Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
spannend, Beschreibungen Chinas, viele interessante Figuren, lesenswerte politische und wirtschaftliche Verwicklungen . . . |
| Kontra: |
. . . noch mehr politische und wirtschaftliche Verwicklungen; Anführungszeichen, wohin das Auge blickt (und sie nicht sehen will) |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Als Studentin ohne Bafög muss ich trotz meiner Obsession für Bücher ein bisschen auf das Geld achten, das ich für sie ausgebe. Da kam mir das Angebot von Weltbild und der Bildzeitung gerade recht: Gebundene Bestseller für nur 5 €. Dabei handelt es sich natürlich nicht um sehr aktuelle Romane, aber immerhin. Nun habe ich auch „Tai-Pan“ von James Clavell aus dieser Reihe gelesen und werde euch nun mitteilen, wie es mir gefallen hat. Aber zunächst erzähle ich euch etwas über den Inhalt!
Dirk Struan ist der Tai-Pan, wie ihn die Chinesen nennen, er ist der mächtigste der Kauffahrer, die mit den Chinesen Handel treiben. Er verkauft Opium an das riesige Reich und kann mit dem Silber aus diesem Verkauf den Tee bezahlen, den er dann in die englische Heimat verschifft. Noch viele andere Kauffahrer betreiben diesen Handel, doch Dirk Struan lässt sich von dieser Konkurrenz nicht abschrecken, er ist mächtig, reich und gesund und verfolgt große Ziele. Er will einen kahlen Felsen, die Insel Hongkong, in eine britische Kolonie verwandeln und mit ihr das Tor zu Asien öffnen.
Von seinen Mitstreitern wird er meist gefürchtet, aber auch argwöhnisch beäugt. Er verdient mehr Geld, obwohl er den Besatzungen seiner Schiffe nach Ansicht der anderen Kaufleute viel zu viel Geld bezahlt, ihnen reichlich gesunde Nahrung und Kleidung gibt. Geschickt lenkt Dirk Struan auch den Abgesandten, der das britische Reich in China vertritt, in seine Richtung. Er hat viele Feinde, aber auch mindestens genauso viele Verbündete, die ihn geheim oder ganz offen unterstützen.
Doch ganz bleibt auch er nicht von Schicksalsschlägen verschont. Seine Frau und fast alle seine Kinder in England (er hat noch ein paar mit chinesischen Geliebten) sterben an einer Seuche, nur sein ältester Sohn Culum überlebt. In China will Dirk Struan ihn zu seinem Nachfolger ausbilden, den er will im heimischen England ins Parlament, um von dort aus die Geschicke der britischen Kolonie zu steuern.
Schließlich bekommt Struan seinen Willen. Hongkong wird britische Kolonie. In Windeseile wird auf dem einst kahlen Felsen eine Stadt errichtet, doch bald wendet sich das Glück. Eine geheimnisvolle Krankheit tritt bei vielen Menschen der Stadt auf, für die es keine Heilung zu geben scheint. Dann verliebt sich Culum auch noch unsterblich in die Tochter von Struans größtem Kontrahenten, Brock. All dies muss Struan noch richten, bevor er die chinesischen Gefilde verlassen und nach England zurückkehren kann, damit Culums Herrschaft über die Flotte von Noble House, wie Struans Unternehmen heißt, in Ruhe beginnen kann.
Vorher hatte ich noch nie von „Tai-Pan“ von James Clavell gehört, doch die Beschreibung des Inhalts klang interessant und da ich gern mal historische Romane lese, kam mir dieser hier gerade recht. Eigentlich habe ich ja eher eine Vorliebe fürs Mittelalter, aber ein paar Seefahrer in der Mitte des 19. Jahrhunderts sind mir auch recht.
Die Story von „Tai-Pan“ ließ sich schwierig zusammenfassen, da eine ganze Menge Personen vorkommen und auf den gut 800 Seiten auch einiges passiert. Zudem war es mir nicht möglich, diese Atmosphäre, die Art, wie Clavell China und die Chinesen beschreibt, wiederzugeben. Die Handlung des Romans zeigt eine große Komplexität, ist sehr vielschichtig und deshalb fiel es mir so schwer, die Inhaltsangabe zu schreiben, doch glaube ich, die Rahmenhandlung getroffen zu haben.
Innerhalb dieses Rahmens passiert dann auch ungeheuer viel. Struans Konkurrenten, der chinesische Kaiser, die Kaufleute Chinas und seine Piraten und die englische Regierung verfolgen alle ihre eigenen Ziele und zögern nicht, alles für ihr Erreichen zu tun. Viele Bande – ob zwischenmenschliche oder geschäftliche – vernetzen die mannigfaltigen Figuren des Romans. Dabei gruppiert sich zwar alles um den Protagonisten Dirk Struan und findet in ihm den Ruhepol, doch steuert er es nicht vollständig. Ersteres erweist sich als durchaus notwendig, da die verschiedenen Handlungsstränge sonst ganz leicht hätten auseinander laufen können. In dieser vielschichtigen Story ist es unerlässlich, dass es einen Punkt gibt, in dem sich die Ebenen vereinen. Und obwohl Dirk Struan viele Fäden zieht, hält er doch nicht alle in seiner Hand, wird von Ereignissen oder Menschen überrascht, so dass Bewegung in die Story kommt.
Jedoch fühlte ich mich an einigen Stellen nicht wirklich gefesselt. Vor allem, wenn sich James Clavell in den vielen politischen und wirtschaftlichen Verwicklungen ergeht, dann trägt das zwar zur Handlung bei, vermochte mich jedoch nicht zu faszinieren. Es ist mir natürlich bewusst, dass dies dazugehört, um die Story ausgewogen zu gestalten, doch mir erschien es teilweise eindeutig zu ausgedehnt. Ich fand es zwar interessant, jedoch zu viel des Guten.
Viel lieber hätte ich da noch mehr über die chinesische Lebensweise, Tradition und Religion erfahren. Der Teil von „Tai-Pan“ beeindruckte mich nämlich sehr. Vor allem durch Struans chinesische Geliebte wird viel aus dieser Richtung eingebracht. Es ist absolut faszinierend, wie die Chinesen mit einigen Dingen, wie dem Tod, umgehen, wie sie ihren Glauben leben. Darüber hätte ich endlos lesen können. Einmal will Struans Geliebte den Göttern Geld opfern, tut aber dann nur so, als würde sie es ins Meer werfen, denn wozu brauchen die Götter schon irdisches Geld. Schließlich zählt der Gedanke.
Viele Dinge in der Art konnten mich für China und seine Menschen begeistern, so dass die Haupthandlung fast in den Hintergrund rückte. Man merkt James Clavell seine Vorliebe für dieses Reich und seine Menschen an, denn er beschreibt so eindringlich und durch die vielen Details taucht man wunderbar in dieses Land und seine Atmosphäre ein. Das ist umso erstaunlicher, da die Story ja eigentlich nur am Rande Chinas spielt.
Die Figuren in „Tai-Pan“ stammen aus den verschiedensten Teilen der Welt, was die Story abwechslungsreich und interessant macht. Ihre Hintergrundgeschichten sind meist sehr ausgereift, obwohl sie oft nur angerissen werden, was bei dieser großen Anzahl unerlässlich ist. Und doch hat James Clavell seine Figuren mit so markanten Eigenschaften ausgestattet, dass sie leicht auseinander zu halten sind. Es sind die unterschiedlichsten Charaktere, die Abwechslung in die Handlung bringen. Manche sind sympathisch, andere sind es weniger, aber alle sind sie nachvollziehbar.
James Clavell beschreibt sehr routiniert und man merkt, dass er sich stark mit der Geschichte Hongkongs befasst hat, auch wenn die Figuren seines Romans allesamt frei erfunden sind. Er wählt geschickt jene Details aus, welche Land und Leute am besten darstellen, wobei deutlich wird, dass er noch sehr viel mehr darüber weiß. Seine Charakteristik der Figuren und Orte ist wirklich tadellos. Ich fühlte mich zwar nie, als wäre ich mittendrin, aber das ist auch gar nicht die Absicht des Autors. Stattdessen ist der Leser ein Beobachter, der über den Dingen schwebt, und doch nie mehr weiß als die Protagonisten.
Auch die Beschreibungen der Vorgänge in „Tai-Pan“ sind dazu angetan, den Lesern zu gefallen. Bei mir war das auch meistens der Fall, doch an einigen Stellen vermochten mich die mannigfaltigenwirtschaftlichen und politischen Verwirrungen nicht zu fesseln. Da litt dann mein Lesevergnügen stark und das trübte den Genuss. Für meinen Geschmack hätte der Roman ruhig ein wenig kürzer und dafür in dieser Hinsicht geraffter sein dürfen.
Insgesamt kann ich euch „Tai-Pan“ von James Clavell empfehlen. Ich habe die 5 € gut investiert, doch wenn ich den Roman zum regulären Preis gekauft hätte, wäre ich wahrscheinlich weniger zufrieden. Es ist ein wirklich spannender Roman, der mit seinen vielen Figuren und vor allem mit der Faszination Chinas zu begeistern weiß. Man spürt bei James Clavell seine Freude an diesem Land und den Menschen und ich wollte eigentlich immer mehr über das damalige China wissen. Natürlich ist auch die Story an sich reizvoll und lesenswert und der Stil des Autors fügt sich mit seiner relativen Distanz zu den Personen gut ins Gesamtbild ein. Eigentlich hat mir der Roman sehr gut gefallen. Nur wurde mir die Zeit beim Lesen manchmal lang, da vielen politischen und wirtschaftlichen Verwicklungen teils etwas ermüdend sind. Zudem werden die vielen Fehler in der Ausgabe wirklich nervend: Anführungszeichen über Anführungszeichen, wo sie nicht hingehören. Deshalb vergebe ich auch nur vier Sterne. Eine Empfehlung gibt es trotzdem!
„Tai-Pan“ von James Clavell erschien erstmals im Blanvalet Verlag. Meine gebundene Ausgabe aus der „Bild-Bestseller-Bibliothek“ (es ist übrigens die Nummer 10) trägt die ISBN 3-89897-116-3 und kostet nur 4,99 €. Regulär kostet eine broschierte Ausgabe immerhin 10 €. Dafür finde ich aber auch das Cover schicker.
Die Originalausgabe trägt den Titel „Tai Pan“ und erschien 1966 bei Delacorte Press, New York.
| weitere Erfahrungsberichte |
Geschichte der Gründung von Hong-Kong
Bewertung für Tai-Pan / James Clavell, Werner von Grünau von
Fuggermann
Pro: mitreissend, geschichtlich interessant
Kontra: teilweise nervende Dialoge auf Pidjin-Englisch
Mein neuester Bericht handelt, wieder mal, von einem historischen Roman aus der umfangreichen Bibliothek meines Vaters, die ich seit ich 12 bin ebenfalls nutze. Eines der ersten Bücher, das mir hier ins Auge gefalllen ist, ist "Tai-Pan" von James Clavell, ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
19.03.2003
(30.03.2003)
|
Tai Fung - Tai Tai - Tai Pan!
Bewertung für Tai-Pan / James Clavell, Werner von Grünau von
Qmac
Pro: s.o.
Kontra: s.o.
Tai-Pan – chinesisch grosser Mann/Mensch, übertragen der "Oberster Führer"; der Mann, der die "wirkliche" Macht in den Händen hält!
Zum Inhalt:
°°°°°°°°°°°
Und ein solcher Mann, ein Tai-Pan, ist der rothaarige grünäugige Schotte Dirk Struan, ei ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
28.05.2001
(31.05.2001)
|
Was man für Tee nicht alles tut!
Bewertung für Tai-Pan / James Clavell, Werner von Grünau von
Fenrir
Pro: spannend, leicht lesbare Lektüre mit viel Tiefgang
Kontra: verschlingt Freizeit und gefährdet Privatleben
Nein, der Tai Pan ist absolut NICHT verwand mit Peter Pan, auch nicht mit dem griechischen Gott Pan und kommt auch nicht aus Thailand. Tai Pan ist vielmehr chinesisch und bedeutet so viel wie "oberster Führer" (wörtlich eher "großer Mann"). Bekannter dürf ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
15.03.2002
|
Die Entstehung Hongkongs...
Bewertung für Tai-Pan / James Clavell, Werner von Grünau von
squarerigger
Pro: Packender Roman vor realem historischem Hintergrund
Kontra: ---
Vor nicht allzu langer Zeit fiel mir wieder einmal ein Roman, den ich schon vor Jahren gelesen hatte, in die Finger. Ich nahm ihn mir wieder einmal vor und war wie beim ersten Mal davon begeistert, so daß ich heute davon berichten will.
Titel: Tai Pan ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
05.07.2005
|
Kurzbewertung zu Tai-Pan / Clavell, James
Bewertung für Tai-Pan / James Clavell, Werner von Grünau von
Galliard
Tain Pan ist ein wunderbar recherchiertes Buch über die chinsesische Art zu denken.
Noch dazu spannend bis zur letzten Seite.
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als hilfreich |
|
hilfreich
03.09.2007
|