Tai Chi - ein Modetrend?
06.12.2005
Pro:
ist bei richtiger Anwendung gesund und macht Spaß
Kontra:
wird oft falsch verstanden und vermittelt
Empfehlenswert:
Ja
 galaxos
Über sich:
Ich bin der Meinung, daß es bei dieser Plattform weniger um mich als Mensch als vielmehr um meine Er...
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Erfahrungsberichte:48
Vertrauende:4
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 37 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo, nach langer Abstinenz schreibe ich heute mal wieder einen Erfahrungsbericht und zwar über mein Hobby, das Tai Chi. Tai Chi Chuan ist ein Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin und wird seit Jahrhunderten als gesundheitsfördernder Sport gelehrt. Seine Wurzeln finden sich allerdings im Kampfsport und deshalb zählt Tai Chi ebenso wie z.B. Kung Fu oder Wu-Shu zu den so genannten Inneren Künsten.Innerhalb des Tai Chi gibt es verschiedenste Stilrichtungen, die sich in Details unterscheiden. Zu den ältesten Stilen zählen der Chen-Stil und der Yang-Stil. Ich erlerne die Form im Yang-Stil seit etwa 2 ½ Jahren. Mittlerweile gibt es viele weitere Stilrichtungen wie z.B. die so genannte Peking-Form, die speziell für die breite Masse entwickelt wurde, weil sie leichter zu erlernen ist und nicht so tief in den mentalen Bereich hineinreicht. Überall in Asien finden sich jeden Tag -meist am Morgen und am Abend- Tausende von Menschen in Parks und auf Plätzen ein und betreiben einzeln für sich selbst oder auch in Gruppen Tai Chi. Interessanterweise finden sich auch sehr viele ältere Menschen, die diesen Sport betreiben. Sport? Ihr wundert Euch darüber, dass ich das als Sport bezeichne? Diese langsamen Bewegungen und "Verrenkungen" sollen Sport sein? Da kommt man doch noch nicht mal ins Schwitzen! Genauso dachte ich anfangs auch: "Ein bisschen bewegen ohne zu schwitzen und ich kann behaupten, dass ich Sport betreibe, ohne mich wirklich anstrengen zu müssen"...von wegen! Es ist zwar richtig, dass ich noch nie Muskelkater hatte, aber etwa 20 Minuten Formlaufen und es wird mächtig warm!!! Wenn ich an Trainingsabenden die Form viermal gelaufen bin, bin ich ganz schön geschafft. Äußerlich sieht alles so einfach und leicht aus, aber es verlangt sehr viel Konzentration, auf die Details zu achten und die Bewegungen immer feiner und sensibler auszuführen. Wenn ich vergleiche, wie ich die Form zu Anfang gelaufen bin und wie ich sie heute laufe.....während ich früher froh war, dran gedacht zu haben, meinen rechten Fuß 45° nach außen zu stellen, achte ich heute darauf, dass mein linker Ellbogen 2 Zentimeter zu hoch ist, weil meine Rückenmuskulatur angespannt ist. Also, Ellbogen 2 Zentimeter senken und die Muskulatur am Rücken wird wieder locker. In weiteren Stufen sind dann diese 2 Zentimeter wieder riesige Bewegungen. Worauf solltet ihr beim Tai Chi achten?- Tai Chi hat nichts mit Esoterik zu tun - Tai Chi ist ein Sport, der nicht mit anderen Sportarten verglichen werden kann - Tai Chi ist -richtig angewandt- Medizin Daraus folgt: Wenn ich etwas für meine Gesundheit tun will, gehe ich zum Arzt und nicht zum Bäcker oder Metzger. Was ich damit sagen will, ist folgendes: Tai Chi sollte man bei gut ausgebildeten Lehrern erlernen. Nicht in jedem Turnverein oder Gymnastikstudio wird richtiges Tai Chi gelehrt. Im günstigsten Fall hat es gar keine Wirkung und im ungünstigsten Fall kann es eigene Beschwerden bei falscher Anwendung verschlimmern! Deswegen sollte man sich vorher gründlich informieren, wer der Lehrer ist. Leider gibt es keine definierte Qualifikationsvoraussetzung, um als Tai Chi-Lehrer zu arbeiten. Im Prinzip kann jeder als Lehrer arbeiten. Eine gute, fundierte Ausbildung ist aber ungeheuer wichtig, um die richtigen Wirkprinzipien vermitteln zu können.Ebenso wichtig wie die Wirkprinzipien ist auch, dass es nicht wie bei den Modetrends (Tae-Bo, Pilates) nur um Fitness oder Muskelaufbau oder auch Kondition geht, sondern darum, sich selbst und seinen Körper besser kennen zu lernen und auf die Abläufe in seinem Inneren zu achten. Fast noch wichtiger ist mir allerdings, dass den Menschen klar wird, das Tai Chi nichts mit Psychologie, Esoterik, Traumdeutung, Hellsehen oder Astrologie zu tun hat, auch wenn einige Dinge im Tai Chi so klingen. Hier geht es ausschließlich um eine den westlichen Menschen relativ unbekannte Sichtweise von Körperfunktionen und einer anderen, gesamthaften Weltanschauung. Die fernöstliche Philosophie scheint zwar esoterische Züge zu tragen, aber es ist einfach eine andere Denkweise, die im Einklang mit der Natur und der Umwelt steht. Aber zurück zu meinen Erfahrungen mit Tai Chi. Wie ich oben bereits geschrieben habe, hat sich mein Training stark verändert. Am Anfang ging es darum, die Abfolge der Bewegungen auswendig zu lernen. Ich habe für Teil1 und Teil2 der Form knapp 2 Jahre gebraucht. Es geht auch schneller, aber dann sollte man öfter als einmal in der Woche üben. Ich bin nun nach der Vertiefungsstufe Yin-Yang1 bei der Vertiefungsstufe Zentrum1 angelangt und erst jetzt beginne ich so langsam, die Wirkmechanismen zu fühlen. Aber gerade dadurch erhalte ich jetzt neuen Ansporn, mich noch intensiver mit Tai Chi zu beschäftigen. Ich trainiere inzwischen dreimal die Woche, habe mich auch mit Qi-Gong beschäftigt und erlerne gerade die Schwert-Form. Zu Qi-Gong schreibe ich hier aber nichts, denn dies ist ja ein Bericht über Tai Chi :-). Die Schwertform ist ebenfalls ein Teil von Tai Chi. Es gibt nämlich nicht nur das einfache Formenlaufen, sondern auch das so genannte Push-Hands oder auch San-Shou, sowie Waffenformen wie Säbel, Schwert, Stock, Lanze oder Fächer. Außerdem gibt es auch Tai Chi Übungen, die als Vorbereitung auf die Formen geübt werden. Tai Chi ist also viel mehr als nur Bewegungsfolgen laufen.In meinem täglichen Leben spüre ich mittlerweile immer häufiger die Wirkung von Tai Chi. Das Entspannen, das Sich-fallen-lassen, das Lockerwerden, Ruhe finden, gelöst sein... alles das macht sich bemerkbar, sei es bei der Arbeit, Zuhause, im Umgang mit anderen Menschen oder auch im Körper. Folgendes kleine Erlebnis: Bei einem Workshop mit Arbeitskollegen bin ich gebeten worden, doch mal zu zeigen, was ich denn da mache. Also habe ich den Kollegen geschildert, worauf ich beim richtigen Stehen achten sollte. Ich habe es vorgemacht und dabei meine Arme hochgenommen. Meine Kollegen wollten es mir nachmachen, aber während ich meine Arme problemlos über 8 Minuten hochhalten konnte, mussten meine Kollegen das schon nach 1 bis 3 Minuten aufgeben. Das war dann ein Moment, bei dem ich gemerkt habe, wie sich mein Training auszahlt :-).So, das soll es nun aber gewesen sein, die anderen haben tolle Berichte über dieses Thema :-) Zum Schluss noch ein paar Adressen:Meine Schule: www.tai-chi-ingelheim.de Tai Chi Forum Deutschland: www.tai-chi.de Welt-Tai-Chi-Tag: www.worldtaichiday.org Und denkt immer dran: Der Weg ist das Ziel! :-)Wer Tai Chi Chuan regelmäßig übt, erlangt die Geschmeidigkeit eines Kindes, die Gesundheit eines Holzfällers, die Gelassenheit eines Weisen (Chinesisches Sprichwort) GALAXOS
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21.01.2007 21:00
Hallo lieber Galaxos, endlich komme ich dazu, mal deinen Bericht zu lesen. Hat mir sehr gut gefallen, sehr informativ! Bei der Aussage "kein Muskelkater" kann ich allerdings nicht zustimmen ;-)) Viel Spaß und Erfolg wünscht dir weiterhin deine Taiji-Kollegin R.L.
09.02.2006 13:27
Dieser Bericht hat mich sehr interessiert, da ich nach Qi Gong nun auch Tai Chi erlernen möchte.
07.12.2005 02:24
das würde mich ja auch mal interessieren. Hab eine zeit lang yoga gemacht, hat mir zwar recht gut gefallen, war aber noch nicht so ganz meine Richtung. LG nana75