Tanzsport

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Tanzsport - ein Abenteuer mit Suchtfaktor
Erfahrungsbericht von w_f_weber über Tanzsport
09.07.2003


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Der beste Sport zu Zweit
Kontra: nichts

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Nachdem ich zum Thema „Tanzen“, das ja bei ciao leider nur ein Schattendasein fristet, bereits einige Male als Kommentator zu Berichten tätig gewesen bin, nehme ich nun heute die Tastatur selbst in die Hand und berichte über mein liebstes Hobby, das Tanzen, das meine Frau und ich als Turniersport betreiben.

Wir sind wir zum Tanzen gekommen?

Auf der Suche nach einem Hobby, das man als Paar gemeinsam betreiben kann blieb nach Anwendung des Ausschlussverfahrens (Fußball, Segelfliegen, Kickboxen und Bierdeckelsammeln blieben auf der Strecke) das Tanzen als logische Konsequenz übrig. Schnell fanden wir einen Tanzsportverein in unserer Nähe und wir meldeten uns dort in einer Breitensportgruppe an, wo die verschütt’ gegangenen Kenntnisse aus der Tanzschulzeit schnell aufgefrischt wurden. Nach einiger Zeit dort verspürten wir den Drang nach mehr Bewegung und Sportlichkeit und entschlossen uns, mit dem Turniertanz Standard anzufangen. Wir hatten damals keine Ahnung, worauf wir uns damit eingelassen hatten.

Was ist Turniertanzen eigentlich?

Im Unterschied zum Tanzen in der Tanzschule und zum Breitensport im Verein (obwohl es da auch Turniere gibt), muss man es sich beim Turniertanzen gefallen lassen bewertet zu werden. Dies wird von freundlichen Damen und Herren am Parkettrand – Wertungsrichter genannt – vorgenommen. Man tanzt also auf einem Turnier gemeinsam mit einigen anderen Paaren, die ebenfalls vom Tanzvirus befallen sind und wird mehr oder weniger wohlwollend begutachtet. Dabei gilt folgender Grundsatz: „Wenn Du den Wertungsrichter nicht beeindrucken kannst, versuche ihn zu verwirren!“. Aber erst mal der Reihe nach:

In DeutschenTanzsportverband (dtv) ist das Turniertanzen nach Alters- und Leistungsgruppen organisiert. Im Erwachsenenalter geht dies über Hauptgruppe I und II bis nach Senioren I, II, und III, letztere für Paare 55 Jahre und älter, woraus man schon mal erkennen kann, dass Turniertanzen etwas für jedes Alter ist. Leistungsmäßig steigt man in der D-Klasse ein und arbeitet sich mit steigender Eleganz und Sportlichkeit über die C, B und A-Klasse in die S-Klasse vor. Dieser Prozess ist durch ein Punkte- und Platzierungssystem festgelegt und zieht sich meist über mehrere Jahre hin.

In Standardbereich tanzt man in den höheren Klassen 5 Tänze und das sind der Langsame Walzer, Tango; Wiener Walzer, Slow Fox und Quick Step von denen jeder seine eigene Charakteristik hat.

Was muss ich machen, um Turnier tanzen zu können?

Bevor man vom Breitensport ins Turniergeschehen einsteigt ist erst mal harte Arbeit an den eigenen körperlichen Unzulänglichkeiten angesagt. Denn Turniertanz verträgt sich schlecht mit folgenden Attributen: Übergewicht, Hohlkreuz, Rundrücken, Vollbart usw. Dies geschieht in Verein zum einen im sogenannten Gruppentraining gemeinsam mit anderen Paaren betreut vom Trainer und mehrmals pro Woche im freien Training, wo man mit sich und seinem Partner alleine gelassen das erlernte in die Tat umsetzen soll. Hier zeigt sich, ob die (Tanz)beziehung zwischen Mann und Frau unter Stressbedingungen funktionieret. Es kommt nämlich dabei öfters zu sogenannten „Interaktiven Fachgesprächen“ nicht unähnlich dem im Volksmund als „Ehekrach“ bekannten Auseinandersetzungen. Fortgeschrittene Paare begeben sich dann noch, je nach Ehrgeiz und Geldbeutel mehr oder weniger regelmäßig in die Obhut eines Trainers, Privatstunde genannt. Es kursiert das (scherzhafte?) Gerücht, dass Spitzenpaare dort schon den Gegenwert eines Häuschens in die Perfektion einer einzelnen Figur gelassen haben.

Hat man also durch intensives Training erst mal die wichtigsten körperlichen Handycaps beseitigt und in der Folge Bein gewisses Bewegungsgefühl, Haltung, Dynamik und Eleganz erreicht, geht’s auf das erste Turnier – wie gesagt man startet die Karriere in der D-Klasse. Dort ist dann die Aufregung und Nervosität am Anfang groß, aber mit etwas Glück und Können schafft man es über Vorrunde, ein oder mehrere Zwischenrunden in die Endrunde und das ist auf einem Turnier das erklärte Ziel aller Teilnehmer. Zur Belohnung gibt es am Schluss vom ausrichtenden Verein eine Urkunde und vielleicht ein Pikkolöchen für die Damen und was am wichtigsten ist, die begehrten Punkte für den ersehnten Aufstieg ins Startbuch. Turniere werden in allen Klassen in ganz Deutschland immer an Wochenenden ggf. auch an Feiertagen ausgerichtet. Man meldet sich an und fährt los, unter Umständen hunderte von Kilometern, denn auf die Ausrichtung auf ein Turnier in der eigenen im näheren Umkreis zu warten ist sinnlos.

Was braucht man noch zum Turnier Tanzen?

Außer Spass an der Bewegung zur Musik braucht man natürlich Tanzschuhe und für’s Turnier eine spezielle Kleidung, für die Dame das elegante Turnierkleid und für den Herrn den Frack nebst Zubehör. In den unteren Klassen reichen auch abgespeckte Versionen dieser Kleiderordnung. Ein fahrtüchtiges Auto braucht man natürlich auch, um einigermaßen bequem die gewaltigen Entfernungen von zu Hause zum Turnierort zurücklegen zu können. Man kann sich denken, dass all dies einen gewissen finanziellen Aufwand mit sich bringt, den man im Allgemeinen als Nicht-Mannschaftssportler selbst zu tragen hat.

Warum tut man sich das eigentlich an?

Gute Frage, aber kurz gesagt, wenn man mal von dem Turniertanzvirus angesteckt ist, kriegt man ihn nicht mehr los. Wir haben uns mittlerweile aus bescheidenen Anfängen in die Senioren II A –Klasse hochgetanzt, was für uns schon eine gewisse Leistung ist. Außerdem trifft man immer wieder Gleichgesinnte und die Geselligkeit kommt auch nicht zu kurz.

Für die Paarbeziehung und Harmonie ist dieser Sport sicherlich förderlich, denn im Training kabbelt man sich übers Tanzen so ausgiebig, dass im Privatleben zu Hause eigentlich kein Streitthema mehr übrig bleibt. Auch die besonders für uns Männer lästige Frage: „Was machen wir nächstes Wochenende?“ beantwortet sich von selbst. Somit fällt auch der uralte Vorwurf der Frau an den Mann: „Du unternimmst nichts mehr mit mir!“ automatisch weg. Wenn das keine Vorteile sind, diesen Sport auch für Männer schmackhaft zu machen. Nach einem (erfolgreichen) Turnier fühlt man sich, als könne man Bäume ausreißen und hat für den Rest der Woche gute Laune, was auch dem Eheleben zugute kommt ......

Ein ganz wichtiger Grund ist die körperliche Fitness, die man durch diesen Sport automatisch erwirbt. Wir brauchen kein Fitness Studio und haben keine Rückenprobleme, denn durch die für ein elegantes Tanzen obligatorische Streckung in der Wirbelsäule, wird diese und die zugehörige Muskulatur automatisch bestens trainiert. Im Training fließt der Schweiß in Strömen, also bekommen wir auch eine prima Kondition. All dies bei schöner Musik, was will man mehr.

   
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