Erfahrungsbericht über

The Laughing Corpse / Laurell K. Hamilton

Gesamtbewertung (3): Gesamtbewertung The Laughing Corpse / Laurell K. Hamilton

 

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Die Nacht der lachenden Leichen

4  03.07.2004

Pro:
spannend, makaber

Kontra:
recht simple Geschichte

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

mehr


Vampire-Lady

Über sich: !!!MEIN CIS IST GERADE FRATZE!!! "Gar nichts zu tun, das ist die schwierigste Beschäftigung ...

Mitglied seit:26.05.2001

Erfahrungsberichte:509

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 108 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Laurell K. Hamilton ist als Horrorfantasy-Autorin in Amiland schon seit mehreren Jahren beliebt und bekannt. Leider haben die deutschen Verlage sie erst kürzlich entdeckt und begonnen, vorwiegend die Anita Blake Serie und eine Elfenserie zu übersetzen.

Ich wurde auf die Anita Blake Reihe („The Laughing Corpse“ ist der zweite Teil) durch Michi78 aufmerksam, da es sich hierbei im grob betrachtet und weitgehend um „Vampirliteratur“ handelt. Allerdings schob ich die Serie auf meine laaaaaaaaaaaaaaaaaaaange Leseliste. Nicht zuletzt, weil ich faulerweise auf die deutsche Übersetzung warten wollte. Da ebay mein erklärtes Lieblingsspielzeug ist, gelangte ich aber dann doch vor einiger Zeit so durch Zufall (Oooooops mal wieder auf bieten gedrückt *g) an den ersten Teil der Serie (orig. „Guilty Pleasures“), welchen es bereits in deutsch gibt („Bittersüsse Tode“). Das Buch machte Spaß, animierte mich aber nicht dazu meine Englischkenntnisse anzuschmeißen und den Rest zu lesen – dazu musste erst ein Bericht – wieder von Michi78 – über den 5ten Band der Serie kommen (und ein dicker Amazon-Gutschein von so einem Umfragenportal), der mich dann doch neugierig machte.

Vorab eine Liste der Bände:
1. Guilty Pleasures (Bittersüsse Tode)
2. The Laughing Corpse
3. The Circus of the Damned
4. The Lunatic Café
5. Bloody Bones
6. The Killing Dance
7. Burnt Offerings
8. Blue Moon
9. Obsidian Butterfly
10. Narcissus in Chains
11. Cerulian Sins

Die Bände kosten als Taschenbuch (Penguin Verlag) zwischen € 6,49 und 7,49 und haben so zwischen 300 und 400 Seiten, wobei ich nicht weiß, ob Band 11 bereits als Taschenbuch zu haben ist.

Rein sprachlich betrachtet, bereitet mir die Originalversion keine Probleme, obwohl ich die letzten 4-5 Jahre kaum noch etwas englisches gelesen habe. Allerdings ist die Geschichte auch nicht unbedingt anspruchsvoll.

Zumindest empfinde ich aber die Hauptfigur Anita Blake, die Ich-Erzählerin und Protagonistin des Buches, durch die Originalsprache authentischer – dies kann aber auch daher rühren, daß ich sie schon aus dem ersten Teil kenne. So richtig festlegen mag ich mich da nicht.

Zunächst einmal ist mir Anita als Figur ziemlich sympathisch. Sie erzählt die Geschichte im klassischen Detektivgeschichtenstil, wie in alten Humphrey-Bogart-Filmen. Anita hat einen Hang zum makabren, strotzt mit Sarkasmen und vor Selbstironie. Sie ist die knallharte Detektivtype mit der großen Schnauze (und verflucht sich selbst dafür) hat aber einen deutlich weiblichen Touch. Zwar steht sie nicht auf Klamotten oder einkaufen und kleidet sich eher praktisch – trotzdem hat sie die üblichen Weiber-Klamotten-Probleme – nur anders. Anfangs hat es mich echt genervt, daß sie ständig drüber nachdachte, welchen Ballermann sie nun einstecken will oder kann und mit welchen Klamotten sie das Teil dann wiederum halbwegs verstecken kann. Irgendwann wurde das dann aber doch zum Running Gag. Wahrscheinlich mag ich Anita, weil ich mich in einigen Punkten in ihr wieder finde.

Die Geschichte spielt in unserer Zeit (in St. Louis USA) mit dem Unterschied, daß dort Vampire, Zombies, Wertiere und was auch immer fröhlich mit herumkrebsen. Ulkigerweise sind ausgerechnet die USA das einzige Land der Welt in dem Vampire legal existieren können.

Anitas Job:
Anita hat eine besondere Fähigkeit aus ihrer mütterlichen Linie geerbt. Sie ist ein Animator, was bedeutet, daß sie Zombies zum aus dem Grab hüpfen animieren kann. Dies ist nötig, wenn der Verblichene beispielsweise noch als Zeuge aussagen muß („sag ma, wer hat dich gemördert?“) oder sein Testament nicht geregelt hat – und wird ziemlich gut bezahlt – sehr zur Freude von Anitas geldgeilem Chef. Der schleppt ihr den schwerreichen Gaynor an, der für ein paar Millionen eine 300 Jahre alte Leiche wieder auf den Knochen haben möchte. Anita lehnt ab, da die Erweckung eines so alten Zombie ein Menschopfer erfordert. Leider ist Gaynor aber eine ziemliche Mistpocke und schreckt auch nicht vor Entführung und Erpressung zurück, so daß Anita noch richtig Spaß mit seinen Bodyguards bekommt.

Anitas Nebenjob:
Nebenbei jobbt die gute Frau als Expertin für die Spook Squad der Polizei. Die Spook Squad bearbeitet alle Polizeifälle, die mit Übernatürlichem zu tun haben. Anita hat eigentlich eher beratende Funktion, greift aber doch immer wieder ins Geschehen ein. So auch hier, wo ein verfressener Super-Zombie (normale Zombies sind eher blöde und träge) sich nächtlich in friedlichen Eigenheimen tummelt, die Bewohner in Fetzen reißt und verspeist. Anscheinend hat die ortsansässige Voodoo-Oma Dominga Salvador dabei ihre Hände im Spiel und Anita muß auch ihr einen Besuch abstatten. Die beiden Frauen sind nicht gerade ein Herz und eine Seele, aber durch Dominga wird Anita letztendlich mehr über ihre eigenen Fähigkeiten (die von ihrer Familie eher unterdrückt, denn gefördert wurden) lernen. Der Spaß mit Dominga ist auch nicht weniger aufregend, als der mit Gaynor.

Anitas Privatleben:
Ist eigentlich nicht vorhanden, zumal sie hinter jeden dunklen Ecke einen Fiesling erwartet und ohne Schießeisen wohl nicht mal den Müll herausbringt. Wenig fördernd für die Geschichte in der diesmal die Zombies im Zentrum stehen und in der Vampire eine untergeordnete Rolle (leider) spielen, sind die Passagen mit Jean-Claude. Diesen Meister-Vampir kennt man schon aus dem ersten Teil, wo er Anita das Leben rettete, ihr aber zwei Vampirzeichen verpasst. Somit ist sie sein menschlicher Diener, wie er meint. Anita ist nicht so der dienende Typ, und da Jean-Claude mit Anitas Hilfe nun der Meistervampir (Hamiltons Vampire sind nahe am klassischen Dracula, und ihre sozialen Strukturen, die an die Mafia erinnern) der Stadt geworden ist, besteht da einiges an Diskussionsbedarf. Zumal sein Posten ziemlich wackelig ist, weil einige andere Vampire ihm das nicht zutrauen, wo er doch nicht einmal seine Dienerin Anita bändigen kann. Anita auf seiner Seite oder unter seiner Fuchtel zu haben, wäre für ihn sehr PR-trächtig, hat sie doch unter Vampiren, den Beinamen „Executioner“ weg. Nebenbei verbindet die beiden eine Art Hassliebe, wobei Anita der unzugänglichere Part ist. Jean-Claude ist der dunkle, gutaussehende und kryptisch-geheimnisvolle Typ (und Anita ist eigentlich nicht zu verstehen, warum sie ihn nicht haben will). Die Beziehung der beiden ist also sozusagen der rote Faden der sich durch die abgeschlossenen Geschichten der einzelnen Bände zieht. Zumindest Anita will ihm eigentlich möglichst aus dem Weg gehen – allerdings findet sie hin und wieder doch einen guten Grund als Ausrede (gegen sich selbst), um ihn treffen zu „müssen“.

Ich bin übrigens gerade dabei, den dritten Teil der Reihe zu lesen und glaube mittlerweile sagen zu können, daß man die Bände auch einzeln sehr gut lesen kann. Die Geschichten sind einfach erzählt, decken meist nur wenige Tage im Leben Anitas ab und die wenigen Zusammenhänge, die man zum Verständnis des „roten Fadens“ welcher sich durch die Bände zieht benötigt, werden dem Leser nebenbei vermittelt. Im Grunde genommen, ziehe ich ja Bücher von epischeren Ausmaßen mit mehreren Handlungssträngen vor – was natürlich mit einer Ich-Erzählerin schwer machbar ist. Man muß sich darüber im Klaren sein, daß man eine Geschichte bekommt, die eben am Anfang das Ziel recht genau definiert und gerade darauf zuläuft. „The Laughing Corpse“ ist nicht ganz so actionbepflastert, wie sein Vorgänger – dafür hat der Leser aber endlich Gelegenheit die Charaktere besser kennen zu lernen auf die Anita immer wieder trifft. Ich finde es immer wichtig, wenn Charaktere gut dargestellt sind und ziehe es vor, wenn die Action erst danach richtig losgeht (es sei denn der Autor ist in der Lage beides parallel zu erledigen).

„The Laughing Corpse“ ist dabei nicht weniger temporeich, besticht aber mehr durch makabre Effekte – der Auftritt von Zombies schreit aber geradezu danach selbige ordentlich zu fleddern (und gleichzeitig über deren Bürgerrechte zu philosophieren). Hervorzuheben ist ein Kapitel in dem die zartgebaute Anita gegen einen ihrer superharten Copkollegen eine fröhliche Wette um ein lecker Mittagessen abschließt. Man befindet sich an einem Tatort, an dem ein Zombie sich so richtig satt gegessen hat, und nun geht es darum, wer zuerst Bröckchen lachen muß. Der eine oder andere Leser wird das wohl dann nicht so ganz lustig finden – Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Allerdings würde ich diesen Band jetzt nicht unbedingt jedem empfehlen.

Die Pluspunkte des Buches liegen für mich bei der starken selbstironisch-weiblichen Hauptfigur, natürlich bei dem chicken Vampir und bei dem bösen Humor. Dabei ist die Geschichte wieder so spannend erzählt, daß ich letzte Woche zwei Nachtschichten einlegen „musste“ und an den nächsten Tagen gar zombieesk durchs Büro stolperte.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Siriane

Siriane

19.07.2004 11:06

Vampirgeschichten find ich ja immer toll! Das hört sich ganz interessant an, ich hab im Moment eh nix zu lesen, von daher könnt ich mal guggen was Amazon so zu dem Thema sagt. gruß siri

Michi78

Michi78

12.07.2004 15:07

My work here is done! Was will ich mehr, ich habe einen neuen Anita-Fan gewonnen;-)

Milsch

Milsch

05.07.2004 23:23

ich denke, nach dem bericht kann man sich unter dem buch etwas vorstellen. wäre nicht meine art literatur, aber dein bericht ist klasse.

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