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In "Sweet and Lowdown", seinem neusten Streich, entwirft Woody Allen das Portrait des fiktiven Jazz-Gitarristen Emmet Ray (Sean Penn) und spielt dabei all seine Stärken aus. Ein neurotischer Künstler-Charakter schlägt sich durch ein glamouröses Gossenleben, Drogen und Frauen säumen seinen Weg, sein Ego bleibt bis fast zuletzt ungebrochen übergroß, bis er erkennt, dass er den einzigen Menschen, die taubstumme Hatty, der er wirklich und die ihm zumindest unbewusst auch was bedeutete, verloren hat. Emmet hält sich für den besten Jazzgitarristen der Welt (abgesehen von dem von ihm schwer verehrten Jango Reinhardt, dem wir einen der zahlreichen running gags verdanken), seine Hobbies, die köstlich in Szene gesetzt werden, sind Züge Gucken und Ratten auf der Müllkippe Schießen, Gefühle, außer für sich selbst, sind ihm fremd, was auch der Grund dafür ist, dass seinem durchaus virtuosen Gitarrenspiel noch das gewisse Etwas fehlt, mit dem er "diesem Zigeuner in Frankreich" das Wasser reichen könnte.
Auch ohne Jazz-Fan zu sein, möchte ich die Musik als mitreißend bezeichnen, das Porträt eines großen Arschlochs ist atmosphärisch dicht und hat keinerlei dramaturgische Schwächen, die Schauspielerriege agiert bis zur letzten Nebenrolle überzeugend und die zahlreichen Gags zünden wie schon lange nicht mehr in einem Woody-Allen-Film (obwohl ich jeden einzelnen von ihnen irgendwie mag). Das Schöne an Allen ist, dass er immer noch einen draufsetzen kann, ohne sich dabei völlig zu verschleißen und immer nur zu reproduzieren. Respekt!