stromsperren, die die Geräte ganz vom Netz nehmen, sobald sie einige Minuten nicht mehr in Betrieb sind, also auf Stand-By Betrieb geschaltet haben. Waschmaschine, Trockner, Kühlschrank und Gefriertruhe wurden ausgewechselt und gegen Geräte ausgetauscht, die weniger Strom und Wasser brauchen. Wasserhähne wurden mit anderen Köpfen versehen, deren Durchlauf reguliert werden kann und die Kalk neutralisieren. Dadurch senkte sich ganz erheblich der Warmwasserverbrauch (kostet ja auch Strom bei uns ) und auch die Kaffeemaschine scheint ihren Job etwas länger unverkalkt zu machen, als früher. Inzwischen gibts sogar noch eine Spülmaschine, die einen Wasserverbrauch von 11 Litern pro Spülgang hat - und trotzdem ist der Stromverbrauch im Haushalt von 1996 bis heute um 40 % gesunken. Die Stromrechnung entsprechend ebenfalls. Es gibt im Haushalt auch einige batteriebetriebene Geräte, die durch Solar-geladene Akkus betrieben werden. Als nächstes werden wahrscheinlich Geräte mit halbwegs geringem Energieverbrauch ( Videorecorder, Satellitenreceiver, Uhrenradios, evtl sogar Fernseher, Kühlschrank und Tiefkühltruhe ) durch zwei bis drei Solarzellen versorgt, was die Stromrechnung von rund DM 70 wahrscheinlich auf rund DM 40 bis DM 50 senken wird. Allderding frage ich mich jetzt schon, wann man eine Abgabe für solche Leute einführt, die auf diese schändliche Art ihren Strom selbst machen. Als zahlende Melkkuh falle ich damit natürlich langsam immer mehr aus. Auch an der Heizung ist nicht mehr soviel an uns zu verdienen, denn die Heizkörper werden regelmäßig entlüftet und die Wohnungstemperatur sogar zwischen 20 und 22 Grad gehalten - aber nur in den Räumen, in denen man diese Temperatur auch benötigt. Das erwähne ich im Zusammenhang mit unserem Stromverbrauch auch deswegen, weil es etwas mit unserem Warmwassermanagement zu tun hat, der teilweise auch Stromkosten verursacht.Wir hausen also nicht in einer dunklen Höhle und müssen auch noch keine Pullover stricken, um nicht zu frieren. Wie kommt man zu solchen praktischen Hilfen und was kostet so etwas auf der anderen Seite?Die meisten Utensilien stammen aus dem Conrad Katalog und kosten noch nicht einmal viel. Stromsparbirnen kann man heute für 9 oder 10 Mark kaufen. Sie halten auch wirklich länger als stromfressende Glühlampen. Wassersparer kosten so um die 15 Mark und sind mit einer Klemptnerzange schnell angeschraubt. Bei Haushaltsgeräten sehe ich mir zu allererst den Energieverbrauch an. Hat ein Gerät ein "A" für eine hohe Effizienz, kommt es schon einmal in die engere Wahl. Sowohl Versandhäuser wie Quelle oder Einzelhändler, wie Saturn oder Media-Markt bieten Sonderangebote, manchmal auch Auslaufmodelle an, die noch gar nicht mal teurer sind, als uneffizientere Geräte. Es lohnt sich auch, verschiedene Anbieter zu vergleichen. Bei einem Trockner von Bauknecht zum Beispiel habe ich trotz 8 Jahren Teilegarantie ( auch ein wichtiges Thema - Reparieren oder auf den Müll ?) von der Ausstattung her ein genauso gutes Gerät, wie bei Quelle und sogar noch geringeren Energieverbrauch - und zahle sogar noch ein paar Mark weniger. Ausserdem kann ich mit einem Einzelhändler auch schonmal über einen Preis verhandeln - was ich mit einem Kataloganbieter nicht kann. Schließlich gab es sogar bei unserem Kühlschrank, der im Jahr gerade mal 127 kw/h braucht, über den Stromversorger 100 Mark Prämie zurück.Was heißt das aber nun alles ? Um Energie zu sparen muss ich erst einmal gutes Geld investieren. Die Amortisationszeit ( also die Zeit, in der sich solche Ausgaben durch Stromgeldersparnis rechnen ) beträgt nach einer Gegenüberstellung in unserem Haushalt etwa 4 Jahre. Wenn ich mir wirklich noch die Nummer mit dem Solarpanel leiste, dauert es ca. 7 Jahre. Ich könnte Brief und Siegel darauf geben, dass meine Kosten pro Kilowattstunde in dieser Zeit jetzt so steigen werden, dass ich zum Schluss dieselbe Strom-Rechnung habe, wie heute. Mir passt das nicht. Denn unter dem Strich werde ich fürs Sparen nur dadurch belohnt, dass ich nicht dafür bestraft - sprich noch höher abgezockt- werde. Ausserdem habe ich , was Sparen anbelangt noch etwas anderes anerzogen bekommen. Resourcen dadurch sparen, dass man nicht sinnlos konsumiert, weil immer nur das Neuste da sein muss. Der Aberwitz ist nämlich der, dass unser "Schrott" in Polen, Tschechien oder z.B. der Ukraine noch viele Jahre seinen Dienst tut, wenn er nicht auf andere Art doch auf irgend einem Schrottplatz oder irgendwo sonst als Sondermüll gelandet ist. Merken wir alle noch was ?
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16.10.2000 16:20
Bei mir ist der Strom gelb...seitdem zahle ich nur noch 179 DM im Monat,vorher waren es 260DM.Ja du liest richtig...Wir sind 5 Personen und haben immer einen Verbrauch von 10000 Kilowatt ca.Frag mich nicht wie das zustande kommt.Wir haben auch nicht mehr als andere (elektrische Geräte und ähnliches).Aber nächstes Jahr kommt Solar aufs Dach,koste es was es wolle.....Gruß Andrea
15.10.2000 10:32
....starker beitrag...gruss rater