Stunden der Angst / Peter Maas

Stunden der Angst / Peter Maas

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23. Mai 1939: Das gerade vom Stapel gelaufene Unterseeboot "USS Squalus" verläßt die Marinewerft Portsmouth im US-Staat New Hampshire an der Atlantikküste Neuenglands und geht auf seine 19. Testfahrt. Routinemäßig geprobt werden soll das sogenannte Alarmtauchen: Das mit voller Kraft an der ... Bericht lesen





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U-Boot steuert Kurs(k) in den Tod
Erfahrungsbericht von drewniok-pb über Stunden der Angst / Peter Maas
04.10.2000


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Sauber recherchiertes, weitgehend unbekanntes Kapitel der modernen Seefahrtsgeschichte .
Kontra: Entfällt

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

23. Mai 1939: Das gerade vom Stapel gelaufene Unterseeboot "USS Squalus" verläßt die Marinewerft Portsmouth im US-Staat New Hampshire an der Atlantikküste Neuenglands und geht auf seine 19. Testfahrt. Routinemäßig geprobt werden soll das sogenannte Alarmtauchen: Das mit voller Kraft an der Wasseroberfläche fahrende U- Boot taucht binnen 60 Sekunden bis auf Sehrohrtiefe (15 m). Zunächst gelingt das Manöver reibungslos, doch plötzlich dringt Meerwasser durch die offensichtlich nicht korrekt geschlossenen Belüftungsschächte der Dieselmaschinen ein. In kürzester Zeit laufen die Maschinenräume voll. Verzweifelt versucht die Besatzung, den Wassereinbruch zu stoppen, doch vergeblich. Drei der sieben durch Schotte voneinander zu trennenden Abteilungen des Bootes laufen voll. 26 von 59 Männern sterben sofort, und die "Squalus" sinkt auf den Meeresboden. In 74 Metern Tiefe erwarten die Überlebenden ihr Schicksal - und das wird grausam sein: Obwohl Unterseeboote schon seit etwa einem halben Jahrhundert die Ozeane der Welt befahren, wurden in dieser Zeit niemals wirksame Methoden zur Unterwasser-Rettung von Seeleuten entwickelt! Die Havarie eines U-Bootes ist seit jeher identisch mit dem Ende seiner Insassen.

Allerdings gibt es in den Reihen der US-Marine einen energischen Offizier, der seit mehr als einem Jahrzehnt unermüdlich daran arbeitet, dies zu ändern. Charles Bowers "Swede" Momsen, Leiter einer Tiefseetauchereinheit, ist zum Zeitpunkt der "Squalus"- Katastrophe auf der Marinewerft von Washington wie immer unermüdlich damit beschäftigt, mit seinem Team Methoden der Unterwasser-Rettung zu entwickeln. Momsen nimmt kein Blatt vor den Mund und ist bei seinen Vorgesetzten nicht gerade beliebt. Doch er ist der anerkannte Spezialist in seinem Fach, und so werden er und seine Leute sogleich nach Portsmouth geflogen.

Momsen hat seit Jahren auf die Chance gewartet, die seiner wichtigsten Erfindung, der Rettungs-Tauchglocke, den Durchbruch verschaffen kann. Nun bietet sich ihm die Möglichkeit, die 33 Überlebenden der "Squalus" zu retten, die auf dem Meeresgrund in Dunkelheit und Kälte verzweifelt, aber diszipliniert warten. Auf der Oberfläche beginnt die größte Rettungsaktion der Seefahrtsgeschichte. Eine ganze Flotte steuert die Unglücksstätte an. Behindert von stürmischem Wetter, hohem, unberechenbaren Seegang und einer noch nie im Ernstfall erprobten Technik, entwickelt sich das Unternehmen zu einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit. Aber es gelingt: Viermal fährt die Rettungsglocke in die Tiefe, bis auch der letzte Mann geborgen ist.

Für "Swede" Momsen ist der Triumph perfekt. Er kann ihn sogar noch abrunden, als es ihm und seinen Tauchern gelingt, das Wrack der "Squalus" unter schwierigsten Bedingungen vom Meeresboden zu heben und in die Werft von Portsmouth zu schaffen. In den folgenden Jahren finden die von Momsen entwickelten Rettungsinstrumente und die Erkenntnisse über das Tauchen in der Tiefsee weltweite Beachtung.


Ende der 60er Jahre erfuhr der Journalist und Schriftsteller Peter Maas zum ersten Mal von "Swede" Momsen, dem Untergang der "USS Squalus" und der Rettung ihrer Mannschaft. Dies ist eine Geschichte, die es zu erzählen lohnt; erstaunlich, dass dies bisher nicht geschehen war. Unter den Seeleuten der US-Marine genoss Momsen längst die Achtung, die ihm zukommt, doch in der breiten Öffentlichkeit war die "Squalus"-Katastrophe längst in Vergessenheit geraten. Sie hatte 1939 zwar landesweites Aufsehen erregt, wurde aber vom nur wenige Tage später erfolgenden Ausbruch des II. Weltkriegs rasch aus den Schlagzeilen verdrängt.

Drei Jahrzehnte später musste Peter Maas erfahren, dass auf dem Höhepunkt des Vietnamkrieges erneut niemand an einem längst vergessenes U-Boot-Unglück interessiert war. Er legte seine Aufzeichnungen beiseite und widmete sich anderen Projekten. Los ließ ihn die "Squalus"-Geschichte allerdings nie. Noch einmal dreißig Jahre später holte Maas, inzwischen durch seine Reportagen und Romane zu Welt- und Hollywoodruhm gelangt, sein Manuskript wieder hervor. Inzwischen war ihm nicht nur die Aufmerksamkeit seines Publikums sicher; das Wissen um die Geheimnisse der Tiefsee hatte enorm zugenommen und ermöglichte es ihm, die Ereignisse von 1939 zum Teil völlig neu zu bewerten. Ihren besonderen Wert gewannen natürlich auch jene Interviews, die Maas mit Charles Momsen vor dessen Tod noch hatte führen können.

Das Ergebnis ist ein spannendes Kapitel Seefahrtsgeschichte. Neben die Darstellung der enormen technischen Schwierigkeiten, mit denen die Retter konfrontiert wurden, tritt die Not der in ihrer sich mit Wasser und giftigem Chlorgas füllenden U-Boot-Röhre gefangenen Seeleute, die Entschlossenheit und den Wagemut ihrer Retter, die sich an ihre lebensgefährliche Aufgabe machen, die Angst der Angehörigen, die lange im Unklaren gelassen werden müssen, wer das Unglück überlebt hat und wer nicht.

Maas' Bericht über die erste "richtige" Unterwasser-Rettungsaktion der Geschichte gewinnt unverhoffte, wenn auch traurige Aktualität durch das in der Barentsee havarierte russische U-Boot "Kursk". Sämtliche 118 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Vom jämmerlichen Zustand der russischen Marine und der Menschenverachtung ihrer Führung einmal abgesehen, verdeutlicht dieses Unglück, dass sich seit 1939 eines nicht geändert hat: Auch an der Schwelle zum 21. Jahrhundert kann unter dem Meeresspiegel der erste Fehler leicht der letzte sein!

Originaltitel: The Terrible Hours (HarperCollins Publishers, Inc. : New York 1999)
Übersetzt von Michael Windgassen
Wilhelm Heyne Verlag (Hardcover Nr. 40/458)
gebunden erschienen im Herbst 2000
272 Seiten
EUR 19,90/DM 39,90
ISBN 3-453-17398-8
als Taschenbuch (Sachbuch Nr. 19/768) erschienen im November 2001
EUR 8,95/DM 17,50
ISBN 3-453-18842-X

(Copyright 04.10.2000; überarbeitet 22.12.2001/Dr. Michael Drewniok)
   


Stunden der Angst / Peter Maas

Haupteigenschaften

Medium: Gebundene Ausgabe

EAN: 9783453173989

Übersetzer: Michael Windgassen

Autor: Peter Maas

Verlag: Heyne

Erscheinungsdatum: 2000

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