Telis Finanz AG

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... Da die Firma ein Strukturvertrieb ist (die Provisionsverteilung ähnelt einem Schneeballsystem) sucht die Telis Finanz stets neue Mitarbeiter. Der Gedanke der unabhängigen Beratung, die Selbstständigkeit und die Verdienstaussichten gefielen mir sehr, wurden doch 5.000 Euro monatlich nach ... Bericht lesen





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1-6 von 46 Erfahrungsberichten    
> Alle 46 Telis Finanz AG Erfahrungsberichte anzeigen
Die Wahrheit über Telis Finanz: Auf den Berater kommt es an
Erfahrungsbericht von tacoloco über Telis Finanz AG
09.05.2009


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Gute Aufmachung, mit dem richtigen Berater kann es als Kunde wirklich Vorteile bringen
Kontra: "Finanzanalyse" kostet 70 Euro und ist nicht unabhängig, schlechter Arbeitgeber

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

Zum ersten Mal nahm ich das Unternehmen durch eine interessante Stellenanzeige wahr. Nicht die heute üblichen Kleinstanzeigen ("Suchen Datenerfasser"), sondern eine ansehnliche in der Rheinzeitung. Damals bekam ich ein Antwortschreiben, aber den darin angekündigten Anruf erhielt ich nie.

Dennoch hat mir die gesamte Darstellung gefallen, die "Unternehmensberatung für den privaten Haushalt", die dem kleinen Mann zu beiderseitigem Nutzen die Kosten senkt. Zudem wollte ich selbst mal in den Genuss dieser Dienstleistung kommen. Allerdings erfuhr ich erst, als die sympathische junge Dame (Finanzdatenerfasserin, kurz FDE) bei mir war, dass die Analyse regulär 70 Euro (!) kostet. Ich ließ mich dazu überzeugen, schließlich könnte man diese Kosten steuerlich gelten machen und vielleicht noch mehr als das einsparen. Lustig war, dass zu Ihrem Standarttext gehörte, dass Sie keine Anzeigen in großen Zeitungen machen würden, obwohl ich die Firma genau dadurch kennen lernte ;-)

Die Analyse selbst ist wirklich gut gestaltet und nimmt wirklich alle wesentlichen Daten auf, wobei es am Ende höchst persönlich wird: Fragen zu vorhanden Vermögen, Gehalt und Krankheiten. Im Anschluß wird das "Family & Friends" Programm zur Freundschaftswerbung vorgestellt. Bereits hier wird man vom FDE nach Empfehlungen gefragt.

Rund eine Woche später erhielt ich den Anruf, dass die Analyse nun von der unabhänigen Gesellschaft für Wirtschafts- und Verwaltungsservice mbH (kurz GWVS) zurück sei und mir der Finanzberater diese in der Kanzlei vorstellen möchte. Hier fühlte ich mich wirklich vor den Kopf gestoßen: Anstatt der Berater zu mir kommt, mußte ich nun den ganzen Weg in die "Kanzlei" auf mich nehmen. Dort angekommen schaute mich die Sekretärin an, als ob ich mich verlaufen hätte... Nachdem ich mich vorstellte, sollte ich zuerst im Wartezimmer Platz nehmen. Das war der 2. Stoß vor den Kopf, in der Branche kommt der Berater normalerweiße direkt und zu einem nach Hause, denn der Kunde ist König!

Die Beratung selbst war im wesentlichen korrekt und schlüssig erklärt. Allerdings erklärte er den Unterversicherungsverzicht (UVZ) in der Hausratversicherung falsch und wie ich später lernte, war auch die Erwerbsunfähigkeitsrentenberechnung nicht korrekt, da Sie nicht berücksichtigte, dass ich seinerzeit noch Azubi war.

Da die Firma ein Strukturvertrieb ist (die Provisionsverteilung ähnelt einem Schneeballsystem) sucht die Telis Finanz stets neue Mitarbeiter. Der Gedanke der unabhängigen Beratung, die Selbstständigkeit und die Verdienstaussichten gefielen mir sehr, wurden doch 5.000 Euro monatlich nach einem Jahr als unproblematisch dargestellt. Es gab eine tolle Einführung und nette Veranstaltungen in der Zentrale in Regensburg.

Die Kollegen waren häufig ehemalige Bankmitarbeiter, die froh waren, ohne feste Produktvorgaben arbeiten zu können. Die Tätigkeit machte zuerst wirklich Spaß, dann stellte ich nach und nach immer mehr Lügen fest:

- Neue Mitarbeiter werden damit geködert, dass man bei bestehenden Mandanten Finanzdaten erfassen solle. In Wirklichkeit geht es darum, auf selbstständiger Basis Neukunden zu werben.
- Die große "Interessentenliste", die uns dazu gezeigt wurde, bekamen wir auch auf Nachfrage nie zur Verfügung, statt dessen war Telefonbuch abtelefonieren unter dem Deckmantel der Marktforschung angesagt
- Die "Interessentenliste" war nur deshalb so groß, weil der Berater die Daten nie löschte, selbst wenn er beim fünften unerwünschten Anruf wieder abgewimmelt wurde.
- An einer Finanzanlayse (FA) verdient der FDE nicht lebenslang, sondern nur bis zur nächsten FA (i. d. R. also nur 2 Jahre)
- FDE, die nicht mehr regelmäßig in die "Kanzlei" kommen, wurden einfach nicht mehr auf die Provisionszettel der von Ihnen Kunden geschrieben
- Im Zweifel empfiehlt der Berater das besser provisionierte Produkt ("Der Kunde merkt den Unterschied nicht")
- Die FA wird bis auf die Renten- / Versorungslückenberechnung nicht von der GWVS ausgefüllt, sondern durch den Berater vorgegeben
- Die GWVS ist nicht unabhängig, sondern eine Telis-Tochter
- Es wird so getan, als ob die Telis unter allen Angeboten das beste raussucht. Das passiert in der Regel nicht. Der Berater sucht aus, welches Produkt in der FA erscheint. Bei den Unfallanträgen der Continental z. B. war bereits das Telis-Logo aufgedruckt, spätestens da müßte es beim Kunden klingeln...


Außerdem interessant:
- Die versprochene Starthilfe in die Selbständigkeit bei der Telis bestand rein aus der Förderung des Arbeitsamt und der Unterstützung, diese zu bekommen
- Es wurden monatlich "Powerdays" abgehalten, dass sind Schulungs- und Klatschveranstaltungen, bei denen die Teilnahme höchst erwünscht war und jeweils rund 50 Euro kostete
- Gelegentlich gabs Seminare, deren Teilnahme erwünscht war und durchaus dreistellige Beträge kosteten
- Man ist zwar formell selbstständig, bekommt aber viele Vorgaben, die für deutliche Einschränkungen sorgen. So sollte man z. B. ständig in die Kanzlei kommen und dann noch monatlich einen mittleren dreistelligen Betrag für Miete und Nebenkosten abdrücken
- Obwohl ich selbstständig war, bekam ich von meinem Strukturhöheren einen "Anschiss", der unter aller Kanone war, weil ich es wagte, mir 4 Tage "frei" zu nehmen
- Der beste IHK Abschluss unter allen Beratern war eine gute 3, ein sehr schlechtes Ergebnis.
- Dass der Kunde "Mandant" stets zur Beratung in die "Kanzlei" kommen soll (um die tolle Einrichtung zu sehen und weil der Berater alles was er braucht, vor Ort hat) und 2-5 Minuten Wartezeit auf den Berater sind Masche (soll suggerieren, das man sich mit jemand besonderem trifft auf den man wartet, wie beim Arzt oder Anwalt)
- Wer keinen Erfolg mehr verspricht wird fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel. Schließlich arbeitet er selbstständig auf eigenes Risiko und sein Umfeld war dann bereits abgegrast...
- Die meisten Kunden werden über Anrufe nach Empfehlungen geworben. Da diese Anrufe unangekündigt und ungewünscht erfolgen, sind diese Verboten.
- Als Vollzeitmitarbeiter ist TÄGLICHER Kontakt zum Strukturhöheren gewünscht, also morgens in der Kanzlei und Abends am Telefon
- Die 70 Euro gingen nicht rein an die GWVS, sondern wurden zwischen FDE, Kanzlei und GWVS aufgeteilt.
- Der Berater kann alle Leistungen, außer die FA, auch ohne die Zahlung von 70 Euro erbringen


Fazit für Kunden: Die Finanzanalyse ist viel teures Papier für Informationen, die man sonst auch kostenfrei bekommt. Also keine 70 Euro dafür hinblättern! Ein Makler muß versprechen, das Beste für einen selbst raus zu holen. Die Telis Finanz nicht! Wenn der Berater stimmt, kann es dennoch reelle Vorteile bringen.


Fazit für Arbeitssuchende: Das System sieht zunächst gut aus, in der Praxis machen aber die "unten" die ganze Arbeit für wenig Provision, während die "oben" automatisch an allem kräftig Mitverdienen. Es ist unwahrscheinlich dort hin zu kommen und moralisch fragwürdig dort zu sein. Kaum jemand ist bereit 70 Euro für etwas zu bezahlen, dass "wie Sand am Meer" kostenfrei angeboten wird. Ich rate davon ab, selbst für die Telis tätig zu werden.   

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14.09.2007
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01.11.2006

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