Vorsicht: Urlaub macht blöd!
31.07.2004
Pro:
viel Geld für wenig Arbeit
Kontra:
Verlust der Intellignez
Empfehlenswert:
Nein
 Ingenieuse
Über sich:
Mitglied seit:08.09.2000
Erfahrungsberichte:35
Vertrauende:42
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Seit knapp einer Woche ist nun die Studie beendet.... .. aber ich fange doch lieber mit dem Anfang an: Da ich mich seit Anfang 2003 wieder voll meinem Studium widme, bleibt kaum noch Zeit, Geld zu verdienen. Zumindest wollte ich dies auch nicht, da ich so oder so mein Studium durch Geld verdienen in die Länge gezogen hatte, und wenn ich ehrlich bin, auch sehr vernachlässigt hatte. Das Geld, das ich vorher verdient hatte, wurde auf die hohe Kante gelegt, mit dem Ziel, dass ich während des Studiums möglichst wenig würde arbeiten müssen.Leider kam es anders, denn ab dem Wintersemester musste ich zusätzlich zu meinen Studiengebühren noch weitere 650 Euro berappen, da ich weit über meiner Regelstudienzeit war und man das mal eben so zum Gesetzt gemacht hatte. Woher das Geld nehmen, wenn nicht stehlen? Freiberuflich wollte ich nichts mehr machen, denn das hat mich damals sehr viel Zeit gekostet und ich kenne mich, ich hätte wieder mehr gearbeitet und hätte somit wieder mein Studium verdrängt.Nein, ich brauchte einen Job, der mein Studium nicht beeinträchtigt; und ich brauchte etwas, womit ich gutes Geld verdiene. Ich surfte durch einige Jobportale im Internet und fand schließlich ein sehr interessant klingendes Jobangebot: „Probanden für klinische Studien“ wurden gesucht. Der Einsatzort sei Neuss und man dürfe nicht weiter als 200 km von Neuss entfernt wohnen.Da ich aus Wuppertal komme, ist es nach Neuss nur ein Katzensprung. Ich surfte nun weiter auf die Internetseiten des Instituts und bewarb mich dort über das Bewerbungsformular. Die ersten Wochen hörte ich nichts, doch dann bekam ich per Post ein Schreiben. Mit dem lud man mich zu einem Gesundheitscheck ein, der für mich kostenlos war. Hier wurde mir ein wenig Blut abgenommen, mein Gewicht wurde ermittelt und meine Krankheitsgeschichte hinterfragt. Der erste Schritt war getan, und nun musste ich keine 2 Wochen warten, bis erneut ein Schreiben von der Firma STERN Clinical Drug Development GmbH kam.Man teilte mir mit, dass mein Typ verlangt war von einer Firma, die ich hier nicht namentlich nennen mag, aber die sich seit Jahren in der Forschung rund um das Gehirn einen Namen gemacht hatte. Weitere Details konnte man diesem Schreiben nicht entnehmen, sondern ich bekam einen Termin mitgeteilt, wo und wann ich mich zur Verfügung stellen musste/durfte. Ich hatte schon ein wenig Bammel, denn zum Arzt gehe ich nie gerne. Aber wer tut das schon, außer Masochisten vielleicht ;-)Der Termin war nun gekommen, und ich saß in einem typischen Wartezimmer und las die typischen Zeitschriften. Ich kam nun endlich an die Reihe, und in einem sehr modern eingerichtetem Arbeitszimmer saß ein Inder, der nicht alle Tage gewachsen war und begrüßte mich sehr freundlich.Ich nahm Platz. Dr. E. aus Indien erklärte mir um, was es in der Studie geht.Seit mehr als 3 Jahren studieren sie den Intelligenzquotienten: - wie er ermittelt wird - was ihm zu Grunde liegt - wie man die Tests zusammenstellt - wie man die Quote durch Training erhöhen kann - wie man sogar Punkte verlieren kann.Nur kurz zur Erklärung: Der IQ liegt bei einem Normalsterblichen bei 90 bis 120 Punkten. Wer bei einer Punktzahl von über 147 Punkten liegt, gilt als Hochbegabter, und in dem Bereich zwischen 120 und 147 ist man intelligent.Mein Part war leider der Intelligenzverlust. Ich konnte es mir nicht aussuchen, aber die anderen Studien waren schon gelaufen. Warum man mich ausgewählt hatte, wurde mir auch noch gesagt: Zum damaligen Zeitpunkt war ich 29 Jahre alt. Die magische 30 war auch nur ein paar Monate entfernt, und seit der Grundschule bis heute habe ich fast ohne Pause gelernt. Mein Geist war es daher gewohnt, zu lernen und das Gelernte abzuspeichern.Viele kennen es vielleicht, wenn sie ein paar Jahre aus der Schule sind und wieder anfangen müssen zu lernen, fällt es den meisten Menschen sehr schwer, sich durch den Unterrichtsstoff zu quälen. Bei dieser Studie kam es mir sogar zu Gute, dass ich mein Studium so in die Länge gezogen habe. Der erste Test war der eigentliche IQ-Test. Hier wurde der IQ ermittelt und auf mein Karteikärtchen eingetragen. Ich will zwar nicht damit angeben, aber er lag bei 137 IQ-Punkten.Was mir in den folgenden vier Wochen abverlangt wurde, war nicht schwer und fiel mir auch sehr leicht: In den vier Wochen durfte ich nicht lesen, zumindest durfte ich keine Fachliteratur lesen oder eine halbwegs intelligente Tageszeitung. Selbst das Fernsehen wurde mir verboten. Ich durfte in den vier Wochen keine Nachrichten sehen, keine Reportagen, das höchste der Gefühle wären dann die Talkshows am Mittag gewesen, aber die habe ich mir auch erspart; schließlich kann man es auch mal vier Wochen ohne diese Idiotenlaterne aushalten.Was ich leider auch nicht durfte, ist im Internet meine Runde zu drehen, denn da wäre ich vielleicht auch in den Genuss von Nachrichten gekommen oder anderem Zeug. Um es mal einfacher auszudrücken: ich habe in den vier Wochen nichts gemacht und, wie schon geschrieben, für das Geld fiel mir das wirklich nicht schwer.Nach diesen vier Wochen hatte ich wieder einen Termin bei Dr. E. aus Indien, und wieder wurde mein IQ gemessen. Ich hätte es nicht gedacht: obwohl es der gleiche Test war, und ich die Antworten eigentlich schon kannte, habe ich 16 IQ-Punkte verloren. In diesem Zeitraum des Nichtstuns bin ich sozusagen um 16 Punkte dämlicher geworden. Ich war geschockt. Dr. E beruhigte mich und referierte die Ergebnisse einiger Studien, ohne dabei allzusehr aus dem Nähkästchen zu plaudern.In den jahrelangen Studien hat das Institut beweisen können, dass man IQ-Punkte abbaut wenn man sich nicht in irgendeiner Form weiterbildet, sei es nun dadurch, dass man Bücher liest oder sich anderen geistigen Beschäftigungen widmet. Ganz schlimm sind wohl die Ergebnisse von Probanden gewesen, die drei Wochen in den Strandurlaub fuhren. Durch die Einwirkung von Sonne und Nichtstun sind fast 30 IQ-Punkte verloren gegangen. Durch die Wärme wurden die Gehirnzellen reduziert, und was verschärfend noch hinzu kam war der Alkoholkonsum. Dass Alkohol blöd macht, das habe ich schon immer geahnt ;-)Winterurlaub hingegen scheint weniger IQ-Punkte zu kosten, da durch die frische Luft, die Kälte und die Bewegung in der freien Natur die Gehirnzellen weniger beansprucht werden. Juni, Juli und August sind wohl die Monate, wo der Mensch am leistungsfähigsten ist, zumindest was das Gehirn angeht. Komischerweise sind in der Zeit immer die Sommerferien, ob das nun so gut geplant ist oder nicht. Eigentlich dürften dann nur die Urlaub machen, die körperliche Tätigkeit ausüben. Menschen, die Kopfarbeit leisten, sollten erst im Winter ihren Urlaub anstreben, denn da kann auch nichts mit dem IQ passieren.Na toll, das wird eh nie praktiziert ... Für mich habe ich das Fazit gezogen, dass ich mein Gehirn immer trainieren werde, auch im Urlaub, egal wie schwer es mir auch fallen sollte, mal ein vernünftiges Buch zu lesen oder sich einfach mal ein neues Hobby zu suchen, um seinen Gehirnzellen ein wenig Futter zu gönnen.Schließlich erhöht man, laut Dr. E., die Altersgrenze. Menschen, die sich im Alter noch geistig fit halten, leben länger. Ich kann dem Doktor des IQ nur Recht geben, schließlich wird mein Opa dieses Jahr 96 Jahre und ist geistig sehr fit, weil er es nie aufgegeben hat, etwas für seine Gehirnzellen zu tun. Nun arbeite ich an meinen 16 verlorenen IQ-Punkten. P.S.: Für die, die es wissen möchten: Ich habe für diese vier Wochen 4500 Euro verdient, allerdings 16 IQ-Punkte verloren.
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10.06.2009 09:56
interessant, dann werde ich mir für den Sommerurlaub wohl doch ein gescheites Buch mitnehmen. LG
23.08.2005 16:40
Machen die die Studie noch? Wann kann ich anfangen? *gg* Meine Großtante war übrigens auch so ein Beispiel für geistige Fitnes im Alter: sie hat ihr Leben lang die Tageszeitung gelesen. Später hatte sie auch ein Radio. Zwar stammte sie aus relativ einfachen Verhältnissen (Landwirtschaft), aber sie hat nie aufgehört, alles Neue in sich aufzusaugen, so lange sie lebte. Und sie war immerhin über fast 93 Jahre alte geworden!
08.07.2005 21:54
Sehr aufschlussreich ;o)