Funktioniert gut - ist aber miserabel verarbeitet
02.11.2007 (05.04.2008)
Pro:
Kompfort, Integration, Handling, Fahrwerk, Motor & Antrieb, Licht, Windschutz
Kontra:
Knatischige Vorderradbremse; bescheidene Optik; be . . . Verarbeitung
Empfehlenswert:
Nein
 Kroni2006
Über sich:
Wer nicht mehr imstande ist, einen Text von maximal 2 DinA-4-Seiten (12er Schrift) zu lesen, ohne da...
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Die kleine V-Strom habe ich schon 2005 als Ersatzfahrzeug für meine BMW bei meinem "Freundlichen" kennengelernt, und als ich sie das erste Mal sah, war ich nicht sehr erfreut: ein komisch verbautes Ding. Nunja - wär BMW fährt, ist hässliche Motorräder gewohnt. Doch schon damals hat sie mich enorm überrrascht. Das erste, was ein DL-Neuling feststellt: man sitzt ungeheuer bequem, gut in das Motorrad integriert, aufrecht und mit einem Kniewinkel fast wie zuhause am Schreibtisch. Man kann es stundenlang auf der kleinen DL aushalten, und die Zeit geht sehr schnell vorrüber auf dem Ding. Dafür ist ein super ausgewogenes und gutabgestimmtes Fahrwerk verantwortlich, das auch bei flotterer Gangart stabil, neutral und präzise bleibt. Spielerisch leicht lassen sich die knapp über 200 kg von einer Seite auf die andere werfen - die kleine DL fährt sich im positiven Sinne wie ein Fahrrad - ich würde sie als voll Anfängertauglich bezeichnen. Das heisst aber nicht, daß sie für ambitioniertere Fahrer langweilig wäre - im Gegenteil ! Der V2, der zunächst durch seine fürs Konzept sehr hohe Laufkultur und lineare Drehmomentabgabe auffällt, entpuppt sich als ausserordentlich spritzig und kraftvoll genug, um zumindest im engen Geläuf mit wesentlich größeren Bikes locker mithalten zu können - leichtfüssigen Umgang mit dem vorbildlichen, kurz abgestuften Getriebe vorausgesetzt. Die Kupplung bedient sich dabei locker mit einem Finger. Und wenn es schließlich ganz eng und winkelig wird, dann schlägt entgültig die Stunde der DL: da muß schon eine kompetent bewegte GS oder sowas kommen, daß man den Kürzeren zieht, so knackig geht sie ums Eck, man meint, man könne mit dem Ding mit 80 kmh zuhause rund um den Wohnzimmertisch fahren. Die kleine wird auch ihrem Anspruch als Reiseenduro gerecht, ist voll langstreckentauglich, und schluckt auch Beladung gut weg - auch dank des gut einstellbaren Fahrwerks - das Handrad für die Vorspannung des Federbeins ist in dieser Klasse nicht gerade alltäglich. Wind- und Wetterschutz sind sehr gut, reichen fast an die Verhältnisse von vollverkleideten Tourern heran. Regen wie Mücken werden schon ab mässigen Geschwindigkeiten gut umgelenkt - dank des plump wirkenden Vorbaus. Einzig hier zu bemängeln: die Serienscheibe, die ab etwa 100 kmh für stark zunehmende Turbulenzen am Helm sorgt - auf der BAB habe ich zuweilen Schwierigkeiten, die Schilder rechtzeitig lesen zu können. Da soll demnächst die Tourenscheibe für 120 Euro Abhilfe schaffen. Zu kritisieren wäre ferner die Vorderradbremse, die zwar ihre Arbeit gut macht, aber sich miserabel verkauft. Selbst bei einer Notbremsung fühlt sich das an, als ob man in einer Tüte Schaummbonbons herumgreift. Nur beim kurzen, schnellen Zupacken entdeckt man sowas wie einen Druckpunkt. Das ABS dagegen bleibt klaglos. Es greift nicht zu früh ein, und verhindert Blockaden zuverlässig. Apropos BAB: wirklich Autobahntauglich ist die 650er DL nicht, da rächt sich das kurz übersetzte Getriebe. Ab etwa 140,150 ist schluß mit lustig. Man kann sie zwar noch höher, bis etwa 200 (Tachowert) prügeln, aber man merkt die Anstrengung, und auch die beginnende Flatterneigung - für BAB-Ritte ist sie nicht gebaut. Erwähnenswert noch das Licht: die DL hat in ihrer breiten Front 2 Scheinwerfereinheiten - alles doppelt, wie beim Auto, und genauso ist subjektiv die Ausleuchtung der Strasse: endlich ein Motorrad, dessen Licht zu mehr taugt, als zur TÜV-Abnahme.
Auf der Landstrasse indessen hat sie meinen persönlichen Vergleichstest mit der R 1200 GS von BMW gewonnen: sie ist in allen Disziplinen (ausser der Bremse) mindestens fast so gut, in einigen sogar besser (Sitzkompfort und Integration) wie die große BMW - aber noch nicht einmal halb so teuer. Update:
Nach dem ersten Winter eines Motorrades, daß gerade erst mal 1 Jahr alt ist, und auch nur sehr selten gefahren wurde, ist die Suzuki DL 650 stärker verrostet, als meine 15 Jahre alte BMW K 1100 RS. Es ist zum heulen. Unabhängig davon, was für ein juristisches Schicksal diese Umstände haben werden - ohne weiteres hinzunehmen bin ich nicht willens - bin ich von der miserabelen Oberflächenbearbeitung von Suzuki zutiefst enttäuscht. Wenngleich die DL 650 herrvorragend funktioniert - sie rostet einem buchstäblich unter dem Popometer weg. Meine Bezeichnung als "empfehlenswert" muß ich daher zurücknehmen. Im Gegenteil: Ich kann nur vor diesem Motorrad warnen.
Anmerkung: Das Modelljahr ist 2007 !
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09.01.2008 01:24
Noch ein Kurzer Eigenkommentar: Die Standart-Verkleidungsscheibe wurde inzwischen durch die Touring-Scheibe von Suzuki ersetzt. Sie reicht etwas höher, und beseitigt durch einen verstellbaren Spoiler zuverlässig alle Turbulenzen, so daß sich dieser Kritikpunkt erledigt hat. Ich empfehle, beim Neukauf diese Touringscheibe dem Händler für "lau" reinzuverhandeln. Zu den Kommentaren, für die ich danke, eine kleine Replik: Ich halte nichts davon, die Datenblätter der Hersteller abzuschreiben - wir sind hier nicht bei wikipedia, hier geht es um persönliche Erfahrungen. Gliederungen ? Überschriften ? Naja ... da steh ich halt nicht so drauf ... soo lang sind meine Texte nun auch wieder nicht, daß sie unbedingt der Zwischentitel bedürften, daß man sich drinn zurecht findet. Meine Texte sind sehr subjektiv, ok - aber siehe oben: das sind meine Erfahrungen. Nix für ungut !
03.11.2007 13:47
Gut geschriebener Bericht. Hätte mich über mehr Daten gefreut und die Beantwortung der Abkürzung DL, wenn man sie denn immer so nennt. Gruß
03.11.2007 07:49
Für'n Erstbericht gut, aber beim nächsten mal übersichtlicher und Detailreicher. Von mir ein hilfreich. Gruß, Bernd.