TVR Griffith 500

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Wer wirklich mal eine Bestie zähmen will, sollte es mit einem Griffith von TVR versuchen, aber bitte in der 5.0L Version. Es ist leider schon einige Zeit her, das ich die Gelegenheit hatte, dieses Auto für ca. 3 Wochen zu fahren. Deshalb hatte „mein“ Exemplar noch den 8 Zylinder Motor von Rover ... Bericht lesen





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Erfahrungsbericht von write13 über TVR Griffith 500
06.09.2000


Fahrzeugbewertung des Autors:   


Pro: Speed, Optik, Fahrwerk, Sound, etc .
Kontra: Verbrauch

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Fahrbericht

Wer wirklich mal eine Bestie zähmen will, sollte es mit einem Griffith von TVR versuchen, aber bitte in der 5.0L Version. Es ist leider schon einige Zeit her, das ich die Gelegenheit hatte, dieses Auto für ca. 3 Wochen zu fahren. Deshalb hatte „mein“ Exemplar noch den 8 Zylinder Motor von Rover unter der Haube. Dieses Trum, bekannt z.B. aus Range Rover oder Morgan Plus 8, hat ca. 5.0 Liter Hubraum und im Griffith der Sage nach ca. 310 PS. Dies glaubt man dem Wagen bei näherer Bekanntschaft sofort.

Für TVR Neulinge:
Die Firma wurde in den 60-ern von TreVoR Wilkinson, einem ehemaligen Privatrennfahrer, in England gegründet. TVR hat in der langen Zeit nur wenige unterschiedliche Modelle herausgebracht, der Griffith erblickte in den 80-ern das Licht der Welt. Allen Modellen gemeinsam ist die puristische Ausrichtung an minimalem Gewicht, auf das Notwenigste beschränkter Ausstattung, sowie maximaler Motorleistung. Beim Griffith heißt das in nackten Zahlen: 310 PS gegen ca. 1.000 kg Gewicht.

Allerdings bedeutet beschränkte Ausstattung nicht, das es nicht auch Annehmlichkeiten gibt. So sind die Sitze und das Armaturenbrett mit angenehmem Leder bezogen und das Brett, auf dem die Schalter und Uhren angebracht sind, ist tatsächlich ein Brett aus Wurzelholz. Zugegeben, es könnte edler aussehen, aber die heute üblichen Plastikausgaben schlägt es allemal und es enthält einen Startknopf, auf dessen suchtfördernde Funktion ich später noch komme. Wem die Standardausstattung nicht gefällt, hat aber ohnehin die Möglichkeit, das Outfit seines neuen, in Handarbeit zu fertigenden, Wagen, individuell zu gestalten. So ist es ohne weiteres denkbar, den TVR Verantwortlichen den Lippenstift der Angetrauten zu präsentieren und eine farbgleiche Lackierung nebst harmonisch abgestimmter Lederfarbe zu ordern.

Damit wieder zu den wirklich wichtigen Dingen.
Das geringe Gewicht erreichen die TVR Techniker durch die Verwendung von Aluminium für den Fahrzeugrahmen und Verbundwerkstoffe für die Karosserie. Die Kunststoffkarosserie hat außerdem den Vorteil, das sie bei einem Aufprall die Stoßenergie deutlich besser aufnimmt und von den Insassen fern hält, als dies eine starre Blechkarosse kann, aber auch den Nachteil, das eventuelle Schäden sehr teuer werden, da die klassische Teiletauschphilosophie hierbei nicht funktioniert. Übrigens, wo wir schon bei der Karosse sind: Sie ist wunderschön, vorbehaltlich aller persönlichen Geschmacksvorlieben, im Stil der 60-er, mit tief liegenden Scheinwerfern, langer Motorhaube (Frontmotor) und kurzem Heck, sowie von runden Elementen dominierter Gesamtform. Sie ist praktisch. Es gibt wohl kaum einen zweisitzigen Sportwagen mit größerem Kofferraum und großzügigerem Raumgefühl im Cockpit. Und sie ist pfiffig. So bietet die geniale Dachkonstruktion die Möglichkeit, wahlweise geschlossen, mit geöffnetem Targadach oder mit komplett versenktem Dach zu fahren.

Und nun endlich zum Herzen. Der Motor ist im Grunde ein einfacher Geselle. 8 Zylinder, 5.0L, Zweiventiler - nichts besonderes. Was er hat sind PS und Drehmoment - aber davon hat er mehr als genug und damit macht er aus dem Griffith einen getarnten Rennwagen. Nicht umsonst gibt es in England eine Cup-Rennserie, in der sich diese Autos in nur wenig abgewandelter Form austoben dürfen. Dieses Auto ist eine Droge. Warum? Am besten, man macht eine Probefahrt. Als erstes dreht man den Zündschlüssel und dann drückt man den bereits erwähnten Startknopf am Armaturenbrett, wenn man nun gleichzeitig den rechten Fuß auf das Gas drückt, entfacht man etwas, das man wohl am besten mit Donnergrollen umschreiben kann. Der tiefe Bass und die Präsenz dieses Tons sorgen in Sekundenbruchteilen für aufgestellte Nackenhaare. Kein Vergleich zu dem gehaltlosen, blechernen Scheppern der Tröten aus dem Tuninghandel, mit denen die Fahrer der Golfklasse, um Gehör betteln. Hier hört man PS, hier hört man Kraft und man spürt, das der Griffith nur darauf wartet, losgelassen zu werden.

Wenn man die physische Stärke dazu besitzt, kann man nun genau das tun: ihn loslassen. Das lederne Lenkrad erfordert in der Version ohne Servo (die für Männer ;-) ) einen mehr als festen Griff, die Gänge wollen mit Hilfe der griffigen Alukugel auf dem kurzen Schaltstock mit Nachdruck eingeworfen werden und die Kupplung lässt man besser sofort kommen, da sonst die Gefahr von Wadenkrämpfen droht. Also lassen wir ihn los. Dank des effektiven Sperrdifferentials an der Hinterachse geht das auch bei unsensiblem Gasfuß ohne Komplikationen ab (sogar Schneematch macht den 275er Reifen auf der Hinterachse kein ernsthaftes Problem). Wenn man sich dann traut, ist das Beschleunigungserlebnis infernal. Man fühlt sich wie Münchhausen auf seiner Kanonenkugel, während man schnell die Gänge durcheilt und bei Bedarf in knapp 5 Sekunden Tempo hundert erreicht. Und das Tolle ist, das der Vortrieb in jedem Geschwindigkeitsbereich gleich brachial ist. Die Geräuschkulisse, die aus den armdicken Endrohren entfacht, wird trägt ihren nicht unerheblichen Teil zum gefühlsechten Fahrerlebnis bei und bei Tempo 160 lupft man bereits den Gasfuß, weil man subjektiv das Gefühl hat, bereits jenseits der 200er Marke zu sein. Nach einem Kontrollblick auf den Tacho geht es dann wieder nach unten mit dem rechten Fuß.

Richtig spannend wird es dann beim Bremsen. Die Bremswirkung ist aufgrund des geringen Gewichts und der breiten Reifen durchaus akzeptabel, aber um sie komplett abzurufen ist ein tonnenschwerer Bremsfuß erforderlich. Außerdem sollte der Fahrer tunlichst nur bei gerade gestellten Vorderrädern den vollen Bremseinsatz erzwingen. Ist das nicht der Fall, muß man versuchen den Wagen mit hartem Armeinsatz in bester Rodeomanier in der gewünschten Richtung zu halten. Wer den Kampfeffekt noch verstärken möchte, kann noch eine Prise Fahrbahnwellen hinzugeben. Spätestens dann sollte der Schweiß fließen.

Bevor jetzt jemand protestiert - ja, es gibt den Griffith mittlerweile auch mit Servolenkung und einer veritablen Rennbremsanlage mit gelochten Scheiben. Dann fühlt sich der Wagen fast schon perfekt an und ist auf sicherem Niveau schnell zu bewegen. Aber muß ein Griffith perfekt sein? Ist das nicht der Wagen, der uns zeigen will, was Auto fahren bedeuten kann, wenn man es noch selbst tun muß?

Jeder, der ernsthaft mit dem Gedanken spielt, einen solchen Wagen anzuschaffen, sollte vorher genau überlegen, was er da tut. Will ich einen hochsicheren Sportwagen mit neuester Technik, allem Schicki-Micki und möglichst ausfallsicher, bin ich hier bestimmt falsch. Wenn ich aber Wert auf das Essentielle lege, selbst fahren will, mit Betonung auf selbst, ein ungefiltertes Fahrerlebnis bevorzuge und mir bewusst bin, das ich die Grenzen allein finden muß und für deren Einhaltung verantwortlich bin, ist der Griffith genau richtig. Sound- und Beschleunigungserlebnis, sowie die Auseinandersetzung mit dem Wagen, quasi als Naturgewalt, gehören zu den einprägsamsten Erfahrungen, die man mit einem Auto machen kann. Sie schärfen das Bewußtsein, für das, was bei schneller Fahrt wirklich passiert - eine Erfahrung, die manch einen auf den Boden der Tatsachen zurückholen dürfte. Man sollte sich aber davon nicht entmutigen lassen, auch der Umgang mit dem Griffith kann auf Dauer zu einem Lernerfolg führen, der in Harmonie mit dem Gefährt und einem entsprechend begeisternden Erlebnis mündet.

Also: Take a ride on the wild side!

   



TVR Griffith 500

Haupteigenschaften

Serie: Griffith

Klasse: Sportwagen

Hersteller: TVR

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