Tango Argentino

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... Aber Tango ist eindeutig mehr als nur Musik- oder Tanzstil. Tango ist eine Welt für sich geworden, die Literatur, Poesie, Malerei, Philosophie, Musik und last but not least Tanz in sich vereint. Tango ist eine Mischung aus Trennung, Abschied und Nostalgie, Trauer und Melancholie, Leidenschaft ... Bericht lesen





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Tango - Leidenschaft und Sinnlichkeit
Erfahrungsbericht von Gosita über Tango Argentino
30.07.2003


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Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Für meinen Bericht habe ich die Kategorie Tanz ausgewählt. Aber Tango ist eindeutig mehr als nur Musik- oder Tanzstil. Tango ist eine Welt für sich geworden, die Literatur, Poesie, Malerei, Philosophie, Musik und last but not least Tanz in sich vereint. Tango ist eine Mischung aus Trennung, Abschied und Nostalgie, Trauer und Melancholie, Leidenschaft und Sinnlichkeit, die sich in den Texten und den Figuren des Tanzes spiegeln. Für mich persönlich bedeutet Tango die Expression der Seele zu dem Partner in Form eines Tanzes. Was ist aber Tango? Woher stammt er? Wie hat er sich entwickelt? Wo und von wem wurde er am meisten beinflußt? Ich hoffe, ich werde alle diese Fragen mit meinem Bericht beantworten.

*** Die Ursprünge des Tangos

Der Tango entstand im Gebiet des Rio de la Plata, in der Parana ins Meer mündet. Die Städte Buenos Aires und Montevideo werden heute untrennbar mit Tango, Tanz wie Musik, verbunden. Die Schwarzen bildeten einen nicht zu vernachlässigenden Teil der einheimischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert in der Region der Rio de la Plata. Schließlich wie überall in Amerika blühte auch in diesem Gebiet der Sklavenhandel. Die Schwarzen, wie auch anderswo in Amerika, griffen die Volksmusik auf und galten als „talentiert“. Sie organisierten zahlreiche Feste, wo sie auch „schamlose Tänze“ aufführten. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts bezeichnete man die Versammlung von Schwarzen, die zum Klang ihres Trommeln tanzten als „tango“. „Tango“ war auch ein Synonym für Tanz der einfachen Leute oder auch „geschlossener Ort“, den man nur als Eingeweihter betreten durfte, an dem religiöse Riten vollzogen und die Trommeln geschlagen wurden. Die Sklavenhändler nannten den Ort „tango“, an dem sie Sklaven vor dem Einschiffen zusammenpferchten. Vor dem Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnete der Begriff „tango“ keinen klar definierten Musik- oder Tanzstil, sondern die verschiedensten mehr oder weniger ritualisierten Musikarten und Tänze der schwarzen Bevölkerung.

Der Tango hätte 1999 einen runden Geburtstag feiern können. Genau vor 100 Jahren komponierte Manuel Campoamor „El sargento cabral“. Rosendo Mendizabal spielte schon 1897 das Stück „El entrerriano“ in einem sehr bekannten Tanzlokal in Buenos Aires. Diese beiden Ereignisse geben den Anfang einer eigenständiger Musikrichtung, was später tango porteño genannt wurde. Porteño bedeutet zu Buenos Aires gehörend oder Bewohner von Buenos Aires. Dieser ursprünglich schwarzafrikanischer Tanz wurde von den Einwanderer aus Europa verändert und popularisiert.

Viele tangos criollos (criollos - einheimisch) entstanden im Umfled der Bordelle als Dank an gut zahlende Kunden. Manche tragen Namen von Frauen oder Animierdamen. Aus dieser Musikproduktion gehen die Komponisten, die man später die Guardia vieja (die Alte Schule), nennen wird.

*** Der Tango in Paris in zwanziger Jahren

Paris spielte eine große Rolle bei der Verbreitung, Erweiterung und Unformung des Tangos, eine Rolle, die es auch achtzig Jahre später noch einmal spielen sollte. Zu Beginn des Jahrhunderts genoß Paris hohes Ansehen in Argentinien, man betrachtete es als eine der wichtigsten Kulturhauptstädte der Welt. Der Tango kam nach Paris auf verschiedene Wege. Es waren die Seeleute, die die Notentexte zurückließen. Auch argentinische Intellektuelle haben den Tango in Paris verbreitet. Das Ehepaar Gobbi fuhr 1907 nach Paris, um dort Aufnahmen zu machen. Sie haben der Musik die Bekanntheit gebracht. Ab 1911 eroberte der tango argentino die aristokratische Kreise, dann die Varietes und die Tanzlokale der unteren Schichten. Tango wurde zur „Epidemie“ in Paris. Man tanzte ihn Salons, Theater, Bars, Nachtlokalen, Vorstadtkneipen. Der Pariser Gesellschaftstanz, der auf dem tango porteño basierte, war allerdings ganz anders, als der „Tanz der Bordelle“ aus Buenos Aires, es war nämlich viel süßer und netter. Die Reise des Tangos nach Paris, brachte sehr positiv zur Entwicklung dieser Musik- und Tanzrichtung. Der Tango erhielt feste Formen und fasste den Fuß in soziale Schichten, in denen es bisher keine Chancen hatte. Der Papst hat stillschweigend Tango geduldet. Paris liebt das Exotische und dadurch konnte der Tango dort blühten. Es entstanden viele Tanzlokale und Orchester, auch ausländische Musiker erlernten schnell Tango. Schon vor dem Krieg hatte sich Tango in Frankreich und in anderen Ländern Europas eingebürgert und weiterentwickelt.

*** Das goldene Zeitalter des Tangos

In den vierziger Jahren hatte Tango seine volle Reife erreicht, musikalisch wie tänzerisch. Der zweite Weltkrieg führte zu einer großer Nachfrage nach Agrarprodukten, wovon Argentinien profitierte. Mit der Machtergreifung Peróns begann eine neue Ära in der Geschichte Argentiniens und auch in der Geschichte des Tangos (Perón liebte Tango). Der Tango war symbolischer Sieg über die Oligarchie. Der Tango wurde wieder zu dem, was er in den zwanziger Jahren gewesen war: ein Massenphänomen, nun jedoch in nie gekannten Ausmaß. Er war überall, in den Klubs, Salons, Kaffeehäusern, in Filmen und Kinosälen, in den Fußballvereinen. Am Ende der vierziger Jahre gab es nicht weniger als sechshundert Orchester und mehrere tausend Musiker in Buenos Aires. Auch der Tango als Tanz profitierte: es wurde neue Tanzsäle eröffnet und riesengroße Tanzflächen. Im Gegenzug zu dieser Entwicklung verringerte sich die Zahl der Tanzfiguren, und es kam zu Wiederholungen, doch wurde der Tango zugleich auch vielfältiger, und man konnte einzelne Stadtviertel von Buenos Aires an ihren unterschiedlichen Tanzfiguren erkennen. Die für den Tango günstige politische Lage hielt ungefähr so lang an wie der wirtschaftliche Wohlstand. 1955 Perón war gezwungen zu fliehen und die Oligarchie und die Militärs, die die Macht übernommen hatten, lehnten alles ab, was Bezug zu Peronismus hatte, daher auch den Tango, der eng mit ihm verbunden war.

*** Piazzolla und die Avantgarde

Piazzola brachte die geordnete Welt des Tangos durcheinander. Er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens im Ausland: noch als Kind 11 Jahre in New York, dann als Stipendiat der französischen Regierung bei Nadja Boulanger in Paris. Er führte neue Arrangements ein, aber die Kritiken waren vernichtend (wie es so ist, wenn man was Neues schafft). Die Situation spitzte sich zu, als Piazzola 1953 einen Kompositionswettbewerb in den Vereinigten Staaten gewann. Nach dem Konzert kam es zu Krawallen. 1955 kam er aus Paris nach Buenos Aires zurück. Piazolla näherte sich der Rockmusik, dann der zeitgenössischen Musik, er komponierte längere Stücke, wobei er sich immer mehr von gesungenen Tango entfernte und sinfonische Formen aufgriff. Piazolla bewies, dass Tango weder den Gesang noch den Tanz braucht, um existieren zu können, alle musikalische Formen und Techniken (Fuge, Kontrapunkt, Kadenz, Improvisation) können angewandt werden. Der Tango ist in seinen Harmonien und Melodien frei und er ist eine eigenständige Musikrichtung. Piazolla (1990 gestorben) ist unbestreitbar der wichtigste Musiker der jüngsten Epoche des Tangos.

*** Die achtziger Jahre: der Tango in Paris

Tango erlebte in Paris in den achtziger Jahren eine Renaissance, auch wenn er seit Anfang des Jahrhunderts immer mehr oder weniger präsent gewesen war. Für das Wiederaufblühen des Tangos in Europa war das Konzert von Piazolla 1977 im Olympia von Bedeutung. Dadurch wurde Tango bei Musiker und bei dem Publikum bekannter. Es wurden verschiedene Ensembles gegründet, darunter auch Les Trottoirs. Auf dieser Bühne standen die besten Musiker: das Sexteto Mayor, die Tänzer- und Musikertruppe Tango Argentino, das Duo Salgán/de Lio und andere.

Eigentlich ist Tango seit Anfang 20. Jahrhunderts auf Weltreise. Die Kraft dieser Musik und dieses Tanzes liegt in der Natur des Tangos, immer wieder ihre Formen zu erneuern und zu variieren, neue soziale Schichten zu begeistern und dabei doch Tango zu bleiben.

Meine Erfahrungen mit Tango

Ich liebe tanzen und Tango ist eine fantastische Expressionsform. Allerdings habe ich bis jetzt kein Tango getanzt (ich meine Tango Argentino)! Ich möchte auf jeden Fall damit anfangen und diese Recherche waren mein erster Schritt dazu. Ich konnte Tango von den besten Tänzern sehen (einmal in Warschau, wo die Weltmeister tanzten und einmal auf der Expo in Hannover) und er hat mich sehr beeindruckt. In Deutschland gibt es in fast jeder großen Stadt eine Tango-Schule. Es gibt auch Tango Fachgeschäfte (z.B. mit Schuhen) oder Tango-Zeitschriften. In Stuttgart gibt es die Deutschland Sektion der National Akademie des Tangos – Academia Nacional del Tango de Alemania. Ich kann von dieser Stelle auch ein Buch empfehlen, von dem ich auch die Infos zu diesem Artikel gefunden habe. Das Buch gilt als Standardwerk:
Michel Plisson „Tango“, Palmyra Verlag, Heidelberg 2002 mit dem Vorwort von Horacio Ferrer. Die beiligenden CD dokumentiert die Vielfalt des Tango und enthält seltene historische Einspielungen.

Falls jemand noch Fragen habt, bitte zögere nicht, mir eine Nachricht zu schreiben. Ich freue mich auch auf Eure Erfahrungen mit Tango und über Tanzen allgemein.

Danke für das Lesen und Kommentieren.
   
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