The Door in the Floor (2004)

The Door in the Floor (2004)

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Im Kino war ich erst gestern. Sprachlos (na ja, jedenfalls fast) bin ich noch heute. Dieser Film ist verstörend, irritierend, philosophisch, traurig, humorvoll und wunderschön. Wenn ich sechs oder zehn oder hundert Punkte vergeben könnte, würde ich es tun. Wenn ich fair wäre, würde ich hier ... Bericht lesen





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Verkehrsunfall haben Ted und Marion ihre beiden
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nicht fertig. Marion leidet leise vor sich hin und
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zu lieben, die mit den Fotos ihrer verstorbenen
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Colesaw, bittersüss
Erfahrungsbericht von Dr_Labude über The Door in the Floor (2004)
22.10.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Dafür schreibe ich gerne meine erste Filmkritik
Kontra: Dafür würde ich gerne bessere Filmkritiken schreiben können

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Im Kino war ich erst gestern. Sprachlos (na ja, jedenfalls fast) bin ich noch heute. Dieser Film ist verstörend, irritierend, philosophisch, traurig, humorvoll und wunderschön. Wenn ich sechs oder zehn oder hundert Punkte vergeben könnte, würde ich es tun. Wenn ich fair wäre, würde ich hier aufhören, damit Sie den Film ganz unbefangen selbst sehen können. Dann hätte ich aber keine 120 Wörter und würde lauter böse Bewertungen kriegen. Also schreibe ich doch ein bisschen mehr.

Der Film „Door in the Floor“ ist fast ein Kammerstück in dessen Zentrum Ted (Jeff Bridges) und Marion Cole (Kim Basinger) stehen. Alle anderen Schauspieler (auch die dritte Hauptperson Eddie – Jon Foster) werden, so gut sie auch spielen, zur Staffage. Ein seltsames Paar. Er ist erfolgreicher Autor von Kinderbüchern und sie depressiv. Das ganze Haus ist ein Schrein für die beiden Söhne. Etwas Furchtbares muss passiert sein. „Lass uns eine Trennung versuchen. Erstmal nur für diesen Sommer“. Sie nimmt es ungerührt zur Kenntnis. Ted heuert einen Assistenten an, den jugendlichen Eddie. Nicht weil er wirklich einen Assistenten bräuchte. Er sieht einem der Söhne ähnlich.

Oberflächlich ist alles so einfach: Die Ehe ist kaputt. Die vierjährige Ruth sollte das Leben der Eltern kitten, aber die Mutter kann sie nicht annehmen. Der exzentrische und sarkastische Vater sucht sich seine Fluchten durch Affären, nein, durch den Gebrauch von Frauen aus der Umgebung. Die Mutter geht ein Verhältnis mit dem jungen Assistenten ein, in dem sie ihren Sohn erkennt. Einfach also. Durchgeknallte, kalte Oberklasse. Reich, oberflächlich.

Und doch ist alles so kompliziert. Man versteht die Mutter nicht, aber man hat Verständnis. Man kann den Vater mit seiner exzessiven Körperlichkeit und seinem Zynismus nicht gut finden, aber man muss sich in ihn versetzen. In den USA hat die bürgerliche Kritik mit fast stereotypischer Ablehnung reagiert, widerspricht er doch allen gängigen Wertvorstellungen. Inzestphantasien, Sex mit Minderjährigen, Mütter, die ihre Verantwortung für das Kind ablehnen – es werden einfach zu viele Tabus gebrochen. Ja, sie werden nicht einmal von Herzen abgelehnt. Der Zuschauer wird vielmehr in ihre innere Logik hereingezogen. Ich glaube, George W. Bush würde diesen Film nicht mögen. Wer es einfach mag: gut ist gut, böse ist böse, meide diesen Film.

Es ist kaum möglich zu beschreiben, was dieser Streifen alles ist: Ein Horrorfilm, weil er eine Atmosphäre unterschwelliger Bedrohlichkeit aufbaut und sie sich auch entladen läßt? Natürlich nicht! Eine Komödie, weil der Film voll subtilen, manchmal bösen Humors ist, wie wir ihn sonst vielleicht von den Coen-Brüdern kennen? Keinesfalls! Ein Ehedrama? Ein Film übers Erwachsenwerden? Einer über das Denken eines Schriftstellers? Eine Gesellschaftssatire? Nichts von dem und doch alles davon hat Regisseur Tod Williams geschaffen.

Als reichte dies nicht, um aus dem Film ein Meisterwerk zu machen, ist er auch noch wundervoll fotografiert und phantastisch erzählt. Die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten gehört zum Besten, was ich auf der Leinwand gesehen habe. Ja, es stimmt, Kim Basinger hat in dem ganzen Film nur einen einzigen Gesichtsausdruck, der eigentlich gar keiner ist. Aber genau so muss es sein. Wenn die Academy einen Funken Ehre hat, muß Basinger für diese Rolle einen Oscar kriegen. Was hätte dieser Film Gelegenheit zum „Overacting“ für Jeff Bridges geboten – es passiert nicht. Alle anderen Charaktere bleiben - wie gesagt - eindimensional und auch das ist gut so. Wie bei einem Bild von Modigliani, in dem nur die wichtigen Stellen akribisch gemalt sind und alles andere zurücktritt.

Der Film wird als Verfilmung des Romans „Witwe für ein Jahr“ von John Irving verkauft. Das ist ein bisschen (allerdings von Irving geduldeter) Etikettenschwindel, denn er behandelt nur einen Ausschnitt aus diesem Buch und auch diesen offensichtlich sehr frei. Nicht schlimm, so kann ich das Buch auch noch lesen.

Den Film habe ich in der Originalfassung mit Untertiteln gesehen. Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte das auch tun, allein schon für die Szene, in der Ted Cole aus seinem Buch „Door in the Floor“ liest. Das dürfte bei der Übersetzung schwer verlieren, wie man ja schon am deutschen Verleihuntertitel „Tür der Versuchung“ sehen kann. Der hat nämlich mit der vielleicht zentralen Metapher des Films nichts zu tun.

Am Tag des offiziellen Filmstarts waren in dem großen Kinosaal gerade mal 8 Menschen. Alle anderen haben etwas verpasst.
   

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(*) Meinungen von Ciao Mitgliedern


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