Der kleine Bruder von Dr. Big
31.07.2001
Pro:
Komfort
Kontra:
Fahrverhalten, geringe Leistung, hoher Verschleiß, starker Wertverlust
Empfehlenswert:
Nein
 PizzaLuna
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:136
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 57 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Motorradfahrer sind Individualisten. Finanzielle Überlegungen mal außer acht gelassen fährt ein Biker meistens eine Maschine, mit der er sich hundertprozentig identifizieren kann. Das Verhältnis zwischen Fahrer und Motorrad ist eine partnerschaftliche und von Vertrauen geprägte Beziehung, die eigentlich keine Kompromisse zuläßt. Die DR 650 RSE von Suzuki ist in den übergeordneten Kategorien den Reise - Enduros zuzuordnen. Es handelt sich also um eine Mischung zwischen Enduro und Touring - Maschine. Als ich mir die DR kaufte, war dies entgegen der obigen Theorie ein Kompromiss – zwischen dem Wunsch nach einem eigenen Motorrad und dem schmalen Geldbeutel eines Studenten. Es sollte ein Motorrad sein, das sowohl für kleinere Ausflüge an sonnigen Nachmittagen als auch für regelmäßige Wochenendheimfahrten von cirka 300 Kilometern einfache Strecke geeignet war. Daß meine Wahl auf die DR 650 fiel war eher Zufall. Entscheidend war letztlich der Kaufpreis von 2600 DM für eine 4 Jahre alte „Gebrauchte“ beim Händler.
Die Eckdaten *********** Ungedrosselt erreicht die DR 650 RSE mit ihren 46 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 155 Km/h plus „x“ laut Fahrzeugschein. Viel mehr ist auch nicht drin, denn bereits bei 170 Km/h dreht der Motor mit 7000 U/min im roten Bereich. Die Drehzahlen sind nämlich nicht wesentlich höher als beim Auto; also kein Vergleich mit hochtourigen Rennmaschinen. Der Motor ist ein Einzylinder mit 649 ccm, der in fast unveränderter Form seit vielen Jahren in diversen Suzuki – Modellen eingebaut wird. Der Viertakter trinkt gerne Super und ist mit etwa 4,5 – 6,0 Litern auf 100 Km gemessen an der Leistung recht durstig. Sparsam dagegen sind die Steuern und Versicherungsbeiträge. Die Haftpflicht liegt mit ca. 200 DM pro Kalenderjahr bei 100 % im grünen Bereich.
Fahrverhalten *********** Sehr viel Komfort auf langen Strecken bietet die hohe und aufrechte Sitzposition. Man hat einen optimalen Überblick über die Straßen- und Verkehrsverhältnisse und der Rücken wird nicht zu stark belastet. Dafür bezahlt man allerdings mit einem etwas bockigen Kurvenverhalten. Dies wird durch die Stollen- Bereifung verstärkt, die für extreme Schräglagen einfach nicht ausgelegt ist. Die Beschleunigung ist im Verhältnis zur Motorleistung eher bescheiden. Der Viertaktmotor ist nicht besonders durchzugstark und bringt die 190 Kg Leergewicht plus Tankinhalt und Fahrer nicht wesentlich schneller auf Touren als ein Mittelklassewagen mit 75 PS. Ein weiterer Grund dafür ist die Kürze der Schaltintervalle; das Fünfgang – Getriebe schreit bereits bei 6000 U/min nach dem nächsthöheren Gang und blockt spätestens bei 7000 U/min. Den für viele Motorradfahrer wichtigen Kick der Beschleunigung sucht man also bei der DR vergeblich.
Eine angenehme Reisegeschwindigkeit für die Autobahn liegt bei etwa 130 Km/h. Alles darüber wird von der Suzuki mit hohen Vibrationen und starker Windempfindlichkeit quittiert. Für eine längere Strecke sollte man daher genügend Zeit einplanen. Vibrationen sind übrigens auch im Leerlauf (1400 U/min) sehr ausgeprägt. An der Ampel wackeln die Rückspiegel so stark, daß man darin kaum etwas erkennen kann. Die einfachen Scheibenbremsen vorn und hinten bieten eine ausreichende Bremswirkung. Bei Nässe sollte man allerdings einen deutlich höheren Bremsweg einkalkulieren. Da die Maschine nicht über ABS verfügt, ist zur Fahrsicherheit erhöhte Vorsicht angesagt.
Ausstattung / Verarbeitung ************************** Die Suzuki DR ist in der Version „RSE“ seitenvollverkleidet und mit einem niedrigen Schutzblech am Vorderrad ausgestattet. Dadurch wird die Enduro – Optik der „SE“ – Modelle ein wenig abgemildert. Das „E“ in der Modellbezeichnung steht für den Elektro-Starter. Ein zusätzlicher Kickstarter ist nicht vorhanden, kann aber nachgerüstet werden. Wenn wir über Elektrik reden, sprechen wir ein für viele Motorräder heikles Thema an. Die DR 650 macht davon leider keine Ausnahme. Mängel in der Beleuchtung und im Blinker – Relais sind bereits nach wenigen Jahren ein häufiges Manko dieser Maschinen. Durch das vibrationsreiche Fahrverhalten leiden die Beleuchtungselemente trotz Gummi – Pufferung erheblich. Die Korrosion tut ihr übriges, so daß Wartungsarbeiten mit zunehmendem Alter des Motorrades fast schon Tagesordnung sind. Da das „frickeln“ für die meisten Motorradfahrer fester Bestandteil des Hobbies ist, mag man hier schon ein Auge zudrücken. Wer jedoch wie ich nicht über das notwendige technische Verständnis verfügt und als Inhaber mehrerer Wohnsitze (damals) auf Werkstätten angewiesen ist, kann angesichts steigender Reparaturkosten schon mal in den einen oder anderen Tobsuchtsanfall geraten. Überhaupt sind die Werkstattkosten bei Suzuki ziemlich gesalzen. Eine Inspektion inklusive Wechsel des Hinterreifens kann leicht an die tausend Mark kosten; selbst wenn keine sonstigen Arbeiten durchzuführen sind. Das geht auf die Dauer heftig an den Geldbeutel.
Extras gibt es bei der DR 650 RSE eigentlich nicht. Die Instrumente sind spartanisch; nicht einmal eine Temperatur- oder Tankanzeige hat der Hersteller einzubauen für nötig befunden. Auch in punkto Sicherheit und Komfort fehlt es an jeglicher Ausstattung. Wer also seine Maschine nach dem Kauf individuell verbessern und aufmotzen möchte, liegt hier goldrichtig. Der Tank mit gut 18 Litern Inhalt ermöglicht eine Reichweite von maximal 300 Kilometern. Da der Spritverbrauch temperatur- und fahrtechnisch bedingt stark schwankt, empfehle ich ein Tankintervall von höchstens 250 Km.
Vom Design her bietet Suzuki unterschiedliche Farbkombinationen für Tank, Seitenteile und Schutzbleche an. In der Regel ist die DR 650 zweifarbig; häufige Kombinationen sind rot – weiß oder blau – weiß. Mit ihrer Seitenverkleidung macht die Maschine einen recht bulligen Eindruck ohne jedoch überladen zu wirken. Alle Verkleidungsteile sind aus weichem, elastischem Kunststoff, der kleine Stöße klaglos wegsteckt. Mein Fazit ********* Als Neufahrzeug mit einem Anschaffungspreis um die 13.000 DM ist die Suzuki DR 650 RSE meiner Meinung nach einfach zu teuer. In dieser Preisklasse gibt es zahlreiche Angebote höherer Qualität und besserer Leistung. Insbesondere der Fahrer, der hohe Ansprüche an die typischen Motorrad – Attribute wie Beschleunigung und Kurvenverhalten stellt ist daher mit der DR schlecht beraten. Eingefleischte Freunde des Motorradtyps „Reise – Enduro“ entscheiden sich bei der Produktpalette von Suzuki eher für den großen Bruder „DR Big“ – die DR 800. Im Vergleich zur Konkurrenz – ich denke da z.B. an die Honda „Africa Twin“ – liegt aber auch die „Große“ DR einige Nasenlängen hinten.
Als Gebrauchtfahrzeug für einen guten Preis ist die Maschine schon eher zu empfehlen. Allerdings sollte man beachten, daß sie vom Fahrverhalten und der Leistung trotz ihrer 46 PS eigentlich ein Einsteiger – Modell ist. Und wer den großen 1er – Führerschein ohne Leistungsbeschränkung besitzt, gibt sich in der Regel damit kaum zufrieden. Somit rate ich jedem potentiellen Käufer zu ausgiebigen Probefahrten auch auf den Konkurrenz – Maschinen von Honda, Yamaha und Kawasaki sowie den Test eines Super – Moto. Letztendlich kann nur der subjektive Fahreindruck Grundlage für die Kaufentscheidung sein. © 07/2001 PizzaLuna
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Suzuki DR 650
EZ: 08.1990 - KM: 0 - Leistung: 20 - 19370 Parchim - Getriebe: keine Angaben ...
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24.04.2005 22:18
Toller Bericht, der die DR allerdings in ein ziemlich dunkles Licht stellt.
02.03.2004 16:56
Ich schätze du hast für deine Zwecke das falsche Motorrad gewählt. Geländefahreigenschaften nennst du gar nicht. Die DR ist nach meiner Einschätzung eine ganz gute Maschine. Ich habe "nur" die 600er Version, nicht 650. Die Leistung kann man meiner Meinung nach nicht mit einem 75 PS Auto vergleichen. Bis 100km/h macht die DR schon ziemlich Dampf, drüber ist sie etwas lahm. Ich denke für deine Zwecke wäre eine kleine Straßenmaschine besser geeignet.
16.09.2001 11:46
Da kann ich Dir in den meisten Punkten nur zustimmen. Wenn Wunschmotorad und Geldbeutel keine Schnittmenge bilden = DR650. Das Kurevenverhalten fand ich auch schlecht, die Beschleunigung habe ich nicht so übel in Erinnerung, ansonsten sehr guter Bericht, da kann ich mir überlegen, ob ich überhaupt noch einen schreiben soll.