Umfangreiche Dateien bei der Computerarbeit erfordern Speichermedien mit hoher Kapazität. Endlich scheinen die Datenträger den Kinderschuhen zu entwachsen und warten mit erschwinglichen Preisen für den Endverbraucher auf.
Als Filmschaffender, der seine digitalen Videos am Computer schneidet, fallen bei mir schnell mehrere Gigabyte (GB) an Daten an. Berücksichtige ich dazu noch Aufträge aus DTP und Bildbearbeitung, gelangen normale CD-R(W)s mit 650 Megabyte (MB) oder etwas mehr schnell an ihre Aufnahmegrenzen.
Abhilfe schafft bei mir seit einigen Monaten die Scheibe TDK DVD-RW 4.7, die als einseitig beschichtete DVD-RW - also wiederbeschreibbar - zuverlässig ihren Dienst verrichtet. Dass das Medium dabei dennoch mit unerwarteten Tücken daherkommt, die man jedoch umgehen kann, möchte ich gern als Kriterien für eine Kaufentscheidung erläutern.
~~~ Eile mit Weile – immer schön langsam!
Der Mediendesigner von heute hat’s nicht leicht. Oft unter Zeitdruck müssen Aufträge erstellt und natürlich Sicherheitskopien derselben angelegt werden. Während CD-Rs mit ihren um die 650 MB Speicherkapazität inzwischen in wenigen Minuten beschrieben werden können, lässt sich die TDK DVD-RW 4.7 doch um einiges mehr Zeit für ein Backup.
Zunächst kommt der jungfräuliche, oben mit einer weißen, durch CD-Marker beschreibbaren Schicht versehene Datenträger zwar mit einer vorgeprägten Datenspurrille, doch völlig untauglich für ein Computersystem daher. Um im so genannten „Phase-Change-Verfahren“ Daten auf die Scheibe bannen zu können, muss sie zunächst für den Ersteinsatz formatiert werden.
Mein DVD-Brennprogramm schlug mir vor, das Speichermedium so auszurichten, dass ich es „wie eine Festplatte“ benutzen kann. Dieser so genannte UDF-Modus stellte sich schließlich sogar als der einzige Weg heraus, die DVD-RW zu beschreiben. Auch nach intensiver Recherche im Internet fand ich kein Brennprogramm, das DVD-RWs anders behandeln würde.
Zwar kann man zwischen verschieden alten UDF-Standards (beispielsweise 1.5, 2.0, 2.01) in der Formatierung wählen, die Verwendung wie eine CD-R oder DVD-R in aufeinander folgenden Sessions mit damit einhergehenden, höheren Schreibgeschwindigkeiten ist aber leider unmöglich.
Wie dem auch sei: Da die TDK DVD-RW 4.7 der ersten Generation von DVD-RWs angehört und demnach noch keine Highspeed-DVD darstellt, kann sie lediglich mit einfacher DVD-Geschwindigkeit gebrannt werden. Das entspricht einem Datendurchsatz von 1,25 MB pro Sekunde - leider absolut kein Highlight an Geschwindigkeit in der heutigen Computerwelt.
Die Vorbereitung für den UDF-Ersteinsatz durch Formatierung dauerte demnach bereits gut und gern 50 Minuten. Doch von da ab konnte ich Dateien durch Drag and Drop oder Kopieren und Einfügen wie bei einem Windows-Explorer oder Mac-Ablagesystem kinderleicht auf die DVD-RW brennen.
~~~ Brenngeschwindigkeit als Glücksspiel
Die Geschwindigkeit wechselt beim Sicherungsvorgang beträchtlich, je nachdem, wie ich dabei vorgehe:
* Jungfräuliches Beschreiben:
Einzelne, kleinere Dateien sind in Sekundenschnelle auf die DVD-RW kopiert, da kann man nicht meckern. Ganz anders verhält es sich jedoch, wenn ganze Verzeichnisse mit umfangreichem Inhalt gesichert werden sollen.
So habe ich auf die DVD-RW ein 1 GB großes Datenpaket aus immerhin 35.000 Dateien in 700 Ordnern in einen unbeschriebenen Bereich gebrannt. Die zu sichernden Dateigrößen schwankten zwischen 1 KB und 400 MB, quer Beet war also alles mögliche vertreten. Dafür rödelte die Scheibe gut und gern 30 Minuten im Laufwerk.
Wer dagegen die gesamten 4,7 GB mit wenigen, großen Dateien voll schreibt, wartet etwas über eine Stunde auf die Fertigstellung des Vorgangs. Hier geht’s also flotter vonstatten.
Solche größeren Vorgänge erledige ich daher lieber zum Feierabend hin oder in längeren Pausen, wenn man ohnehin nicht eilig auf die Fertigstellung des Mediums warten muss.
* Ersetzen bereits vorhandener Verzeichnisse:
Ein kleines Armutszeugnis. Leider spielen hier selbst modernste Computertechnik und riesiger Datenträger nicht im Team, sondern scheinbar gegeneinander.
Ist ja auch fast nicht verwunderlich, muss der Brenner doch fürs Beschreiben das Trägermaterial auf 200°C aufheizen, um es in einen polykristallinen Zustand zu versetzen. Um bereits vorhandene Dateien löschen zu können, schießt die Apparatur den Laser sogar so heftig auf die Oberfläche, dass dort 500-700°C Temperatur anfallen. Einmal gebildete Kristallstrukturen werden zerstört, also in einen so genannten amorphen Zustand versetzt. Unerwünschte, ältere Daten sind dann vernichtet.
Noch dazu muss die DVD-RW ja „beachten“, dass beim Überschreiben vorhandene Dateien mit den hinzukommenden verglichen werden sollten. Neuer Speicherplatz muss - teilweise auch in kleineren freien Lücken auf dem Datenträger - so gesucht und gefunden werden, dass ältere Dateien nicht gefährdet werden, bricht der User beispielsweise den Brennvorgang ab (was allerdings beispiellos und stets fehlerfrei funktioniert).
ABER: Das daaauuueeert!!!
Ein knapp 500 MB großes Verzeichnis mit neu hinzugekommenen Daten zu ersetzen, stellte mich mit 11 Minuten Arbeitsdauer noch auf eine vergleichsweise geringe Geduldsprobe. Bei einem anderen Versuch benötigte dagegen eine nur 150 MB große Ordnerstruktur satte 15 Minuten. Da stimmt das Verhältnis dann irgendwie nicht mehr so ganz. Vorhersagen für eine Brenndauer sind dadurch zudem unmöglich.
Es kommt wohl immer darauf an, in welcher DVD-RW-Position die Daten auf dem Trägermaterial liegen und ob sie sich so ohne weiteres am selben Platz überschreiben lassen.
Ein Kopieren von Verzeichnissen innerhalb der DVD-RW dauert leider auch ewig, wenn es sich um mehrere hundert Megabyte handeln sollte. Wer ein 1 Gigabyte großes Verzeichnis mit neuen Daten auffrischen will - ganz gleich ob innerhalb der Scheibe oder „von außen“ - kann sich also durchaus auf ein paar Stunden Wartezeit gefasst machen. Aber das will ICH doch nicht!
Was also tun?
Ich gehe beispielsweise so vor, dass ich aktualisierte Dateistrukturen in ein gänzlich neues Verzeichnis auf der DVD-RW brenne, das alte dann später lösche.
Als weiteren Zeitsparfaktor kopiere ich auch mal vorhandene, nicht zu verändernde Ordner von der DVD-RW auf die Rechner-Festplatte (das geht immerhin mit 2,77 MB pro Sekunde vonstatten, dauert aber eben auch seine Zeit) und brenne sie mit weiteren neuen Daten zurück auf die DVD-RW.
Geschickter Weise lösche ich auf der DVD-RW vorhandene, doppelte Dateistrukturen, bevor ich neue Daten aufbrenne. Schon das Löschen allein kann nämlich viel Zeit in Anspruch nehmen: Ein 400 MB großer Ordner mit 17.000 zum Teil winzigen Dateien wurde bei mir in gähnend langen zwei Minuten wieder „platt“ gebrannt. Vergleichbar große Ordner mit weniger Dateien waren dagegen innerhalb von Sekunden weggeputzt. Gut, wenn man solche feinen Unwägbarkeiten im Hinterkopf behält.
Beim Schreiben und vor allem Überschreiben merkt man deutlich, dass der DVD-RW wenige große Dateien „lieber“ sind als Tausende kleine. Also, lieber alles vorher gut strukturieren und in leere Bereiche der DVD-RW brennen.
~~~ Nicht als Präsentationsmedium zu gebrauchen
Ganz wichtig ist zu erwähnen, dass die TDK DVD-RW 4.7 ob ihrer immensen Speichergröße und technischen Beschaffenheit recht lahme Zugriffszeiten bietet. Übrigens sind es eigentlich „nur“ 4,37 Gigabyte, die 4,7 rührt wieder mal ganz hersteller-trickreich von der Byte-Angabe her.
Mit dem Betriebssystem scheint die Zeit bis zum Aufrufen von Dateien nichts zu tun zu haben, denn selbst bei einem Windows 2000-Rechner mit 2GHz-Prozessor warte ich um die 8 Sekunden, bis mir nach einem Aufruf der DVD-RW die Verzeichnisstruktur preisgegeben wird. Sehr große Ordner mit vielen Unterordnern und zigtausend Dateien ackern um die 20 Sekunden, bis sie mir ihren Inhalt offenbaren wollen – für mich eben leider keine Offenbarung im Wortsinne.
Als Präsentationsmedium muss die TDK DVD-RW 4.7 daher leider ausscheiden. Selbst bei einer winzigen, auf ihr gesicherten Website mit nur wenigen Dateien und Seiten benötigt die DVD-RW ihre quälend langen 20 bis 30 Sekunden, bis sie nach einem Mausklick reagiert. Komprimierte Webvideos werden dann wenigstens flüssig angezeigt, doch was nützt mir das bei der Wartezeit?
Da wundert es mich nicht, dass auf der DVD-RW-Hülle (entgegen meiner Ausführungen, s. o.) keinerlei Angaben über eine Schreib- oder Lesegeschwindigkeit des Silberlings zu finden sind. Also: Präsentationsdaten nur sichern, nicht von der DVD-RW aus vorzeigen wollen!
~~~ Wie steht’s mit Kompatibilität, auch im Videobereich?
Das Ganze gilt auch ähnlich für Video Disc Recorder, die auf DVD-RW aufnehmen können. Wenn man einen Film in einem Rutsch auf die DVD-RW bannt (bis zu sechs Stunden sind je nach Kompressionsqualität möglich, zwei Stunden in guter MPEG2-Qualität), läuft alles einwandfrei.
Wird ein Film aber bearbeitet oder die Scheibe durch neue Aufnahmen ergänzt, sieht es schon ganz anders aus: Da bleibt das veränderte Ergebnis für den jeweiligen Recorder noch lesbar, Modelle anderer Hersteller oder gar ältere DVD-Player spielen da jedoch im wahrsten Sinne des Wortes lang nicht alle mit.
TDK verzichtet bei der Kompatibilitätsnennung seiner DVD-RW 4.7 also wohlweislich auf normale DVD-Player, nennt demnach nur Video Disc Recorder und DVD-RW-Laufwerke als wohlwollende Schluckspechte für den Silberling.
Die Kompatibilität zu anderen Laufwerken ist zudem, vor allem bei einem nicht abgeschlossenen Medium, reine Glückssache. Der DVD-Player in einem meiner Laptops erkennt die DVD-RW in keinem Falle. Da hätte ich mit einer DVD-R wahrscheinlich mehr Glück, denn denen wird aufgrund ihrer höheren Reflexionsstärke der Oberfläche eine günstigere Anpassungsfähigkeit an Player oder herstellerfremde Laufwerke zugesprochen.
Bei der Frage der Kompatibilität kommt es also stets auf sehr viele verschiedene Faktoren an: Benutztes Laufwerk, benutzter Modus der DVD-RW, Hersteller des Brenners/Recorders, Alter des wiedergebenden Laufwerks etc. Ein Unterfangen, bei dem es in jedem individuellen Einzelfall auf einen Versuch ankommt. Den wird man sich mit 7 bis 9 Euro pro TDK DVD-RW 4.7 (je nach Laden) mit Sicherheit leisten können, sind doch DVD-Rs ohnehin kaum günstiger.
~~~ Als Sicherungsmedium durchaus vertretbar
Sieht man mal von den oftmals überlangen und unvorhersehbaren Brennzeiten beim Überschreiben von Dateien ab, ist die TDK DVD-RW 4.7 als Backup-Medium durchaus vertretbar. Sie muckt nicht, steigt nie aus einem Arbeitsdurchgang aus und lässt sich auch nicht stören, wenn ich auf dem Computer noch nebenher umfangreich arbeite.
Da sich normale Datenbestände bei mir oft nur verändern, kaum jedoch über die komplette Größe des Mediums gänzlich neu sind, ist die DVD-RW als aktualisierbarer Speicher für mich trotz der angesprochenen Handicaps gut zu gebrauchen.
Immerhin sichert der Hersteller mehr als 1000 Überschreibvorgänge zu – wollen wir’s mal glauben. Mit Sicherheit werde ich die TDK DVD-RW 4.7 aber bereits vorher „abschließen“ und mir ein neues Sicherungsmedium zulegen.
In unserem rasanten Computerzeitalter könnte es durchaus sein, dass das dann bereits ein anderer Datenträger sein wird.
Vielleicht endlich mal ein nicht mehr rotierender?
Darin sehe ich eher die Zukunft.
03.03.2003 21:33
Manno ich will auch nen DVD Brenner! Jawohl. Man man man. Ich möcht auch nen paar Gigabyte Daten auf meine Silberscheiben klatschen. Dann brauch ich nich mehr so viele olle CD Roms. Na, ich werd mir in nächster Zeit auf alle Fälle nen mega fetten DVD Brenner zulegen! Super Bericht!
18.11.2002 20:14
Hervorragender Bericht, da bleibt keine Frage offen. Ich warte ja auf die Zeit, dass man zu erschwinglichen Preisen vom Fernseher auf DVD aufnehmen kann und ich die ganzen alten Videobänder verbannen kann. Liebe Grüße, Gabi
16.11.2002 16:31
Auch dieser Bericht zeigt, dass der ihn verfasst hat auch was davon versteht. Das sind die Dinge, die wirklich Wichtig sind. Danke!