„Was sich schart und was sich paart …
23.03.2005
Pro:
ein nettes Märchen mit sympathischen Figuren und ruhigem Erzähltempo
Kontra:
Dieser Falke ist nicht unbedingt ein Rasender Falke : etwas mehr erzählerische Dichte hätte dem Film gut getan; teils hat der 116 Minuten lange Film erhebliche Längen
Empfehlenswert:
Ja
 Gemeinwesen
Über sich:
"Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück" (Gottfried Benn) ciao-Merksatz 2006: "...
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… ist eine Art“. Diesen schönen Merksatz kennen wir natürlich nicht aus der Märchenstunde, sondern aus dem Biologieunterricht. Trotzdem beschreibt er, leicht umformuliert, recht treffend das Dilemma zahlreicher Märchen: Nur was sich schart und was sich paart, ist eine Art – weswegen Beziehungen zwischen Froschkönigen und Prinzessin stets etwas Unartiges, wenn nicht gar Abartiges anhaftet.
Noch ungleich komplizierter wird die Sache allerdings, wenn nicht nur der Prinz verzaubert ist, sondern die Prinzessin gleich mit dazu. Genau das ist die Exposition von Richard Donners Fantasyfilm „Ladyhawke – Der Tag des Falken“. Er (Rutger Hauer), stolzer Recke und ehemaliger Garde-Hauptmann, ist nur bei Tag ein Mensch; sie (Michelle Pfeiffer) nur nächtens. Da bleiben Probleme natürlich nicht aus: Die beiden scharen sich zwar und reisen gemeinsam durchs Land – aber für eine gescheite Paarung reicht ein kurzer Augenblick in der Dämmerung, in dem beide zeitgleich menschlicher Gestalt sein dürfen, einfach nicht aus. Zu verdanken haben die Liebenden ihre missliche Lage einem eifersüchtigen Kirchenmann (John Wood): Nicht nur Ritter Etienne Navarre hat ein Auge auf die schöne Isabeau geworfen, sondern auch sein Dienstherr, der Bischof. Als der Wind von der Buhlschaft bekommt, belegt er die beiden mit einem Fluch: Ritter Etienne ist fortan zum nächtlichen Werwolf-Dasein verflucht, Isabeau hingegen verwandelt sich tagsüber in …na, wer räts’s? Richtig – natürlich verwandelt das schöne Fräulein sich in den Vogel, dem der Film seinen Titel verdankt.
Den Namen von Regisseur Richard Donner verbinde ich allerdings in erster Linie mit anderen Filmen. Als da zum Beispiel wären: „Das Omen“ (1976), „Superman – Der Film“ (1978) oder auch „Maverick“ (1995). Alle diese Filme Donners haben mir, obgleich sehr verschieden, gut gefallen, und mit Einschränkungen kann ich das auch von „Der Tag des Falken“ behaupten. Donners Regiearbeit aus dem Jahr 1985 ist ein Stück solider Handwerksarbeit, das trotz gewisser Längen noch immer sehr viel besser unterhält als das Gros der im Schwange der Fantasywelle der 80er abgekurbelten Produktionen. „Der Tag des Falken“ ist keine Dutzendware – aber Donners bester Film ist er in meinen Augen auch nicht gerade. Und was ist „Der Tag des Falken“? Zunächst einmal ein Film, der eher auf Handlung und Charaktere setzt denn auf Effekthascherei: „Ladyhawke“ ist ein Fantasyfilm, aber sympathischerweise einer von der Sorte, die Spezialeffekte in den Dienst der Handlung stellen. Abgesehen von ein paar altmodischen, optischen Effekten, die angelegentlich der Verwandlung der Hauptfiguren geboten werden, gibt’s in „Der Tag des Falken“ keine Tricks zu bewundern (und schon gar keine ausgefeilten). Ob das an einem knappen Budget liegt oder schlicht an der Überzeugung, dass der Film auch ohne Trickschnack auskommt, vermag ich nicht zu sagen. Sympathisch macht der Verzicht mir den Film allemal, und schließlich gibt’s im Ausgleich ein paar hübsche Landschaftsaufnahmen zu sehen.
Die Schwächen von „Ladyhawke“ sind denn auch eher Schwächen des Drehbuchs: Ritter Etienne und Feinsliebchen Isabeau suchen Erlösung und, da verrät man sicherlich nicht zuviel, finden sie natürlich auch. Dass aus dem Paar ein glücklichen Paar wird, verdankt es der Freundschaft zu einem Jungen, der Gaston Philippe heißt, den alle aber nur „Maus“ nennen (Matthew Broderick), einem Einsiedler namens Imperius (Leo McKern) und der Tatsache, dass im Kleingedruckten des Fluchs dunkel die Rede von einem Tag ohne Nacht und einer Nacht ohne Tag ist. Das Dumme ist, dass dieser Plot keinen ganzen Film trägt – und leider erzählt „Ladyhawke“ ansonsten auch nicht gerade viel. Wer so etwas positiv ausdrücken möchte, attestiert einem Film wie „Ladyhawke“ ein ruhiges Erzähltempo, wer neutral formulieren möchte, darf auch die schönen Landschaftsaufnahmen erwähnen. Wer ganz ehrlich ist, wird aber wohl auch zugeben müssen, dass er aus dem Stegreif zehn Filme nennen kann, die alle fesselnder als „Der Tag des Falken“ sind („Das Omen“, „Superman – Der Film“ und „Maverick“ sind schon mal drei): alles in allem ist der Film doch etwas langatmig.
Zum Glück sind die Figuren des Films sympathisch und trösten über manche Länge hinweg. Insbesondere der Mönch, den der selige Leo McKern (Richter Rumpole aus einer längst vergessenen TV-Serie der BBC) spielt, sorgt für die nötige Prise Humor und Augenzwinkern; auch den kleinen Gauner Gaston Philippe, den die Gelegenheit zum Dieb und die Not zum Beter werden lässt, hat man schnell ins Herz geschlossen. Was bleibt sonst noch zu sagen? Die Musik zu „Ladyhawke“ stammt von keinem Geringeren als Alan Parsons – ob das ein Pluspunkt ist, darüber mag jeder selbst befinden. Das, was ich von Parsons kenne, mag ich ganz gern (allem voran natürlich sein tolles Konzeptalbum „Tales of Mystery and Imagination“), als Filmkomponist ist er, finde ich, eine etwas unglückliche Wahl. Sein synthesizerlastiger Soundtrack zu „Ladyhawke“ ist in jedem Fall ein schönes Hörbeispiel für den in den 80er Jahren herrschenden Trend, alles und jedes im Kino mit Rock- und Pop-Klängen zu unterlegen; im Falle von „Queen“ und ihrer Musik zu „Highlander“ hat das m.E. allerdings besser funktioniert.
Die DVD ist in diesem Fall nicht viel mehr als ein schnödes Speichermedium – will sagen: neben dem Hauptfilm gibt es nichts, das zum Kauf verführt, denn als Dreingabe gibt’s lediglich den Kinotrailer. Den eigentlichen Film kann man sich wahlweise im englischen Original (Tonformat 4.1) oder in der deutschen bzw. spanischen Synchronfassung (beide Dolby 4.0) ansehen. Bild und Ton des im 16:9-Widescreen-Format präsentierten Films sind manierlich und bieten weder in positiver noch in negativer Hinsicht nennenswerte Überraschungen, neben Untertiteln in den genannten drei Sprachen gibt's außerdem deutsche Untertitel für Hörgeschädigte (Untertitel für deutsche Hörgeschädigte? Egal). R e s ü m e e :
„Der Tag des Falken” ist ein Film wie ein Waldspaziergang an einem Herbsttag: ein bisschen schummrig, ein bisschen melancholisch, sehr ruhig und eher nett denn aufregend. Wer den Film mag, darf sich die DVD bedenkenlos zulegen, bekommt aber auch nicht mehr geboten als den Film in guter Qualität. Mithin: eher ein „nice to have“ als ein „must have“.
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24.03.2005 13:57
Oh je. Dein Resümee dürfte hier so einige Betroffenheitslyriker extrem ansprechen... Und warum eigentlich dachte ich zu Anfang noch, es ginge hier um einen Fantasystreifen, in dem ein sehr junger Tom Cruise mitspielt? Da gibt es doch einen, oder? Jedenfalls ist mir dann aufgegangen, dass mir der von Dir beschriebene Film wirklich eine Spur zu behäbig daher kommt... noch nie konnte ich den bis zum Ende ertragen. Sorry vielmals.
24.03.2005 12:58
Sehr wahr. Klasse Einstieg übrigens.
24.03.2005 09:46
als der videorecorder gerade populär wurde, war dies die erste kaufkassette im haushalt.bis zur unkenntlichkeit häufig gesehen