Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Wrack an sich |
| Kontra: |
z . T . sehr viele Tauchboote |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Im März '98 habe ich mich mit Freunden im Rahmen einer Tauchsafari (3 Tage) auf dem Weg zum Wrack der Thistlegorm (Shab'ab Ali, Sharm el Sheik) gemacht.
Nachfolgend meine Beschreibung des Wracks und meine Eindrücke:
Zum Wrack selber:
SS Thistlegorm (die blaue Distel)
Position: 27°48.480'N 33°55.210 E
Wracktiefe von 17 bis 33 Meter.
Erbaut 1940 in Lloyds in Sunderland / England (Lloyds Registercode ELWQDF)
126 Meter lang und 18 Meter breit.
Versenkt 1941 durch einen deutschen Heinkel-HE 111 Bomber -> 9 Todesopfer und 40 Verletzte.
Eingesetzt war das Schiff zur Versorgung britischer Streitkräfte in der Wüste Nordafrikas.
Enthaltene Ladung:
- Lastwägen, Jeeps
- BSA- und Norton-Motorräder
- Lokomotivtender
- Reifen jeglicher Art
- Flugzeugtragflächen
- Gewehre, Munition und Granaten in Unmengen
- Gummistiefel !!!
Am zweiten Tag der Safari, nachdem wir von Hurghada aus die wellenreiche Straße von Gubal (ich kann Euch sagen, danach war ich mit der Kloschüssel per Du) überquert hatten, waren wir endlich da.
Glücklicherweise ankerten nur drei Schiffe am Wrack, normal sind es weit mehr. Unser Boot wurde direkt an der Thistlegorm (an den Pollern am Wrackbug auf ca. 20 Meter) festgemacht.
Nach einem sehr ausführlichen Briefing, was auch von Nöten ist, ging es dann los.
Rein ins Wasser. Unter uns nur das Ankerseil, welches sich im Blau der Tiefe verlief. Wir tauchten am Ankerseil ab. Langsam, aber immer deutliche zecihneten sich im tiefen Blau des Meeres noch dunklere Konturen ab. Nach ca. 15 Metern konnte man es erkennen:
Ein riesiges Stahlungetüm war unter uns -> das berühmte Wrack der SS Thistlegorm.
Deckaufbauten, offene Laderäume. Auf dem Vorschiff eine Ankerwinde, der Fockmast. Dann, ganz nah am Wrack, erkennen wir es ganz deutlich.
Die SS Thistlegorm steht aufrecht auf dem Meeresgrund, also ob sie bereit wäre zum Auslaufen.
Wir erkennen auch, dass die vordere Seite der Thistlegorm fast unbeschädigt, der hintere Teil, nach dem dritten Laderaum, total zerfetzt ist.
Hier hat also die Fliegerbombe eingeschlagen.
Vom Bug her betauchten wir langsam und voller Ehrfurcht, entgegen der relativ starken Strömung, das Wrack, besser gesagt ein auf dem Meeresgrund liegendes Kriegsmuseum.
Vorbei an den Ankerzugeinrichtungen in Richtung des ersten Laderaumes. Auf dem Deck sind festgezurrte Lokomotivtender zu erkennen.
Wir entschließen uns, ganz vorsichtig in den ersten Laderaum einzutauchen. Langsam gleiten wir hinein. Im Laderaum erkennen wir sauber aneinander gereite Lkw's, auf deren Ladeflächen immer vier Motorräder aneinandergereit verladen sind.
Jetzt wissen wir auch weshalb für den Tauchgang eine Lampe benötigt wird - ziemlich dunkel in den Ladräumen.
Dann geht es weiter in den zweiten Laderaum, genau das gleiche Bild. Lkw's, Motorräder und Jeeps, soweit der Lampenschein reicht.
Plünderer waren hier auch schon am Werk - kaum ein Fahrzeug hat noch ein Lenkrad, zum Teil sind auch die Rundinstrument ausgebaut. Ein wenig Zorn kommt deshalb bei mir auf.
Im dritten Laderaum dann etwas Neues. Flugzeugtragflächen akurat übereinander gestapelt. Wir schauen in die andere Richtung - ein Berg voll Gummistiefel. Gut erhalten, Farbe schwarz, Größen 28 bis 46. ein halber Laderaum voll.
Zu was braucht man im Wüstenkrieg bitte Gummistiefel denk ich mir - das gibt doch Käsfüße ohne Ende bei der Hitze ;-)
Wir tauchen wieder aufs Deck uns sind an der Detonationsstelle angelangt.
Und dann müssen wir umkehren, denn mein Tauchpartner und ich haben nur noch knapp unter 100 Bar Luftvorrat und sind fast an der Dekogrenze angelangt.
Also, langsam ein Stück hoch und in der Strömung zurück zum Ankerseil, um aufzusteigen.
Jetzt stellen wir auch fest, dass die Strömung zugenommen hat. Wir treiben ehrfurchtsvoll an den Deckaufbauten vorbei. Was war hier los als die Bombe eingeschlagen hat - Panik, Geschrei,... - ich kann es mir ungefähr vorstellen!
Langsam steigen wir unter Zuhilfenahme des Ankerseiles unseres Tauchbootes auf, was anders, auf Grund der Strömung gar nicht möglich wäre.
Sicherheitsstop auf 5 Meter, dabei am Seil hängen wie Lametta im Wind, auftauchen - Mittagspause!
An Deck unseres Taucbootes dann großes palaver. Ich hab das gesehen, ich das und ich das. Jeder ist begeistert und kann kaum den Nachmittag abwarten.
Nach dem Mittagessen geht's dann wieder los.
Für diesen Tauchgang haben wir uns vorgenommen die Detonationsstelle und das Heck des Schiffes genauer unter die Lupe zu nehmen.
Also los geht's. Wieder am Seil runter und ab Richtung Wrackheck. Vorbei am vierten Laderaum. Jetzt sehen wir genau, was die Bombe für eine Wucht hatte. Uns offenbart sich ein düsteres Schrottgewirr. Darin sehen wir Granaten und Gewehrmagazine welche in diesem Abschnitt der Thistlegorm geladen waren.
Da hinein zu tauchen wäre, auf Grund der scharfen Stahlkanten, viel zu gefährlich.
Wir tauchen wieder in Richtung Heck. Große Deckaufbauten, zwei riesige Geschütze. Weiter geht's zur Schraube, halb in den Sand gebohrt und ein Durchmesser von - egal - auf jeden Fall riesig.
110 Bar, also wieder auf den Rückweg machen, leider. Nochmals gleiten wir über das ganze Schiff - Faszination pur kann ich Euch sagen.
Lange wirken die Eindrücke der beiden Tauchgänge bei mir nach. Man könnte hier, so meine ich, hundert Tauchgänge machen. Man würde jedesmal was neues entdecken.
Unser Tauchschiff legt ab. Ich schaue nochmal zurück und nehme mir vor, nochmal hierher zu kommen. Das muß unbedingt sein.
Die Fahrt geht wider in Richtung Hurghada über die Straße von Gubal. Ich unterhalte mich wieder bestens mir meiner neu gewonnenen Spezialfreundin - der Kloschüssel ;-)
Jeder der im Roten Meer taucht, Erfahrung mit Wracks hat, und die Möglichkeit bekommt zum Wrack der SS Thistlegorm zur fahren, sollte die Chance wahrnehmen.
Man wird es nicht bereuen und Ihr werdet Euch an meine Eindrücke erinnern.
Auszüge aus meinen Logbuch zu den beiden Tauchgängen:
04.03.98 - Wrack der Thistlegorm
32 Meter, 51 Min.
Geil geil geil! Motorräder, Autos, Lkw's, Gummistiefel, Eisenbahntender, Flugzeugteile, Waffen - absoluter Wahnsinsstauchgang!
04.03.98 - Wrack der Thistlegorm
30 Meter, 53 Min.
Neben den Kriegsgegenstände auch noch Kroko-Fische, Skorpionsfische, Napoleons und vieles mehr gesehen - gigantisches Wrack!
Ich selber war wie gesagt im Rahmen einer 3-Tages-Nordsafari, welche vom Jasmin Diving Center in Hurghade durchgeführt wurde, am besagten Wrack.
Das hat riesig Spass gemacht - auch Dank der guten Organisation vom Jasmin DC.
Viel Spass am Wrack - wenn ihr mal hinkommt.
Markus
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