Bewerbung beim Leibniz Kolleg Tübingen
18.10.2011
Pro:
Chance auf fundierte Studienfachwahl
Kontra:
unangenehmes Bewerbungsverfahren, organisatorische Schwächen
 toller-typ
Über sich:
Mitglied seit:18.10.2011
Erfahrungsberichte:1
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Hallo, ich bin 19 Jahre alt und habe dieses Jahr mein Abitur in Ba-Wü erfolgreich bestanden. Ich selbst habe mich beim Leibniz Kolleg in Tübingen beworben, wurde aber nach einem langen hin und her letztendlich abgelehnt. Da ich nicht alle Erfahrungen, die ich im im Zusammenhang mit dem LK gesammelt habe positiv waren, möchte ich sie hier kurz schildern: Ich habe meine Bewerbung Anfang Januar abgeschickt und erhielt prompt eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch im LK. Nachdem ich ein paar Mal beim LK angerufen hatte erreichte ich schließlich das Sekretariat und konnte einen Termin für Mitte März vereinbaren. Nun ja, als ich zu diesem Termin erschien verbrachte ich erst 1,5 Stunden in dem Gemeinschaftsraum der Studenten, um mich dort mit diesen zu unterhalten und auf eine Einladung zu einem Gespräch mit Herrn Behal, dem Leiter des Instituts, zu warten. Dummerweise waren Semesterferien und so wartete ich alleine in einem etwas vermoderten Sessel bis der Direktor erschien und mich bat ihm in sein Büro zu folgen. Das Gespräch begann mit simplem Smalltalk, über Familie Hobbies oder letzte Fragen zu meinen Bewerbungsunterlagen, nahm aber nachdem alle normalen Angelegenheiten geklärt schienen eine etwas seltsame Wendung. Der Direktor fing nun damit an meine Allgemeinbildung auf den Prüfstand zu stellen. Er fragte mich was Kafkas Vater von Beruf war, welcher Religion Kafka angehörte oder wollte von mir wissen wer der Begründer der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik war (ich hatte in der Schule Wirtschaft als Profilfach). Später gab er mir einen einen englischen Hochschultext zum Thema Anthropologie, den ich mir doch bitte durchlesen solle. Der Text beginne mit einer Anekdote und wer diese nicht versteht, der würde auch den ganzen Text nicht verstehen. Dann ließ er mich für 15 Minuten allein, damit ich Zeit hatte mich mit dem Text auseinanderzusetzen und als er wieder kam setzten wir das Gespräch auf englisch fort. Selbstverständlich hatte ich (der Englischen Sprache mächtig, 13 Punkte im Abitur) kein Wort verstanden und leider auch die vorigen Fragen mit einem verdutzten Blick und einem "ich weiß es nicht" beantwortet. Ich wurde zunehmend nervöser und geriet immer mehr aus der Fassung, der Direktor löcherte mich weiter. Die Situation war mir äußerst unangenehm und ich war sehr erleichtert, als Herr Behal nach einer gefühlt sehr langen Zeit das Fragenstellen einstellte. Von einer früheren Absolventin des Kollegs hatte ich später erfahren, dass der Direktor jedem Aspiranten den selben Hochschultext lesen ließe und auch jedem Bewerber bewusst schwere Fragen stellen würde, um ihn aus der Fassung zu bringen. Nun, bei mir ging diese Taktik nahtlos auf. (Später hatte ich noch ein völlig normales Gespräch mit einem Dozenten des LK, der sich mit mir auch über meine Motivation und meine Alternativen zum Studium Generale unterhielt.) Trotzdem frage ich mich, was der Direktor mit diesem Verhalten bei den Bewerbern erreichen will. Will er sie abschrecken? Will er einfach nur sehen wie sie sich in Stresssituationen verhalten (wenn ja, wozu?)? Will er tatsächlich ihr Allgemeinwissen auf das genaueste untersuchen, weil er davon ausgeht, dass solches Wissen eine Voraussetzung für eine Aufnahme am LK sei? Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass ich Ende Mai Bescheid bekam, dass ich auf der Warteliste sei und eine endgültige Zu- oder Absage erst ca Mitte Juni erhalten sollte. Meine Absage kam am 11.8. . Das hört sich nach einer kurzen Zeitspanne an, wenn man sich seiner Zukunft aber noch ungewiss ist und sehr auf diesen Bescheid wartet, kann einem die Wartezeit sehr, sehr lange vorkommen. Heute am 18.20.2011 erhielt ich meine Bewerbungsunterlagen zurück.Man muss selbstverständlich erwähnen, dass ein Studium Generale am LK den Studenten außergewöhnliche und einzigartige Möglichkeiten aufbietet. Allerdings will ich zu bedenken geben, dass das Bewerbungsverfahren und die dort verwendeten Methoden zumindest mir teilweise sehr fragwürdig vorkamen und die Organisation bei mir einen chaotischen Eidnruck hinterließ.
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