Taliesin / Lawhead, Stephen

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Taliesin / Lawhead, Stephen

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Nicht nur Tolkien weiß, wie man Leser fesselt!

5 22. Aug 2002

Pro:
Kurzweile .  Spannung .  Geniale Handlung .  Schreibstil .  Basis in der Keltologie .  ( .  .  . )

Kontra:
Leider hat jedes Buch ein Ende  -  auch "Taliesin" .  .  .

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau:

Unterhaltungswert:

Spannung:

Humor:

Aufmachung:

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Southgirl

Über sich:

Mitglied seit:13.02.2000

Erfahrungsberichte:90

Vertrauende:353

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 132 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo ihr Lieben!

„Taliesien – Sänger und Seher“ so lautet der Titel dieses Buches von Stephen Lawhead. Stephen Lawhead? Wahrscheinlich ist dieser Name nicht jedem ein Begriff, da seine Bekanntheit der Tolkiens um einiges hinterherhinkt. Daher möchte ich nun zuerst ein paar Worte zum Autor sagen...

--°--°--°--°-- Stephen Lawhead --°--°--°--°--

Stephen Lawhead wurde 1951 in den USA geboren. In Nebraska, am Kearney State College, studierte er Kunst mit dem Nebenfach Englisch. Des weiteren machte er anschließend in zwei Jahren am Northern Baptist Theological Seminary sein Magister in Theologie.

Nachdem er während seiner Studentenzeit die christlich orientierte Studentenzeitschrift "Campus Life“ herausgab, widmete er sich 1982 endgültig dem Schreiben. Sein erstes Werk war „In der Halle des Drachenkönigs“, der Auftakt zur Drachenkönigtrilogie, deren beiden weiteren Glieder „Die Kriegsherren des Nin“ und „Das Schwert und die Flamme“ lauten. Gleich der erste Verleger, dem Lawhead sein Buch anbot, veröffentliche es und anschließend auch die beiden anderen Stücke der Trilogie...

1991 zog Lawhead mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen nach Oxford. Selbst heute liebt er noch bodenständige Beschäftigungen, wie einfach nur spazieren zu gehen. Auf seinen Ruhm und seine beliebten Bücher ist er nicht über die Maßen stolz...
So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er nie wirklich den Traum des Schriftstellerberufes hegte, sondern nach eigenen Aussagen einfach mal ausprobieren wollte, zu schreiben. Darüber können sich die Freunde guter Bücher nur freuen – und dies machen sie auch, wie die über drei Millionen verkauften Bücher dieses Autors zeigen.

Stephen Lawhead selbst ist der Ansicht, seine Bücher sollten nicht nach Genre geordnet werden. Wenn eine jedoch passen würde, so müsste sie „imaginäre Fiction" getitelt werden.
Der große Traum des Autors ist es, ein Buch über den Apostel Paulus zu schreiben. Doch bislang fand er hierfür noch keinen geeigneten Aufhänger...

--°--°--°--°-- Auswahl des Buches --°--°--°--°--

Wie also wurde ich auf diesen Autor aufmerksam, der zwar berühmt ist, aber längst nicht jedem geläufig? Das lässt sich recht einfach begründen:
Seit einiger Zeit fasziniert mich die Artus-Sage und alles um sie herum. Als ich also in der Bücherei nach einer guten Aufarbeitung dieser Sage suchte, stieß ich ehr zufällig auf das Buch „Artus – der legendäre König“ von Stephen Lawhead. Nach dem ich es kurz angelesen hatte, beschloss ich es auszuleihen – und bereute es nicht. Der phänomenale Schreibstil und die detaillierte Ausführung der vielen mir noch unbekannten Kleinigkeiten in Arturs Leben machten das Buch spannend.
Nachdem ich es innerhalb sehr kurzer Zeit nahezu verschlungen hatte, stellte ich genauere Erkundungen nach der Serie, aus der die Buch stammt, an. So stellte ich fest, dass dem von mir gelesenen Buch noch die Bücher „Taliesin“ und „Merlin“ vorausgehen und das Buch „Pendragon“ folgt. Da keines dieser weiteren Bücher in der örtlichen Bücherei zum Bestand gehört, entschloss ich mich erst die Drachenkönigsaga zu lesen...
Trotzdem wurde mein Verlangen nach den weiteren Bücher nicht geringer, so dass ich mich bei ebay umschaute, um den Schülerportemonnaie unfreundlichen Buchpreisen im allgemeinen zu entgehen. Schnell wurde ich fündig und hielt Taliesin für den Spottpreis von nur 1 € in meinen Händen...

--°--°--°--°-- Zur Handlung --°--°--°--°--

Stephen Lawhead beginnt „Taliesin“ mit der Geschichte der hübschen Königstochter Charis. Ihr Vater ist Avallach, ihre Mutter Briseis.
Atlantis, das versunkene Reich, das heute das Fundament vieler Bücher bildet, kennt zum Zeitpunkt des Geschichtenbeginns seit vielen Jahren schon nur noch Frieden, doch ist dieser angenehme Zustand nun in Gefahr geraten. Einer der Könige Atlantis´, Nestor, droht auszuscheren, sich gegen Avallach zu erheben. Mit Intrigen und Verrat legt Nestor alles daran Avallach vor den anderen Königen und dem Hochkönig Atlantis´ in Ungunst zu werfen, ihn als Unruhestifter erscheinen zu lassen. Mit der Unterstützung seines Bruderkönigs hält Avallach jedoch stand und schafft es, seine Unschuld zu belegen.
Charis bekommt dies alles nur am Rande mit. Sie fürchtet einen möglicherweise kommenden Krieg, doch darf sie als weibliches Mitglied der königlichen Familie nicht direkt in die Politik Atlantis´ eingreifen. Als Mädchen „genießt“ sie eine schulische Erziehung, durchgeführt von dem Seher Annubi, der sie vor allem in die Seherkunst einweist. In ihr vermutet er eine künftige, große Seherin. Charis´ Interesse gilt unerlaubter Weise vor allem den Lia Fail, dem sehenden Stein. Durch diesen erfährt sie von der Ankunft des Bruders Avallachs und indirekt auch von der bevorstehenden Ratsversammlung.
Zum ersten Mal darf sie das Königspaar und ihre beiden Brüder zur Ratsversammlung beim Hochkönig begleiten. Ein Ereignis, dass ihrer Meinung nach ein wenig Licht in ihren trüben und eintönigen Alltag werfen wird.
Doch der Verrat Nestors überschattet diese willkommene Ablenkung, auch wenn er ihr erst unbemerkt bleibt und sie eine angenehme Zeit im Palast des Hochkönigs verbringt. Eine Zeit, die für sie viel zu schnell vorüber geht, denn schon bald naht der Aufbruch. Ein langer Weg zur heimatlichen Burg ist zu bewältigen, so dass eine kurze Rast gelegen kommt. Charis zieht sich in einen nahegelegenen Wald zurück, um ihrer Mutter Blumen zu pflücken. Ihr Vorhaben wird abrupt von Schreien nach ihr unterbrochen und so schnell sie auch zurück zum Lager eilt, findet sie nur noch einen verwüsteten Platz vor sich, auf dem sich die Leichen der königlichen Garde häufen. Zwischen ihnen in wilder Panik läuft Annubi mit vorwurfsvollem Gesichtsausdruck zu Charis hinüber, zerrt sich mit sich und bring sie hinter die königliche Kutsche. Hier bietet sich der jungen Prinzessin ein noch fürchterlicher Anblick, der ihr ganzes Leben dominieren wird...

Zur gleichen Zeit in Britannien spielt die andere, in diesem Buch behandelte tragische Geschichte. Caer Dyvi, eine Festung zur Verteidigung Britanniens vor Barbaren, unter der Leitung Gwyddno ist der genaue Ort des Geschehens. Für Gwyddno wird es Zeit einen Nachfolger zu benennen für den Fall seines Ablebens. Der Tradition nach müsste der Fall klar entschieden sein und seinem Sohn Elphin die Folge übergeben werden, ihm jedoch sind die Krieger der Festung nicht bereit zu folgen. Der Grund liegt auf der Hand: Elphin ist das Pech an sich, das Sinnbild des Unglücks. Er tritt nicht in ein Fettnäpfchen, sondern fällt gleich ganz hinein – und das nicht nur vereinzelt. Dabei bringt er nicht nur sich selbst, sondern auch seine Kameraden und die Krieger in unsägliche Gefahr.
Doch Gwyddno wäre kein gerechter Vater, würde er nicht alles daran legen, seinem Sohn doch noch eine Chance einzuräumen. So geschieht es, dass Elphin zum Lachswehr reiten soll um den ersten Fang des Jahres rauszuziehen. Dieses Ereignis wird jedes Jahr durch einen auserwählten Kymren – so nennt sich das Volk selber – durchgeführt. Das Resultat wird als Sinnbild für die Ernte und den Lachsfang des ganzen Jahres gesehen.
Leider wiederfährt auch hier Elphin wieder Pech, denn an dem festgelegten Tag ist es noch zu kalt für die Lachse und er zieht keinen einzigen an Land. Statt dessen stößt er auf ein Bündel das im Wasser treibt und zieht es neugierig hinaus. Seine Gefährten treten bereits den Rückzug an, doch Elphin bleibt zurück um sich das Bündel genauer anzusehen. In ihm findet er ein kleines Baby, einen Jungen. Zwar sichtlich geschwächt, doch am Leben. Bei seiner Rückkehr zum Caer zeigt er stolz den „Fang“, doch das Volk bleibt unbeeindruckt. Hafgan, der Druide der Kymren, wendet sich dem Baby zu und wiegt es in seinen Armen, als plötzlich die Sonne durch die dichte Wolkendecke bricht und lediglich die Stirn des Babys erhält. Seine Stirn leuchtet, gleißt. Hafgan erkennt das Zeichen und weissagt, dass das gefundene Baby eine wichtige Rolle für die Insel der Mächtigen (heute Groß Britannien) spielen wird. Das Kind wird „Taliesin“, also „gleißende Stirn“, getauft. Doch noch ist es nicht in Sicherheit, denn es ist keine Amme auffindbar. Elphin, der selbsternannte Ziehvater der von nun an laut Hafgan als Sinnbild des Glückes zu betrachten ist, macht sich auf eine fragwürdige Reise um das Leben seines gefundenen Sohnes zu sichern...

Zunächst, wie man an meiner Zusammenfassung erkennt, beinhaltet das Buch zwei verschiedene Geschichten denen es meiner Meinung nach nicht an Spannung und detaillierter Ausführung mangelt. Dennoch bleibt es nicht dabei: Die beiden Geschichten verfließen langsam immer mehr zu einer und treffen sich zum Ende des Buches hin – so viel sei vorweg genommen – gänzlich. Diese eine Geschichte wird dann insbesondere im nächsten Buch, Merlin, weitergeführt.

Insgesamt erschien mir die Handlung des Buches häufig fantastisch, keinesfalls aber unglaubwürdig. Ist man bereit sich ganz auf das Buch einzulassen, so wird man schnell von den Worten in eine alte, fremde und doch vertraute Welt fortgetragen, die meiner Meinung nach „Mittelerde“ (Herr der Ringe“) in keiner Hinsicht hinterherhinkt. Wichtig zu wissen ist dabei jedoch, dass die Schauplätze zum einen Atlantis (bei Charis) und zum anderen „Die Insel der Mächtigen“ – Groß Britannien – sind. Letzterer Schauplatz verlangt dem Autor natürlich eine wirklich glaubhafte Beschreibung ab, doch Lawhead erfüllt dieses Verlangen problemlos.
Der Schreibstil bleibt dabei das ganze Buch hindurch leicht verständlich, wenn auch antik angehaucht. Auch komplizierte Situationen lassen sich auf Grund der leicht verständlichen Wortwahl gut nachvollziehen. Somit sehe ich auch den Punkt des sprachlichen Stils als äußerst bemerkenswert an, auch wenn hier der Übersetzer sicherlich seine Finger mit im Spiel hatte.

--°--°--°--°-- Fazit --°--°--°--°--

Mich persönlich hat das „Taliesin“ vom ersten bis zum letzten Wort fasziniert. Die Handlung ist abwechslungsreich und verwickelt, so dass sie nicht vorhersehbar ist. Immer wieder wird der Leser von Lawhead mit neuen, unerwarteten Ereignissen überrascht.
Durch die Vielzahl interessanter Charaktere, die alle genauestens dem Leser nahegebracht werden, hat man den Eindruck, selbst in der beschriebenen Welt zu wandeln – egal ob es nun Atlantis oder die Insel der Mächtigen ist. Detailgenaue, aber nicht zu langatmige, Beschreibungen der Räumlichkeiten und Umgebungen fördern diesen Eindruck und erzeugen vor dem inneren Auge des Lesers lebendige Bilder. Die Fantasie wird regelrecht verwöhnt...
Sprachliche Geschicktheit des Autors rundet sein Meisterwerk vollends ab und lässt keine weiteren Wünsche offen!
Insgesamt kann ich nur sagen, dass ich absolut begeistert von „Taliesin“ bin und es sicherlich noch weitere Male lesen werden. Schade, dass bis heute Lawhead in Deutschland noch nicht so bekannt ist, wie manch ein anderer Autor. Verdient hätte er es!
Somit ist „Taliesin“ ein Muss für alle, die Fantasy und historische Sagen aus der Keltologie mögen. Das Buch ist ein gelungener Auftakt zur Artus-Saga, auch wenn man teilweise fast vergisst, dass dieses Buch auf selbige Saga hinausläuft. Spätestens im folgenden Buch, „Merlin“, wird die Erinnerung daran jedoch wieder hellwach.

Ich hoffe, mein Bericht konnte euch für Stephen Lawhead und seine Bücher gewinnen!
Gruß, Karin

(c) by Southgirl, 22. August 2002

Kurzer Nachtrag: Das Buch umfasst etwas mehr als 500 Seiten. Mag sich lang anhören, wird einem beim Lesen aber kurz vorkommen! 

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Ahmose-Nefertari

Ahmose-Nefertari

12.12.2002 21:08

Also ich habe auch mehrere Bücher Lawheads gelesen, unter anderem auch Taliesin, und dein Bericht stimmt da voll und ganz mit meiner Meinung überein!!

achimth

achimth

03.09.2002 16:49

Das hört sich sehr interessant an..Gruss.:Achim

ninja4711

ninja4711

25.08.2002 18:26

super geschrieben :-)LG

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