Nachdem ich ich schon einige Jahre lang Auto, Boote und Flugzeuge per Fernsteuerung durch die Gegend gejagt hatte wollte ich mal was Neues ausprobieren. Ein Panzer sollte es sein, denn ich hatte durch den Bau von 1:35 Standmodellen schon viel Erfahrung im lackieren und altern von Panzermodellen ... Bericht lesen
sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende zuneigte. Ausgerüstet im Serienturm vom Typ »Henschel« mit einer 88 mm Kanone und dicker Panzerung war der Königstiger für di...
Erfahrungsbericht von OlliKrabbe über Dickie-Tamiya Königstiger 1:16 Standmodel 6. September 2002
Produktbewertung des Autors:
Spaßfaktor
Design
Langzeitspielspaß
Stabilität
Pro:
nicht zu teuer, Fahrleistungen, Details
Kontra:
Getriebe
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Nachdem ich ich schon einige Jahre lang Auto, Boote und Flugzeuge per Fernsteuerung durch die Gegend gejagt hatte wollte ich mal was Neues ausprobieren. Ein Panzer sollte es sein, denn ich hatte durch den Bau von 1:35 Standmodellen schon viel Erfahrung im lackieren und altern von Panzermodellen gesammelt und hatte so gute Voraussetzungen um ein wirklich schönes Modell mit vielen Details und einer tadellosen Lackierung zu bauen.
Anders als bei Modellautos ist der Markt was Panzer angeht sehr klein. Im Wesentlichen ist da die japanische Firma Tamiya, die mit ihren Modellen Leopard 1 und Gepard echte Klassiker auf den Markt gebracht hat die mittlerweile schon Sammlerwert haben. Aktuell gibt es von Tamiya einen M4 Sherman, einen M26 und den Tiger 1.
Es gibt noch einige andere Hersteller die Panzer im Programm haben (Bandai, Doyusha, Academy…) aber mir wurde schnell klar dass mir der M1 von Doyusha zu sehr nach Spielzeug aussah und mir die 1:25 Modelle von Academy zu klein waren. Ein großes Modell von Müller (fängt bei 1000 € an) kam natürlich auch nicht in Frage.
Selber bauen war auch mal eine Zeit lang ein Thema, aber ich wollte doch erstmal mit einem Bausatzmodell Erfahrungen sammeln. Ein neues Tamiya-Modell war mir mit 700 € und mehr auch zu teuer, also habe ich mich mal wieder bei Ebay umgeschaut. Ich fand schließlich einen Königstiger der mit 250 € gut in meine Preisplanung passte. Zwei Wochen später kam das Modell sauber verpackt bei mir an. Bevor ich aber das Modell näher beschreibe möchte ich noch ein bisschen was über das imposante Vorbild schreiben:
Nachdem deutsche Panzer an der Ostfront auf den russischen T 34 getroffen waren beschloss das Heereswaffenamt, nur noch Panzer in die Schlacht zu schicken, die den Gegnern absolut überlegen sein sollten und durch ihre Größe das Schlachtfeld dominierten. Kurz nachdem der Tiger 1 in die Produktion ging wurde bereits ein noch besseres Modell entwickelt, das unter dem Namen SdKfz 82 Tiger 2 erscheinen sollte.
Das Ergebnis war der schwerste einsatzfähige Panzer des 2. Weltkrieges (das Wahnsinnsprojekt „Maus“, das 188 t auf die Waage brachte wurde nie fertig), der mit 69t schwerer war als alle seine Gegner. Er war einen Meter länger als sein Vorgänger (mit Rohr sogar 2 meter) und hatte nun abgeschrägte Flanken die auftreffenden Granaten einen großen Teil ihrer Wirkung nahm. Die Panzerung war so dick dass dem Tiger 2 kein einziger feindlicher Panzer auf normale Kampfentfernung wirklich gefährlich werden konnte. Dadurch erhielt der Tiger 2 einen legendären Ruf. Schon das auftauchen eines einzigen Tigers sorgte bei alliierten Panzertruppen für Panik.
Der Königstiger konnte im Gefecht aber doch nicht so entscheiden wirken wie erwartet: Die Bewaffnung und die Panzerung waren zwar absolut überlegen, aber der Königstiger hatte mit technischen Problemen zu kämpfen. Er hatte einen 700 PS Maybach Motor der auch im Panther verwendet wurde. Der Panther war aber nur 45 Tonnen schwer, so dass der Motor mit dem Gewicht des Tiger 2 völlig überfordert war. Die Beweglichkeit war zu gering (38 km/h) und viele Panzer blieben mit Motorschäden liegen. Auch die Getriebe waren einem enormen Verschleiß ausgesetzt. Viele Panzer mussten aufgegeben werden weil keine Ersatzteile vorhanden waren oder weil ihnen der Treibstoff ausgegangen war. Es war auch nicht möglich, liegen gebliebene Fahrzeuge zu bergen weil für die Kolosse kein entsprechendes Bergefahrzeug zur Verfügung stand. Von den 489 gebauten Tiger 2 gingen die meisten auf diese Art und Weise verloren, oder fielen Luftangriffen zum Opfer. Durch Beschuss von anderen Panzern konnte kaum ein Tiger 2 zerstört werden.
Nun zum Modell: Der Königstiger in 1:16 wird schon seit einigen Jahren nicht mehr hergestellt. Er unterscheidet sich daher im Aufbau etwas von den neueren Tamiya Modellen. Die Bausätze waren aber auch damals schon von ordentlicher Qualität und die gute Bauanleitung lässt keine Frage offen. Die Wanne ist aus Alublech wodurch es möglich wird den Panzer auch mal etwas größeren Belastungen auszusetzen und auch schon mal durchs Gelände zu fahren. Das Schachtellaufwerk des Tiger 2 ist sehr schön nachgebildet. Schade ist nur dass die Laufrollen etwas zu locker auf den Schwingarmen sitzen und daher schon mal aneinander reiben. Das stellt sich in der Praxis aber eher als unproblematisch heraus. Sehr gut gelungen ist dagegen die Federung: Jede Laufrolle ist mit einem Drehstab einzeln gefedert, wie beim Original auch. Das gibt ein wirklich beeindruckendes Fahrbild wenn der Panzer über Unebenheiten fährt.
Die Laufrollen bestehen zum Teil aus Alu, zum Teil aus Plastik. Triebrad und Leitrad sind dagegen komplett aus Metall. Die komplette Wannenoberseite und der Turm sind aus Kunststoff.
Antrieb: Tamiyas Königstiger wird von einem Elektromotor der Klasse 540 angetrieben (so einer wie auch in den Autos verwendet wird). Damit man auch lenken kann wirkt der Motor auf ein Doppelgetriebe mit zwei Kupplungen. Dadurch kann während der Fahrt eine Kette vom Antrieb abgekoppelt werden so dass der Panzer eine Kurve fährt. Wenden auf der Hochachse ist damit natürlich nicht möglich. Und das Getriebe hat noch weitere Probleme: Man kann keine leichte Kurve fahren. Die Kette wird entweder angetrieben oder nicht. Es ist nicht Möglich eine Kette etwas langsamer laufen zu lassen als die andere. Auch sonst sind die Kupplungen alles andere als ausreichend: So lange man auf glatten Oberflächen fährt (Asphalt, Fliesen..) fährt ist noch alles in Ordnung aber wenn man auf Rasen fährt oder in schwierigem Gelände mit Steigungen stellt man fest dass die Kupplungen einfach durchrutschen und man nicht weiter kommt. Auch das Getriebe selbst kann nicht überzeugen. Es ist nicht präzise genug gefertigt so dass die Zahnräder häufiger durchrutschen und sich sehr stark abnutzen. Für meinen Geschmack ist das Getriebe auch zu lang übersetzt, so dass der Panzer sich nicht langsam in Bewegung setzt sondern ruckartig anfährt. Das sieht nicht schön aus!
Ich habe inzwischen den Antrieb der aktuellen Tamiya-Panzer bestellt: Hier hat jede Kette einen eigenen Motor und es gibt keine Kupplungen mehr. Auch das sehr verschleißanfällige Winkelgetriebe der alten Getriebeeinheit fällt weg.
Natürlich soll der Königstiger nicht nur fahren sondern auch den Turm drehen und die Kanone bewegen können. Das alte Turmdrehgetriebe ist noch ziemlich groß und sperrig, außerdem verursacht es schon mal Probleme durch die vielen freiliegenden Zahnräder in denen sich schon mal ein Kabel verfangen kann. Sehr praktisch dagegen: Man kann das gesamte Wannenoberteil oder auch nur den Turm ganz einfach abnehmen und wieder draufsetzen. Dies wird erreicht indem das letzte Zahnrad am Turm befestigt so dass es beim ausetzen des Turms automatisch auf eine Welle geschoben wird und so Kontakt mit dem Rest des Getriebes bekommt.
Die Technik mit dem Drehkranz, die in den neuen Modellen verbaut ist gefällt mir zwar noch eine Spur besser weil sie viel kompakter ist aber ich bin mit dem alten Getriebe auch gut zufrieden. Eine Mechanik zum Bewegen der Kanone war nicht dabei, aber die habe ich mir selbst aus einem Servo gebaut.
Die Ketten des Königstigers sind aus grauem Kunststoff gefertigt und sehen nach entsprechender Lackierung sehr vorbildgetreu aus. Auch die Haltbarkeit ist in Ordnung. Auf Asphalt sollte man vielleicht nicht unbedingt mehr fahren als nötig weil sich die Greiferleisten hier schon ziemlich schnell abreiben. Einziges Problem der Kette: Beim Kurvenfahren kann es vorkommen dass sich die Kette zwischen Triebrad und der vordersten Laufrolle staut und ein wenig verklemmt. Das Problem kann man fast lösen in dem man die Kettenspannung erhöht. Das belastet dann aber wieder Trieb- und Leitrad stärker und die Kette hängt oben nicht mehr so durch wie beim echten Königstiger. Lösen lässt sich das Problem durch Metallketten. Durch das höhere Gewicht stauen sich die Kettenglieder nicht, so dass man die Kettenspannung nicht erhöhen muss. Außerdem liegt die Kette dann auch oben auf den Laufrollen auf was ein originalgetreues Aussehen bedeutet.
Wo wir gerade beim Thema Kettenspannung sind: Die Kettenspanner halte ich nicht für gelungen. Beim Königstiger-Modell brauche ich länger um die Kettenspannung einzustellen als bei einem echten M 113!!
Die Aufbauten des Panzers sind ordentlich detailliert wie man es von Tamiya erwartet. Nur einige wenige Dinge müssen noch verbessert werden:
Ich habe in die leeren Höhlen der Winkelspiegel Gläser aus transparentem Kunststoff eingesetzt. Bei den aktuellen 1:35 Modellen legt Tamiya diese Teile bei. Ich schätze mal dass sie heute auch bei den RC-Panzern dabei sind.
Dann habe ich noch die Handgriffe auf den Luken abgeschliffen und dafür entsprechend gebogene Drähte eingesetzt. Sieht viel besser aus! Fahrverhalten: Der Königstiger macht richtig Laune! Vor allem im sandigen Gelände macht er einen Höllenspaß und kein Blumenbeet ist mehr sicher. Wenn erstmal die neuen Getriebe drin sind dann werden auch größere Steigungen und andere schwere Hindernisse kein Problem mehr. Das Laufwerk ist jedenfalls top.
Fazit:
Der alte Königstiger ist ein tolles Modell, das stark unter dem schlechten Getriebe leidet. Wer die neuen Tamiya Antriebe einbaut der wird aber jede Menge Spaß haben. Auch ein Geräuschmodul und eine Schussfunktion kann man mit etwas Eigeninitiative nachrüsten. Wer schnell ans Fahren kommen möchte der sollte sich besser einen neuen Bausatz kaufen, wo schon alles dabei ist. Im November gibt es eine Neuauflage des Königstigers, die ist dann mit der modernen Technik (also die neuen Getriebe und die ganze Elektronik) ausgestattet. Ich schätze mal, dass man an den Details der Aufbauten auch noch etwas gearbeitet hat.
Hier noch einige Surftipps für Interessierte:
www.rcpanzer.de - Die Plattform für Rc-Panzerfahrer, egal welches Modell. Sehr informativ, mit vielen Tips und Tricks, sowie Bildern und Videos
http://p.mueller-alfeld.bei.t-online.de/ - Hier gibt’s Panzermodelle für etwas anspruchsvollere (und vor allem finanzkräftige) Modellbauer
http://www.tamiya.de/ - offizielle Homepage von Tamiya
Tag zusammen,
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