Brot- und Buttermotorrad für sehr wenig Geld
17.08.2006
Pro:
Viel Motorrad fürs Geld, 1996 extrem konkurrenzfähiger Anschaffungspreis, 78 PS, 4 Zylinder, alltagstauglich, schöne Optik um die Motorpartie rum
Kontra:
Federelemente nach 35 . 000km ausgelutscht, langweiliger 4 - Zylindermotor, kurze 6000er Inspektionsintervalle, nicht die billigsten Unterhaltskosten, wirkt einfach nicht so solide und hochwertig
Empfehlenswert:
Nein
 fabian1976
Über sich:
Bin 76 geboren und Diplom-Informationswirt. Meine Leidenschaften: Motorrad/Auto, PC/Internet, Mobilf...
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Ich schreibe hier über die Suzuki GSF 600 S Bandit "Kult", also mit der alten Verkleidung (die ich persönlich viel schöner und sportlicher finde). DER JUNGSPUND
Nun. Ich war damals (1996) 19 Jahre alt, als ich mir von den bei Ferienjobs oder beim Zivi ersparten Geld meine erstes und bisher einziges neue Motorrad kaufte. Dies sagt schon viel aus. Mir kam es auf absolute Spitzenleistung an, und da schaute ich nur auf die Zahlenwerte. 78 PS bot damals sonst niemand für das Geld (10790 DM inkl. Überführung wenn ich mich recht erinnere) an. Ein weiterer Zahlenwert, der mich beeindruckte, war die Anzahl der Zylinder: 4!
DIE KONKURRENZ Yamahas XJ 600 Diversion, die ebenfalls 4 Zylinder bot, hatte offen gerade mal versicherungsungünstige 61 PS (für die Klasse bis 78 PS) und statt einer Doppelscheibenbremse nur eine einfache Scheibe (bis sich das später auch änderte).
Die Kawasaki GPZ 500 S hatte nur 2 Zylinder in Reihe und 60 PS. Weitere Konkurrenzmodelle waren mir nicht bekannt. Für mich persönlich kam noch eine andere Maschine, eine Enduro, in Frage: Die Suzuki DR 650 E. Sie kostete damals 9999 DM, bot aber nur 1 Zylinder und ungefähr 45 PS. Ich wußte von meiner Vorgängermaschine, einer Yamaha XT 600 K, wie viel Spaß es machte, unbefestigte Wege zu fahren und wie alltags- und stadttauglich eine Enduro ist.
Letzten Endes entschied ich mich aber doch für die "Bandit" und die XT 600 gab ich für ca. 3000 DM, einem guten Preis, in Zahlung. Vom Preis her, wie gesagt, war sie der absolute Knaller für ein Neumotorrad. DER MOTOR
Der Motor stammt aus der vollverkleideten GSX 600 F (86 PS) und sollte laut Testberichten immerhin auch für 80-82 PS gut sein. Ich empfand es damals als kluge und kundenfreundliche Entscheidung nicht nocheinmal einen Motor neu zu entwickeln, sondern einen bewährten Motor in der Bandit zu verbauen, und die Ersparnis bei den Entwicklungskosten an die Kunden weiterzugeben. Ich war stolz auf den Aufkleber auf dem Heck: "DOHC 16 Valve": Doppelte obenliegende Nockenwelle und 16 Ventile.
Als ich sie 1997 von 34 PS auf 78PS entdrosseln ließ, war ich etwas enttäuscht. Gedrosselt lief sie schon locker 160 Tacho. Ich hatte gedacht, daß mehr als die doppelte Leistung, dann auch mehr als doppelt so heftig empfunden wird. Aber so war es dann auch nicht. Traurig war ich dann auch, als ich einen Fahrer traf, der mir berichtete, mit Topcase 230 gefahren zu sein, wo ich doch vielleicht gerade 215 Tacho erreichte. Was ich zu meinem Erstaunen deutlich feststellte, war, daß wenn ich mit ihr bei schönem Wetter den ganzen Tag unterwegs war, hatte ich abends den Eindruck, als ob sie viel geschmeidiger ging, als ob jetzt endlich, erst nach ein paar hundert Kilometern (problemlos möglich, bis vielleicht 500km wg. Sitzbank) alle Teile perfekt aufeinander eingespielt sind. Ich wollte dann von dem Bock, da er so gut lief, nicht mehr herunter.
BREMSEN Die Doppelscheibenbremse vorne (selten bis konkurrenzlos in dieser Preisklasse (Ausnahme: GSF 400 Bandit) verrichtete ihre Arbeit tadellos. Ich wüßte nicht, was es zu meckern gibt. Hinten zu bremsen, brachte vergleichsweise, wie bei Motorrädern in der Regel normal (außer bei Integralbremssystemen) nicht so viel. Die hinteren Bremsbeläge waren schnell verschlissen.
ANSPRINGEN Die Maschine sprang in der Regel gut an, auch nach wochenlanger Standzeit, soweit ich mich erinnern kann. Es gab aber auch Ausnahmen (die eventuell irgendwie selbst verschuldet waren??), wo ich die Maschine am Berg anrollen ließ, mich anschieben ließ (zum Glück kein Kat, der dabei drauf gehen könnte) oder Starterkabel verwendete. Den Umgang mit dem Choke habe ich wohl nicht beherrscht. Ich war mir zur kalten Jahreszeit nie so recht sicher, wie lange er eigentlich drin bleiben muss, und wann die Maschine endlich warm ist. Ich weiss noch wie mir dieses Warmfahren im Winter Kopfschmerzen bereitete. Ich hatte oft den Eindruck, daß sie noch nicht warm war, selbst nach 15km. Später habe ich ein Öl mit anderer Viskosität verwendet, da wurde es deutlich besser. Die Luftfilter hatten in dieser Winterfahrzeit immer schwarze Flecken (Ruß) und mussten vor der Zeit ausgetauscht werden. Ich hab mir damals eingebildet, daß es von meiner falschen, übertriebenen.Choke-Nutzung herrührt. Ich weiss nicht, ob das logisch ist.
DIE OPTIK UND DER SOUND Damals bekam meine Suzi einige bewundernde Blicke von Männern mittleren Alters, die ihre Augen an dem silber lackierten Motor sattsahen. Die Bandit machte was her und hatte einen aggressiven, teilweise heiseren, rennmäßigen Sound. Die sehr ähnliche XJ 600 Diversion von Yamaha erschien mir dagegen richtig brav. Auch vom Sound her, war sie, glaub ich, unauffälliger und weniger sportlich.
MEINE NICHTSACHGEMÄSSE NUTZUNG Ich hatte also ein vollwertiges Motorrad, das ich für alles mögliche einsetzte: Supersportler verfolgen, Alltagsfahrten, alle Welt darauf mitnehmen (um die Begeisterung zu teilen/Bewunderung, was ich doch für ein Kerl bin, einzuheimsen), ja, ich setzte sie sogar im Winter bei teilweise Schnee (!) ein, bei Glätte und auf unbefestigten Wegen (Entzugserscheinungen von der XT: der Abenteuerdrang war zu groß). Der Vorderreifen wies nach solchen Geländeeinlagen Risse auf.
PFLEGEZUSTAND MEINER MASCHINE Dies läßt erahnen, in welchem Pflegezustand die Maschine war: im Schnee fiel sie mir natürlich (bei langsamster Fahrt) um und als ich eine Freundin mal fahren lies, fiel die auch damit um. Und prompt war eine Delle im Tank, der allerdings nur von Ihrem Beckenknochen herrührte. Vielleicht auch kein Beweis für Qualität.
ALLTAGSTAUGLICHKEIT
Wegen der Handlichkeit, der relativ niedrigen Sitzposition und der Verkleidung würde ich sie als sehr alltagstauglich einstufen. Auch ein für die Stadt (damit sie nicht so leicht umgekippt werden kann) und Wartungsarbeiten nützlicher Hauptständer ist bei der GSF 600 S im Gegensatz zur N vorhanden. SITZBANK
Bei einer Schwarzwaldtour von ca. 650 oder gar 700km tat mir nach vielleicht 500km das Gesäss so weh, dass ich das Handtuch vom Baden unter dasselbige klemmen musste. Die vielgerühmte BMW R1200GS hat aber eine Sitzbank bei der ich nicht mal nach 200km schon Popo-Weh hatte. SOZIUSTAUGLICHKEIT
Man sitzt als Sozius relativ hoch und etwas luftig. Meine Freunde wollten teilweise nicht mehr mitfahren, was aber nur meiner Fahrweise zu verdanken ist. Ein Freund allerdings, der den Tacho im Blick hatte, schaffte es, mich zu foppen, als er bei 190 "mehr, mehr" rief. Mehr war aber nicht drin. Ich habe meinen BeifahrerInnen in der Regel empfohlen sich mit einer Hand an den Soziushaltegriffen hinten (auch zum Aufbocken auf den Hauptständer, nur bei der GSF 600 S) und mit der anderen Hand an mir festzuhalten, um sowohl für Beschleunigungen, als auch für Bremsungen gewappnet zu sein. Fazit: Ich kann mir ungeeignetere Soziussitzgelegenheiten vorstellen. DIE VERKLEIDUNG
Die (kleine) Verkleidung war recht gut, da sie den Druck vom Oberkörper bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn wegnahm. Auch vor Regen schützte sie besser, als man es von der Grösse her annehmen konnte. KUNDENDIENSTE
In den ersten zwei Jahren machte ich die Kundendienste wegen der Garantie. Danach liess ich einen guten Freund ran (der jetzt Maschinenbauingenieur ist), weil ich sparen wollte. Ich hatte eh das Gefühl, daß man mich bei dem Händler ausnehmen wollte, weil 1. die Maschine im neuen Auslieferungszustand schon rostige Schrauben hatte 2. die vorrätigen Sturzbügel, die ich neu kaufte, schon benutzt waren (okay selber blöd, daß ich sie unbedingt haben wollte, und das nicht reklamierte) 3. die Kundendienste einfach in meinen Augen überteuert waren.
Ich fühlte mich bei dem Händler nicht wohl, weil der Chef (ein Motorradrennfahrer) zwar immer lässig zu verstehen gab a la "alles kein Problem, beheben wir beim 1.Kundendienst", dann aber der Schwiegervater des Chefs, der für Teilebestellungen und die Werkstatt zuständig war, nichts davon wußte und ihm auch meine Anliegen schwer zu vermitteln waren, da ihn diese Aufgabe offensichtlich überforderte. Einmal, soweit ich mich erinnern kann, wollte ich beim "Kundendienst" ein Öl mit anderer Viskosität, weil ich ja auch bei (sehr) kalten Temperaturen fahren wollte. Da war man zu unflexibel, soweit ich mich erinnern kann, war es nicht möglich. Später traf ich dann eine 650er Savage-Fahrerin, die mir von weiteren Problemen mit dem Händler berichtete. Dies alles trug nicht dazu bei, daß ich mit der Marke Suzuki zufrieden war.
Die Kundendienste waren einfach recht teuer. Der Vierzylindermotor benötigte eben das Einstellen des Ventilspiels, und obwohl ich mich bei einer freien Werkstatt erkundigte, soweit ich weiss einem ehemaligen Mechaniker und Rennfahrer "meines" Händlers, es half nichts: auch dort waren die Preise recht hoch. Und das alle 6000km! Der Anschaffungspreis täuscht echt. Die Inspektionskosten waren sogar noch höher als bei der R850R meines Vaters, von der Premium-Marke BMW, da er nur alle 10.000km in die Werkstatt musste.
HOHE ERSATZTEILPREISE Ersatzteilkosten sind happig, da alles aus Japan kommt (aber die Motorräder doch auch, oder?). Die Tachowelle hat damals fast das Dreifache, vielleicht sogar das Sechsfache (ja, die Euroeinführung trübt mein Preisgedächtnis) gekostet von dem, was eine Tachowelle heute bei BMW für die 850er kostet.
REIFENVERSCHLEISS Der Reifenverschleiss war recht hoch, da ich fast nur einen Modus kannte: Beschleunigen! Der 150er Hinterreifen ((Bridgestone Battlax BT 50F und BT 54 Reifen) kostete, wenn ich mich nicht irre, nicht oder kaum weniger als ein 180er, da jener für eine größere Anzahl Motorräder Verwendung findet.
IM DETAIL SCHLECHT GELÖST Außerdem fielen noch Kosten für die Kettensätze an (bei mir z.B. schon nach ca. 15.000km). Was mich an der Bandit auch ärgerte, war die Einstellung gerade eben dieser Antriebskette. Die Einstellmöglichkeit war nämlich nicht exakt. Ich war mir nie sicher, ob die Kette an beiden Seiten gleich gespannt war. Prompt hatte ich dann auch einen überdurchschnittlichen Kettenverschleiss.
NOCHMAL: MANGELNDE PFLEGE Da ich ab ca. 30.000km keine Inspektionen mehr machen lies, sondern nur den Ölwechsel, und ich das Teil sehr beanspruchte, ist es natürlich nicht verwunderlich, daß es insgesamt in einem schlechten Zustand war. Ich wollte nur fahren, möglichst kein Geld ausgeben, und natürlich auch nicht putzen. Heute würde ich ein neues Motorrad häufiger putzen, weil das auch zur Werterhaltung des Lacks und des ganzen Fahrzeugs beiträgt.
THEMA QUALITÄT: DAS FAHRWERK VERHEISST NICHTS GUTES Vielleicht lags auch an der fehlenden Einstellung des Ventilspiels oder der fehlenden Vergasersynchronisation, aber nach ein paar Jahren geringer Nutzung fand ich die Bandit, auch und gerade vom Motor her, nur langweilig. Die Federelemente waren aber so billig, daß sie nach 30-35TKM richtig ausgelutscht wirkten und ständig durchschlugen. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, daß die Federung der BMW meines Vaters bei der selben Beanspruchung bei der doppelten Distanz noch klaglos ihren Dienst gut verrichten würde. Es machte einfach keine Freude mehr mit der Maschine.
Ich schliesse nicht aus, daß die Sache mit dem Motor teilweise wirklich der mangelnden Wartung zuzuschreiben ist. TRENNUNG OHNE TRÄNEN
2004 gab ich sie, ohne ihr eine Träne hinterherzuweinen, für 1000 Euro mit 44.000KM ab. Ich weiss, der Preis war viel zu niedrig, aber ich musste sie damals ganz schnell loswerden und hatte sie dem Käufer auch zum ultrakleinen Preis versprochen. Heute jedoch ärgere mich etwas, sie für so kleines Geld verkauft zu haben. Ich denke, ich hätte angefangen, das Teil wieder zu pflegen, auch zu putzen und Geld zu investieren (neue Federelemente??). FAZIT
Es wäre unfair, meine Behandlung der Maschine bei der abschliessenden Bewertung nicht zu berücksichtigen. Nichtsdestotrotz bin ich von der Qualität der Bandit nicht sehr überzeugt, was ich am meisten an den zumindest bei mir später miserablen Federelementen ablese. Irgendwo muss sich der geringe Preis ja auch durchschlagen (im wahrsten Sinne des Wortes ;-) ).
Für einen Einsteiger kann man die Maschine schon empfehlen, wenns mit der Sitzhöhe klappt (der Freundin von mir war sie eventuell nicht niedrig genug) und wenn man erst mal weniger Geld ausgeben will. Viel eher würde ich aber zu einer gebrauchten BMW R850R für einen Einsteiger raten, über die ich auch einen Erfahrungsbericht geschrieben habe. Die Qualität und Verarbeitung einer BMW oder Honda ist dieser Suzuki vorzuziehen. Nicht-Einsteigern würde ich lieber eine ebenfalls alltagstaugliche, gebrauchte Honda CBR 600 F mit 98 PS empfehlen.
Nichtsdestotrotz bin ich davon überzeugt das viele Tausend BikerInnen mit einer 600er Bandit (egal, ob verkleidet oder unverkleidet) herumfahren, und total glücklich sind, bzw. für die es sogar die absolute Traummaschine ist. Auch deswegen hatte ich mich jetzt gerade dazu durchgerungen, der Maschine meine Empfehlung auszusprechen. Nach kurzem Überlegen bin ich mir aber sicher: Empfehlen will ich sie nicht.
Es gibt so viele andere schöne Bikes auf dem Markt, die einfach besser und v.a. solider sind, v.a. wenn man Gebrauchte miteinbezieht (neu ist sie ja eh durch die 650er abgelöst). Wer sie günstig bekommt oder eine geschenkt bekommt, muss sie aber auch nicht gleich wieder verkaufen.
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07.09.2006 10:15
[.....Besitzen Sie das Produkt? nein ...] ----- mhm langsam bezweifle ich alles..............
20.08.2006 14:03
Klasse Bericht. Da ist alles wichtige drin. Von mir ein BH Ich stand vor ein paar Jahren auch mal vor der Frage Suzuki Bandit oder doch etwas mehr Geld und eine Kawa ZR 7. Nach langem Überlegen wurde es dann doch die Kawa. Da gabs einfach mehr Qualität fürs Geld. Gruß Guido
18.08.2006 18:52
Na da kann ich als Motorradfahrer nur sagen, ein gelungener Bericht und wünsche allzeit gute Fahrt. Gruß