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Sturm auf Festung Brest (DVD)

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Das Stalingrad der Westgrenze: staatstragender Kriegsfilm

3  02.10.2011

Pro:
etwas spannend, anrührend, schockierend, gute Effekte und Stunts, umfassendes Making - of, Sound und

Kontra:
staatstragende Ideologie hervorgehoben, einige unlogische Momente und Szenen

Empfehlenswert: Ja 

mima17

Über sich: Ich wünsche allen meinen Lesern ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2013! +++ Bitte keine Leserunden-An...

Mitglied seit:12.11.1999

Erfahrungsberichte:4186

Vertrauende:330

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 73 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

22. Juni 1941: Die Festung der weißrussischen Stadt Brest ist eines der ersten Ziele der Deutschen Wehrmacht zu Beginn des Russlandfeldzuges.

Die in der Festung stationierten 300 Offiziersfamilien und 9000 Soldaten werden von dem Angriff im Schlaf überrascht und erleiden heftige Verluste. Es herrscht Panik, doch den Offizieren Gawrilow, Kischewatow und Fomin gelingt es, die Verteidigung an drei Frontabschnitten zu organisieren und die Deutschen zurückzudrängen.

Die Wehrmacht reagiert auf die unerwartet starke Gegenwehr mit dem Einsatz von Stukas und Panzern. In der Festung werden Munition, Essen und Wasser knapp, die ärztliche Versorgung ist katastrophal. Die drei Offiziere entscheiden sich zum Ausbruch aus dem deutschen Kessel. Ein Kampf bis zum letzten Mann beginnt ... (Verleihinfo)

Der Film erhielt Nominierungen für den russischen Filmpreis in den Kategorien Bester Film und Beste Regie sowie Auszeichnungen in den Kategorien Bester Hauptdarsteller, Bestes Kostüm und Bester Sound.

Filminfos
°°°°°°°°°°°°°°

O-Titel: Brestskaya krepost (Russland 2010)
Dt. Vertrieb: Ascot Elite
Veröffentlichung: 27.09.2011 [Kauf-DVD]
EAN-Nummer: 4048317375042
FSK: ab 16
Länge: ca. 132 Min.
Regisseur: Alexander Kott
Drehbuch: Ekaterina Tirdatova, Vladimir Eremin, Aleksey Dudarev
Musik: Yuri Krasavin
Darsteller: Andrey Merzlikin, Veronika Nikonova, Pavel Derevyanko, Anna Tsukanova, Aleksei Kopashov, Aleksandr Korshunov, Madlen Dzhabrailova, Anatoly Kot, Vladimir Kapustin, Evgeniy Tsyganov, Ilya Mozgovoi, Yana Yesipovich, Tatyana Kamina, Renat Ibragimov, Sergey Taramaev, Aleksandr Sirin, Yana Shmatova u.a.

Handlung
°°°°°°°°°°°°°°

Am Tag vor dem deutschen Angriff liegt seit 1939 die russische Festung Brest, die eine Flussmündung an der Grenze zu Polen beacht, in tiefem Frieden. Rund 9000 Menschen leben in dem Familien der 300 Offiziere, als einfache Soldaten oder als Handwerker usw. Der etwa zehnjährige Alexander Akimov, genannt Saschka, bläst die Tuba, kommt aber aus dem Takt, als ihn Anja, die Tochter des Kommandanten, neckisch mit dem Spiegel blendet. Zur Strafe für sein Falschspielen wird er von seinem großen Bruder in die Festung zurückgeschickt. Vielleicht sieht er Anja morgen wieder.

Nikolai kommt mit einem neuen Film aus Moskau nach Brest, aber auch um seine große Liebe Sonja, die im Festungsladen bedient, wiederzusehen. Heute nacht will er um ihre Hand anhalten. Er nimmt den Politkommissar Fomin mit, der keinen Sitzplatz im vollbesetzten Zug nach Minsk mehr bekommen hat. Kriegsgerüchte sind über die polnische Grenze geschwappt. Die Bürger fliehen vor kommendem Unheil. Fomin ahnt weder, dass deutsche Saboteure bereits in die Stadt eingedrungen sind, noch, dass er den Widerstand der Festung maßgeblich bestimmen wird. Dass die Deutschen unbehelligt die Strom- und Wasserleitungen beschädigen können, wird sich schon bald katastrophal auswirken.

Am 22. Juni sitzen Saschka und Anja bereits angelnd am Ufer des Flusses. Da jagen Tiefflieger über die Idylle und werfen Bomben ab, während darüber Bomberstaffeln die Stadt Brest anfliegen. In wenigen Stunden verwandelt sich Brest in einer Trümmerwüste, eine Hölle auf Erde. Die Soldaten geraten in Panik, alle denken nur an sich. Erst als Major Gavrilov in die Luft feuert, kommen sie zur Besinnung. Er hat als einziger die Katastrophe kommen gesehen - und dass Brest nicht standhalten kann.

Als die ersten Stuka, Panzer und Infanteriesoldaten der Deutschen in Sicht kommen, versucht Gavrilov mit Fomin und Anjas Vater den Widerstand zu organisieren. Saschka und Anja werden getrennt. Wird er sie jemals lebend wiedersehen?

Mein Eindruck
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Der Film wurde zum 70. Jahrestag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion

Bilder von Sturm auf Festung Brest (DVD)
  • Sturm auf Festung Brest (DVD) Sturm auf Festung Brest: Cover
  • Sturm auf Festung Brest (DVD) Andrey Merzlikin als Lt. Kischewatow
  • Sturm auf Festung Brest (DVD) Aleksei Kopashov als Saschka Akimow
  • Sturm auf Festung Brest (DVD) Pavel Derevyanko als Yefim Fomin
Sturm auf Festung Brest (DVD) Sturm auf Festung Brest: Cover
Sturm auf Festung Brest (DVD)
angefertigt, also zum 22. Juni 2011. Bei der Uraufführung in der Festung Brest waren deshalb auch einige Veteranen zugegen, und bei der offiziellen Gedenkfeiier am Mahnmal waren keine Geringeren als die Staatsoberhäupter von Russland (Medwedjew) und Weißrussland (Lukaschenko) zugegen, um den gefallenen helden die Ehre zu erweisen. Man sieht also, dass die Anfertigung dieses Films von vornherein eine höchst politische Angelegenheit war. Dementsprechend deutlich fällt auch die Heldenverehrung im Film aus.

Vier Handlungsstränge

Die Handlung weist vier Stränge auf. Im Zentrum steht der letzte Zeuge, der später angeblich auch das Buch schrieb und zudem als Ich-Erzähler in Erscheinung tritt: Saschka Akimov. Wie Ishmael in "Moby Dick" kommt ihm die Aufgabe zu, als einziger Überlebender Zeugnis von der Katastrophe abzulegen. Aber eseine zweite Aufgabe ist es auch, die Regimentsfahne in Sicherheit zu bringen - und somit die Ehre der Gefallenen.

Die Handlung ist simpel: Saschkas Suche nach Anja führt ihn über mehrere Stationen zu den drei Anführern des Widerstands gegen die deutschen Angreifer und Belagerer. Diese Führungspersönlichkeiten sind die drei im Festungsmuseum inzwischen verewigten und 1957/67 zu "Helden der Sowjetunion" erklärten Offiziere - neben Major Gavrilov und dem Festungskommandanten Lt. Kischewatow, Anjas Vater, ist das auch der Politkommissar Fomin Moissewitsch. Es ist konsequent, dass jeder einzelne von ihnen einen Heldentod stirbt.

Verbrechen der Wehrmacht

Interessanter sind hingegen manchmal die Nebenfiguren. Denn die Absicht des Regisseurs Alexander Kott und seiner Produzenten bestand nicht nur darin, das Leiden und den Opfertod der Helden zu verklären, sondern auch die Gräuel des Krieges darzustellen. Und dazu gehören vor allem auch die Verbrechen der Wehrmacht. Von SS findet sich noch keine Spur. Es treten nur ganz normale Wehrmachtsoffiziere und -soldaten auf. Dennoch begehen auch sie Verbrechen, womit die russischen Macher eindeutig dem in Deutschland so lange gepflegten Mythos, die Wehrmacht sei rein von den Sünden der SS, widerspricht.

Zu den Verbrechen, die u.a. Hitler anordnete, gehören die Vergewaltigung von Filmvorführer Nikolais Verlobter Sonja, die standrechtliche Erschießung des Kommissars Fomin ohne Verhandlung sowie die Ermordung der Gefangenen anno 1942. Dass es überhaupt Gefangene gab, ist auf die Initiative der drei oben genannten Offiziere zurückzuführen. Es handelt sich dabei natürlich in erster Linie um Frauen und Kinder. Dass manche von ihnen "in den Wald" geführt wurden, lässt nichts Gutes für ihr Schicksal ahnen.

In mancherlei Hinsicht sind die Informationen des Films sehr ungenau und eher Andeutungen. Sonjas Vergewaltigung wird überhaupt nicht gezeigt. Wahrscheinlich ist der Film in Russland sogar ab 12 Jahren freigegeben. Aber Sonjas Schicksal ist nicht Selbstzweck, sondern rechtfertigt, dass Saschka einen Deutschen erschießt, um Anja das gleiche Schicksal zu ersparen. Und auch Nikolai erhält Gelegenheit, Sonjas Tod an dem höchsten deutschen Offizier, einem Brutalo wie SS-Führer Reinhard Heydrich, zu rächen.

Wanja und Schura

Eine weitere starke Szene, die den russischen Zuschauer mitten ins Herz trifft, ist die des Paares Wanja und Schura, die in der inzwischen überrannten Stadt Brest ausharren. Fomins Spähtrupp stößt auf Schura, die Munitionen erbittet. Doch der Spähtrupp hat selber zuwenig davon. Bleiben also nur noch wenige Patronen übrig. Doch wozu? Ohne ersichtlichen Grund sind Wanja und Schura beide der festen Überzeugung, dass man sich den Deutschen nicht ergeben könne. Naja, beide haben die Angreifer beschossen und werden selbst beschossen. Trotzdem gab es auch 1941 schon die Haager Landkriegsordnung und die Genfer Konvention, von den Menschenrechten ganz zu schweigen. Aber die beiden beschließen, lieber zu sterben als sich zu ergeben. Die Frage ist nur, wer als erster stirbt…

Spezialeffekte

Computertricks gibt es hingegen ebenfalls genügend. Es wurden ja keine Originalflugzeuge eingesetzt - erstens gibt es kaum welche, zweitens wäre das zu riskant und teuer geworden. Also erschuf man sämtliche Flugzeuge im Rechner, ebenso den am Fallschirm zu Boden schwebenden russischen Piloten. Der gewaltigste und zugleich unheimlichste Computereffekt ist jedoch die Zwei-Tonnen-Bombe, die Hitler - nach fünf Tagen des Widerstands in der Festung Brest - abwerfen ließ. Ihre Wirkung entspricht ihrer Sprengkraft: verheerend.

Schwächen

Das Schlussbild zeigt einen einsam in den Sonnenuntergang wankenden Saschka, der die Regimentsfahne rettet. Ausgerechnet jetzt beginnt es zu regnen - Wasser, das die Verteidiger fünf lange Tage hindurch entbehren mussten. Dass Saschka gen Westen tappt, spricht nicht gerade für seinen Orientierungssinn. Denn dort ist ja bereits alles Land bis zum Atlantik von deutschen Truppen besetzt.

Auch die deutsche Infanterie verhält sich wider Erwarten. Eben hören wir noch den Feldwebel befehlen, alle Soldaten sich sich an die Mauern halten, aber was tun die? Sie stellen sich taub und tappen quer über den Hof - direkt ins Mündungsfeuer der Verteidiger. Dies ist reines Wildwestspektakel und ziemlich unglaubwürdig.

Die DVD
°°°°°°°°°°°°°°

Technische Infos

Bildformate: 2,35:1 (Widescreen)
Tonformate: D in DTS und DD 5.1, Russisch in DD 25.1
Sprachen: D, Russisch
Untertitel: D

Extras:
1. •Making of
2. Kinotrailer
Mein Eindruck: die DVD
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Die Qualität des Bildes netspricht modernen Ansprüchen und dürfte auf der Blu-Ray noch besser sein. Mehrfach sind mir jedoch Spritzer auf der Kameralinse aufgefallen, so etwa von Wasser, Dreck und Blut. Sie verleihen dem Film den dokumentarischen Charakter einer Wochenschau - realistisch, aber dennoch fiktiv. Genau diesen Eindruck soll der Film erwecken.

Ich habe die DTS-Tonspur angehört. Sie bringt besonders bei den Bässen beste Dynamik auf die 5.1.-Lautsprecher. Die Untertitel sind durchaus notwendig, um die vielen Namen halbwegs auseinanderhalten zu können. Die Untertitel sind im Making-og obligatorisch, denn das Original liegt nur auf Russisch vor.

EXTRAS:

1) Making-of (55 min)

Dieser fast eine Stunde dauernde Werkstattbericht - denn nichts anderes bedeutet "Making-of" - dauert fast eine ganze Stunde. Da fragt man sich, was es denn hier alles zu erzählen gibt. In der tat ist diese Dokumentation eine wilde Mischung aus allerlei Zutaten. Also der Reihe nach.

Im Mai 1945 siegten die Sowjets über die Faschisten; Jubel in Moskau, Hitler ist tot. Veteranen des "Großen Vaterländischen Krieges" - denn so heißt der 2. Weltkrieg hierzulande - marschieren, doch die Leute von der Straße wissen nur noch aus Schulbüchern, dass es mal eine Festung Brest gab. Deshalb kommt es den Produzenten darauf an, die Erinnerung an diesen Heldenkampf wiederzuerwecken und die Opfer, die damals gebracht wurden, zu rechtfertigen. Brest ist ein Symbol: ein Omen, dass Hitlers Feldzug am Widerstand des sowjetischen Volkes scheitern würde. Und so kam es dann ja auch.

Aber warum sollten gerade die Macher sich für diese Schlacht interessieren? Auch das ist zu rechtfertigen. Die heutige Generation hatte großväter, die im Krieg kämpfen und mindestens einen Verwandten, der dort auch fiel. Einer der Produzenten doziert geradezu, warum dieser Film so staatstragend ist. Dieser Vortrag könnte noch aus Sowjettagen stammen. Aber er ist typisch für das Denken hinter den Kulissen. Der Regisseur selbst und seine Mitarbeiter sowie die Darsteller haben viel praktischere Motive: Sie wollen einfach einen guten Job erledigen (und dafür guten Lohn einstreichen). Sie ahnten nicht, worauf sie sich einließen.

Denn alles sollte für diese Neuinszenierung der Schlacht so echt und realistisch aussehen wie möglich, Drehort war die alte Festung selbst, sowie etliche neu errichtete Kulissen - die dann nacheinander zerstört wurden. Die Maskenbilderin beispielsweise war nicht zu beneiden: Sie musste hunderte von Wunden übelster Art so echt wie möglich aussehen lassen, darunter auch mal ein halb verbranntes Gesicht. Das brachte ihr Albträume ein, gesteht sie.

Auch Kostümbildner, Bühnenbauer und Computergrafiker kommen zu Wort. Schließlich auch der mit Steadicam arbeitende Kameramann und der Regisseur selbst. Kott erstellte ein genaues Storyboard. An das man sich genau hielt - offenbar eine Seltenheit im russischen Kino. Es gab jede Menge Stunts, bis hin zum brennenden Mann, der von einem "feuerspeienden" (ein CGI-Effekt) deutschen Panzer in Brand gesteckt worden ist.

Und der kleine Saschka selbst? Alexej Kopaschew (oder Kopaschow) schildert seine Erfahrung mit diesem Film. Aus dem unschuldigen Neunjährigen ist nach einigen Monaten Dreharbeiten ein sehr viel reiferer Bursche geworden. Bei der Filmpremiere in Moskau sieht man ihn in Uniform zwischen all den Stars stehen.

Eine sehr wichtige Zutat, auf die der dozierende Produzent sehr stolz ist, ist der Song, der während des Abspanns erklingt. Das zur Gitarre gesungene Lied stammt von Leonid Agutin, der es auch selbst vorträgt. Leider ist es nicht untertitelt, und so hat der deutsche Zuschauer vom komplett ausgespielten Video-Clip des Liedes herzlich wenig. Auf diese Weise kann man 55 Minuten auch füllen.

Nach vollbrachter Leistung der Mitwirkenden geht es auf die Zielgeraden: Uraufführung in Brest samt Veteranen, Premiere in Moskauer, Gedenkfeier am Mahnmal mit Medwedjew und Lukaschenko - alles sehr staatstragend. Aber es gibt auch bewegende Momente, so etwa die Kränze auf dem Fluss, Kerzen für die Gefallenen und das Wasser, das den Helden einst ausging.

2) Kinotrailer (1:45 min)

Der Originaltrailer fasst die Höhepunkte des Films zusammen und macht so entsprechenden Appetit: Action, Drama, Rührung, Heldenmut - dies sind die Hauptaspekte.

Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°°

Natürlich liegt der Vergleich mit Stalingrad nahe. Eine zusammenschmelzende Truppe verteidigt sich trotz Mangel an Wasser, Essen und Munition gegen eine angreifende Übermacht. Die Wagenburg stand schon immer Pate für solche Szenarien. Die Verteidiger stehen auf verlorenem Posten, der Tod ist gewiss, deshalb gilt es, aus eben diesem gewissen Tod das Angemessene zu machen. Doch was ist angemessen? Ist es Rache an den verbrecherischen Angreifern, die nicht mal eine Kriegserklärung geschickt haben? Besteht der angemessene heldentod darin, möchlichst viele Soldaten mit in den Tod zu nehmen? Oder sich als Kommissar erkennen zu geben und sofort an die Wand gestellt zu werden?

Alle diese Sterbeweisen alias Heldentode waren den Stalinisten suspekt. Sie kamen ihnen verräterisch vor. Deshalb konnten die hier gezeigten Helden erst nach Stalins Tod ca. 1957 geehrt und rehabilitiert werden, manche sogar noch später. Und den bericht des Überlebenden konnte man auch erst in den sechziger Jahren veröffentlichen. Seitdem sind wieder 50 Jahre vergangen, und gerade rechtzeitig zum 70-jährigen Jubiläum wurde dieser Film fertiggestellt.

Mal von den handwerklichen Besonderheiten (siehe oben) abgesehen darf der deutsche Zuschauer also wieder mal jede Menge Kriegsbilder erwarten. Und die sind erwartungsgemäß emotional strapazierend bis schockierend. Die Sympathie des Zuschauers wird auf die Seite der Verteidiger gezwungen, und wenn sie sich dort befindet, gerät alles ins rechte Lot: Die Deutschen sind hässlich, brutal und grausam. Die eigenen, russischen Soldaten sind helden, die Frauen und Kinder bis zur letzten Patrone verteidigen. Doch die nächste Generation, verkörpert in Saschka, trägt die Erinnerung an dieses geschehen weiter. Erst im Gedenken erhält der Heldentod einen Sinn.

Wer diese staatstragenden Gedanken nicht teilen kann, der sollte diesen Film meiden. Denn ansonsten könnte er genauso gut Vilsmeiers "Stalingrad" anschauen, und selbst aus Annauds Stalingrad-Film (mit Jude Law und Ed Harris) würde er mehr spannende Unterhaltung beziehen. Selbst noch der italienische Kriegsfilm "El Alamein 1942" ist mit seinem sarkastischen Humor und seiner Kritik an den Offizieren noch fairer zu beiden Seiten.

Zu eindeutig also bezieht der Film Stellung, bis zur Ausblendung sowjetischer Mängel (es kam keinerlei Entsatz!) und Fehler (die Deutschen rollten bis Minsk einfach durch; die Luftwaffe wurde am Boden zerstört). Und zuviele Informationen werden unterdrückt, so etwa das Schicksal der Gefangenen, oder sind ungenau. Immerhin lässt sich der Streifen zum Anlass nehmen, selbst über Hitlers "Unternehmen Barbarossa" nachzuforschen.

Die DVD

Die Silberscheibe genügt modernen Ansprüchen. Die Qualität von Bild und Ton kann nur noch von der HD-Qualität der Blu-Ray getoppt werden. Einziges Manko: keine Untertitel zum Videoclips des Abspann-Songs von Leonid Agutin. Eine Trailershow, wie sie in manchen Online-Portalen als Zutat aufgelistet wird, konnte ich nicht entdecken. Auf dem Cover der DVD wird sie auch nicht erwähnt.

Fazit: drei von fünf Sternen.

Michael Matzer (c) 2011ff

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
blonde.locke

blonde.locke

22.10.2011 19:20

Klasse berichtet! BH & LG

hasen4

hasen4

10.10.2011 06:47

BH ist da, lg

AnnaHaeberle

AnnaHaeberle

08.10.2011 20:58

BH

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