Was in aller Welt ist ein TI 99/4A ?
30.04.2001 (05.05.2001)
Pro:
Es erinnert einen an früher
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
 rapp
Über sich:
Mitglied seit:10.04.2000
Erfahrungsberichte:23
Vertrauende:1
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Viele werden den TI 99/4A gar nicht kennen. Es ist kein Taschenrechner, sondern war ein typischer Vetreter der Gattung der Homecomputer aus den frühen 80er Jahren. Schaut mal unter www.zock.com nach, dort gibt es die teilweise raren Exemplare zu besichtigen.
Aber weiter: was war ein Homecomputer und was hat ihn von einem PC unterschieden ? Zuerst der Preis, PC`s lagen Anfang/Mitte der 80er Jahre in Preisregionen jenseits von 5000 DM, eine 5 MB (!) Festplatte kostete mit Controller etwa 2500 DM. Eine 3,5" Diskette (einseitig, 360KB) kostete etwa 6 DM. Die zweiseitigen 2DD 720 KB wie z.B. für Amiga oder Atari ST 3 DM als NoName und 4 DM als Markendisketten. 3,5" Laufwerke waren absoluter Luxus, kosteten um die 500 DM (heute 30 DM). 5,25" Disketten waren das verbreiteste Medium. Für einen Monitor mußte man in etwa soviel hinlegen wie heute 400-500 DM.
Die Homecomputer benutzten einfache Musikkasetten zum speichern und angeschlossen wurden sie via HF-Modulator an den Fernseher. Auch der erste IBM-PC konnte noch an einen Casettenrecorder angeschlossen werden. Der Preisverfall war auch damals schon rapide, so kostete der TI 99/4A 1981 als er auf den Markt kam 2100 DM, später wurde er für knapp 300 DM verramscht. Der nächste Vorteil war, daß die Homecomputer ihr Betriebssystem eingebaut hatten, meist ein Basic - während PC´s schon damals booten mußten und DOS oder CP/M verlangten. Was ist CP/M ? CP/M war DAS Betriebssystem bevor Bill Gates DOS kaufte. Entwickelt wurde es von Garry Killdall der die Fa. Digital Research gegründet und CP/M entwickelt hat. Er mußte sich damals eine 8" Diskette leihen (!) um anfangen zu können. 8" Disketten kosteten in den 70ern 500 US Dollar das Stück ! CP/M hätte vielleicht heute die Stellung wie DOS bzw. Windows hat. Als IBM den PC entwickelte, suchten sie ein passendes Betriebssystem und wollten CP/M haben. Nur war Garry Killdall während die IBM´ler da waren mit seinem Flugzeug unterwegs und so machte Bill Gates das Geschäft, indem er kurzerhand Q-DOS kaufte und MS-DOS daraus machte. Ähnlich erging es Texas-Instruments im Computermarkt. Der TI 99/4A hatte einen von TI entwickleten Prozessor intus und andere Firmen wie Commodore oder Atari hatten die Befürchtung den kürzeren zu ziehen da ja auch sie bei TI die Chips kaufen mußten, und das natürlich zu einem höheren Preis als TI selbst. Der Prozessor war eigentlich ein 16 Bit Prozessor der mit 3,3 Mhz getaktet war. Aber TI hat ihn nur mit 8Bit und 3 Mhz eingesetzt. Und mit dem eingebauten Basic war er langsamer als seine Konkurrenten Commodore und Atari. Die Verkaufszahlen gingen zurück und man entwickelte noch weitere Rechner, die aber offiziell nie erschienen. Mitte der 80er als das Homecomputersterben anfing hat auch TI die Produktion eingestellt. Wobei sie ein Produkt hätten entwickeln können, das der Konkurrenz das Fürchten gelehrt hätte.
Ich bin vor ca. 2 Jahren per Zufall wieder auf den TI 99/4A gekommen, als ich im Keller aufgeräumt habe. Es ist eine Herausforderung Software zu schreiben die in einen 16 Kilobyte (keine Mega - Kilo) großen Speicher passen. Mittlerweile besitze ich an die 10 Geräte... Was war so besonders an den Geräten ?
Damals, Anfang der 80er Jahre konnten wir uns einen Rechner als Schüler natürlich nicht leisten. Wir haben uns an den Schaufenstern indem die Spielmodule lagen die Nasen plattgedrückt - Pacman oder Space-Invaders war für uns unerreichbar. Auch sah man in den frühen 80er Jahren in Computern Teufelszeug das Arbeitsplätze vernichtet usw. vor allem die ältere Generation die unsere Eltern waren. Da gabe es regelrechte Sabotage an Computern, wie ein Glas Salzsäure vor den Lüfter stellen, damit sich die Kabelisolierungen auflösten. Nach der Schule fuhren wir mit dem Bus (schwarz, Fahrkarten konnten wir uns nicht leisten) in die nächste Stadt zu Quelle, die hatten Computer ausgestellt an denen man herumhacken konnte.
In der Stadtbücherei gab es ein Buch über Basic Programmierung. Es klingt heute blöd, aber ich konnte programmieren, bevor ich überhaupt einen Rechner hatte, da ich das Buch auswendig konnte und mir auf dem Papier Programme aufschrieb und dann bei Quelle in den Rechner hackte. 1985 hatte ich durch allerlei Kleinjobs etwas Geld gespart und mir einen 99/4A gekauft. Geld für Software hatte ich natürlich nicht, so habe ich Nächtelang Programmlistings aus Zeitschriften abgetippt um dann festzustellen daß ich mich zigmal vertippt hatte. 4 Wochen später kam dann die nächste Ausgabe heraus, und dort konnte man dann die Druckfehler herauslesen die in der vorigen Ausgabe gemacht worden sind. Dazu kam noch das schlechte flimmernde Bild des Fernsehers das die Fehlersuche auch nicht gerade erleichterte.
Heute mache ich das wieder, denn Software auf Kasette ist rar bis überhaupt nicht zu bekommen. Wer welche hat - leihweise, schicke mir bitte eine Mail.
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03.03.2013 16:54
Kommt mir alles sehr bekannt vor. Waren schon schöne Zeiten, als man sich "Vier gewinnt" oder PacMan noch selbst programmieren "musste". dass mit der Kassette war übrigens eine Katastrophe - nicht nur für die Ohren ...
31.08.2007 00:34
Sehr guter Bericht, der einem Crash-Kurs in Sachen Homecomputergeschichte gleicht !!!
08.01.2006 09:17
Bravo! Eine nette Lektion in der Geschichte der Homecomputer die du hier anbietest! Ich komme auch noch aus dieser Zeit, konnte aber leider keine Software für den TI 99/4A retten. Wünsche dir alles Gute bei der Suche danach!